Kopfhörer kaufen: So findest du den richtigen für dich
Kopfhörer sind aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Sie begleiten uns musikalisch beim Staubsaugen, sorgen mit ihrem Noise Cancelling für Stille in der Straßenbahn, stehen uns in Zoom-Konferenzen zur Seite und pumpen beim Training motivierende Beats ins Ohr. Entsprechend erschlagend ist die Auswahl an Kopfhörern, die dich im Elektronikmarkt anspringt. Klein oder groß, leicht oder schwer, mit oder ohne ANC, kabellos oder kabelgebunden? Die Kaufentscheidung wird dir nicht leichtgemacht.
Wir möchten Licht ins Dunkel bringen. HIFI.DE hat über die Jahre Hunderte Kopfhörer getestet – vom günstigen Bluetooth-Kopfhörer zum unsäglich teuren HiFi-Kopfhörer – und kennt sich mit ihren Stärken und Schwächen genau aus. In diesem Artikel stellen wir dir die wichtigsten Kopfhörerarten am Markt vor und helfen dir, schnell zum richtigen Modell zu finden. Damit du die verwirrende Welt der Marketingmaterialien und Datenblätter schnell hinter dir lassen und einfach in die Musik abtauchen kannst.
Bluetooth-Kopfhörer: Über dem Ohr, auf dem Ohr oder im Ohr?
Die wohl beliebtesten Kopfhörer unserer Zeit sind Bluetooth-Kopfhörer. Sie eliminieren nervigen Kabelsalat und lassen dich Musik ohne Strangulierungsgefahr hören. Sie bieten sich besonders für die Nutzung unterwegs an, sind aber auch zu Hause praktische Helferlein. Etwa dann, wenn du beim Telefonieren gern von Raum zu Raum wanderst und dabei gern die Hände frei hättest.

Bluetooth-Kopfhörer gibt es in verschiedenen Formen. Die drei wichtigsten: Over-Ear-Kopfhörer, On-Ear-Kopfhörer und In-Ear-Kopfhörer. Dazu gesellen sich seit geraumer Zeit immer mehr Open-Ear-Kopfhörer. Im Folgenden stellen wir dir die Bauarten genauer vor. Denn wenn du dich einmal für eine Form entschieden hast, grenzt das die Kopfhörer-Auswahl auf einen Schlag erheblich ein.
Over-Ear-Kopfhörer
Over-Ear-Kopfhörer sind die Kopfhörer, die in deiner Handtasche am meisten Platz einnehmen werden. Wie der Name schon verrät, umschließen ihre Ohrmuscheln dein Ohr. Sie sind die Kopfhörer, die am auffälligsten auf dem Kopf sitzen. Dass sie den Kopf so umfassend umschließen, hat aber auch Vorteile. So schafft der stets vorhersehbare Sitz ideale Voraussetzungen für gutes Noise Cancelling. Gleichzeitig sorgt der geschlossene Raum dafür, dass Over-Ear-Kopfhörer deine Musik besonders gut um deine Ohren herum aufbauen können.

Wie du siehst, haben Over-Ear-Kopfhörer Vor- und Nachteile. Unter ihnen findest du Kopfhörer mit exzellentem Klang und Noise Cancelling. Sie haben auch größtenteils bessere Akkulaufzeiten als kleinere Kopfhörer. Dafür nehmen sie viel Raum in der Tasche ein und sitzen auch sehr prominent auf dem Kopf – der Look ist Geschmackssache.
Die besten Over-Ear-Kopfhörer findest du von Herstellern wie Sony, Apple, Bose, Sennheiser oder Bowers & Wilkins. Besonders gut gefallen uns z. B. der Sony WH-1000XM6, Bose QuietComfort Ultra Headphones 2. Gen. oder Bowers & Wilkins Px7 S3.
On-Ear-Kopfhörer
Enge Verwandte der Over-Ear-Kopfhörer: die sogenannten On-Ear-Kopfhörer. Auch hier gibt der Name Aufschluss: Ihre Polster umschließen das Ohr nicht, sondern sitzen vielmehr auf der Muschel auf. On-Ear-Kopfhörer triffst du seltener an, da die aufliegende Form ihnen gegenüber Over-Ear-Kopfhörern einige Nachteile verschafft. Sie verrutschen öfter auf dem Kopf, was schlechtere Voraussetzungen für Klang und ANC bedeutet. Generell empfinden viele Menschen die aufliegenden Muscheln als unangenehm drückend.

Trotzdem solltest du die On-Ear-Kopfhörer nicht unüberlegt abschreiben. Denn sie haben ihre eigenen Vorzüge. So sind On-Ears meist deutlich zierlicher und leichter als ihre Over-Ear-Gegenstücke. Meistens erzielen sie unglaublich lange Akkulaufzeiten – auch, weil sie in der Regel auf ANC verzichten. Und: On-Ear-Kopfhörer bewegen sich allgemein in niedrigeren Preissegmenten. Falls dir ein Over-Ear-Kopfhörer also einfach etwas zu viel ist – zu groß, zu schwer, zu teuer –, ist ein On-Ear-Kopfhörer eine Überlegung wert.
On-Ear-Kopfhörer, die uns im Test gefallen haben, sind z. B. der Teufel Supreme On, Beyerdynamic Aventho 100 oder Marshall Major V. Auch JBL hat viele verschiedene On-Ear-Kopfhörer im Angebot.
In-Ear-Kopfhörer
Noch kleiner sind die In-Ear-Kopfhörer. Sie verzichten auf den Kopfbügel, der links und rechts vereint, und bestehen direkt aus zwei separaten Hörern. Die meisten von ihnen verfügen über Silikon-Tipps, die du in den Gehörgang schiebst, wie die Apple AirPods Pro. Manche Modelle verzichten auf die Aufsätze und sitzen vor dem Gehörgang – wie die „normalen“ Apple AirPods.

Die Vorteile liegen auf der Hand: In-Ears sind leicht und klein. Weder auf dem Kopf noch in der Tasche machen sie zu sehr auf sich aufmerksam. Und auch hier gilt: Ein fester, immer gleicher Sitz schafft die besten Voraussetzungen für guten Klang und effektives ANC. Auch In-Ear-Kopfhörer können sehr gut klingen, Over-Ear-Kopfhörer klingen aber in der Regel größer und weiter. Und in puncto Akkulaufzeit schneiden die In-Ear-Kopfhörer am schlechtesten ab. Ohne die zusätzlichen Ladungen, die sie in ihrem Ladecase speichern, halten die meisten Ohrhörer nur zwischen vier und zwölf Stunden durch. Zum Vergleich: Wir haben bereits mehrere Over-Ear-Kopfhörer getestet, die Akkulaufzeiten jenseits der 50 Stunden erreichen.
In-Ear-Kopfhörer gibt es von den verschiedensten Herstellern. Am bekanntesten sind wahrscheinlich Apples AirPods. Im Test haben uns außerdem die Sony WF-1000XM5, Bose QuietComfort Ultra Earbuds 2. Gen. oder die Sennheiser Momentum True Wireless 4 sehr gut gefallen.
Open-Ear-Kopfhörer
In den vergangenen Jahren haben Open-Ear-Kopfhörer einen regelrechten Hype erlebt. Sie ähneln In-Ear-Kopfhörern, ihre Köpfe liegen aber nicht im Ohr: Stattdessen scheinen sie förmlich davorzuschweben. Manche spannen dabei große Bügel bis hinter dein Ohr, wie die Nothing Ear (open). Wieder andere umklammern, fast wie Clip-on-Ohrringe, die untere Helix.

Open-Ear-Kopfhörer teilen viele der Vor- und Nachteile von In-Ear-Kopfhörern. Auch sie sind leicht und klein, aber weisen oft recht kurze Akkulaufzeiten auf. Die offene Bauweise bringt aber auch ihre ganz eigenen Stärken und Schwächen mit. Da ein Open-Ear-Kopfhörer deinen Gehörgang vollkommen freilässt, hörst du viel von deiner Umgebung. Beim Jogging in der Innenstadt erhöht das die Sicherheit, weshalb Open-Ear-Kopfhörer auch oft explizit als Sport-Kopfhörer beworben werden. Wenn du in der Bahn deine Ruhe haben möchtest, stört die offene Bauweise aber eher. Und den besten Klang liefern die Modelle in der Regel auch nicht. Denn auf dem Weg vom Lautsprecher zum Gehörgang kann sich viel Schall verlaufen.
Machst du viel Sport, könnten dich Sport-Kopfhörer wie die Modelle von Shokz interessieren. Falls du In-Ears im Ohr unangenehm findest und eine Alternative suchst, gibt es aber auch ziemlich schicke Modelle, wie die Huawei FreeClip oder die Bose Ultra Open Earbuds.
Hören auf hohem Niveau: HiFi-Kopfhörer
Bisher haben wir nur über Bluetooth-Kopfhörer gesprochen. Sie sind in der Regel für den Einsatz unterwegs gedacht und sind klanglich sowie in ihrem Funktionsumfang darauf ausgelegt. Aber was, wenn du einen Kopfhörer speziell fürs ruhige Musikhören zu Hause suchst? Dann suchst du wahrscheinlich eher nach einem kabelgebundenen HiFi-Kopfhörer.
Obwohl die meisten Handys den analogen Anschluss mittlerweile wegrationalisiert haben, verbindest du sie normalerweise per 3,5- oder 6,3-mm-Klinkenkabel. So kannst du sie z. B. an HiFi- oder Kopfhörerverstärker, DACs oder viele Plattenspieler anschließen.
Geschlossen vs. offen
Auch unter den HiFi-Kopfhörern gibt es verschiedene Bauweisen. Hier heißt es: geschlossen vs. offen. Geschlossene Kopfhörer sind dabei solche, wie es die meisten Bluetooth-Over-Ears sind. Ihre Ohrmuscheln lassen keine Luft entweichen, sorgen also für einen geschlossenen Raum über deinen Ohren. Zwar haben HiFi-Kopfhörer kein Noise Cancelling, aber auch die Ohrmuscheln an sich bieten eine gewisse Isolierung, dank der du ganz in deine Musik abtauchen kannst. Zusätzlich sorgen die geschlossenen Muscheln dafür, dass kein Schall entweichen kann. Auch der rückwärtig abgegebene Schall, den die Treiber erzeugen, erreicht deshalb früher oder später als Reflexion dein Ohr. Dieser Effekt verschafft geschlossenen Kopfhörern einen Vorteil in der Basswiedergabe.

Den geschlossenen HiFi-Kopfhörern stehen offene Kopfhörer entgegen. Ihr Gehäuse ist schalldurchlässig. Ohne den Luftstau unter der Ohrmuschel fällt es ihnen schwer, wirklich drückenden Bass zu erschaffen. Im Gegenzug sind offene Kopfhörer dafür bekannt, besonders räumlich und fein zu klingen. Ein gravierender Nachteil: Da Schall entweicht, hört deine Umwelt deine Musik laut mit. Offene Kopfhörer solltest du dir daher nur fürs Wohnzimmer anlegen, nicht für die Bahnreise.
Kopfhörer kaufen: So findest du den richtigen für dich
Einen neuen Kopfhörer zu kaufen, ist nervenaufreibend. Schließlich begleitet er dich im Idealfall überallhin. Um das richtige Modell zu finden, solltest du dir deshalb bewusst machen, wonach du überhaupt suchst. Wenn du Kopfhörer zum Laufen suchst, kommen z. B. andere Modelle infrage, als wenn du strikt auf der Couch Musik hörst.
Hier listen wir dir die wichtigsten Gedanken auf, die du dir beim Kauf machen solltest.
Bluetooth oder Kabel?
Bluetooth oder Kabel: Das sollte unserer Meinung nach die erste Frage sein. Unterwegs sind Bluetooth-Kopfhörer definitiv praktischer. Mit ihnen fürchtest du weder Kabelsalat, noch, dass du beim Aussteigen an der Bustür hängen bleibst. Noise Cancelling findest du außerdem in der Regel nur bei Bluetooth-Kopfhörern.

Aber auch Kabel-Kopfhörer haben Vorteile. Da wäre die simple Tatsache, dass ihnen niemals der Akku ausgehen kann. Und mit ihnen musst du dich nicht mit den Einschränkungen des Bluetooth-Standards herumschlagen. Mittlerweile ist das zwar kaum noch ein Problem, aber trotzdem solltest du bedenken, dass Bluetooth störungsanfällig ist. Ein Kabel kann kaputtgehen, macht aber bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Probleme. Besonders die Anrufqualität ist zudem über Bluetooth deutlich schlechter als per Kabel. Und klanglich setzt Bluetooth ebenfalls Schranken. Egal, welcher Bluetooth-Codec für die Übertragung zum Einsatz kommt: Verlustfreies Audio kann ein Bluetooth-Kopfhörer nicht liefern. Ein analoges Kabel hingegen überträgt mühelos auch Musik in Highres-Qualität.
Wie wichtig ist dir Noise Cancelling?
Fährst du viel Bahn oder möchtest du im Büro laute Kolleg:innen ausblenden? Dann solltest du darauf achten, dass dein neuer Kopfhörer Noise Cancelling beherrscht. Die besten In-Ear-Kopfhörer mit ANC haben wir in der Preisklasse um 300 Euro getestet. Die Over-Ears mit dem besten ANC sind in der Regel noch etwas teurer.

Natürlich erhältst du ANC-Kopfhörer auch deutlich günstiger. Dann solltest du dich allerdings darauf einstellen, Kompromisse einzugehen. Die günstigsten Over-Ears mit ANC erhältst du z. B. schon für knapp 100 Euro, ihr ANC ist aber unserer Erfahrung nach nicht annähernd so effektiv. Nimmst du 200 Euro in die Hand, ist die ANC-Performance meist zumindest alltagstauglich. Der eindrucksvolle Effekt eines AirPods Max bleibt zwar aus, aber es wird trotzdem leiser in der Bahn.
Wie lange sollte der Akku deines Kopfhörers durchhalten?
Als Nächstes die Frage: Wie lästig ist es dir, deine Kopfhörer aufzuladen? Falls du (wie wir) zu der Sorte gehörst, die andauernd mit dem „Batterie leer“-Ton konfrontiert wird, solltest du vielleicht noch einmal überdenken, ob ein Bluetooth-Kopfhörer wirklich das Richtige für dich ist. Mit Kabel-Kopfhörern kann dir das nicht passieren.

Soll es unbedingt ein Bluetooth-Kopfhörer sein, findest du die längsten Akkulaufzeiten unter den On-Ear- und Over-Ear-Kopfhörern. Hier sind unglaubliche Werte möglich: Der Akku des Marshall Monitor III A.N.C. hält z. B. bei aktiviertem ANC 70 Stunden, bei deaktiviertem ANC sogar 100 Stunden durch. Die Laufzeiten von In-Ear-Kopfhörern sind deutlich kürzer. Hier sind vier bis acht Stunden (bei aktiviertem ANC) die Regel.
Möchtest du mit deinen Kopfhörern auch Sport machen?
Suchst du Sport-Kopfhörer, sind andere Eigenschaften relevant. So solltest du z. B. Ausschau nach Wasserschutz halten. Auch solltest du dir Gedanken über Halt und Tragekomfort machen. Viele In-Ears fürs Training haben z. B. zusätzliche Klammern, die sie fester am Ohr befestigen. Zu guter Letzt gibt es einige Sport-Kopfhörer, die über eigene Sensoren verfügen und so gut mit Smart Watches zusammenarbeiten, z. B. die Beats Powerbeats Pro 2.
Wie viel darf dein neuer Kopfhörer kosten?
Am Ende ist die Entscheidung für einen neuen Kopfhörer natürlich auch immer eine Frage des Budgets. Gute Kopfhörer gibt es in allen Preisklassen, aber an einen 100-Euro-Kopfhörer solltest du andere Erwartungen stellen als an ein Topmodell für 500 Euro oder mehr. Prinzipiell bist du mit In- und On-Ear-Kopfhörern günstiger unterwegs als mit Over-Ear-Kopfhörern.

Fazit: So findest du den richtigen Kopfhörer
Suchst du richtig gutes ANC? Oder soll dein neuer Kopfhörer vor allem schick aussehen? Ist dir eine lange Akkulaufzeit wichtig? Machst du mit deinem Kopfhörer viel Sport? All diese Fragen helfen dir dabei, dich für einen Kopfhörer zu entscheiden. Wir hoffen, wir konnten dir mit diesem Artikel etwas weiterhelfen. Die besten Bluetooth-Kopfhörer, die wir getestet haben, kannst du hier vergleichen: