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Huawei FreeClip im Test: Schmuckes Accessoire oder satte Sound-Überraschung?

Die Huawei FreeClip fordern klassische In-Ear-Kopfhörer mit ihrem Clip-On-Ansatz heraus. Wir haben im Test die Stärken und Schwächen gesucht und gefunden.
HIFI.DE Test | Huawei FreeClip
Bluetooth-Standard
5.3
Codecs
SBC, AAC, L2HC, LC3
Akku-Laufzeit
8 Std. / bis 36 Std. mit Ladecase
Schnellladefunktion
Ja (10 Min. laden für 3 Stunden Laufzeit)
Noise Cancelling
Nein
Wassergeschützt
IP54
Preis (UVP/Straßenpreis)
199 Euro / 199 Euro
In Kürze
Mit ihrem Clip-Design gehen die Huawei FreeClip in Sachen Tragekomfort ganz neue Wege. Leider geht dieser Design-Vorstoß aber auf Kosten des Sounds, der schmal und bassarm bleibt.
Vorteile
  • Sehr hoher Tragekomfort
  • Verzerrungsarmer Sound
  • Perfekte Transparenz
Nachteile
  • Prinzipbedingt schwacher Bass
  • Enge Klangbühne
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Handliche In-Ear-Kopfhörer für diejenigen, die eigentlich gar keine In-Ear-Kopfhörer tragen wollen? Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, wird bei den Huawei FreeClip Realität. Die Clip-On-Kopfhörer lassen sich ans Ohr heften, dringen nicht direkt in den Gehörgang ein und versprechen so ein ganz anderes Tragegefühl. Ob Sound, Komfort und Co. unter dieser Neuerung leiden, erfährst du hier im Test!

Die Huawei FeeeClip gibt’s aktuell bei MediaMarkt:

Huawei: Am Ohr statt im Ohr?

Die Huawei FreeClip sind nicht der erste Versuch des chinesischen Unternehmens, das Konzept von In-Ear-Kopfhörern zu überholen. Die Huawei FreeBuds 5 saßen, wie der Name schon vermuten lässt, relativ frei im Ohr und vermieden damit den Silikonaufsatz, den viele bei gängigen Modellen als unangenehm empfinden. Jetzt soll eine C-Bridge, die an der Gehörmuschel befestigt wird, die gewünschte Abwechslung bringen.

Huawei FreeClip
Die Huawei FreeClip sehen erstmal gewöhnungsbedürftig aus – keine Frage. Im Ohr machen sie dafür eine sehr gute Figur.

Du möchtest dir vor unserem Test noch einen Überblick über die besten In-Ear-Kopfhörer verschaffen? Dann wirf einen Blick auf unsere Bestenliste:

Huawei FreeClip: Clip-Ons im Klangtest

Das größte Fragezeichen bei der ungewöhnlichen Passform der Huawei FreeClip ist vermutlich der Sound. Schließlich ist einer der Faktoren, von dem gewöhnliche In-Ear-Kopfhörer am stärksten profitieren können, die gute Abdichtung durch die In-Ear-Aufsätze. Nicht umsonst bieten zahlreiche Hersteller diverse Größen und sogar eine individuelle Anpassung in der App, die einen guten Sitz erfordert. Im Praxistest haben wir uns angesehen, wie gut die FreeClip tatsächlich klingen.

Um da einen neutralen Eindruck zu gewinnen, ist aber durchaus etwas Eingewöhnungszeit notwendig. Bei der Benutzung fällt uns – besonders am Anfang – deutlich auf, dass die Klangquelle gefühlt etwas von hinten kommt. Sonst sind wir gewohnt, uns bei In-Ear-Kopfhörern sehr nah am Sound zu befinden. Hier sondert der sogenannte Acoustic Ball den Sound aber gezielt in Richtung Gehörgang ab, sodass nur du etwas von der Musik mitbekommen sollst. In der Praxis dichten die FreeClip aber auch nach Außen etwas weniger ab als gewöhnliche In-Ear-Kopfhörer.

Huawei FreeClip
Der Acoustic Ball legt sich in das Innere der Ohrmuschel, ohne dabei den Gehörgang zu versperren.

Sobald diese erste Irritation aber überwunden ist, offenbart sich ein angenehm neutrales Klangbild. Überraschend angenehm und warm klingt im Test dann zum Beispiel Hold On von The Internet. Besonders Höhen und Mitten fallen positiv auf, Stimmen werden sehr klar abgebildet und halten auch höheren Lautstärken ohne Verzerrungen stand. Anders sieht das Ganze im Tieftonbereich aus. Ein spürbarer Bass ist – im Gegensatz zu anderen Open-Ear-Kopfhörern wie den Shokz OpenFit – kaum vorhanden, Liedern wie Gimme von Banks geht dabei einiges verloren.

Die Klangbühne fällt nicht sonderlich breit aus, vermutlich auch, weil die Soundquelle so klar verortet werden kann. Immersiv ist das nicht wirklich und audiophile Nutzer:innen dürften hier mit konventionelleren Modellen glücklicher werden. Enttäuschung setzt bei uns aber dennoch nicht ein. Das liegt allem voran an dem angenehmen Klangbild. Für Podcasts, Hörbücher oder leises Musikhören sind die Huawei FreeClip exzellent geeignet. Auch Acoustic-Performances hinterlassen einen guten Eindruck.

Personalisierung in der App: Weniger ist nicht immer mehr

Wer den Sound der Huawei FreeClip personalisieren möchte, wird in der Huawei AI Life App fündig. Diese ist allerdings nur für iOS und Huawei direkt im Store verfügbar. Android-Nutzer:innen müssen einen Umweg über die Webseite von Huawei nehmen und dort die APK-Datei installieren. Ist das erledigt, können sie aber auch auf alle Funktionen der App zugreifen.

Leider sind das nicht allzu viele. Anstatt eines manuellen Equalizers bietet Huawei hier nur vier Presets, die zum Beispiel Höhen oder Stimmen verstärken sollen. Diese Presets haben keinen großen Einfluss auf den Sound, sorgen aber jedenfalls bei Bedarf für minimale Verbesserungen. Das Erstellen eigener EQ-Profile wäre aber – insbesondere angesichts des speziellen Sounds der FreeClip – wünschenswert gewesen.

Huawei AI Life: Das kann die App sonst noch

Ansonsten kannst du über die Huawei-App deine Kopfhörer orten und die Bedienelemente der Clip-Ons personalisieren. Die Huawei FreeClip lassen sich nämlich sowohl am Bügel, als auch an beiden Enden des Clip-Ons über Touch-Befehle steuern. Damit dabei keine versehentlichen Eingaben zustande kommen, sind mindestens zwei Berührungen notwendig, um einen Befehl auszulösen. Die möglichen Befehle sind eher rudimentär und können nicht mit der Personalisierung anderer In-Ears mithalten.

Dafür funktioniert die Bedienung sehr gut und macht uns im Test keine Probleme. Ein weiteres Feature, das wir als sehr angenehm empfunden haben, ist das automatische Wechseln von linkem und rechtem Kanal. Da die beiden Earbuds exakt baugleich sind, kommt es vor, dass wir sie nach kurzem Ablegen ins jeweils andere Ohr einsetzen. Die Kopfhörer melden sich daraufhin abrupt und berichten, dass die Kanäle gewechselt wurden.

Die FreeClip erkennen also, an welchem Ohr sie hängen und passen die Wiedergabe daraufhin an. Ähnlich wie bei anderen Modellen ist auch hier eine automatische Trageerkennung an Bord, die bei Bedarf deaktiviert werden kann. Sie sorgt dafür, dass die Wiedergabe pausiert, wenn du einen Earbud aus dem Ohr entfernst.

Geht es noch transparenter?

Wegen der offenen Bauweise der Huawei FreeClip ist eine aktive Geräuschunterdrückung aktuell kaum möglich. Die Kopfhörer versperren nicht einmal den Gehörgang und können so kaum Geräusche herausfiltern, wie In-Ear-Kopfhörer mit ANC es tun. Dafür bekommen wir bei der Benutzung der Huawei FreeClip so viel von der Umwelt mit, wie mit kaum einem anderen In-Ear-Modell.

Huawei FreeClip
Wie ein Ei dem anderen – die Huawei FreeClip sind symmetrisch. Eine automatische Trageerkennung verhindert, dass das zum Problem wird.

Unterhaltungen können problemlos weitergeführt werden und theoretisch könntest du mit den FreeClip sogar in einer Vorlesung sitzen, ohne etwas zu verpassen. Das gefällt uns, weil es wirklich ein neues Tragegefühl bietet. Mehr zum Design und Komfort der Huawei FreeClip erfährst du weiter unten.

Bluetooth: Bluetooth 5.3, Multipoint und ein eigener Codec

Huawei setzt bei den FreeClip auf den Bluetooth-Standard 5.3. Die unterstützten Bluetooth-Codecs sind SBC, AAC und LC3, wobei letzterer effizienter arbeiten soll. Der einzige hochauflösende Codec, den die FreeClip unterstützen, ist Huaweis hauseigener L2HC-Codec. Dieser wird aktuell leider nur von einigen Endgeräten der Marken Huawei und Honor unterstützt. Außerdem ist Multipoint an Bord und über das Verbindungscenter in der App angenehm übersichtlich eingebunden und problemlos nutzbar.

In der Praxis macht die Bluetooth-Verbindung einen soliden Eindruck. Geräte lassen sich schnell verbinden und klangliche Aussetzer gibt es keine.

Huawei FreeClip: Solider Akku und kabelloses Laden

Die Akkuleistung der Huawei FreeClip ist gut, aber nicht herausragend. Mit einer Akkuladung kannst du sie knapp 8 Stunden am Stück benutzen, das Ladecase liefert 28 zusätzliche Stunden. Insgesamt kommst du also auf 36 Stunden Akkulaufzeit.

Huawei FreeClip
Der Lieferumfang ist rudimentär. Schließlich können die Huawei FreeClip auch auf beigelegte Silikonaufsätze verzichten.

Eine Schnellladefunktion, die deine Kopfhörer innerhalb von zehn Minuten für eine Wiedergabezeit von drei Stunden ausstattet, ist ebenfalls dabei. Das Ladecase lässt sich per USB-C-Anschluss und kabellos laden. Ein USB-C-Kabel ist im Lieferumfang enthalten.

Design: Besonders und bequem

Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Huawei FreeClip ist vermutlich die Bauform und der damit verbundene Tragekomfort. Ein elastischer, c-förmiger Bügel verbindet Comfort Bean und Acoustic Ball, die jeweils außer- und innerhalb der Ohrmuschel für Halt sorgen. Schon das erste Anlegen der Kopfhörer gelingt sehr intuitiv, die Clip-On-Kopfhörer scheinen für diverse Ohrformen geeignet zu sein.

Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob du die Kopfhörer richtig angelegt hast, kannst du auch währenddessen etwas darauf abspielen. Dabei wirst du schnell merken, ob der Acoustic Ball den Sound gezielt in deinen Gehörgang absondert oder knapp daran vorbei. Der Unterschied im Sound ist dann sehr deutlich hörbar. Einmal angelegt, bestechen die FreeClip mit hervorragendem Tragekomfort und einer besonderen Optik.

Huawei FreeClip
Das Case sieht wertig aus und die Clip-Ons sind bequem. Da bleibt nichts zu wünschen übrig.

Ein einzelner Earbud wiegt 5,6 Gramm, was im direkten Vergleich mit der Konkurrenz nicht besonders schwer, aber auch nicht besonders leicht ist. Unangenehm wird das Tragen der Kopfhörer dank der ungewöhnlichen Bauform aber selbst nach längerer Zeit nicht. Das Ohr fühlt sich frei an und die Clip-On-Kopfhörer sitzen selbst bei Bewegung und Wind fest und sicher. Optisch lassen sich die FreeClip wohl irgendwo zwischen Bügelkopfhörer und Ohrring einordnen.

Huawei Free Clip
So sitzen die Huawei FreeClip am Ohr. Die C-Bridge verbindet hier die beiden Elemente, die für den guten Halt sorgen. | Bild: Huawei

Dank IP54 sind die FreeClip auch als Sport-Kopfhörer geeignet, die dich die Umwelt weiterhin wahrnehmen lassen. Das Ladecase hingegen könnte auch von einem klassischen In-Ear-Kopfhörer stammen, fühlt sich wertig an und sieht auch so aus. Ein einzelner Knopf am Case startet die Kopplung per Bluetooth.

Fazit: Ein neues Tragegefühl – mit einigen Abstrichen

Die Huawei FreeClip sollen sich vom Gros der In-Ear-Kopfhörer abheben. Misst man sie an diesem Standard, ist ihnen das auch gelungen. Die Bauform ist eine ernsthafte Alternative zu anderen In-Ears, die häufig einen Kompromiss zwischen Komfort und Halt eingehen müssen. Die FreeClip halten gut, sind sehr bequem und klingen ordentlich.

Wer aber auf der Suche nach bassstarken Kopfhörern, immersivem Sound und womöglich noch passiver oder aktiver Geräuschunterdrückung ist, wird von den FreeClip eher enttäuscht sein. Ein manueller Equalizer hätte hier noch dafür sorgen können, dass man den etwas gewöhnungsbedürftigen Sound an die eigenen Bedürfnisse anpassen könnte. Leider fehlt dieser. Huaweis Eigenbrötelei, was App und Codecs angeht, dürfte einigen Android-Nutzer:innen, die sich noch nicht mit APK-Dateien auseinandergesetzt haben, zusätzlich sauer aufstoßen. 

Hier findest du die Huawei FreeClip:

Technische Daten
Bluetooth-Standard 5.3
Codecs SBC, AAC, L2HC, LC3
Akku-Laufzeit 8 Std. / bis 36 Std. mit Ladecase
Schnellladefunktion Ja (10 Min. laden für 3 Stunden Laufzeit)
Noise Cancelling Nein
Wassergeschützt IP54
Anschlüsse des Ladecase USB-C
Gewicht Hörer: 5,6g / Ladecase: 44,5g
Preis (UVP/Straßenpreis) 199 Euro / 199 Euro

Du möchtest doch lieber In-Ear-Kopfhörer mit ANC? Dann wirst du in unserer Bestenliste fündig:

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