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Bluetooth: Das musst du über SBC, AAC, aptX und Co. wissen

Wer sich einen kabellosen Kopfhörer oder Lautsprecher kaufen möchte, stößt auf verschiedene Standards. Da gibt es nicht nur Unterschiede zwischen den Versionen, sondern auch zwischen den Audio-Codecs. Wir bringen für euch etwas Licht ins Dunkel.
Bluetooth ist der Standard fürs kabellose Musikhören. Bild: Bluetooth SIG

Blaukraut bleibt Blaukraut, Brautkleid bleibt Brautkleid – und Bluetooth bleibt Bluetooth? Leider nein, denn da gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede. Insbesondere die Audiocodecs üben einen Einfluss auf den Sound aus, der am Ende euer Ohr erreicht. Und auf jene Codecs konzentrieren wir uns deswegen in diesem Ratgeber, um eventuell sogar die nächste Kaufentscheidung zu erleichtern.

Warum sind die verschiedenen Codecs überhaupt relevant? Nun, der verwendete Codec nimmt potenziell direkten Einfluss auf die Soundqualität. Voraussetzung ist dabei natürlich, dass euer Wiedergabegerät davon profitiert. Vereinfacht gesagt, würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen, wenn an einem günstigen In-Ear-Kopfhörer aptX HD Verwendung fände. Da würde es nicht am Codec scheitern, sondern bereits an den Lautsprechertreibern.

Der Sony WH-1000XM4 unterstützt LDAC - jedoch kein aptX HD.
Der Sony WH-1000XM4 unterstützt LDAC – jedoch kein aptX. | Bild: Sony

Wichtig: Damit an einem Kopfhörer oder Bluetooth Lautsprecher mit aptX HD tatsächlich jener Codec genutzt werden kann, muss ihn auch euer Zuspieler – etwa das Smartphone – unterstützen. Da spielen nicht nur die Codecs, sondern auch die unterstützen Profile eine Rolle. Jene gewährleisten im Hintergrund, dass Geräte miteinander kommunizieren können. Gängig sind A2DP (Advanced Audio Distribution Profile) und AVRCP (Audio / Video Remote Control Profile). Ersteres gewährleistet, dass z. B. in Stereo wiedergeben wird. Letzteres ermöglicht die Steuerung über Kommandos wie „Play“, „Pause“ oder „Stop“.

Egal ob Over-, On- oder In-Ear-Kopfhörer: Bluetooth hat sich durchgesetzt.
Egal ob Over-, On- oder In-Ear-Kopfhörer: Bluetooth hat sich durchgesetzt. | Bild: Bose

An aktuellen Android- und iOS-Geräten könnt ihr sorgenfrei bleiben. Die Unterstützung der Profile ist natürlich Standard. Deutlich spannender wird es, wenn wir auf die konkreten Audio-Codecs blicken. Aktuell sind vor allem vier relevant: SBC, AAC, aptX und LDAC. Der Vollständigkeit sei aber erwähnt, dass es weitere Codecs wie z. B. ATRAC, HWA LHDC oder auch Samsung UHQ-BT gibt. Zudem kündigte man auf der CES 2020 Bluetooth LE Audio LC3 an. All diese Codecs existieren aktuell nur in einer Nische, sodass wir sie aufgrund ihrer geringen Verbreitung unter den Tisch fallen lassen.

SBC – Die Basis

Insbesondere preisgünstige Bluetooth-Kopfhörer und -Lautsprecher sind auf den Codec SBC beschränkt. SBC steht für Low Complexty Subband Codec. Dieser Codec ist Teil des A2DP-Profils. Das führt dazu, dass SBC als kleinster, gemeinsamer Nenner an allen Bluetooth-Geräten vorhanden ist. SBC basiert auf verlustbehafteter Komprimierung. Die Anforderungen an die Hardware sind sehr gering. Außerdem können Hersteller den Codec lizenzfrei und damit kostenlos verwenden. All diese Faktoren haben zur Verbreitung erheblich beigetragen.

Bluetooth-Kofphörer sind besonders unterwegs eine praktische Sache.
Bluetooth-Kopfhörer sind besonders unterwegs eine praktische Sache. | Bild: Bluetooth SIG

SBC kann Datenraten von bis zu 1.500 kb/s bei 16-bit und bis zu 48 kHz liefern. In der Praxis werden via Bluetooth nur bis zu 328 kb/s genutzt. Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass dieser Codec ausreichte. Ein Kernproblem von SBC ist, dass die Qualität je nach Empfänger und Umgebung rasch einbricht. Einen Bluetooth-Lautsprecher im Nebenraum mit SBC zu versorgen, ist daher eine schlechte Idee. Außerdem sind im A2DP-Standard nur Empfehlungen definiert. Je nach Hersteller kann die Qualität daher variieren – Detailangaben findet man als Kunde so gut wie nie heraus.

Im Ergebnis ist SBC parallel der beste aber auch der schlechteste Codec, da die Implementierung so extrem variiert. Das hat zu dem schlechten Ruf von SBC geführt.

AAC – (Nicht nur) ein Codec für Apple-Nutzer

Der Audio-Codec AAC ist an mobilen Endgeräten von Apple der Standard. Für Apple iTunes aber auch YouTube handelt es sich ebenfalls um den Standard-Audio-Codec. AAC wurde ursprünglich von der Motion Picture Experts Group (MPEG) als MP3-Nachfolger entwickelt. Die Abkürzung steht für Advanced Audio Coding. Hersteller, die AAC einbinden, müssen Lizenzgebühren zahlen. Im Gegensatz zu SBC unterstützt AAC bis zu 48 Spuren. Es wären also Surround-Codierungen möglich, auch wenn dies in der Praxis kaum eine Rolle spielt.

AAC unterstützt eine Audioqualität von bis zu 24-bit bei 96 kHz und maximal 320 kb/s. Bei Bluetooth-Übertragungen ist das jedoch ein Wunschtraum. Zu erwähnen ist, dass auch Android-Geräte AAC unterstützen. Allerdings gibt es hier im Gegensatz zu Apple-Geräten erhebliche Unterschiede in der Qualität der Einbindung. Wer sich dazu genauer belesen möchte, dem empfehlen wir diesen Artikel der Kollegen von SoundGuys. Festhalten lässt sich: AAC bietet an Apple-Geräten eine verlässlichere Qualität als an Android-Modellen. Das ist komplexen, technischen Hintergründen geschuldet – beispielsweise Androids Algorithmen zur Energieverwaltung.

Die Apple AirPods Pro arbeiten natürlich mit AAC.
Die Apple AirPods Pro arbeiten natürlich mit AAC. | Bild: Apple

AAC setzt auf psychoakustische Modelle, um Daten zu übertragen. Damit ist gemeint, dass beim Codieren einbezogen wird, was das menschliche Gehör wahrnehmen kann. Entsprechend wird die Übertragung angepasst. Dafür ist mehr Rechenleistung notwendig, als bei SBC oder aptX. Deswegen übertragen Android-Smartphones, die auf Energiesparen getrimmt sind, AAC in schlechterer Qualität als ein Apple iPhone. Letztere sind seitens Apple für die AAC-Wiedergabe optimiert worden.

Das Ergebnis ist, dass AAC-Unterstützung bei Kopfhörern und Lautsprechern für Apple-Kunden ein Kaufkriterium sein sollte. Unter Android können sich hingegen je nach Gerät sogar schlechtere Ergebnisse ergeben, als bei Verwendung von SBC. So variiert die Soundqualität aufgrund der psychoakustischen Modellierung bei AAC noch stärker je nach Gerät.

aptX: Der beste Kompromiss aus Kompression und Klang?

Wer nach Geräten mit aptX bzw. aptX HD sucht, findet durchaus eine große Auswahl vor. Beispielsweise haben wir erst kürzlich den Bluetooth-Speaker Teufel Motiv Go getestet, der aptX bietet. Qualcomms Markting hat seine Hausaufgaben gemacht: Für viele Anwender ist Unterstützung von aptX bzw. aptX HD beim Kauf eines Kopfhörers oder Lautsprechers ein Kriterium. Tatsächlich bietet aptX Unterstützung für bis zu 352 kbps bei 16-bit und 48 kHz. aptX HD geht einen Schritt weiter. Hier ist die Audioübertragung mit bis zu 576 kbps und 24-bit bei 48 kHz möglich. Beides bleiben verlustbehaftete Formate. Doch sie haben das Potenzial sowohl SBC als auch AAC zu überflügeln, weil sie vor allem auf konstante Übertragungsraten setzen.

Das „apt“ steht dabei für „Audio Processing Technology“. aptX wurde bereits in den 1980er Jahren entwickelt und ist erst seit 2015 komplett unter dem Dach von Qualcomm. So setzen aptX und aptX folgerichtig gleich zweierlei voraus: Lizenzzahlungen an Qualcomm und die Verwendung von Chips des Unternehmens. aptX bietet vor allem den Vorteil der Verlässlichkeit, denn Stabilität war ein Augenmerk bei der Entwicklung der Algorithmen. Allerdings ist die Unterstützung von aptX bzw. aptX HD bei Bluetooth-Kopfhörern und -Lautsprechern meist eher im gehobenen Segment anzutreffen.

Der Teufel Motiv Go unterstützt aptX. | Bild: Teufel

Es gibt noch Ableger wie aptX Low Latency (LL) und aptX Live. Die LL-Version ist vor allem auf Filme und Spiele zugeschnitten, da es hier auf die Synchronität ankommt. aptX Live ist für Privatkunden eher zu vernachlässigen und zählt auf Bühnentechnik ab. aptX Adaptive wiederum passt die Kompressionsraten je nach Szenario dynamisch an. In unseren Tests hat sich dabei gezeigt, dass aptX bzw. aptX HD geringere Noise-Levels mitbringen, als alle anderen Bluetooth-Codecs.

Mobile Apple-Nutzer müssen sich mit aptX / aptX HD im Übrigen aktuell nicht beschäftigen. Der Standard bleibt aktuell bei iOS außen vor. Qualcomm bietet an dieser Stelle im Übrigen auch eine Liste aller aptX-fähigen Produkte an. Die Liste wird regelmaßig aktualisiert. Sie lohnt sich also für ein Lesezeichen.

LDAC – Bluetooth auf die Sony-Art

Auch wenn Sony Codecs wie SBC, AAC und aptX verwendet, so forcieren die Japaner besonders LDAC. Das schlägt sich auch in Produkten nieder. Etwa warteten die Sony WH-1000XM3 noch zusätzlich zu LDAC mit aptX / aptX HD auf. Die bereits erwähnten WH-1000XM4 konzentrieren sich auf LDAC und haben Qualcomms Codecs gestrichen. So unterstützt dieser Bluetooth-Codec besonders hohe Bitrates von bis zu 990 kbps bei 24-bit und 96 KHz. Allerdings ist die Kompatibilität hier unter den Zuspielern ein ähnlich komplexes Thema wie bei aptX und aptX HD. Ab Android 8.0 ist LDAC zumindest Teil des Android Open Source Projects und kann von jedem Hersteller kostenlos eingebunden werden. Allerdings ist die Decoder-Library proprietär und kostenpflichtig, was die Verbreitung von LDAC hemmt.

Problematisch: LDAC unterstützt nicht nur hohe Bitraten, sondern benötigt sie im Grunde auch. Bei der untersten Qualitätsstufe von 330 kbps, der Standard auf vielen Smartphones, sind aptX und SBC in höheren Frequenzbereichen bei der Noise-Entwicklung überlegen. Die zentrale Problematik ist, dass die Standard-Bitrate, welche bei LDAC angelegt wird, von Gerät zu Gerät variiert. Das lässt sich zwar manuell durch den Nutzer ändern – aber nur in den Entwickler-Einstellungen eines Android-Smartphones. Für den Laien wird es an dieser Stelle möglicherweise also bereits zu umständlich.

Die Sony WH-1000XM4 zählen zu den LDAC-Vorzeigemodellen.
Die Sony WH-1000XM4 zählen zu den LDAC-Vorzeigemodellen. | Bild: Sony

LDAC hat also in der Theorie das größte Potenzial, bringt aber in der Praxis die meisten Stolpersteine mit sich. Solltet ihr einen Kopfhörer und ein Smartphone mit LDAC-Unterstützung besitzen, empfehlen wir die mittlere Qualitätseinstellung von 660 kbps zu setzen. Ihr erreicht die Entwicklereinstellungen an einem Android-Smartphone, indem ihr im Bereich „Mein Gerät“ siebenmal auf die Build-Nummer eurer Android-Version tippt. Anschließend solltet ihr auch Hinweise zu euren LDAC-Settings finden.

Da es jedoch nur wenige Kopfhörermodelle mit LDAC gibt, hauptsächlich von Sony selbst, betrifft der oben genannte Tipp wohl nur einen kleinen Kreis von euch.

Ein Fazit: Nicht blau anlaufen, Bluetooth-Musik genießen

Wer hochwertige Kopfhörer nutzt und sich beste Klangqualität wünscht, ist mit einer Kabelverbindung weiterhin am besten beraten. Gerade im mobilen Bereich dominiert Bluetooth jedoch. Zum einen liegt dies daran, dass die Smartphone-Hersteller weitgehend den Klinkenanschluss für ihre Geräte streichen. Ein kurzer Hinweis noch zu den Bluetooth-Versionen. Im Grunde unterstützen alle neueren Geräte bereits mindestens Bluetooth 4.0. Darauf solltet ihr auch achten, da erst ab dieser Version das stromsparende Low-Energy-Profil (LE) integriert ist.

Bluetooth - kabelloser Musikgenuss ist auch Zuhause praktisch.
Bluetooth – kabelloser Musikgenuss ist auch Zuhause praktisch. | Bild: Bluetooth SIG

Das ermöglicht noch dünnere Gehäuse. Zum anderen reicht dem Gros der Anwender die Soundqualität via Bluetooth aus. Bequemlichkeit siegt hier über Qualität. Und selbst diejenigen, welche sich Premium-Kopfhörer anschaffen, nutzen jene üblicherweise im heimischen Wohnzimmer zum konzentrierten Musikhören.

Gerade beim Sport dürften True-Wireless-Kopfhörer kaum noch wegzudenken sein. Doch wie ergeht es euch? Rümpft ihr über Bluetooth generell die Nase, oder nutzt ihr regelmäßig kabellose Kopfhörer?

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