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Fiio FT3 im Test: Edel-Kopfhörer für unter 300 Euro?

Der Fiio FT3 kostet verhältnismäßig wenig, verspricht aber umso mehr. Wir haben getestet, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis des offenen Kopfhörers stimmt.
Fiio FT3 HiFi-Kopfhörer auf Schreibtisch vor blauem Hintergrund
Kopfhörertyp
Offen
Gewicht
391 g
Frequenzbereich
7 Hz - 40 kHz
Mitgeliefertes Zubehör
1 x 3,5 mm austauschbarer Stecker, 1 x 4,4 mm austauschbarer Stecker, 1 x 3,5-mm-Buchse auf 6,35-mm-Stecker-Adapter, 1 x Symmetrischer Adapter von 4,4-mm-Buchse auf XLR-4-Stecker, 1 x 1,5-m-Kabel mit Doppelanschluss, 1 x Velours-Ohrpolster, 1 x Lederimitat-Ohrpolster, Tragecase
In Kürze
Der Fiio FT3 liefert für vergleichsweise wenig Geld eine beachtliche Leistung ab. Er überzeugt mit hochwertiger Verarbeitung, vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und klaren und detailreichen Klang, der sich mit so mancher teurerer Konkurrenz messen kann.
Vorteile
  • Feiner, klarer Klang
  • Kopfhörerbügel passt auf jeden Kopf
  • Hochwertig verarbeitet
  • Umfassendes Zubehör
Nachteile
  • Recht schwer
  • Könnte mehr Bass vertragen
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Bei HiFi-Marke Fiio aus China findest du mittlerweile alles, von Kopfhörerverstärkern über Lautsprecher bis hin zu Kassettenspielern. Da ist es überraschend, dass der erste Over-Ear-Kopfhörer der Marke erst Mitte 2023 ins Line-up eintrat. Wie für Fiio üblich, ist der FT3 erstaunlich günstig: Nur rund 300 Euro will die Marke für ihn haben. Für einen HiFi-Kopfhörer aus diesen Materialien und mit ähnlichem Zubehör kannst du normalerweise mindestens das Doppelte bezahlen. Dabei ist egal, ob du dich für die 32-Ohm- oder 350-Ohm-Variante entscheidest. Wir haben den Fiio FT3 mit 32 Ohm getestet. Ist er wirklich ein guter HiFi-Kopfhörer für den Einstieg – oder wurde hier doch an empfindlichen Stellen gespart?

Der Fiio FT3 (32 Ohm und 350 Ohm) ist bei Amazon erhältlich:

32 Ohm vs. 350 Ohm: Das hat es mit den zwei Versionen des FT3 auf sich

Mit einer Impedanz von 32 Ohm ist der FT3 für einen HiFi-Kopfhörer recht pflegeleicht. Du benötigst keinen muskelbepackten Kopfhörerverstärker, um seine Treiber ins Schwingen zu bringen, sondern kannst ihn theoretisch auch am Notebook oder den meisten Smartphones in ausreichender Lautstärke betreiben. Allerdings wäre das schade, denn der FT3 versteht sich darauf, aus der passenden DAC/Amp-Kombination noch deutlich mehr herauszukitzeln, als ihm im Soloflug möglich ist. Die Version mit 350 Ohm erfordert hingegen speziellere Ausrüstung und dürfte daher auch als Studio-Kopfhörer Anklang finden.

Fiio FT3 Test HiFi-Kopfhörer frontal schraeg
Der Fiio FT3 kommt ganz in schwarzer Metalloptik daher.

Optisch macht der FT3 in beiden Versionen einiges her, denn das Design ist identisch. Er ist so etwas wie das Kontrastprogramm zu einem Sendy Audio Peacock: Statt gemütlicher, warmer Holzoptik wählt Fiio eine glänzende Aluminiumlegierung für das Gehäuse und ein kantiges, industrielles Design für die Ohrmuscheln. In der Hand passt kein anderes Wort besser zum Kopfhörer als „massiv“.

Fiio FT3 Test Design
Das Design des Fiio FT3 ist markant und erinnert leicht an eine Autofelge.

Die Technik: Bauweise und Treiber

Die rückwärtigen Ohrmuscheln haben ein wenig Sci-Fi-Flair. Wie das Metallgitter unter den sechs sternförmigen Streben erkennen lässt, handelt es sich hier um einen offenen Kopfhörer. Dadurch, dass Luft und Schall auch nach außen entweichen, kann sich die Membran bei solchen Kopfhörern freier bewegen. Alle Kopfhörer dieser Bauart, die wir getestet haben, findest du hier:

Die 32- und 350-Ohm-Versionen werkeln beide mit dynamischen 60-mm-Treibern. Das hochohmige Modell verwendet allerdings eine Membran aus dem gleichzeitig leichten und steifen Material DLC („Diamond-Like Carbon“) sowie eine Beryllium-beschichtete Sicke mit ähnlichen Eigenschaften. Beim 32-Ohm-Kopfhörer wechselt man hingegen zu einer Membran aus LCP (Flüssigkristallpolymer) sowie Aluminiumbeschichtung für die Sicke.

Fiio FT3 Test Impedanz
Achtung: Die 32-Ohm- und 350-Ohm-Version unterscheiden sich noch in weiteren Punkten als nur der Impedanz.

Beide Versionen des Fiio-Kopfhörers werden mit zwei verschiedenen Ohrpolstern geliefert, ein Paar aus Velours und eins aus Kunstleder. Wir starten mit den ledernen Ohrpolstern und einem Audioquest Dragonfly Cobalt als DAC. Er ist der leistungsstärkste der Audioquest-Dongle-DACs, allerdings auch der teuerste. Budget-technisch wäre einer der kleineren Brüder ein besserer Partner, denn der Cobalt schiebt den Preis des FT3 auf gut 500 Euro. Immerhin tut der zackige Charakter des Cobalt ihm sehr gut, der FT3 weiß sein Potenzial zu nutzen.

Der Fiio FT3 im Klang-Check

Auch am Klinkenausgang des Macbooks macht der FT3 eine gute Figur, aber mit dem Dragonfly wird das Bild noch feiner. Und das kann der Fiio FT3 besonders gut: Feinheit. Das kommt nicht nur in einfühlsamen Songs wie Florence + The Machines King zur Geltung, sondern vor allem in rockigeren Stücken. Bring Me The Horizons sugar honey ice & tea ist selbst im geschäftigsten Gitarrensturm stets voll verständlich und definiert. Der FT3 scheint sich im mittleren Frequenzbereich bis runter in die tiefen Mitten besonders wohlzufühlen: Stimmen erscheinen durch ihn warm und voll, während Instrumente klar voneinander abgegrenzt tönen. Den Eindruck verstärken die Velours-Polster noch, denn hiermit gelingt dem FT3 eine noch etwas weitere Klangbühne, auf der alle Elemente viel Entfaltungsraum finden.

Fiio FT3 Test Kabelanschluss
Das Audiokabel schließt du an beide Ohrmuscheln an.

Was mit beiden Polstern leider nicht wirklich zur Geltung kommt, ist der Bass. Da die tiefen Frequenzen viele offene Kopfhörer vor Probleme stellen, ist das erstmal nicht überraschend. Der FT3 lässt aber selbst einen unserer Standard-Testsongs, Limit To Your Love von James Blake, zahm klingen. Genauso reicht der FT3 zwar tief genug herunter, um Janelle Monáes I Like That oder Victoria Monets On My Mama zu untermalen – bei dezenter Untermalung bleibt es aber auch. Etwas mehr Punch würde dem FT3 gut zu Gesicht stehen. Vor allem da der Bass, den wir hören, sehr gut klingt. Trocken und kontrolliert spielt der FT3 auch in den tiefsten Passagen mit.

Etwas mehr Dynamik?

Als offener Kopfhörer ist beim FT3 eine gewisse Weite vorprogrammiert. Schließlich ist der Klang nicht unter der Ohrmuschel eingepfercht, sondern kann sich ganz einfach physikalisch weiter entfalten. Der FT3 spielt denn auch auf längere Zeit sehr entspannt. Die Musik schlägt weniger stark auf dich ein, als es nach längerer Zeit bei vielen geschlossenen Modellen der Fall ist. Dabei platziert der Fiio einzelne Song-Elemente gezielt im Raum. Noch präziser gelingt das aber dem Focal Clear Mg, der etwa in Stromaes Fils de Joie die an verschiedenen Stellen einsetzenden Instrumente räumlich klarer absteckt.

Fiio FT3 Test Ohrpolster Vergleich
Auch die verschiedenen Ohrpolster können Auswirkungen auf den Klang haben.

Insgesamt hat der FT3 ein eher nüchternes Klangbild. Während die Höhen manchmal etwas überrepräsentiert werden, sind sie dennoch nicht klirrend und passen gut zum starken Mitteltonbereich. Da der FT3 mit viel Detail spielt, ist er auch nicht langweilig. Ein wenig fehlt ihm aber doch der Spaßfaktor, denn eine seiner Schwächen liegt in der Dynamik. Lautstärkeunterschiede in Songs werden zwar wiedergegeben, aber mit wenig Pepp. Hier klingt der fairerweise um ein Vielfaches teurere Clear Mg deutlich mitreißender.

Tragekomfort: Über Stunden hinweg tragbar

Das wuchtige Design bringt auch ein recht hohes Gewicht mit sich: Der Fiio FT3 wiegt fast 400 Gramm. Damit ist er zwar leichter als ein Sendy Audio Aiva, aber schwerer als ein Sennheiser HD6602S. Das fast halbe Kilogramm spürst du auch auf dem Kopf, unangenehm fanden wir das aber erst nach mehreren Stunden im Dauerbetrieb. Das dürfte auch daran liegen, dass der FT3 einen geringen Anpressdruck hat. Was anfangs wackelig wirkt, wird auf langen Strecken zum eindeutigen Vorteil. Auch der elastische innere Kopfbügel trägt dazu bei, dass der FT3 auch nach mehreren Stunden bequem bleibt.

Fiio FT3 Test Tragekomfort
Nur der innere Kopfbügel kann verstellt werden, der äußere ist fix.

Die Ohrmuscheln des FT3 lassen sich in ihren Befestigungen recht weit vor- und zurückklappen. Ihre Passform ist allerdings etwas befremdlich. Erstens hat die Aussparung der Polster einen vergleichsweise kleinen Durchmesser, bei Menschen mit extrem großen Ohren könnte er also vom Over-Ear zum On-Ear werden. Außerdem fühlte es sich zumindest auf unserem Kopf so an, als würden die Ohrmuscheln am Hinterkopf nicht richtig anliegen. Nach einer Gewöhnungsphase fanden wir das Tragegefühl allerdings sehr angenehm. Vor allem, da unter den Ohrmuscheln wenig Hitze entsteht.

Die Ausstattung des Fiio FT3

Neben den zwei Paar Ohrpolstern findest du in der Verpackung des FT3 noch ein 1,5 Meter langes Kabel sowie diverse Steckaufsätze. Das Kabel gabelt sich an einem Ende und führt zu zwei 3,5-Millimeter-Klinken, die jeweils an die rechte und linke Ohrmuschel gesteckt werden. Sowohl neben den Buchsen als auch über den Ohrmuscheln ist deutlich sichtbar vermerkt, wie herum der Kopfhörer gehört.

Fiio FT3 32 Ohm Test HiFi-Kopfhörer
Der Fiio FT3 wird mit zahlreichem Zubehör geliefert.

Das andere Ende kannst du ziemlich flexibel gestalten: Im Auslieferungs-Zustand ist ein 3,5-Millimeter-Klinkenstecker montiert. Diesen kannst du mittels Bajonett-Verschluss abnehmen und gegen einen symmetrischen Pentaconn-Stecker mit 4,4 Millimeter großer Klinke tauschen. Je nachdem, welchen Stecker du montiert hast, stehen dir dann noch ein 6,35-Millimeter-Adapter und einen symmetrischer XLR-Adapter zum Aufstecken zur Verfügung. Das ist eine sowohl praktische als auch extrem stabile und hochwertige Option, die wir in dieser Preisklasse nicht erwartet hätten. Mit den Ohrpolstern hatten wir hingegen etwas zu kämpfen. Sobald du einmal den richtigen Griff gefunden hast, lassen sich aber auch diese einfach abziehen.

Du hast bei der Wahl deines Verstärkers also freie Hand. Passenderweise konnten wir den FT3 über jeden Stecker – ausgenommen der Mini-Klinke – mit unserem Allround-Kopfhörerverstärker und Gewinner des HIFI.DE Editors‘ Choice Awards FiiO R7 verbinden.

Verarbeitung: Rundum wertig

Dem HiFi-Kopfhörer legt Fiio außerdem ein Tragecase aus hellbraunem Leder bei. Dieses ist, wie der Rest des FT3, gut verarbeitet. Insgesamt haben wir an Materialwahl und Gestaltung kaum etwas auszusetzen. Ein wenig erinnert uns der FT3 an den ebenfalls futuristischen Sennheiser HD 800 S. Die Holzoptik von Kopfhörern wie dem Sendy Audio Aiva wirkt gemütlicher, aber das industrielle Design des FT3 hat durchaus seinen Charme.

Fiio FT3 Test Tragecase
Im Tragecase finden Kopfhörer und Kabel bequem Platz.

Was dir persönlich besser gefällt, ist natürlich Geschmackssache. Zumindest qualitativ brauchst du dich angesichts des geringen Preises des Fiio-Kopfhörers nicht zu sorgen. Er fühlt sich wertig und durchdacht an, vom kühlen Aluminiumgehäuse bis zu den Kunstleder-Kopfbügeln.

Testfazit FiiO FT3: Entspannter Einstiegs-Hörer

Der Fiio FT3 darf für rund 300 Euro noch als günstigster HiFi-Kopfhörer gelten. Günstig heißt in diesem Fall nicht billig: Verarbeitung, Design und die breite Palette an Zubehör machen klar, dass Fiio nicht nur Wert auf den Preis, sondern auch auf die Qualität gelegt hat. Klanglich kann er sich sogar mit einigen teureren Kopfhörern messen. Er spielt fein, offen und relativ neutral, allerdings mit leicht überbetonten Mitten. Im Bass könnte der Kopfhörer beherzter zugreifen und auch in puncto Dynamik fehlt es dem FT3 etwas an Elan. In der Summe ist der FiiO FT3 aber ein gut klingender, entspannter und hochwertiger Kopfhörer zum Einstiegspreis.

HIFI.DE Testsiegel - HiFi-Kopfhoerer- Fiio FT3 32 Ohm - 8.8

Den Fiio FT3 gibt es bei Amazon zu kaufen:

Technische Daten
Kopfhörertyp Offen
Gewicht 391 g
Frequenzbereich 7 Hz - 40 kHz
Wandler dynamisch, 60 mm
Impedanz 32 Ohm
Wirkungsgrad 110 dB
Kabellänge 1,5 m
Kopfhörer-Anschluss 2 x 3,5 mm Pentaconn
Mitgeliefertes Zubehör 1 x 3,5 mm austauschbarer Stecker, 1 x 4,4 mm austauschbarer Stecker, 1 x 3,5-mm-Buchse auf 6,35-mm-Stecker-Adapter, 1 x Symmetrischer Adapter von 4,4-mm-Buchse auf XLR-4-Stecker, 1 x 1,5-m-Kabel mit Doppelanschluss, 1 x Velours-Ohrpolster, 1 x Lederimitat-Ohrpolster, Tragecase
Preis (UVP/Straßenpreis) 329,00 / ca. 299 Euro

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