SPL Phonos Duo im Test: High-End-Klang dank Hochspannung
- Eingänge
- 1x Cinch (MM/MC), 1x XLR (MM/MC)
- Audio-Ausgänge
- 1x Cinch, 1x XLR
- Abschlusswiderstände
- 20Ω, 50Ω, 100Ω, 220Ω, 500Ω, 1kΩ
- Eingangskapazität
- 12, 47, 100, 150, 220, 330 pF
- Gain
- 30, 40, 50 db (MM), 50, 60, 70 dB (MC)
- Abmessungen (BxHxT)
- 278 x 57 x 300 mm
- Gehäuse-Ausführungen
- Schwarz, Rot, Silber
- Preis
- 2.999 Euro
Wunderbar offen, weich und fein auflösend, lässt der SPL Phonos Duo Top-Tonabnehmer jeder Bauform klanglich über sich hinauswachsen. Für sehr leise MCs unterhalb von ca. 0,3 mV empfiehlt sich für optimale Rauscharmut der Betrieb mit einem vorgeschalteten Übertrager.
- Sehr neutraler, transparenter Klang mit schönem, musikalischem Flow
- Sehr hohe, mühelose Dynamik
- Durchdachte Ausgestattung
- Vorzüglich verarbeitet
- Könnte an sehr leisen MCs noch rauschärmer sein
Schon der „normale“ SPL Phonos erfreute sich nach seinem Test großer Beliebtheit in der Redaktion. Neben tiefen Einblicken in die Fähigkeiten des angeschlossenen Spielers kommt aber auch der Hörspaß nicht zu kurz. Der Phonos begeistert schon in seiner Basisversion mit einem unangestrengten, lässig-dynamischen Klang. Jetzt will der SPL Phonos Duo den Spaß verdoppeln. Wir haben den neuen High-End-Phono-Vorverstärker zum Test gebeten – und genau hingehört.
Den SPL Phonos Duo gibt es in drei Ausführungen:
Der neue Phonos Duo soll auf den Stärken des weiterhin erhältlichen Basismodells aufbauen. Er ist also kein Nachfolger, sondern die Upgrade-Option für den SPL Phonos. Für 1000 Euro Aufpreis bekommst du aber nicht nur ein paar Extras, sondern ein komplett neues Innenleben: Gefühlt arbeitet im Duo tatsächlich auch mindestens doppelt so viel Elektronik. Das „Duo“ steht aber für die Ein- und Ausgänge, die nun jeweils in symmetrischer XLR- und unsymmetrischer Cinchversion bereitstehen.
Gerade bei MC-Tonabnehmern lässt sich via XLR nicht nur die Störarmut verbessern, sondern auch klanglich noch was herausholen. Schließlich liefern MC-Abtaster bereits von Natur aus perfekt symmetrische Signalströme. Da die beiden Eingänge an der Frontplatte umschaltbar sind, kannst du den Duo zudem auch sehr komfortabel mit zwei Plattenspielern verwenden. Was wir im Hörtest dann auch ausgiebig getan haben.
SPL Phonos Duo im Hörtest: Dieser Preamp lässt tief blicken
Mit dem Technics SL-1200GR bauen wir zunächst einen noch relativ erschwinglichen Spieler auf. Als Tonabnehmer bauen wir das Ortofon MC X20 ein, ein klassisch mittellautes Moving Coil, das in Kombination mit dem Technics wunderbar ausgewogen und informativ klingt. Wie schon beim Phonos beeindruckt uns auch beim Phonos Duo dessen enorm hohe Auflösung, die aber stets unaufdringlich bleibt. Wir baden förmlich in interessanten Klangdetails, die der Spieler ganz lässig aus der Rille kitzelt. Dabei lässt uns der Duo sogar noch tiefer in die Mixe hineinhören, als das der kleine Bruder konnte. Und zwar bereits über den Cinch-Eingang, mit den serienmäßigen Technics-Cinch-Kabeln.

Es ist immer wieder faszinierend, wie der Duo unsere Ohren durch dichte, komplexe Produktionen führt. Die vielen Keyboardschichten, die durch Once Twice Melody von Beach House wabern, bleiben sauber separiert wie in einem Musterkoffer für interessante Analog-Synthi-Sounds. Die Platte, die eigentlich zu einem eher verschlossenen, wenig dynamischen Klangbild neigt, erhält über den SPL einen weichen, aber großvolumigen Groove und fein differenzierte Klangfarben, die Vocals sind auch an schwierigen Stellen blitzsauber abgebildet. Das ist nicht selbstverständlich, und liegt auch nicht ausschließlich in der Verantwortung des Tonabnehmers. Wie weich und natürlich der Hochton wirkt, beeinflusst auch der Phono-Vorverstärker maßgeblich.
Entspannte Präzision im Hochton
Beim Hördurchgang mit einem deutlich teureren MC – nun montiert in einem Linn LP12 – werden die Qualitäten des SPL noch deutlicher: Mit dem Lyra Delos schafft es der Phonos Duo, einerseits dessen riesige Dynamik ungebremst zu vermitteln, dabei aber andererseits nie gestresst zu klingen. Das Lyra kann je nach Preamp auch mal etwas hell wirken. Am SPL scheint sein Hochton aber regelrecht aufzutauen. Die Höhen sind zwar voll da, die tonale Balance ist neutral wie bei einem digitalen Stream. Zugleich wirkt die Auflösung aber angenehm weich und fein. Was wir hören, ist kein auf freundlich getrimmter Sound. Sondern eine absolut ehrliche, äußerst verzerrungsarme Wiedergabe, die ganz von selbst angenehm wirkt, weil sich unsere Ohren dabei komplett entspannen können.

Auch Unterschiede zwischen verschiedenen Tonabnehmern werden außergewöhnlich deutlich. Mit dem Wechsel zum Dynavector DV-20X2A-L hält zum Beispiel dessen sonore, körperhafte Wärme im Klang Einzug. Das oben vorgestellte Ortofon dagegen fasziniert mit einem auf den ersten Blick nüchternen, auf den zweiten Blick dafür umso facettenreicheren Auftritt. Das Transrotor Figaro wiederum bringt die charakteristische Brillanz seines superschlanken Diamantschliffs mit und begeistert damit Freunde eines quirlig-lebendigen Sounds. Diese Unterschiede sind natürlich auch mit anderen Phono-Teilen hörbar. Mit der Klarheit und Dynamik des Phonos Duo lassen sie sich aber viel einfacher auseinanderhalten als mit den meisten anderen Preamps.
Uneingeschränkt MM- und MC-fähig – jedenfalls fast!
Beim Transrotor-Tonabnehmer und auch beim Dynavector ahnen wir aber auch eine kleine Einschränkung des SPL im Vergleich zu bestimmten anderen Top-Phono-Stufen. Der Phonos Duo arbeitet – wie schon der Phonos – mit einer puristischen Schaltung, die sicher für den natürlichen Klang mitverantwortlich ist, aber auch keine Rekorde in Sachen Rauscharmut aufstellt. Mit Lyra oder Ortofons X-Serie käme man da wahrscheinlich nicht drauf. Das Transrotor liefert mit 0,25 mV aber zum Beispiel nur die halbe Ausgangsspannung des Lyra. Bei solchen sehr leisen Systemen kannst du das Eigenrauschen des Vorverstärkers schon ein wenig hören, wenn du zum Beispiel mit aufgedrehter Lautstärke die Platte umdrehst.

Perfekt rauschfrei, auch mit den leisesten Systemen, wird der Phonos Duo, wenn man ihn mit einem externen MC-Trafoübertrager kombiniert. Diese genialen Kästchen sitzen zwischen Plattenspieler und Phono-Preamp und heben das MC-Signal passiv auf die zehn-, zwanzig- oder gar dreißigfache Spannung. Der MM-Eingang des SPL hat damit dann leichtes Spiel. Wir haben die erschwingliche „MC Step-Up-Box S3“ von Pro-Ject ausprobiert und sind vom Resultat begeistert: Selbst unsere leisesten Systeme arbeiten mit der Kombi gehörmäßig komplett rauschfrei. Aber auch die etwas Lauteren, die nicht auf den Übertrager angewiesen wären, legen enorm an Nachdruck und Dynamik zu. Die hohen Aussteuerungsreserven von SPLs 120-Volt-Technik hört man auf diesem Weg am eindrucksvollsten. Aber das kannst du ja bequem zu Hause ausprobieren – und dir gegebenenfalls auch später noch als Upgrade gönnen.
Wie sich der SPL Phonos Duo im Vergleich mit anderen von uns getesteten Phono-Vorverstärkern schlägt, verrät dir ein Blick auf unsere Bestenliste:
SPL Phonos Duo: Technischer Aufbau und Praxis
Der Phonos Duo entsteht am SPL-Hauptquartier im rheinischen Niederkrüchten in Handarbeit. Gehäusedesign und Verarbeitungsniveau entsprechen dabei den bewährten Studiogeräten des Herstellers. Anschlüsse und Features dagegen sind auf HiFi-Nutzung zugeschnitten. „Professional Fidelity“ nennt der deutsche Hersteller diese Herangehensweise, die du auch an DACs, Vor- und Endstufen, Kopfhörerverstärkern und aktiven Frequenzweichen aus dieser Serie findest.

Wie die berühmten Equalizer und Kompressoren der Marke lockt auch der Phonos Duo mit dem großen Dynamikumfang der SPL-proprietären 120-Volt-Technik. Die signalverarbeitenden Baugruppen in dem Preamp arbeiten also mit der vergleichsweise riesigen Versorgungsspannung von ±60 Volt. Entsprechend weit ist dann auch der unverzerrte Aussteuerungsbereich dieser Hochvolt-Kleinsignalstufen. Das ist bei Phono schon aus ganz praktischen Gründen hilfreich. Denn Tonabnehmer unterscheiden sich selbst innerhalb eines Bauprinzips sehr deutlich, was ihre Ausgangsspannung betrifft. So liegen „low output“ MC-Systeme irgendwo zwischen 0,1 und 1mV (bei einem Testsignal mit 5cm/s Schnelle), während die lautesten MMs dann schon fast 10mV ausspucken würden. Je nach eingestellter Verstärkung kommen normale Phono-Stufen da schnell in die Nähe ihrer Clippinggrenze. Und das hört man oft schon, bevor diese erreicht ist.
Verzerrungsarmut und Dynamik haben Vorfahrt
Die 120-V-Verstärkungsstufen im Phonos sind dagegen nahezu unmöglich zu übersteuern. Aufgebaut sind sie als Miniplatinchen aus diskreten, hochwertigen Einzelbauteilen: hochspannungsfeste Spezialtransistoren, toleranzarme MELF-SMD-Widerstände. Integrierte Bausteine gibt es für diese Aufgabe nicht: Typische Operationsverstärker-ICs erledigen zwar für einen Bruchteil des Preises einen ganz ähnlichen Job, lassen sich aber allenfalls mit ±15 Volt betreiben. Das reicht natürlich auch. Aber gerade bei Phono, mit dem großen Spektrum an möglichen Ausgangsspannungen, aber auch wegen der Knackser und subsonischen Störungen, die Headroom fressen, können die Reserven gar nicht groß genug sein.

Bis zu 70 dB Verstärkung (also rund Faktor 3000) kann der SPL den zartesten Signalen angedeihen lassen. Tatsächlich muss der Phonos intern aber nochmal weitere 40 dB drauflegen. Denn die braucht er als Pegelreserve für die RIAA-Entzerrung, die aus dem abgetasteten Rohsignal überhaupt erst linearen, ausgewogenen Klang macht. Die Entzerrung ist genau vorgegeben und nicht veränderbar.
Die Aufnahme auf einer Schallplatte wird nach der RIAA-Kurve verzerrt (blau) und muss bei der Wiedergabe entsprechend entzerrt werden (rot) | Bild: Wikipedia Commons
SPL-Entwickler Bastian Neu verwendet dafür rein passive Filter. Es wird also erst heftig verstärkt, dann ein Teil des Extra-Gains mit frequenzabhängigen Bauteilen selektiv wieder weggedämpft. Das ist nicht die effizienteste Entzerrungsmethode und auch nicht die rauschärmste, nach dem Dafürhalten der SPL-Entwickler aber die klanglich beste. Einer Firma, die unter anderem für ihre professionellen Mastering-Equalizer berühmt geworden ist, nehmen wir diese Einschätzung gerne ab – zumal unser Hörtest ihr nicht zu widersprechen scheint.
Universelle, durchdachte Ausstattung
Wie anfangs schon angedeutet, findest du am Heck des Phonos Duo symmetrische XLR-Eingänge und Cinch-Inputs. Letztere vertragen sich mit praktisch jedem Plattenspieler der vergangenen 60 Jahre. Aber auch für erstere gibt es zunehmende Nachfrage, weil große Spielerhersteller wie Pro-Ject oder Thorens ihre gehobenen Modelle serienmäßig mit den passenden Ausgängen ausstatten. Manche Spieler – etwa der Acoustic Signature Verona Neo oder der Luxman PD-191A in unserem Hörraum – lassen sich durch einen simplen Kabeltausch zwischen den beiden Verbindungsarten umbauen. Welches Eingangspaar du hörst, kannst du mit einem Kippschalter an der Frontplatte auswählen. Beide Inputs eignen sich gleichermaßen für MM- wie MC-Systeme und können auch gleichzeitig mit Spielern verbunden sein.

Auf dein konkretes System stellst du den Phonos mit einer Reihe von Kippschaltern und zwei knackigen Alu-Drehknöpfen ein. Für jede Systemart gibt es drei Verstärkungsstufen: MMs erhalten einen Gain von 30, 40 oder 50dB, je nachdem, ob der „Gain“-Schalter auf Low, Med oder High steht. Bei MC entsprechen diese Positionen 50, 60 und 70dB Verstärkung. Den passenden Abschlusswiderstand für dein MC stellst du am rechten der beiden Drehschalter ein. Sechs Werte zwischen 20 und 1000 Ohm stehen zur Wahl. Der linke Drehschalter bietet sechs Kapazitätswerte zwischen 12 und 330 Picofarad, die du brauchst, um MM-Systeme passend abzuschließen. Da der korrekte Wert vom Tonabnehmer, aber auch von den Phonokabeln abhängt, findest du die richtigen Einstellungen am besten nach Gehör.
Erstklassige Verarbeitung, nachhaltiger Aufbau
Weitere Features umfassen einen Monoschalter, eine sehr praktische Mutefunktion und ein schaltbares Subsonicfilter, das flatternde Tieftonmembranen bei Regallautsprechern beruhigen hilft. Um die vielen Schalter brauchst du dir keine Sorgen zu machen, da sie lediglich der Steuerung dienen. Tatsächlich ausgeführt werden die Schaltvorgänge ausnahmslos in alterungsresistenten Goldkontakt-Relais direkt auf der Platine.

Allein 26 dieser elektromagnetischen Minischalter tummeln sich auf dem großen Mainboard. Neun 120-V-Opamp-Miniplatinen, allesamt hochkant auf dem Mainboard platziert, kümmern sich um die Verstärkung. Auch die Spannungsregelung lässt SPL nicht von einem Chip von der Stange, sondern von diskreten Reglerplatinen aus eigener Fertigung erledigen.
Als zentrale Energiequelle dient dem Phonos Duo ein auffallend großer Ringkerntrafo. Ein Mantel aus teurem Mu-Metall sorgt dafür, dass dem Umspanner nicht das kleinste elektromagnetische Störfeld entweicht. Tatsächlich arbeitet der Phonos Duo dann auch absolut brummfrei – jedenfalls solange du ihn nicht direkt über einer Steckernetzteil-Dreckschleuder aufbaust.

In unserem Hörraum ist das Netzteil vom Netzwerk-Switch der notorische Unruhestifter. Aber da hilft es schon, den Steckertrafo samt Netzleiste einfach auf die Seite zu legen. Kniffligere Brummstörungen, etwa durch Masseschleifen, bekommst du mit dem Groundlift-Schalter des Phonos Duo oft ganz bequem in den Griff. Der Schalter am Heck trennt Schaltungs- und Gehäusemasse, und auch hier gibt es keine Pauschalempfehlungen. Die korrekte Masseführung, vor allem wenn als weitere Komponente noch ein Übertrager hinzukommt, kann man nur empirisch finden.
Unser Fazit zum SPL Phonos Duo
Der SPL Phonos Duo ist zwar nicht der teuerste, aber definitiv einer der besten Phono-Preamps, die wir bisher im Hörraum hatten. Dynamik und Facettenreichtum sind seine großen Stärken, aber die haut er uns nicht mit kantigem Sound und flirrenden Details um die Ohren. Sondern lässt die Musik einfach unglaublich weich und fein fließen. Nur, um diesen Fluss bei Bedarf in einen reißenden Strom zu verwandeln. Eine fast symbiotische Verbindung geht der deutsche Phono-Preamp mit MC-Übertragern ein. Deren passive Spannungsverstärkung hilft nicht nur, sehr leise MCs noch rauschärmer zu machen. Sondern sie hilft auch, die große Dynamik des SPL wirklich auszureizen.
Hier findest du den SPL Phonos Duo im Angebot:
| Technische Daten | |
| Eingänge | 1x Cinch (MM/MC), 1x XLR (MM/MC) |
| Audio-Ausgänge | 1x Cinch, 1x XLR |
| Abschlusswiderstände | 20Ω, 50Ω, 100Ω, 220Ω, 500Ω, 1kΩ |
| Eingangskapazität | 12, 47, 100, 150, 220, 330 pF |
| Gain | 30, 40, 50 db (MM), 50, 60, 70 dB (MC) |
| Abmessungen (BxHxT) | 278 x 57 x 300 mm |
| Gewicht | 3,2 kg |
| Gehäuse-Ausführungen | Schwarz, Rot, Silber |
| Preis | 2.999 Euro |
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