Startseite HiFi Elektronik Phono-Vorverstärker Lehmannaudio Black Cube II im Test: Kompakte Edel-Phonostufe

Lehmannaudio Black Cube II im Test: Kompakte Edel-Phonostufe

Der Lehmannaudio Black Cube II ist ein Phono-Vorverstärker, der seine Aufgabe ernst nimmt. Wir haben uns den schicken Preamp angeschaut und angehört.
HIFI.DE Test | Lehmannaudio Black Cube II
Eingänge
1x Cinch MM/MC
Audio-Ausgänge
1x Cinch
Eingangskapazität
100 pF, 2 weitere Werte frei wählbar
Abschlusswiderstände
100 Ohm, 1.000 Ohm und 1x bei Bestellung frei Wählbar
Abmessungen (BxHxT)
114 x 50 x 124 mm
Gehäuse-Ausführungen
Schwarz, Silber, Chrom (+100 Euro)
Preis
749 Euro
In Kürze
Der Black Cube besticht mit hochgenauem, audiophilem Phonoklang ohne Effekthascherei. Damit hören wir gerne auch nach dem Test noch weiter.
Vorteile
  • Sehr natürlicher, farbentreuer Klang
  • Flexibel anpassbar
  • Mit Netzteil PWX upgradefähig
Nachteile
  • Anpassungs-Schalter nicht beschriftet
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Fast 800 Euro für eine reine Phono-Vorstufe – das kannst du schon grenzwertig dekadent finden, oder aber für ein Sonderangebot halten. Je nach Blickwinkel trifft auf den Lehmannaudio Black Cube II beides zu. Warum wir seinen Preis letztlich absolut angemessen finden, erfährst du in diesem Test.

Klar, es gibt Phono-Vorverstärker bereits für 100 Euro und sogar deutlich darunter. Und auch die tun ihren Job, und das noch nicht einmal unbedingt schlecht. Und ehrlicherweise sieht der Black Cube II auch eher unspektakulär aus. Immerhin ist er im Vergleich zum preiswerteren Lehmann Black Cube Statement eher für eine sichtbare Platzierung im Rack designt: Vorne clean und aufgeräumt, mit fünf Millimeter starker Alufront, gegen Aufpreis sogar verchromt. Und die Ein- und Ausgangsbuchsen hinten sind von feinster Qualität. Ein echtes HiFi-Gerät eben. Das uns auch im Hörraum zu überzeugen wusste.

Euronics hat den Black Cube II im Angebot:

Lehmannaudio Black Cube II im Hörtest: Neutral und direkt

Getestet haben wir den Lehmann an einem LP12-Laufwerk von Linn, ausgerüstet mit Ekos-Tonarm und einem Lyra Delos als MC-Tonabnehmer. Kein billiger Spaß, aber klanglich mit enormer Klarheit und Dynamik ein Hochgenuss. Diesem fein aufgelösten, überwältigend farbigen Klang krümmt der Lehmann nicht das kleinste Härchen. Sondern lässt ihm ganz entspannt den Auslauf, den der Plattenspieler eben benötigt. Das ist nicht immer ein entspannender Spaziergang.

Lehmannaudio Black Cube II – Detail Logo
Phono-Vorverstärker von Lehmannaudio haben bei uns im Testlabor bisher immer eine gute Figur gemacht.

Sondern kann auch mal zur anstrengenden, abenteuerlichen Reise werden. Etwa bei PJ Harveys überragend aufgenommenem, aber eigenwillig klingenden Meisterwerk Let England Shake, wo wir gefühlt schon auf der ersten Seite 100 Variationen mittig-schrängelnder Gitarrensounds kennenlernen.

Der Black Cube II arbeitet die Signaturen der jeweiligen Instrumente und Gitarrenverstärker mit dokumentarischer Sorgfalt heraus. Er lädt zum aktiven, aufmerksamen Hören ein, als säße man direkt neben Produzentenlegende Flood am Mischpult im Londoner Assault & Battery-Studio. Und wenn’s mit E-Gitarren, E-Piano, Zither und Harveys Gesang in den Mitten richtig heiß hergeht, dann arbeitet nicht nur das Lyra wie immer gnadenlos akkurat.

Lehmannaudio Black Cube II – Frontal
Der Black Cube II macht sich auch designtechnisch als schicker Bestandteil deines HiFi-Setups nicht schlecht.

Sondern auch der Lehmann, der die ganze Energie konsequent, ungeschönt und ungefiltert weiterträgt. Im Studio gibt es Geräte, die ausdrücklich bestimmte Effekte erzeugen sollen. Und es gibt welche, die, sofern möglich, einfach gar keine Klangsignatur haben sollen. Norbert Lehmann ist selbst Toningenieur. Phono-Vorverstärker zählt er ganz offensichtlich und richtig zur letzteren Gattung.

Alle von uns getesteten Phono-Vorverstärker findest du übrigens in unserer Bestenliste:

Stimmiger Klang mit oder ohne Extranetzteil

Mit dem Black Cube II hörst du präzise und dynamisch, aber der Klang wird nie kalt, abweisend oder anorganisch. Außer natürlich, du legst eine Scheibe wie Acid Bath von Alien Sex Fiend auf, wo das, etwa bei Break Down And Cry (Lay Down And Die – Goodbye), genau so sein muss. Steve Winwoods elegantes Album Arc Of A Diver dagegen wahrt eine schöne Balance zwischen charakteristisch schlanker 80er-Jahre-Produktion und warmem Groove.

Lehmannaudio Black Cube II – Frontal Rechts
Der Black Cube II liefert im Hörtest balancierten, akkuraten Sound und macht wirklich Freude.

Die Keyboard-Sounds zeigen dann wieder die differenzierte Klarheit, die den Black Cube II auszeichnet: Sie klingen zwar immer noch etwas nach Plastik, weil das damals eben so war (und unter Musikern heute wahrscheinlich schon wieder als vintage gilt). Ihre Klangfarben wirken aber strahlend frisch, als wäre dieses Plastik gerade erst in Form gepresst worden und nicht schon 40 Jahre im Plattenschrank vergilbt.

Mit dem an sich wirklich exzellenten Cambridge Audio Alva Duo kommst du an diese Frische und Authentizität nicht heran. Der Mitbewerber wirkt – allerdings für nicht mal das halbe Geld – stumpfer und distanzierter. Umgekehrt ist aber auch mit dem Black Cube II noch nicht das Ende aller analogen Möglichkeiten erreicht. Sollte dich irgendwann der Wunsch nach mehr überkommen, kannst du aus dem Black Cube II einen Black Cube SE II machen. Jederzeit. Einfach indem du das Originalnetzteil durch das große Edelstromhäuschen PWX ersetzt.

Lehmannaudio Black Cube II – Netzteil und kabel
Ersetzt du das Netzteil durch ein hochwertigeres Exemplar, kannst du gleich noch etwas mehr aus dem Preamp herauskitzeln.

Das PWX kostet 399 Euro und bringt tatsächlich deutliche Veränderungen. Der Ton wird ein bisschen dunkler, weicher und seidiger, die Abbildung rückt einen Schritt vom Hörplatz weg, gewinnt zugleich aber merklich an Breite. Zumindest subjektiv rauscht der Black Cube II am PWX auch noch dezenter. Wobei der deutsche Preamp ohnehin mit nahezu rauschfreier Verstärkung glänzt – an MM– wie MC-Systemen gleichermaßen.

Lehmannaudio Black Cube II: Technischer Aufbau und Praxis

Der Black Cube II verstärkt zweistufig mit insgesamt vier Spezial-ICs. Von den ultrastabilen, direkt mit der Rückwand verschraubten Eingangsbuchsen gelangt das Signal zunächst in zwei THAT1501. Das sind hochempfindliche, rauscharme Instrumentationsverstärker, wie sie im Studio zum Beispiel auch für Mikrofone eingesetzt werden. Die THAT-Chips leisten so viel Verstärkung, dass Lehmann die RIAA-Entzerrung danach komplett passiv ausführen kann.

Lehmannaudio Black Cube II – Seitenansicht
Von der Seite wird es beim Lehmannaudio Black Cube II etwas schlichter, aber nicht weniger wertig.

Das dazu nötige Filternetzwerk besteht aus hochwertigen Folienkondensatoren und eng tolerierten Widerständen, was einen linealgeraden Frequenzgang verspricht. Außer natürlich, du willst ganz bewusst im Tiefbass bremsen, etwa um kleine Regallautsprecher nicht unnötig zu quälen. Für diesen Fall bietet der Black Cube ungewöhnlich vielseitige Filteroptionen, die von einem milden Subsonic bis hin zu schon deutlich hörbarer Tieftonreduktion rangieren.

Die Rolle der Ausgangsstufe übernehmen, wiederum kanalgetrennt, zwei OPA134-Chips der Marke Burr-Brown. Einst selbständig, ist B-B heute ein Geschäftsbereich von Texas Instruments und dort für die spezialisierten Audio-ICs zuständig. Die OPA134 sorgen im Black Cube II für einen niedrigen Ausgangswiderstand und nahezu unbegrenzte Aussteuerungsreserven. Bis zu 45 Millivolt verarbeitet der Lehmann zum Beispiel im MM-Modus.

Lehmannaudio Black Cube II – Anschlüsse
Der Lehmannaudio Black Cube II hat kein Problem mit langen Leitungen, und fühlt sich deshalb auch weit von deiner Anlage entfernt wohl.

Das würde eine unverzerrte Ausgangsspannung von 9 Volt bewirken, kommt in der Praxis aber nie vor: selbst die lautesten DJ-MCs geben nicht mehr als 10 Millivolt aus. Der geringe Ausgangswiderstand von 47 Ohm deutet an, dass du den Lehmann getrost auch an sehr langen Leitungen betreiben kannst. Das ist eine wichtige Eigenschaft, die dich flexibel bei der Platzierung deines Plattenspielers macht. Denn der kompakte Lehmann passt immer daneben oder darunter. Und die eigentliche Anlage samt Standlautsprecher kann dann auch auf der anderen Seite des Raumes stehen.

Vielseitig anpassbar – mit versteckten Profi-Optionen

Alle Grundeinstellungen am Black Cube II nimmst du über DIP-Schalterreihen vor, die unten aus dem Geräteboden herausschauen. Drei dieser Mäuseklaviere gibt es pro Kanal, keines davon ist beschriftet oder sonst wie intuitiv verständlich. Willst du den Verstärkungsfaktor, den MC-Abschlusswiderstand oder das Tieftonfilter verändern, greifst du also besser zum beiliegenden, sehr ausführlichen und vorbildlich stabil gebundenen Handbuch. Der etwas umständlichen Bedienung steht eine sehr flexible Anpassung gegenüber. Unter vier Verstärkungsstufen – 36, 46, 56 und 66 Dezibel – findest du garantiert die richtige für jeden Tonabnehmer.

Lehmannaudio Black Cube II – Frontal Links
Das Feintuning des Lehmannaudio Black Cube II ist etwas kompliziert – und geht nur mit Bedienungsanleitung locker von der Hand.

Für MCs kannst du zwischen 100 und 1000 Ohm Abschlusswiderstand umschalten. Diese recht grobe Auswahl kannst du durch beliebige Zwischenwerte ergänzen, indem du entsprechende Metallfilmwiderstände an zwei freien Steckplätzen im Gerät installierst. Das Gleiche geht für MM natürlich auch mit Kondensatoren. Verlangt dein MC zum Beispiel 470 Ohm oder fühlt sich ein exotisches MM an 220 Pikofarad am wohlsten, kannst du also mit geringem Aufwand Idealbedingungen schaffen.

Ein Wunschwiderstands-Paar legt Norbert Lehmann sogar gleich bei, wenn du bei der Bestellung den Wert bereits weißt. Ist der Gehäusedeckel gerade offen, entdeckst du eventuell noch eine weitere Option, diesmal durch – ebenfalls mitgelieferte – Steckjumper aktivierbar. Die zugehörigen Pins sind mit „DC“ beschriftet. Wenn du sie per Jumper verbindest, führen sie das Signal an den Ausgangs-Folienkondensatoren vorbei. Damit verschwinden diese potenziell klangbeeinflussenden Bauteile aus dem Signalweg, der nunmehr komplett DC-gekoppelt ist.

Lehmannaudio Black Cube II – Rückseite
Einzelner Features versieht Lehmannaudio im Handbuch mit einem ausdrücklichen Warnhinweis.

Puristen versprechen sich von dem kondensatorlosen Signalweg noch mehr Klangreinheit. Andererseits kommen damit auch Gleichstromstörungen in den Genuss der vollen Verstärkung. Mit potenziell zerstörerischen Konsequenzen, wenn ihnen nicht in einem stromabwärts folgenden HiFi-Verstärker ein Riegel vorgeschoben wird. Weshalb Lehmann dieses Feature im Handbuch mit einem ausführlichen Warnhinweis versieht.

Unser Testfazit zum Lehmannaudio Black Cube II

Preis und optischer Auftritt machen hier schon einen gewissen Anspruch deutlich – und heben ihn schon vor dem Hörtest vom Lehmannaudio Black Cube Statement ab. Dem wird der Lehmannaudio Black Cube II in unserem Test auch klanglich voll gerecht: Betont präzise und neutral, dabei sehr dynamisch und lebendig, klingt der Black Cube II genau so, wie man sich einen Phono-Preamp von und für Toningenieure vorstellt. Die Einstellmöglichkeiten des kompakten Geräts sind zwar unkomfortabel umgesetzt, dafür aber so umfassend, dass du dich bei der Tonabnehmerwahl absolut frei entfalten kannst.

HIFI.DE Testsiegel Phono-Vorverstaerker Lehmannaudio Black Cube II 8.7

Hier geht’s direkt zum Angebot des Black Cube II:

Technische Daten
Eingänge 1x Cinch MM/MC
Audio-Ausgänge 1x Cinch
Eingangskapazität 100 pF, 2 weitere Werte frei wählbar
Abschlusswiderstände 100 Ohm, 1.000 Ohm und 1x bei Bestellung frei Wählbar
Abmessungen (BxHxT) 114 x 50 x 124 mm
Gewicht 0,7 kg
Gehäuse-Ausführungen Schwarz, Silber, Chrom (+100 Euro)
Preis 749 Euro

Keine Lust auf externen Phono-Vorverstärker? Viele der von uns getesteten Plattenspieler haben bereits einen Vorverstärker eingebaut:

 

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