Startseite HiFi Elektronik Plattenspieler Test Cambridge Audio Alva ST: Bluetooth-Plattenspieler mit HiFi-Anspruch

Test Cambridge Audio Alva ST: Bluetooth-Plattenspieler mit HiFi-Anspruch

Schick, komfortabel und kabellos – eigentlich keine Begriffe, die man mit einem 1.000-Euro-Plattenspieler verbindet. Kann der Cambridge Audio Alva ST trotzdem überzeugen?
Antrieb
Riemen, manuell
Tonabnehmer ab Werk
Audio-Technica AT-95E
Motor
DC, elektronisch geregelt
33 ⅓ / 45 / 78 RPM
ja / ja / – (elektronische Umschaltung)
Anti-Skating einstellbar
ja, stufenlos
Integrierter Phono-Vorverstärker
ja, schaltbar
Preis
999 Euro
Cambridge Audio Alva ST im Test | HIFI.DE
In Kürze
Audiophile Geheimtipps gibt es schon genug. Der Cambridge Audio Alva ST setzt auf edles Finish, moderne Features und ausgewogenen Klang. Das gelingt ihm sehr gut.
Vorteile
  • Souveräner Klang mit guter Übersicht
  • Bluetooth aptX HD
Nachteile
  • Keine Tonarm-Höhenverstellung, keine Azimuth-Verstellung
  • Klang mit Seriensystem könnte dynamischer sein

Mit dem Alva TT V2 hat Cambridge Audio bereits gezeigt, wie modern ein Plattenspieler sein kann, ohne das Wichtigste, den Klang zu opfern. Nun folgt der Alva ST in den Fußstapfen des Topmodells, auf den ersten Blick kaum unterscheidbar, aber nur halb so teuer.

Die Einsparungen lesen sich, als könnte man sie verkraften: Statt des Direktantriebs im TT V2 treibt beim ST ein Riemen den Teller an. Und das serienmäßige Luxus-MC des V2 musste einem preiswerten Magnet-Tonabnehmer weichen. Wir haben den bildschönen Cambridge-Player umgehend in den Hörraum verfrachtet, wo er gegen Preisklassen-Kollegen antreten muss.

Cambridge Audio Alva ST von oben
Schlichte Eleganz – man sieht demCambridge Alva ST die enge Verwandschaft zum teureren Alva TT V2 auf den ersten Blick an.

Cambridge Audio Alva ST im Hörtest: Ausgewogen und dezent

Um die 1.000 Euro Listenpreis gibt es bereits überragend klingende Plattenspieler. Etwa den Rega Planar 3, der mit dem hauseigenen MM Elys 2 1.049 € kostet. Der Vergleich ist etwas unfair, weil der Cambridge zu diesem Preis bereits Bluetooth und einen Phono-Vorverstärker enthält. In dieser gehobenen Preisklasse ist so eine Ausstattung sowieso eher selten. Doch wie klingt das Gesamtpaket, und kannst du dem Cambridge Alva ST mit einem teureren Tonabhnehmer einen noch besseren Klang entlocken?

Hier kannst du den Cambridge Alva ST günstig bestellen:

Mit dem serienmäßigen System bereitet der Cambridge zunächst unkomplizierten Hörspaß. Etwas auf der warmen Seite, dabei aber immer noch neutral, ist der montierte Audio Technica AT-95E ein bewährter Allrounder. Der am Cambridge-Arm schon recht gut funktioniert: Der elliptische Nadelschliff des 95E liefert ordentliche Auflösung und lässt sich auch von hoch ausgesteuerten S-Lauten oder Schlagzeugbecken nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Cambridge Audio Alva ST Tonabnehmer
Guter Standard: Der ab Werk im Cambridge ALva ST verbaute AT-VM95E von Audio Technica liefert solide ab, lässt aber Raum für Upgrades.

Grenzen in Dynamik und Feinzeichnung

Im direkten Vergleich mit dem Rega Planar 3 werden aber auch Schwächen beim Cambridge Alva ST erkennbar. Er spielt etwas dünner im Bass und liefert nicht die gleiche Dynamik. In Order to Know You vom Popchor Deep Throat Choir lässt etwas Elan vermissen, die Stimmen wirken weiter entfernt und weniger fein artikuliert.

Wie sich zeigt, kannst du die Performance des Cambridge Alva ST jedoch deutlich steigern, wenn du statt des AT-95E einen vornehmeren MM-Tonabnehmer einbaust. Wir haben uns für den Audio Technica VM530EN entschieden, das mit einem Preis um die 200 Euro gut zum Cambridge-Spieler passt. Von diesem Upgrade profitiert die Raumabbildung sehr deutlich, auch in Sachen Tempo und Lebendigkeit legt der Alva ST damit spürbar zu. Der Hochton bekommt mit dem teureren Tonabnehmer genau den richtigen Biss, den manche Stücke eben verlangen, bei gleichzeitig geringeren Verzerrungen.

Cambridge Audio Alva ST - Anschlüsse
Der Cambridge Alva ST kommt mit einem eingebauten Phono-Vorverstärker inklusive Bluetooth-Sender und ist deshalb überall zügig einsatzbereit.

Tom Jones als Überraschungs-Gast

Einer Platte aus der 2-Euro-Grabbelkiste lieferte ganz nebenbei eine audiophile Überraschung: Tom Jones, eine irgendwann in den 70ern produzierte Hit-Compilation des gleichnamigen Sängers. Was da gleich im ersten Stück It’s not Unusual an Frische und Dynamik aus den Rillen kommt, reicht für eine HiFi-Sternstunde, wo man sie nicht erwartet hätte. Da schmettern die Bläser hemmungslos, der „Tiger“ erscheint leibhaftig samt Brusthaar und aufgeknöpftem Hemd zwischen den Lautsprechern.

Alle bisher getesteten Plattenspieler findest du in unserer Bestenliste:

Die feine Aufösung und der weite Raum bestätigen unsere Entscheidung zum Tonabnehmer-Upgrade. Von dem Klang verlierst du übrigens auch via Bluetooth erstaunlich wenig: Unser Referenz-Verstärker Rotel RA-1592 MKII spielte über Funk fast genauso fein und kraftvoll wie über die Kabelverbindung. Auch die Tonabnehmer-Unterschiede hörst du auf diesem Weg schon klar heraus. Beim Test des großen Bruders Cambridge Alva TT V2 war uns der Unterschied zwischen Kabel und Bluetooth größer vorgekommen. Was nicht am Bluetooth liegt – das ist identisch. Sondern daran, dass beim TT V2 das Ausgangsmaterial einfach noch klarer und facettenreicher ist.

Du suchst nach einer Alternative mit Bluetooth-Funktion? Dann ist vielleicht eine Empfehlung unter unseren besten Plattenspielern mit Bluetooth für dich dabei.

Cambridge Alva ST: Technischer Aufbau und Praxis

Der Alva ist ein riemengetriebenes Laufwerk, das optisch stark an seinen direktgetriebenen Bruder TT V2 erinnert. Das ist aus Sicht des ST-Besitzers erfreulich. Denn der ST bringt nicht nur die Optik, sondern auch die Haptik des doppelt so teuren Spielers mit. Die Zarge des ST besteht aus massivem MDF und steht auf breiten Gummileisten, die erstaunlich wirksam vom Untergrund entkoppeln. Auch nachdrückliches Klopfen auf die Stellfläche schaffte es nur als ganz leises Rumpeln ins Musiksignal. Das Oberdeck schmeichelt der Hand mit mattem, kühlem Aluminium und sauber eingelassenen Bedientasten für Standby und Drehzahlwahl. Der Standby-Modus minimiert die Stromaufnahme des Spielers: Nach 20 Minuten ohne Musik schaltet sich der ST automatisch ab. Wenn du das lästig findest, kannst du die Automatik aber auch deaktivieren.

Cambridge Alva ST - Riemen
Der größte Unterschied zu Alva TT V2 ist der Antrieb: Beim Cambridge Alva ST überträgt ganz klassisch ein Riemen die Kraft vom Motor auf den Teller.

Ein deutlicher Unterschied betrifft den Teller: Der TT V2 lässt eine schwere Sonderanfertigung rotieren, während auf dem ST ein Standard-Aluguss-Exemplar steckt, das wir auch schon auf diversen anderen Drehern gesehen haben. Die Masse dieses Tellers erhöht sich durch eine dicke Gummimatte auf insgesamt ein knappes Kilo, was immer noch nicht sehr viel ist. Der Gleichlauf des Spielers ist dennoch sehr gut, was auch an der präzisen Regelung des kleinen Gleichstrommotors liegen dürfte. Dem Motor haben die Cambridge-Ingenieure eine kleine Geberscheibe verpasst, die fein aufgelöste Drehzahldaten an die Steuerung meldet. Auch die Motorplatzierung links vorne stammt nicht aus dem Standardbaukasten des Zulieferers. Die britischen Entwickler haben hier offensichtlich selbst experimentiert.

Kardanischer Tonarm mit abnehmbarer Headshell

Mit dem Tonarm waren wir im Test des TT V2 zuletzt nicht hundertprozentig glücklich. Das war wohl ein Ausreißer, denn der baugleiche Arm des ST fühlt sich schon bedeutend besser, weil spielärmer und genauer justiert an. Seine Lagereinheit mit kardanisch angeordneten Kugellagern erinnert an den Arm des DJ-Klassikers Technics SL-1210MK7.

Cambridge Audio Alva ST - Tonarmlager
Das Tonarmlager des Cambridge Alva ST erinnert an bekannte Vorbilder.

Anders als dieser hat der Cambridge-Arm jedoch ein gerades Rohr. Die für korrekte Geometrie nötige Kröpfung nach innen findet erst im Headshell statt. Beim Auspacken findest du dieses Teil separat verpackt mit bereits installiertem Tonabnehmer im Karton. Per Bajonettverschluss ist es ruckzuck sicher am Ende des Arms montiert und zum komfortablen Tonabnehmertausch auch schnell wieder abgenommen.

Was dem Arm fehlt, sind Korrekturmöglichkeiten für Azimuth und VTA. Das ist hier weniger störend als beim TT V2, weil der preiswertere Spieler eher nicht mit besonders kritischen Tonabnehmern ausgerüstet wird. Gewicht und Antiskating kannst du präzise justieren, und zur Kontrolle der Auflagekraft legt Cambridge sogar noch eine kleine Ortofon-Balkenwaage bei. Die braucht es eigentlich gar nicht, denn die 0,5- und 0,1-Gramm-Teilstriche am Gegengewicht stimmen akkurat.

Cambridge Audio Alva ST Headshell
Das abnehmbare Headshell erlaubt einen einfachen Wechsel des Tonabnehmers.

Cambridge Alva ST: Praxis und Verarbeitung

Der Alva ST entsteht wie sein Bruder TT V2 in China. Finish und Qualitätskontrolle waren bei unserem Exemplar tadellos, auch die Verpackung wirkt hochwertiger als bei anderen Spielern aus derselben OEM-Quelle. Gefallen hat uns der spielfreie Sitz des Headshells in seiner Kupplung. Das ist bei den SME-Kupplungen, wie sie auch Technics verwendet, nicht immer gewährleistet. Dafür kannst du die Shells nicht so universell tauschen wie die standardisierten SME-Köpfe: Hier passen nur das Cambridge-Original und eventuelle Zufallstreffer von technisch verwandten Spielern.

Cambridge Audio Alva ST mit Haube
Zu der praxis-orientierten Ausstattung des Cambridge Alva ST gehört eine Haube – leider ist das ausgerechnet in dieser Preisklasse nicht immer selbstverständlich.

Laufruhe und Gleichlauf des Riemenantriebs sind sehr gut: Der Motor verrichtet praktisch geräuschlos seinen Dienst und hinterlässt auch keine Spuren im Musiksignal. Neben seinem teureren Bruder gehört der Cambridge zu den vornehmsten Bluetooth-Spielern am Markt. Ob die Funktion in einem Plattenspieler sinnvoll ist, darüber kann man diskutieren. Im ST funktioniert die Kurzstrecken-Funkübertragung jedenfalls zuverlässig und stabil. Dank aptX HD überträgt der Cambridge an kompatible Gegenstellen in sehr guter Qualität. So könntest du zum Beispiel mit einem passenden Verstärker wie dem Cambridge Audio Edge A tatsächlich überlegen, das Phonokabel wegzulassen. Das eröffnet wiederum ganz neue Möglichkeiten für die Platzierung des Spielers.

Cambridge Audio Alva ST
Auch die Bedienung des Cambridge Alva ST ist denkbar einfach.

Testfazit Cambridge Audio Alva ST

Wenn du einfach einen Plattenspieler für um die 1.000 € suchst und schon eine Anlage mit Phono-Eingang hast, findest du bei den puristischen HiFi-Spielern eventuell noch besseren Klang als beim Cambridge Alva ST. Wenn du jedoch den Komfort und die kabellose Verbindung des Cambride Alva ST schätzt, bietet er ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Er ist ein kompetent gebauter, ausgewogen und großformatig musizierender Plattenspieler, der auch von moderaten Tonabnehmer-Upgrades profitiert. Und der, wie wir finden, absolut klasse aussieht.

Testergebnis Cambridge Audio Alva ST – 8,2 | HIFI.DE

Hier kannst du den Cambridge Alva ST direkt bestellen:

Technische Daten
Antrieb Riemen, manuell
Tonabnehmer ab Werk Audio-Technica AT-95E
Tonarm 9", Alu
Teller Alu, ca. 500 g
Motor DC, elektronisch geregelt
33 ⅓ / 45 / 78 RPM ja / ja / – (elektronische Umschaltung)
Anti-Skating einstellbar ja, stufenlos
Höhenverstellbare Füße nein
Integrierter Phono-Vorverstärker ja, schaltbar
Preis 999 Euro

Was denkst du, kommt in dieser Preisklasse ein Bluetooth-Plattenspieler für dich infrage? Verrate es uns in den Kommentaren!

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