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Audio-Technica AT-VM95E im Test: MM-Tonabnehmer für alle Gelegenheiten

Der MM-Tonabnehmer AT-VM95E von Audio-Technica ist ein echter Klassiker und steckt als Erstbestückung in vielen Plattenspielern. Kann der Abtaster auch heute noch mit modernen Systemen mithalten?
MM-Tonabnehmer Audio Technica AT-VM95E im Test | HIFI.DE
Funktionsprinzip
MM
Ausgangsspannung
4 mV
Gewicht
6,1 g
optimaler Arm
mittelschwer
Material Nadelträger
Aluminium
Preis (UVP/Straßenpreis)
59,00 / 50,00 Euro
In Kürze
Das Preis-Leistungs-Verhältnis des AT-VM95E ist bestechend: Das System schlägt sich im Hörtest hervorragend, ist abtastsicher und klangfarbenstark. In einem sehr guten Tonarm würde er als vielfach teurerer Tonabnehmer durchgehen.
Vorteile
  • Neutraler Klang, großzügige Räumlichkeit
  • Zahlreiche Upgrademöglichkeiten durch Nadeltausch
Nachteile
  • Genaue Justage durch die runde Vorderseite etwas schwierig

Die 95 ist für Analogfans eine magic number: Jahrzehntelang stellte das Tonabnehmersytem AT-95E des japanischen Herstellers Audio-Technica den günstigsten Weg zu ernsthaftem Plattengenuss dar – mit Abstand. Millionen Stück des Magnetsystems mit dem charakteristisch grünen Nadeleinschub müssen in Umlauf sein – auf preiswerten Einsteiger-Spielern ebenso wie auf ambitionierten Laufwerken. Die jüngst überarbeitete Version hört auf den Namen Audio Technica AT-VM95E.

Audio Technica AT-VM95E im Cambridge Alva ST
Allseits beliebt: Viele Plattenspieler-Hersteller schätzen das AT-VM95E als günstiges und zugleich hochwertiges Startsystem. Hier läuft die Vorgänger-Version im Cambridge Audio Alva ST, einem Komplettspieler für knapp 1.000 Euro.

Auch in unserem Testalltag begegnet uns der AT-95E ständig. So findet sich das System etwa ab Werk auf dem Magnat MTT 990 oder dem Thorens TD 202. Mit dem AT-VM95E schreibt Audio-Technica die Erfolgsgeschichte fort. Am technischen Grundrezept hat sich nichts geändert. Aber wie bei guter Küche kommt es auch bei einem Plattenspieler nicht nur auf die Zutaten an, sondern auf deren ausgewogenes Zusammenspiel. Und so haben die Japaner viele ganz unscheinbare Verfeinerungen vorgenommen, die in der Summe einen tatsächlich noch besseren Tonabnehmer ergeben. Das ist jedenfalls unser Eindruck nach dem Hörtest.

Den Audio-Technica AT-VM95E bekommst du bei zahlreichen Händlern

Der AT-VM95E im Hörtest: Smooth Operator

Man kann den Klang des AT-VM95E nur schwer beschreiben, ohne den alten 95E als Bezug zu verwenden. Für die, die den Klassiker nie gehört haben: Das war ein grundehrliches, ausgewogenes Magnetsystem mit vitaler Dynamik und einem nicht übertrieben feinen, aber präzise dosierten Hochton. Wie alle Tonabnehmer profitierte es von hochwertigen Tonarmen. Wir haben ihn mit tollen Ergebnissen in Armen für mehrere Tausend Euro gehört. Umgekehrt ist er aber auch tolerant gegen alte und/oder preiswerte Tragarme, wie die unzähligen günstigen Plattenspieler zeigen, die damit serienmäßig ausgerüstet waren.

Audio-Technica AT-95E Produktbild
Als Erstausstattung wird der klassische AT-95E weiterhin ausgeliefert. Im Einzelverkauf bekommst du heute aber praktisch nur noch das neue, etwas rundlichere AT-VM95E angeboten. Das kostet geringfügig mehr, du erhältst aber auch klanglich einen entsprechenden Gegenwert. | Bild: Audio Technica

Im Hörtest fällt sofort der sanfte Hochton des AT-VM95E auf. Er klingt nicht dunkler als sein Vorgänger, aber trotzdem angenehmer und feiner. Und das ist keine winzige Nuance, sondern schon recht deutlich: Im Ton wirkt der VM glatter, weniger körnig. Das kann bei kurzem Reinhören auch mal als weniger dynamisch interpretiert werden: Es wird sicher Fans des alten Sounds geben, die dessen Extra-Kick zunächst vermissen. Das würde ihnen aber mit jedem anderen Abtaster-Upgrade ähnlich gehen. Der Eindruck hält auch nur so lange, bis man mit wirklich dynamischen Aufnahmen ein paar Mal hin- und hergewechselt hat.

Ein guter Phono-Eingang lohnt sich

Wie alle MM-Tonabnehmer brauchen die AT-VM95-Modelle für optimalen Klang einen sauber angepassten Phono-Vorverstärker. Die geforderten 47 Kiloohm Widerstand sind nicht das Problem. Daran halten sich 99 Prozent aller Phono-Eingänge. Interessanter ist die Abschlusskapazität: Audio-Technica gibt 100–200 Picofarad an. Das wäre sehr wenig, wenn man bedenkt, dass Tonarm- und Verbindungskabel allein bereits rund 100 pF mitbringen. Wir vermuten, dass AT die Verkabelung bereits berücksichtigt und sich jene 100-200pF auf den Beitrag des Phonoeingangs bezieht. Also auf die Größe, die du bei vielen Phono-Vorstufen auch verstellen kannst.

Zum Ausprobieren ideal ist unsere Pro-Ject PhonoBox RS2 mit ihrer achtstufigen Einstellung des Abschlusswiderstands in 50-Picofarad-Schritten. Montiert in einem Rega Planar 3, klingt das AT-VM95E an dieser Vorstufe mit 150pF am ausgewogensten. 100 oder 200 gehen auch noch sehr gut. Darunter wird das System etwas dunkler und der Bass weicher, höhere Werte lassen es zunehmend vordergründig und hell klingen. Beides kann je nach der Gesamtbalance auch mal sinnvoll sein. Der Hörtest stützt aber unsere Annahme, dass AT mit „100-200 pF“ nicht die Gesamtkapazität meint, die hier ca. 80 pF höher läge.

Wie der Audio-Technica VM95E im Vergleich mit anderen von uns getesteten Tonabnehmern abschneidet, erfährst du in unserer Bestenliste:

Die Audio-Technica VM95-Serie: Technik und Praxis

Mit der VM95-Serie bietet Audio-Technica fünf MM-Systeme mit gemeinsamer technischer Grundlage und unterschiedlichen Nadelschliffen. Qualitativ und preislich reichen diese Modelle vom schlichten Einstiegssystem Audio-Technica AT-VM95C für 39 Euro bis zum ambitionierten VM95SH, das mit etwas über 200 Euro trotzdem noch erschwinglich bleibt. Die Modelle unterscheiden sich nur im Nadeleinschub, du kannst also jederzeit per Nadeltausch innerhalb der Serie up- oder downgraden.

Typisch für Audio-Technica ist der MM-Generator mit den v-förmig angeordneten Einzelmagneten. Im Grunde reicht für ein Stereo-Magnetsystem ein einziger kleiner Stabmagnet am hinteren Ende des Nadelträgers. Das Stereosignal entsteht dann durch die beiden getrennten, um 90 Grad gegeneinander angewinkelten Spulen: Eine „sieht“ den Magneten dabei (fast) nur bei Auslenkungen, die von der linken Rillenflanke herrühren. Die andere ist dagegen auf dem linken Auge fast blind und fokussiert auf den rechten Kanal. Mit separaten, dafür etwas kleineren Magneten will Audio-Technica eine bessere Kanaltrennung erzielen; alle AT-Magnetsysteme der letzten Jahrzehnte folgen diesem VM-Prinzip.

Interessanter Einblick: Das Schnittmodell offenbart das Innenleben der VM95-Systeme. Im Vordergrund sichtbar ist die Spule für den linken Kanal mit nach unten geführten Polen aus gebogenen Weicheisen-Streifen. Deren Enden bilden einen Luftspalt, in den der zugehörige Magnet eintaucht.

Feinarbeit am VM-Prinzip

Für größtmögliche Empfindlichkeit werden die Signalspulen auf magnetisch leitenden Kernen gewickelt, die zudem den „Blickwinkel“ der Spulen genau auf die Magnete fokussieren helfen. Material, Form und genauer Aufbau dieser Pole haben starken Einfluss auf die Qualität eines MM-Systems. Die Spulen selbst sind etwas vergrößert worden, wodurch auch die Ausgangsspannung steigt: 4,0 Millivolt gibt Audio-Technica jetzt an. Das ist 15 Prozent mehr als bei der Vorgänger-Generation.

Wirklich laute Systeme sind die VM95-Modelle damit immer noch nicht, und das ist auch gut so. Denn abgesehen von etwas niedrigerer Lautstärke (dafür gibt’s am Verstärker ja den Volume-Regler) bringt die leisere Gangart fast nur Vorteile. Denn was die Ausgangsspannung erhöht, bringt fast immer auch Nachteile in Performance und Praxis. Größere Spulen zum Beispiel verschärfen nebenbei die klanglichen Auswirkungen der Abschlusskapazität. Etwas zu hohe pF-Werte tolerieren die VMs daher besser als die deutlich lauteren 2M-Modelle von Ortofon.

Viel montagefreundlicher als früher

Während du bei älteren AT-Modellen noch mit Schrauben und winzigen Muttern hantieren musstest, entfallen letztere bei der VM95-Serie komplett. Stattdessen sitzen direkt im Kunststoff-Korpus der Systeme kleine Metallgewinde, die die Befestigung am Headshell zum Kinderspiel machen. Schrauben in zwei unterschiedlichen Längen sowie Nylon-Unterlegscheiben zur Schonung empfindlicher Headshells legt der Hersteller allen Modellen bei, den passenden Mini-Schraubendreher gibt’s dagegen erst ab dem AT-VM95EN. Da die Schrauben aber eh von oben durchs Headshell müssen, kannst du stattdessen jeden kleinen Schlitz-Dreher nehmen. Für das extrakurze Werkzeug gibt es hier keine Notwendigkeit mehr.

Audio Technica AT-VM95E Tonabnehmer Detailansicht Seite
Nie mehr unterm Tisch nach winzigen Muttern suchen: Dank integrierter Gewindebuchsen lassen sich die AT-VM95-Systeme ohne nerviges Gefummel am Tonarm montieren. | Bild: Audio-Technica

Der geringe Platzverbrauch im Headshell und das in der goldenen Mitte liegende Eigengewicht der VM95-Systeme tragen zur guten Praxistauglichkeit bei. Höchstnoten gibt’s nicht, weil AT die Vorderseite des Nadeleinschubs rundlich designt hat. Das sieht zugegeben schick und modern aus, beraubt dich aber einer hilfreichen Peilkante, wenn du das System mit einer Überhangschablone justieren willst.

Fazit: Audio-Technica AT-VM95E

Es gibt Tonabnehmer, die jeder Audiophile griffbereit haben sollte. Auch wenn du sonst Teureres nutzt, gehört ein Audio-Technica AT-VM95E einfach dazu: als Backup, für Parties, aber auch als Realitätscheck für teurere Systeme, der auch mal überraschend ausgehen kann. Und natürlich kannst du es auch als ausgewogenen, ehrlichen Tonabnehmer für jeden Tag verwenden und dich an seinem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis erfreuen.

Den Audio-Technica AT-VM95E bekommst du bei zahlreichen Händlern

Technische Daten
Funktionsprinzip MM
Ausgangsspannung 4 mV
Anschluss als MM
Spulenimpedanz 485 Ω / 550 mH
empfohlene Kapazität 100-200 pF
empfohlener Widerstand 47 kΩ
empfohlene Auflagekraft 20 mN
Compliance 17 µm/mN
Gewicht 6,1 g
optimaler Arm mittelschwer
Material Nadelträger Aluminium
Nadelschliff elliptisch 8/18 µm
Lieferumfang / Zubehör Schlitzschrauben in zwei Längen
Besonderheiten
Preis (UVP/Straßenpreis) 59,00 / 50,00 Euro

In unserer Bestenliste findest du alle von uns getesteten Tonabnehmer:

Welcher Tonabnehmer war bei Kauf auf deinem Plattenspieler montiert? Hast du ihn irgendwann gegen einen anderen getauscht? Erzähle uns deine Erfahrungen in den Kommentaren.

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