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JBL Spinner BT im Test: Design-Plattenspieler vom Boxenprofi

Retro-Optik und moderne Ausstattung machen den JBL-Spieler zu einem verlockenden Angebot. Aber was steckt hinter dem stylishen Look des Spinner BT?
HIFI.DE Test | JBL Spinner BT

Wenn HiFi nicht nur gut, sondern auch ein bisschen cool sein soll, ist JBL die richtige Adresse. So ein Pärchen L52 Classic etwa macht aus einem biederen Wohnzimmer praktisch im Alleingang eine Seventies-Rocklounge. Mit dem Spinner BT hat JBL auch den passenden Plattenspieler dazu. Da kehrt das typische JBL-Orange am Plattenteller, am Tonarm und im riesigen JBL-Logo auf der Frontplatte wieder. Wahlweise, wenn du es dezenter magst, gibt es die Farbakzente auch in einem vornehm blassen Gold- oder Bronzeton. Aber selbst dann ist das kein leiser Auftritt. Ob der Klang ebenfalls zum Aufdrehen verführt, wollen wir im Hörtest herausfinden.

Den JBL Spinner BT gibt es hier:

JBL Spinner BT im Hörtest: Schnörkellos, Rock-affin

Der Spinner besitzt einen eingebauten Phono-Vorverstärker und einen Bluetooth-Sender zum kabellosen Betrieb an entsprechend gerüsteten Aktivboxen oder HiFi-Verstärkern. Das kann zum Beispiel der JBL SA-550 Classic sein. Aber auch der puristische Röhrenverstärker Cayin Jazz 80 verfügt über einen Funkeingang. Tatsächlich klingt diese Kombination so gut, dass selbst Skeptiker kein Kupferkabel zwischen Spieler und Amp vermissten.

JBL Spinner BT – Schräg Rechts
Sieht schick aus und klingt wirklich gut – der BT-Sender des JBL Spinners leistet auch ganze Arbeit.

Dass der Spinner etwas dunkel und verschnupft tönt, ist dann auch nicht Bluetooth geschuldet, sondern dem sehr schlichten Werks-Tonabnehmer. Folglich ändert sich der Charakter des Drehers auch nicht, wenn wir statt der Funkstrecke das mitgelieferte, recht hochwertige Cinch-Kabel verwenden: So oder so musiziert der JBL basskräftig, druckvoll, tonal sehr rund und stimmig.

Das 2022er Album Cool It Down von den Yeah Yeah Yeahs begeistert mit knackigen Beats und eingängigen, fast poppigen Melodien. Zudem ist es auf gelbem Vinyl gepresst, dessen Farbton schon sehr gut zum stylishen JBL-Design passt. Klar, dass wir das auf dem Spinner auflegen müssen. Die Beats kommen erwartungsgemäß druckvoll, aber auch ein bisschen weich.

JBL Spinner BT – Rechts Logo
Druckvolle Beats kann der JBL Spinner BT problemlos abliefern. Feinheiten bleiben eher im Hintergrund.

Von der opulenten Produktion des Albums bekommen wir dagegen nur das Grundgerüst mit. Die vielen dekadenten Feinheiten, die unter anderem Mitautor und Co-Produzent David Sitek (TV On The Radio) eingebaut hat, bleiben dezent im Hintergrund. Das ist allemal besser als zu exponiert. Zumal auch das gelegentliche Knistern der leider nur zweitklassigen Pressung hier kaum störend auffällt.

Dir ist Bluetooth bei einem Plattenspieler doch nicht so wichtig? Dann findest du in dieser Bestenliste die besten Plattenspieler, die wir bisher getestet haben:

Moderat upgradefähig

Ein bisschen mehr Hochtonauflösung darf es aber schon gerne sein. Etwa mit einem Ortofon 2M Red, dessen elliptische Nadel ungleich feiner abtastet als der sphärische Diamant des serienmäßigen Systems. Da klingt die Stimme von Sängerin Karen O schon viel näher und emotionaler, Strings und Synths zeigen mehr von ihrem Eigencharakter. Wenn du irgendwann einen Hunderter übrig hast (so viel kostet ein 2M Red ungefähr), ist dieser Tonabnehmer ein lohnendes Upgrade.

JBL Spinner BT – Nadel Detail
Beim JBL Spinner BT besteht definitiv Upgrade-Potenzial. Nimmst du etwas Geld in die Hand, kannst du schon mehr aus dem Spieler herausholen.

Das Ortofon bringt mehr Genauigkeit, ohne den satten, stimmigen Charakter des Originalspielers zu opfern. Viel weiter würden wir das System-Tuning hier nicht treiben. MCs fallen ohnehin aus, weil sie nicht zum integrierten Phono-Preamp passen. Und auch noch anspruchsvollere MMs liefern nicht das damit potenziell mögliche Mehr an Klang: der Arm kommt dann einfach an seine Grenzen.

Erfreulich, weil praktisch ergebnislos, verlief unsere Suche nach Störgeräuschen etwa aus dem Motor des JBL. Der Spieler läuft in leisen Leerrillen ohne eigenmächtige Zugaben, jedenfalls ohne hörbare. Es dominiert, wie sich das gehört, das Eigenrauschen der Vinylmischung. Störungen von außen unterdrückt der JBL nicht perfekt, aber durchaus wirksam.

JBL Spinner BT – Schräg geschlossen
Die mattierte Haube sieht zwar gewöhnungsbedürftig aus, zeigt Verschmutzungen aber nicht so schnell wie eine klare Haube.

Die Zarge hat zwar eine merkliche Eigenresonanz und dickt bei hohen Lautstärken vielleicht auch den Grundton ein wenig ein. Aber davor sind die wenigsten Spieler wirklich gefeit. Von einem Klopfen auf die Stellfläche kommt jedenfalls nur ein schwaches Echo im Musiksignal an, während das gleiche Klopfen auf die Zarge ein sonores „Dong“ hervorruft. Die simplen Dämpferfüße des Spielers erfüllen ihre Aufgabe also ganz gut.

JBL Spinner BT: Technischer Aufbau und Praxis

Die Zarge des JBL Spinner BT besteht aus Spanplatten mit einer strukturierten Vinylbeschichtung. Auf der Vorderseite klebt eine Plastikblende, die rechts das JBL-Logo und links zwei bündig versenkte Tipptasten beherbergt. Damit wählst du die Drehzahl, und ein kleiner LED-Leuchtpunkt in der Mitte der Taste gibt visuelle Rückmeldung. Der Motor läuft damit aber noch nicht gleich los. Der JBL ist ein Halbautomat: Sein Teller startet, sobald du den Tonarm aus der Ruheposition über die Platte schwenkst.

JBL Spinner BT – Tasten mit Zahlen
Die Geschwindigkeit des JBL Spinner BT kannst du über die zwei Tasten einstellen. Eine LED-Leuchte gibt den aktuellen Status an.

Und er hält automatisch an, wenn die Nadel die Endrille erreicht hat. Angehoben und zurückgeführt wird der Arm dabei nicht, aber unnötigen Nadelverschleiß vermeidet die Abschaltung zuverlässig. Sollte sie einmal voreilig eingreifen (etwa bei bespielten Endrillen oder vom Standard abweichenden Plattengrößen), kannst du sie auch deaktivieren. Dazu gibt es einen Schalter am Heck, wo sich auch – etwas ungeschickt – der Pairing-Taster fürs Bluetooth versteckt.

In Bewegung versetzt den Teller ein kleiner Gleichstrommotor über einen Riemen. JBL hat hier aber die etwas vornehmere Version dieses populären DC-Riemenantriebs verbaut. Dabei rotiert eine Stroboskopscheibe im Inneren der Zarge mit der Tellerachse mit.

JBL Spinner BT – Von Oben
Die Draufsicht betont die angenehme Schlichtheit des Designs, das trotzdem wirklich gelungen ist.

Die Motorsteuerung liest das Muster auf der Scheibe optisch aus und erhält damit laufend Infos über die aktuelle Drehzahl. So spinnt der Spinner stets punktgenau auf Soll-Tempo. Das erklärt auch die etwas dickere Bauform: Die recht sperrige Lagerkonstruktion mit der etwa bierdeckelgroßen Encoderscheibe muss unter Deck Platz finden.

Universeller Tonarm

Der Plattenteller selbst besteht aus dünnwandigem Aluguss, der in unserem Testexemplar in einem hellen Bronze- oder Blassgold-Ton eloxiert ist. Er wiegt gerade mal 600 Gramm, und auch die mitgelieferte Filzmatte trägt kaum zusätzliche Schwungmasse bei. Der Gleichlauf erwies sich im Test dennoch als recht stabil und unauffällig, der Teller drehte sich präzise und ohne Höhenschlag.

JBL Spinner BT – Tonarm Gegengewicht
Der bronzene Plattenteller dreht verlässlich. Die Kugellager des Tonarms sind leider nicht ganz spielfrei eingestellt.

Die andere Schlüsselkomponente auf jedem Spieler ist sein Tonarm. Auf dem Spinner arbeitet ein Neunzöller, an dem auf den ersten Blick eigentlich alles Wichtige dran ist: ein verstellbares Gegengewicht, das auch etwas schwerere Systeme wie das 2M Red ausbalanciert bekommt. Ein stufenlos regelbares Anti-Skating, das den aus der Nadelreibung in der Rille resultierenden Zug Richtung Tellermitte korrekt neutralisiert.

Und eine abnehmbare Headshell, die es dir erheblich erleichtert, einen neuen Tonabnehmer einzubauen. Im Prinzip könntest du sogar eine zusätzliche Shell nachkaufen und einen zweiten Tonabnehmer vormontiert bereithalten. Ab Werk ist ein Audio-Technica AT-3600L eingebaut und korrekt justiert. Ein sehr preiswertes, millionenfach produziertes System, das eher für Robustheit und warmen Sound bekannt ist als durch besonders feine HiFi-Auflösung.

JBL Spinner BT – Zubehör
Das Zubehör auf einen Blick. Für Neulinge hält JBL einen Quick Start Guide bereit.

Immerhin tastet sein sphärischer Diamant sicher ab und ist im Schadens- oder Verschleißfall günstig zu ersetzen. Wobei wir, wenn es so weit ist, nicht die hellbeige 3600L-Nadel, sondern den gelben Einschub des AT91 einstecken würden. Der kostet praktisch das Gleiche, arbeitet aber mit freundlicheren 2 Gramm Auflagekraft (das 3600L verlangt 3 Gramm) und klingt etwas lebendiger.

Problemzone Tonarmlager

Noch dynamischer und sauberer würden selbst diese einfachen Nadeln spielen, wenn der Arm sie präziser führen könnte. Daraus wird aber nichts, weil die Miniatur-Kugellager des JBL-Arms nicht ausreichend spielfrei eingestellt sind. Immerhin folgt der Arm dem ständigen Auf und Ab und Hin und Her der Rillen bereitwillig und ohne merklichen Reibungswiderstand – weshalb du auch empfindliche Nadeln ohne Bedenken im Spinner BT verbauen kannst.

JBL Spinner BT – Details Plattenteller
Bronzenes Gold auf mattem Schwarz: Die Farbwahl gefällt.

Das Klappern der Armlager ist im Musiksignal nicht direkt als solches hörbar, beeinträchtigt erfahrungsgemäß aber Bassgenauigkeit, Dynamik und Raumabbildung. Drei Punkte, in denen der JBL im Hörtest dann auch nur durchschnittlich performt.

Der Spinner BT ist mit seinen ungenauen Lagern nicht allein. Viele andere Modelle aus den gleichen Fertigungsstraßen leisten ihm Gesellschaft. Exzellente Lager sind meist teurer – es ist also eher eine Frage der Prioritäten. Für 399 Euro gibt es aber auch Spieler mit perfekt spielfreien Armen. Regas Planar 1 zum Beispiel, oder der Pro-Ject T1. Die klingen dann unterm Strich auch beide besser als der JBL.

Unser Fazit zum JBL Spinner BT

Der obige Vergleich mit Pro-Ject und Rega ist ein bisschen unfair. Denn die Sparringspartner sind puristische Dreher mit einem absoluten Minimum an Ausstattung. Während der JBL mit Endabschaltung, integriertem Preamp und einem exzellent funktionierenden Bluetooth-Sender punktet. Wenn du auf diese Features Wert legst und sie sinnvoll einsetzen kannst, darfst du dem Spinner BT verzeihen, dass er etwas Klangpotenzial liegen lässt. Weniger Kompromisse erfordern mehr Budget. Weshalb der „offizielle“ Plattenspieler-Partner zur Classic-Serie dann eben auch nicht der Spinner BT, sondern der TT350 Classic ist – für 1.049 Euro.

HIFI.DE Testsiegel Plattenspieler JBL Spinner BT 7.7

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Wie sich der JBL Spinner BT im Vergleich zu anderen Plattenspieler mit Bluetooth schlägt, verrät dir unsere Bestenliste:

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