Startseite HiFi Elektronik Endstufe Naim NAP 250 im Test: Endstufenklassiker in Bestform

Naim NAP 250 im Test: Endstufenklassiker in Bestform

Mit Monstertrafo und acht maßgefertigten Leistungstransistoren geht die Naim NAP 250 an die räumlichen und thermischen Grenzen des klassischen Gehäuseformats. Doch der Aufwand lohnt sich.
HIFI.DE Test | Naim NAP 250
Leistung
2x 100 Watt (8 Ohm), 2x 190 Watt (4 Ohm)
Eingänge
XLR
Audio-Ausgänge
1 Paar Lautsprecher
Abmessungen (BxHxT)
432 x 92 x 320 mm
Gewicht
17 kg
Preis
7.499 Euro
In Kürze
Die neue Naim NAP 250 hat deutlich an Leistung zugelegt. Klanglich wirkt sie noch breitbandiger und geschmeidiger als ihre Vorgängerinnen. Dynamik, Abbildung, Rhythmik und Timing sind wie gewohnt Weltklasse. Eine zeitlose, bis ins letzte Detail ausgereifte und ausgereizte Endstufe, nicht nur für reine Naim-Nutzer:innen.
Vorteile
  • Dynamischer, natürlich-offener Klang
  • Kräftig und laststabil
  • Überragende Verarbeitung
Nachteile
  • Lautsprecheranschlüsse akzeptieren nur Bananenstecker
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Wenn man die Naim NAP 250 erwähnt, muss man auf die Gegenfrage vorbereitet sein: Welche denn genau? Schließlich gibt es Endstufen dieses Namens seit über 50 Jahren. Ihre Grundschaltung – quasikomplementär, Class A/B, voll geregeltes Netzteil – ist unverändert geblieben. Andererseits entspricht kein einziges Bauteil mehr seinem damaligen Vorfahren. Wir haben getestet, ob die ewige Endstufe ihrem legendären Ruf immer noch gerecht wird.

Hier findest du die Naim NAP 250 im Angebot:

Naim NAP 250 – HiFi-Urgestein in modernster Form

In fünf Jahrzehnten ist die NAP 250 immer stärker, breitbandiger, verzerrungsärmer, strompotenter, vielseitiger und bedienungssicherer geworden. Nur die Zuverlässigkeit konnten ihre britischen Entwickler schon bald nicht mehr weiter erhöhen. Denn die Endstufe – lange Zeit das Stereo-Topmodell aus Salisbury – gilt schon seit der „olivgrünen“ Ära als nahezu unzerstörbar. Was an umsichtiger Konstruktion, Staubdichtigkeit und gewissenhafter Handarbeit liegt, aber auch an akribisch selektierten Bauteilen. Wenn diese nicht ohnehin Sonderanfertigungen sind, wie etwa die Ausgangstransistoren.

Naim NAP 250 Testsituation
Die Naim NAP 250 spielte für unseren Test unter anderem mit dem Streaming-fähigen Vorverstärker NSC 222 an den Audio Physic Midex.

Also, welche NAP 250 testen wir hier? Die aktuelle natürlich, 2023 hervorgegangen aus der NAP 250 DR. Das „DR“ entfällt im Namen, bleibt technisch aber erhalten: Auch die neueste NAP 250 erhält die im Vormodell eingeführten „discrete regulators“ zur Spannungsregelung. Hinzugekommen sind symmetrische XLR-Eingänge, die auch bei langen Kabelstrecken einen ungetrübten, störfreien Klang garantieren.

Ein neues, intelligentes Kühlsystem ermöglicht höhere Leistungen als bisher. Von der neu konzipierten Eingangsstufe soll auch der Klang nachhaltig profitieren. Ein Versprechen, das alte Naim-Fans immer ein wenig nervös macht: Hoffentlich bleibt bei den ganzen Verbesserungen der unverwechselbar dynamische Naim-Klang erhalten! Im Hörtest mit der hauseigenen Streaming-Vorstufe NSC 222 und anderen höchstwertigen Vorarbeitern wollen wir das herausfinden.

Naim NAP 250 front schräg links
Britisches Understatement: Unter der schlichten, präzisionsgefrästen Schale ist jeder Quadratzentimeter des Naim NAP 250 mit Technik vollgestopft.

NAIM NAP 250 im Hörtest: Feinsinnige Urgewalt

Mit der NAP 250 Musik zu hören, hat etwas Befreiendes: Die typischen Fehler und Artefakte, die einfacheren Verstärkern hier und da unterlaufen, sind einfach weg, der Durchblick auf die Qualität des ankommenden Signals kristallklar. Aber statt sich nur auf Details und Konturen zu stürzen, behält die Naim-Endstufe stets auch Druck und Substanz im Blick. Gezupfte Basstöne und Percussion vermitteln ein Gefühl von Timing und Drive, das auch deutlich stärkere Endstufen so nicht hinbekommen.

Aber auch Vocals entwickeln mehr dynamisches Eigenleben: Die zarten Betonungen und Modulationen, die einer gesungenen Melodie ihren Ausdruck und ihre Phrasierung verleihen, treten hier so deutlich zum Vorschein, als hätte der Kapellmeister seinen Taktstock durch einen Lichtsäbel ersetzt. Dieser Sound ist seit Jahrzehnten Naim-typisch: dynamisch, intensiv-rhythmisch, spannungsreich und nah.

Naim NAP 250 Rückseite frontal
Die aktuelle Version der NAP 250 beschränkt sich auf XLR-Buchsen und spart sich die unsymmetrischen Cinch-Eingänge. Die Polklemmen fallen – wie von Naim gewohnt – recht klein, deshalb aber nicht weniger hochwertig aus.

Die in vielen Tests bewährte Chord Ultima 6 durfte noch einmal als Vergleich dienen, bevor sie zurück zu ihrem Vertrieb ging. Mit ihr tut sich untenrum noch etwas mehr, aber in Dynamik – jedenfalls bei zivilen Pegeln – und Timing zieht ihr die Landsmännin aus Salisbury davon. Die größte Errungenschaft der Naim-Endstufe ist dabei, dass sie eine separate Betrachtung der unterschiedlichen Frequenzbereiche weder nötig hat noch dazu animiert: Die Musik wirkt mit ihr ganzheitlich und stimmig. Und wenn etwas hervorsticht, dann ist das durch die Komposition oder die Aufnahme bedingt, nicht durch irgendwelche besonderen Vorlieben des Verstärkers.

Mit der NSC222 ein audiophiles Traumpaar

Faszinierend anzuhören ist es, wenn die NAP 250 auf ihre Streaming-Vorstufenschwester NSC 222 trifft. Die beiden Geräte scheinen nicht nur optisch, sondern auch klanglich regelrecht zu verschmelzen. Traditionell ist die NAP 250 mit ihren geregelten Netzteilen – mehr dazu weiter unten – eine sehr offen und feinzeichnend klingende Endstufe mit straffer Bass- und Grundtonkontrolle. Beide Talente finden wir bei der neuen 250 in bislang nicht gekannter Ausprägung.

Naim NAP 250 im Set mit NSC 222
Im Set mit dem passenden Streaming-Vorverstärker Naim NSC 222 spielt der NAP 250 ganz besonders groß.

Gerade der agile, melodische Bass erinnert uns dabei schon deutlich an ganz große Naim-Amps wie die einzigartige NAP 500 DR – nur mit etwas begrenzteren Leistungsreserven. Tonale Mängel deiner Boxen kannst du mit der 250 zwar nicht ausgleichen. In jedem Fall werden die Boxen an der Naim aber ein gutes Stück größer, präsenter und differenzierter klingen.

Die ganz großen Naim-Verstärker spielen ihre Vorteile vor allem bei höheren Lautstärken aus. Dann verwandeln sie – wie auch die Chord Ultima 6 oder die T+A A 3000 HV – bassintensive Musikvorlagen noch härter und großformatiger. In ihrer feinen, selbstverständlich-natürlichen Wiedergabe rückt die neue 250 aber ein deutliches Stück näher an ihre teureren Schwestern heran: Um Musik jeder Stilrichtung an normal empfindlichen Lautsprechern zu genießen, kennen wir keine bessere Endstufe mit vierstelligem Preisschild. Ganz besonders gilt das im Zusammenspiel mit Naim-eigenen Vorverstärkern wie dem NSC 222.

Neugierig geworden? Unsere Bestenliste verrät dir, wie die NAP 250 im Vergleich mit anderen Endstufen abgeschnitten hat:

Naim NAP 250: Technischer Aufbau und Praxis

Die NAP 250 gehört zu den wenigen HiFi-Endstufen mit vollständig geregeltem Linearnetzteil. Das heißt, dass hier nicht nur die Eingangs- und Kleinsignalstufen, sondern auch die Leistungstransistoren mit aktiv stabilisierter Gleichspannung versorgt werden. Das garantiert der Ausgangsstufe paradiesische Arbeitsbedingungen, weil selbst große Stromschübe, etwa für einen Bassdrum-Kick, nicht zu einem kurzzeitigen Absacken der Versorgungsspannung führen.

Naim NAP 250 mit NSC 222 Rückseite
Wie ernst es Naim in Sachen Stromversorgung meint, sieht man beim NSC 222 noch anschaulicher als beim NAP 250: Die beiden runden Stecker mit etlichen Pin-Buchsen sind für ein externes Netzteil reserviert. Der NAP 250 hat die maßgeschneiderte Technik bereits verbaut.

Klanglich macht sich so eine Regelung mit besonders agilem, straffem Bass und klareren, verzerrungsärmeren Mitten bemerkbar. Warum dieser schaltungstechnische Weg dennoch eher selten begangen wird, erkennst du mit einem Blick in die perfekt verarbeitete NAP 250: Die Hochstrom-Regelung verschlingt Bauteile, aus denen man eine komplette zweite Endstufe bauen könnte.

Das Innere der NAP 250 ist folglich bis auf den letzten Kubikzentimeter ausgefüllt. Rechts dominiert ein gigantischer Ringkerntrafo, der erheblich zum überraschenden Gewicht von fast 17 Kilo beiträgt. Im linken Drittel findet sich die Verstärkerschaltung auf zwei Platinen-Ebenen: oben die symmetrische Eingangsstufe und Spannungsverstärkung, unten die eigentliche Ausgangs- und Reglerstufe.

Naim NAP 250 Rückseite Detail Buchsen und Trigger
Über die Trigger-Buchsen kannst du den NAP 250 nicht nur durch eine passende Naim-Quelle aufwecken lassen. Die speziellen, optischen Triggerkabel synchronisieren auch die Helligkeit ihrer Beleuchtung.

Wie immer bei Naim sind die Regler nahezu baugleich mit den eigentlichen Endstufen und verwenden identische Transistoren. Wobei das „identisch“ hier besonders wörtlich zu nehmen ist: Nicht nur Regler und Ausgangsstufe, sondern auch positive und negative Hälfte dieser Ausgangsstufe sind mit exakt dem gleichen Transistortyp bestückt: dem Naim NA009, einer Spezialanfertigung des englischen Herstellers Semelab.

Maßgefertigte Halbleiter

Semelab und Naim arbeiten schon seit der ersten NAP 250 zusammen. Der NA009 sieht aus wie ein normaler Leistungstransistor, ist aber in vielerlei Hinsicht anders: Er verträgt sehr hohe Ströme (80 Ampère), bettet seinen Halbleiterchip auf einem Substrat aus Aluminiumoxid-Keramik und verwendet Zuleitungen aus Reinkupfer. Vor allem aber lässt Naim alle NA009 mit Seriennummern versehen, die die exakte Herkunft der darin verwendeten Siliziumchips verraten.

Naim NAP 250 Innenansicht
Der gigantische Ringkerntrafo ist für den Großteil des Gewichtes des NAP 250 verantwortlich. Links neben ihm zieht sich der Kühltunnel durch das Gehäuse, unter dem sich die eigentlichen Leistungstransistoren verstecken. | Bild: Naim

Diese werden ja nicht einzeln produziert, sondern zu Hunderten auf einem gemeinsamen Silizium-Wafer. Die Nummerierung erlaubt Naim, die ohnehin sehr eng tolerierten Bauteile zu perfekten Paaren zu matchen, die aus direkt benachbarten Arealen des Ausgangswafers stammen. „Genetically identical“ nennt Naim das. Die quasikomplementäre Schaltung braucht zudem keine Plus- und Minus-Halbleiter für die jeweiligen Signalhälften: Alle NA009 in der NAP 250 sind identische NPN-Typen. Warum du zwei separate Halbleiter für die positive und negative Halbwelle deiner Musik brauchst, erklären wir dir hier:

Insgesamt acht NA009 verstecken sich in der NAP 250 zwischen dem massiven Alu-Geräteboden und einem oben aufgesetzten Kühltunnel. Je ein Paar regelt in jedem Kanal die Versorgungsspannung, die dann das zweite, eigentliche Ausgangspaar bei Laune hält. Im Prinzip also eine Endstufe, die ihren Strom aus einer vorgeschalteten, weiteren Endstufe bezieht. Der Wirkungsgrad solcher Verstärker wird durch die zusätzliche Regelung natürlich nicht besser.

Naim NAP 250 Rückseite Anschlüsse XLR und Kühltunnel
Lass dich vom Ventilator nicht verunsichern. In unserem Test haben wir ihn auch mit hohen Pegeln nicht starten können.

Um auf die von Naim angegebenen (und sehr streng mit 0,1 Prozent Klirrgrenze gemessenen) 100/190 Watt an 8 bzw. 4 Ohm zu kommen, muss einiges an Abwärme freiwerden. Für Dauerbetrieb am Limit hat Naim daher ein geregeltes Gebläse eingebaut, das Luft durch den Kühltunnel und dann nach draußen saugt. Im Test haben wir es nicht zum Anspringen gebracht. Das dickwandige, seitlich verrippte Alugehäuse wirkt bereits ohne aktive Mithilfe als effizienter Kühlkörper.

Präzisionsgehäuse aus der CNC-Fräse

Die Kühlrippen auf beiden Gehäuseseiten sind keine Standardteile, sondern bilden mit der linken und rechten, zwei Zentimeter starken Frontplatten-Hälfte jeweils ein einziges, hochgenau gefrästes Werkstück. Unterbrochen wird die Front durch einen Acrylblock, in dem das Naim-Logo leuchtet. Ein Acryleinsatz im Deckel setzt das Design auf der Oberseite fort. Am Heck findest du eine IEC-Netzbuchse, flankiert von einem kleinen Anschluss- und Schaltfeld.

Naim NAP 250 Front rechte Kante
Ein leuchtender Standby-Knopf ist das einzige Bedienelement auf der bildhübschen Front des NAP 250. Mehr brauchst du auch nicht.

Logo-Helligkeit und automatisches Standby kannst du hier wählen, ein- und ausgehende Steuerkabel anschließen und sogar Firmware-Updates via USB einspielen. Für die Lautsprecherkabel gibt’s die Naim-typischen, vergoldeten Labor-Bananenbuchsen des deutschen Herstellers Hirschmann. Lose Kabelenden und Spades müssen draußen bleiben. Dafür liefert Naim hauseigene, verpolungssichere und CE-zertifizierte Doppelbananas mit.

Eingangsseitig bietet die NAP 250 ausschließlich symmetrische XLR-Buchsen an. Auch die hierzu passenden Kabel finden sich im Karton. Für Vorverstärker ohne XLR reicht ein einfacher Adapter oder ein entsprechend konfektioniertes Kabel. Naim-intern, etwa zwischen dem Netzwerk-Player NSC 222 und der NAP 250, fließen über die symmetrischen Kabel übrigens trotzdem keine symmetrischen Signale. Naim verwendet hier eine „impedance balanced“-Übertragung, die volle Störunterdrückung gewährleistet, aber nur ein Nutzsignal statt zweier spiegelbildlicher Versionen transportiert.

Naim NAP 250 Zubehör Bananenstecker
Falls deine Kabel über keine Bananenstecker verfügen, kannst du die mitgelieferten Doppelstecker nutzen.

Hintergrund ist – wie kann es anders sein – der Klang: Die vollsymmetrische Signalführung unterdrückt geradzahlige Oberwellen, lässt ungerade Komponenten aber ungeschoren. Das senkt zwar den Gesamt-Klirrfaktor noch weiter, kann dem Klang aber eine unerwünscht kühle Note geben. Vielleicht ein Grund mehr, warum die Kombi aus 222 und 250 so unglaublich offen, weich und fein klingt: Die Geräte sind mit- und füreinander entwickelt.

Unser Fazit zur Naim NAP 250

In seiner jüngsten Inkarnation ist der Naim-Endstufenklassiker leistungsfähiger denn je. Auf dem Papier geht es zwar nur um ein paar Dutzend Watt extra, aber der Zuwachs an Bassdrive und -Kontrolle ist signifikant. Zugleich wirkt die neue Naim NAP 250 auch im Hochton noch natürlicher und lockerer. Der Gesamt-Sound ist damit universeller zugänglicher geworden und überzeugt Markenneulinge genauso mühelos wie alte Naim-Puristen. Äußerlich wie innerlich nahezu unschlagbar schön ist die Verarbeitung dieses extrem massiven Power-Brockens.

HIFI.DE Testsiegel Endstufe Naim NAP 250 9.2

Hier findest du die Naim NAP 250 im Angebot:

Technische Daten
Leistung 2x 100 Watt (8 Ohm), 2x 190 Watt (4 Ohm)
Eingänge XLR
Audio-Ausgänge 1 Paar Lautsprecher
Abmessungen (BxHxT) 432 x 92 x 320 mm
Gewicht 17 kg
Mitgeliefertes Zubehör Netzkabel, optische Kabel für Naim-Steuerbus, XLR-Anschlusskabel, Lautsprecherstecker
Verfügbare Farben Schwarz
Preis 7.499 Euro

Noch auf der Suche nach dem passenden Vorverstärker? In unserer Bestenliste wirst du sicher fündig:

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