Startseite HiFi Elektronik Verstärker Musical Fidelity M3si im Test: Fein, kraftvoll und natürlich

Musical Fidelity M3si im Test: Fein, kraftvoll und natürlich

Der Musical Fidelity M3si will klanglich hoch hinaus. Wie sich der solide HiFi-Verstärker in unserem Test schlägt, erfährst du hier.
HIFI.DE Test | Musical Fidelity M3si
Leistung
2x 85W (8 Ohm), 2x 150W (4 Ohm)
Eingänge
4x Line Cinch, 1x Phono MM, 1x digital USB-B
Audio-Ausgänge
1 Paar Lautsprecher, Pre Out, Rec Out
Quellen kabellos
Abmessungen (BxHxT)
440 x 100 x 400 mm
Gewicht
9,2 kg
Preis
1.399 Euro
In Kürze
Der Musical Fidelity M3si ist mit wuchtiger Endstufe, extragroßem Netzteil und lupenreinem Vorverstärker konsequent auf großen, klaren Klang gezüchtet. So begeistert über an jeder Quelle – egal, ob analog oder digital.
Vorteile
  • Klingt kraftvoll, sauber und natürlich
  • Ordentlicher USB- und sehr guter Phono-Eingang
  • Passgenaue, wertige Verarbeitung
Nachteile
  • Kein Kopfhörer-Ausgang
  • Keine Balance- oder Klangregler
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Der Musical Fidelity M3si ist fast schon ein Klassiker in seiner Preisklasse: Seit rund acht Jahren wird der Vollverstärker unverändert gebaut. Das Design sieht immer noch taufrisch aus, und sein Stahlblechgehäuse mit der dicken Alufront gehört nach wie vor zu den solidesten, präzisesten am Markt. Die Ausstattung verrät nur an einem Punkt das reife Alter des Entwurfs – dazu gleich mehr. Zunächst wollen wir aber herausfinden, was diesen Vollverstärker klanglich interessant macht.

Den Musical Fidelity M3si gibt es in schwarzer und silberner Ausführung:

Musical Fidelity M3si im Hörtest: Großes Kino für die Ohren

Der erste Eindruck, den man beim M3si bekommt, ist der von großer Kraft und Kontrolle. Wenn der Hörtest etwa mit Lana Del Reys Großleinwand-Pop beginnt, etwa Cherry von dem Album Lust For Life, dann treiben die Beats das Stück auffallend druckvoll und verbindlich. Und die Stimme steht greifbar, glänzend, fast leuchtend darüber, stabil und sauber, als hätte der Amp sonst gar nichts zu tun.

Musical Fidelity M3si schräg links
Der Musical Fidelity M3si ist der zweitkleinste Verstärker der Briten, will klanglich aber hoch hinaus.

Der wuchtige Bass ist kein leeres Versprechen, sondern trägt einen vollen, vielschichtigen, in allen Frequenzbereichen sehr glaubwürdigen Klang. „Breitbandig, neutral, aufregend fein“ steht an einer Stelle in den Hörtestnotizen. Und das steht da nicht, weil jeder Verstärker den Song so gut hinbekommt. Sondern weil die Kombination aus Größe, Dynamik und Sauberkeit, die der M3si liefert, wirklich außergewöhnlich ist.

Klingt der Verstärker hell oder eher dunkel? Das ist wie bei den meisten wirklich guten Amps nicht leicht zu sagen. Im Bass lässt der Musical Fidelity unüberhörbar seine Muskeln spielen, er macht die tiefen Töne aber nicht fett und weich. Eher fühlt sich die Bassline konturiert und fest an, mit präzisen Starts und Stopps, die Rhythmus und Tempo vermitteln.

Musical Fidelity M3si Rückseite Anschlüsse
Der Fokus liegt beim M3si ganz klar auf analogen Quellen. Besonders schön: die große Masseklemme des Phono-Eingangs, die wir so schon vom Musical Fidelity V90-LPS kennen.

Das hört man sehr schön zum Beispiel im Vergleich zum Audiolab 6000A Play, der in unserem Hörraum neben dem M3si aufgebaut war. Der Audiolab klingt für sich genommen weiß Gott nicht schlecht. Er wirkt im Oberbass etwas fülliger, geht aber spürbar weniger tief runter als der Musical und rauht Stimmen etwas an. Rhythmisch wirkt der 6000A Play langsamer, fast ein bisschen lustlos, wenn vorher der straffe, dynamisch federnde M3si lief. Leicht zu erkennen: Das sind schon zwei unterschiedliche Klang-Klassen.

Füllt große Räume mit großartiger Räumlichkeit

Die Raumabbildung des Musical Fidelity ist eindrucksvoll: Reale oder virtuelle Bühnen – sofern auf der Aufnahme vorhanden – bauen sich in voller Größe vor dem Hörplatz auf. Die darauf platzierten Schallereignisse – etwa Sänger bei einer Opernaufnahme oder einzelne Instrumente bei einer Pop-Produktion – stehen stabil auf ihren Positionen, ohne sich zu stark in den umgebenden Raum auszubreiten.

Musical Fidelity M3si Logo
Musical Fidelity legt Wert auf kleine Details – auch bei „günstigeren“ Serien.

Eine präzise, konturenscharfe Abbildung also, die eher ein wenig distanzierter wirkt als zu nah. Wer einen Verstärker sucht, der Grundton und Mitten weit nach vorne holt, muss vielleicht woanders suchen. Der M3si hat derlei audiophile Effekte gar nicht nötig und kartiert das Stereopanorama eben so genau, wie es der Mix hergibt.

In den Höhen löst der englische Amp blitzsauber auf: Dieser fein differenzierte Hochton ist auch der Grund für die suggestive Raumabbildung. Dabei kippt der M3si aber nie aus Übereifer ins Helle oder Scherenschnittartige: Da ist unheimlich viel Glanz und Kontur im Hochton, aber es ist ein natürlicher Glanz, der sich nicht hell oder sonst wie unangenehm anfühlt. Sondern prickelnd und authentisch.

Musical Fidelity M3si Seitenansicht
Ein dickes Metallblech schützt die Elektronik im Inneren. Lüftungsschlitze auf der Oberseite verhindern den Hitzestau.

Was hochauflösenden Verstärkern öfter mal fehlt, hat der Musical Fidelity in rauhen Mengen: Flow und Eleganz, einen musikalischen Sogeffekt, der es dir ermöglicht, lange, laut und ermüdungsfrei zu hören.

Guter Phono-Amp, harmonisch klingender DAC

Richtig gut gefällt uns der Phono-Eingang des M3si. Um der Preisklasse treu zu bleiben, haben wir einen Rega Planar 2 mit dem MM-System Sumiko Wellfleet angeschlossen. Ein 1000-Euro-Spieler von umwerfender Musikalität. Über den HiFi-Verstärker mit Phono-Eingang präsentiert er alle Facetten seines Könnens. Der auch hier weiche, unverfärbte Hochton verrät eine günstig niedrige Eingangskapazität des Musical-Phonoteils, und der Rauschabstand ist auf dem Niveau guter separater Phono-Vorverstärker. So kann man dauerhaft Vinyl hören.

Musical Fidelity M3si Quellenwahl Detail
Deine Musikquelle kannst du entweder direkt am Gerät oder per Fernbedienung wählen.

Am USB-DAC haben wir ein MacBook Pro angeschlossen, auf dem die audiophile Playersoftware Audirvana läuft. Damit klingt der Musical Fidelity wunderbar ausgewogen und harmonisch, etwa Selling England By The Pound von Genesis in der Highres-Version mit 88.2kHz/24bit. Auch Neil Youngs Harvest in 192/24 (gerippt von der DVD-Audio) wirkt extrem authentisch. Näher als diese Überspielung aus dem Jahr 2000 kann man dem alten Analog-Masterband kaum kommen.

Dass Audirvana den Track automatisch auf 96kHz Abtastrate herunterrechnet, weil der Musical nicht mehr unterstützt, fällt dabei gar nicht auf. Playersoftware und DAC stimmen sich bei der ersten Kontaktaufnahme aufeinander ab. Um den internen DAC wirklich zu schlagen, brauchst du nicht mit irgendwelchen kleinen Netzwerk-Playern zu kommen. Erst der gefürchtet gute Linn Sneaky DS toppt den Musical-DAC nachvollziehbar mit mehr Klangfarbe und Feinstruktur.

Unsere Bestenliste verrät dir, wie sich der Musical Fidelity M3si im Vergleich mit weiteren HiFi-Verstärkern schlägt:

Musical Fidelity M3si: Viel durchdachte Analog-Technik

Vier Hochpegelquellen und einen Plattenspieler mit MM-System kannst du am Musical Fidelity anschließen. Einer der Line-Inputs (AUX1) lässt sich per Schalter am Heck in einen Endstufen-Direkteingang verwandeln, etwa zur Einbindung des Amps in eine Heimkinoanlage. So kannst du deine Surround-Speaker an den AV-Receiver klemmen, für deine Front-Lautsprecher weiter mit guter HiFi-Technik befeuern.

Musical Fidelity M3si Polklemmen
Die Polklemmen des Musical Fidelity M3si liegen eng beisammen, sind aber gut isoliert.

Lautsprecherkabel schließt du an stabilen, isolierten Schraubklemmen an, die auch Bananenstecker aufnehmen können. Ein Kopfhörerausgang fehlt dem M3si. Dafür gibt es sowohl einen regelbaren Vorstufenausgang als auch einen Festpegel-Output, der sich ideal zum Anschluss eines separaten Kopfhörerverstärkers eignet.

Der Musical Fidelity entsteht in äußerlich exzellenter, innen routiniert-solider Fertigungsqualität in Musical Fidelitys langjährigem Partnerwerk in Taiwan. Der Hersteller gibt eine Sinusleistung von 85 Watt an 8 Ohm an, an 4 Ohm verdoppelt sich dieser Wert annähernd dank des sehr großzügig ausgelegten Netzteils. Großzügig ist auch die Hauptplatine des M3si, die praktisch die gesamte Innenfläche des Amps einnimmt. Außer dem Ringkerntrafo – der ist direkt mit dem Gehäuseboden verschraubt – verteilen sich sämtliche Baugruppen auf diesem großflächigen Board.

Musical Fidelity M3si front schräg rechts
Im Inneren verbirgt der M3si feinste Technik auf großer Platine.

Die Endstufen kombinieren kompakte, im SMD-Verfahren aufgebaute Eingangsverstärker mit kräftigen Sanken-Endtransistoren des Typs STD03P/N. Das sind sogenannte Darlington-Typen mit integrierten Treibern und Thermofühlern für stabile, verzerrungsarme Verstärkung auch in dynamisch anspruchsvollen Situationen. Interessant ist der recht niedrige publizierte Dämpfungsfaktor von 36. Er lässt auf eine eher zurückhaltend dosierte Gegenkopplung schließen. Was wiederum zu der entspannten, ermüdungsfreien Klangqualität beitragen dürfte.

DAC-Technik aus den Zehner-Jahren

Am USB-Eingang erkennt man, dass die Entwicklung des M3si schon Anfang der 2010er Jahre stattgefunden haben muss. Der Input arbeitet zwar bereits asynchron und damit praktisch jitterfrei – eine wichtige Voraussetzung für guten USB-Klang. Er verwendet aber noch das alte „Class 1“-Protokoll. In der Praxis kann das sogar Vorteile haben, da Class 1 auch bei Windows-Rechnern keine Treiberinstallation erfordert und einfach per Plug-and-play funktioniert.

Musical Fidelity M3si Rückseite Anschlüsse Detail
Der asymmetrische USB-Anschluss ist der einzige digitale Eingang des Musical Fidelity M3si.

Dafür ist die Übertragungsgeschwindigkeit geringer: Die höchste unterstützte Auflösung beträgt 96kHz/24bit. Das ist keine große Einschränkung, außer es geht dir ums Prinzip. Ob irgendjemand den Unterschied zwischen 96 und z. B. 192 kHz Abtastrate hört, ist umstritten. Die wenigen 176.4er- und 192er-Files – ganz zu schweigen von noch höheren Auflösungen – laufen dank automatischer Konvertierung im Rechner dann eben mit der halben, immer noch sehr hohen Rate.

Auch DSD war zu Class-1-Zeiten noch kein Thema. Der Musical-Wandler erwartet klassische PCM-Daten. Aber auch das ist zumindest mit dem Mac und Audirvana oder Roon kein Problem, da das Format auf der Playerseite (bzw. im Roon Core) passend transcodiert wird. Fort Of The Hare von der Folkband Ranagri, ein DSD64-Download von Highresaudio.com, erreicht den Musical somit als 24-bit-Signal mit 88.2kHz Abtastrate. Und klingt auf diesem Weg jedenfalls genauso organisch-weich, wie wir es auch sonst kennen.

Musical Fidelity M3si Fernbedienung
Die Fernbedienung wirkt auf den ersten Blick etwas unübersichtlich, da sie auch weitere Geräte von Musical Fidelity steuern kann. Für den M3si sind jedoch nur die blauen Taster interessant.

Diese Umrechnung ist auch kein schräger Format-Frevel, sondern funktioniert elegant und nahezu verlustfrei in Echtzeit, ohne dass du als Nutzer:in irgendwie aktiv werden musst.

Alltagstauglich und funktional-schick

Gesteuert wird der M3si wohl meist aus der Ferne. Dazu musst du die billig und leichtgewichtig wirkenden Systemfernbedienung tolerieren, die auch hauseigene CD-Player steuert. Immerhin erkennst du auf ihr – anders als auf so manchem Alublock-Designstück – auf Anhieb die zum Amp gehörigen Tasten. Ihre blaue Färbung macht’s möglich.

Und du kannst mit der Fernbedienung auch tatsächlich aus der Ferne bedienen. Das ist nicht selbstverständlich und hängt auch stark von der Platzierung des Empfängers im Gerät ab. Musical Fidelity hat jedenfalls alles richtig gemacht: Der M3si empfängt deine Kommandos auch, wenn du nicht direkt davor sitzt, bei offenen Türen sogar noch aus dem Nebenraum.

Musical Fidelity M3si IR-Empfänger
Guter Empfang, auch über größere Entfernungen: Dafür sorgt der Infrarot-Empfänger des M3si.

Wegen der edlen Haptik lohnt es sich aber, hin und wieder auch mal die kleinen, mit präzisem Druckpunkt nachgebenden Eingangswahltasten an der Front zu betätigen. Wie der große Lautstärkeknopf bestehen sie aus fein mattiertem Metall und sitzen präzise und wackelfrei in der Frontplatte. Die Beschriftung hätte ruhig etwas weniger winzig ausfallen können, aber dafür verraten blaue LED-Leuchtpunkte über den Tasten deutlich und zugleich dezent, was gerade gewählt ist. Dank des extrem übersichtlichen Layouts weißt du die Reihenfolge CD-USB-Phono-Tuner-Aux1-Aux2 nach ein paar Tagen eh auswendig.

Gut auf- und eingestellt für langjährigen Betrieb

Das sämige Drehgefühl des Lautstärkereglers stammt übrigens von einem echten Potentiometer, das aber – ähnlich wie bei einem elektronischen Gaspedal – nur als Sollwert-Geber fungiert. Das Musiksignal bekommt seine Schleifbahnen nie zu sehen und wird stattdessen in einem PGA-Widerstandsnetzwerk-Chip verschleißfrei und mit dauerhaft perfekter Kanalbalance angepasst.

Musical Fidelity M3si Volumen Drehregler
Der Aluminium-Drehregler folgt dank eines kleinen Motors den Befehlen der Fernbedienung.

Sowohl das Gehäusevolumen als auch der massive Guss-Kühlkörper am rechten Rand sind für den Energieumsatz des Verstärkers sehr reichlich dimensioniert. Das gewährleistet thermisch stressfreien Dauerbetrieb und verlängert die Lebenserwartung.

Fazit – Musical Fidelity M3si

Der Musical Fidelity M3si gibt Musik kraftvoll, spannend, lebendig und wunderbar geschmeidig wieder. Mehr Klang ist uns in seiner Preisklasse bislang noch nicht zu Ohren gekommen. Hinzu kommen die sehr schöne Verarbeitung und eine sinnvolle Ausstattung mit USB- und sehr gutem Phono-Eingang.

HIFI.DE Testsiegel HiFi-Verstärker Musical Fidelity M3si 8.5

Hier kannst du den Musical Fidelity M3si direkt bestellen:

Technische Daten
Leistung 2x 85W (8 Ohm), 2x 150W (4 Ohm)
Eingänge 4x Line Cinch, 1x Phono MM, 1x digital USB-B
Audio-Ausgänge 1 Paar Lautsprecher, Pre Out, Rec Out
Quellen kabellos
Netzwerk
Gehäuse-Ausführungen Schwarz, Silber
Abmessungen (BxHxT) 440 x 100 x 400 mm
Gewicht 9,2 kg
Mitgeliefertes Zubehör Fernbedienung
Preis 1.399 Euro

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