Startseite HiFi Elektronik Verstärker JBL SA550 Classic im Test: Außen rustikal, innen raffiniert

JBL SA550 Classic im Test: Außen rustikal, innen raffiniert

Das Image von JBL wird von Bluetooth-Boxen und Kopfhörern bestimmt. Mit dem Stereo-Verstärker JBL SA550 Classic beweist das Unternehmen aber, dass man auch noch HiFi kann.
HIFI.DE Test | JBL SA550 Classic
Leistung
2x 90W (8 Ohm), 2x 150W (4 Ohm)
Eingänge
3x Line Cinch, 1x Line 3,5mm Klinke, 1x Phono MM, 1x digital optisch, 2x digital Koax
Audio-Ausgänge
1 Paar Lautsprecher, Pre Out, Kopfhörer
Quellen kabellos
Bluetooth aptX HD
Abmessungen (BxHxT)
448 x 124 x 321 mm
Gewicht
11,2 kg
Preis
1.999 Euro
In Kürze
Rein designmäßig ist der JBL SA550 Classic der perfekte Partner für die Retro-Lautsprecher von JBL. Dank kräftiger, unaufdringlich abgestimmter Endstufen verträgt der JBL sich aber auch blendend mit anderen Boxen – retro oder nicht.
Vorteile
  • Sehr guter D/A-Wandler
  • Seidiger, kräftiger Klang
Nachteile
  • Display nur auf Augenhöhe vollständig ablesbar
  • HDMI und USB fehlen
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Wenn man sich die aktuelle JBL-Website anschaut, könnte man meinen, die Firma sei exklusiv Spezialistin für Bluetooth-Speaker, Kopfhörer und eventuell noch Soundbars. Das können die Amerikaner sicher auch gut. Ihren Kultstatus haben sie sich aber bereits Mitte des letzten Jahrhunderts verdient – mit ausgewachsenen Lautsprechern und professionellen Monitorsystemen. Der JBL SA550 Classic spielt mit seinem Design sehr deutlich auf einen dieser legendären Vorfahren an aus den 60er-Jahren an. Ob Leistung und Funktionsvielfalt mit aktuellen Standards überzeugen können, haben wir im Hörtest überprüft.

Bei HiFi-Regler bekommst du den Verstärker:

JBL SA550 Classic im Hörtest: definitiv druckvoll

Wir haben dem JBL keine Lautsprecher derselben Marke zur Seite stellen können. Was aber auch nicht nötig ist, denn HiFi lebt von einer Grund-Übereinkunft: Jedes Teil muss für sich genommen neutral arbeiten. So ist gewährleistet, dass etwa ein JBL-Amp nicht nur an JBL-Lautsprechern, sondern auch an hochwertigen Monitoren anderer Hersteller spielen kann.

Auch ein JBL Spinner BT soll schließlich mit Regallautsprechern der Konkurrenz zurechtkommen und nicht nur mit dem hauseigenen Retro-Entwurf JBL L52 Classic. In unserem Test stammen diese Monitore von Tannoy und Fyne Audio. Und gerade den wuchtigen Standlautsprecher Fyne Audio Vintage 10 hat die Dynamik und die Auflösung, um HiFi-Verstärkern wirklich tief in ihre Seele zu schauen.

JBL SA550 Classic – Frontalansicht
Die HiFi-Produkte von JBL sprechen eine gänzlich andere Designsprache als die Lifestyle-Linie.

Peter Gabriels neues Album IO – zugespielt als FLAC über Tidal – hält großartige, differenzierte Bässe bereit, mit denen der JBL seine Paradedisziplin ausspielen kann: druckvollen, lebendigen, singenden Tiefton. Die Kontrolle, die der Amp über die Zehnzoll-Membranen der Fyne Audio ausübt, ist hörbar. Da sumpft und wabert nichts, außer eventuell die Raumakustik. Es ist aber keine übertriebene Kontrolle, kein akribisches Wegschnippeln jedes kleinen akustischen Fettrands. Sondern eher eine lässige Autorität, die anerkennt, dass Bass – wie gutes Essen – ruhig auch mal fette Stellen haben darf.

Obenrum unaufdringlich und etwas dicht

Wer hochauflösende Highend-Lautsprecher betreibt, kann keinen kratzig-unsauberen Hochton brauchen. Weshalb der JBL ganz zu Recht bei aller Kompetenz eher ein bisschen warm abgestimmt ist. Im Zweifelsfall zieht er ein Schlagzeugbecken oder eine Stahlsaite also nicht ganz so gnadenlos durch wie manch anderer Amp. Viel Freiraum hat der Entwickler hier aber nicht. Denn im Oberton entscheidet sich ja auch, ob ein Verstärker natürlich und echt klingt.

JBL SA550 Classic – Vorderseite seitlich
Der JBL SA550 Classic spielt klar und offen, lässt aber auch noch Luft nach oben.

Die Klangfarben etwa einer Gitarre oder Violine, oder die Artikulation einer Gesangsstimme: Dieses Gänsehautgefühl, direkt dabeizusein, entsteht entscheidend im höchsten Frequenzbereich. Den einfach abzudunkeln ist also ein zweischneidiges Werkzeug. Der JBL kann also durchaus klar und offen spielen – aber es gibt Steigerungsmöglichkeiten.

Der Cayin Jazz 80 zeigt, was gemeint ist. Der Röhrenverstärker ist preislich vergleichbar mit dem JBL, aber spartanisch ausgestattet und vergleichsweise leistungsarm. Und doch lässt er die Musik noch mehr in Ruhe, lässt im Hochton mehr Leben zu und schafft somit einen intensiveren, authentischeren Klang.

JBL SA550 Classic – Detail Menu
Diverse Bedienelemente erleichtern an der Frontseite die Benutzung des HiFi-Verstärkers.

Das Blatt wendet sich, sobald Rockdrums oder Elektrobeats nach ernsthafter Power verlangen. Dann ist der JBL verbindlicher und auch neutraler. Bei kleineren Besetzungen würden wir uns aber etwas mehr von dieser verspielten Leichtigkeit wünschen. Die gibt’s auch bei guten Transistoramps gelegentlich. Wie uns zum Beispiel Denon mit dem PMA-1700NE zeigt.

Klang-Verwandtschaft zum Arcam A25

Mit seinem griffigen, aber auch ein ganz bisschen matten Mittellhochton und dem lässigen Bass erinnert der JBL klanglich an den jüngst getesteten Arcam Radia A25. Identisch klingen die beiden Amps aber nicht – obwohl sie auch technisch eng verwandt sind. Uns kommt im direkten Vergleich der Arcam etwas sortierter, aufgeräumter vor, mit leicht geschärftem Fokus im Hochton. Was hier als Vorteil gelten darf, während der JBL womöglich an sehr direkt abgestimmten Boxen noch mehr Rocktalent entfaltet.

JBL SA550 Classic – Vorderseite seitlich
Wir vergleichen den JBL SA550 Classic im Testlabor auch mit vergleichbaren Verstärkern.

Sehr gut haben uns die Digitaleingänge des JBL-Amps gefallen. Wir haben mit dem Wiim Mini daran einen sehr preiswerten, gleichwohl aber bitgenauen Streamer ausprobiert. So wird aus dem JBL-Vollverstärker ohne riesigen Aufpreis ein vollwertiger Streaming-Amp. Obwohl wir hier nur den optischen Eingang verwenden können (der Wiim Mini hat keinen Koax-Ausgang), klingt die Kombination blitzsauber, fein aufgelöst und unterm Strich besser als alles, was wir an den Analogeingängen anschließen konnten.

Der Wechsel zu Koax (nun mit dem Wiim Pro Plus) bringt einen Hauch mehr Stabilität. Aber so oder so klingt der JBL-eigene DAC wirklich klasse. Nicht ganz so nachhaltig begeisterte uns der Phono-Eingang: Rauscharm, aber etwas blass und schlank tönte unser Technics SL-1200GR2 mit Ortofon Concorde Elite. Das geht an externen Preamps deutlich saftiger und sauberer.

JBL SA550 Classic – Detail Display
Auf dem Display des JBL SA550 Classic kannst du essenzielle Informationen einsehen.

JBL SA550 Classic: Technischer Aufbau und Praxis

Wie Arcam gehört JBL zum Harman-Konzern, der wiederum seit ein paar Jahren Teil von Samsung ist. Und natürlich versucht die koreanische Konzernmutter, Synergien zwischen ihren Marken aufzubauen und zu nutzen. So hat der relativ neu akquirierte englische Verstärkerspezialist Arcam zum Beispiel ganz offensichtlich bei der Entwicklung des JBL-Amps mitgewirkt. Die Endstufe des 550 entspricht weitgehend der des Arcam Radia A25. Das ist kein Problem, handelt es sich dabei doch um eine innovative und schlaue Schaltung, die bei Arcam schon viele gute Verstärker hervorgebracht hat.

JBL SA550 Classic – Detail Input
Die Regler am JBL SA550 Classic arbeiten spielfrei und präzise.

Wie sein Arcam-Bruder verstärkt der JBL in Class G. Das ist eine rein analoge Endstufe, die mit zwei unterschiedlichen Versorgungsspannungen arbeitet. Je nach Musik und eingestellter Lautstärke kann sie zwischen den beiden Niveaus blitzschnell hin- und herwechseln. So lässt sich die praktisch verzerrungsfreie Performance eines Class-A-Amps bei kleinen Leistungen mit ungebremster Durchsetzungskraft paaren, wenn mal mehr als ein paar Watt nötig sind.

Da das viel seltener vorkommt, als man gemeinhin denkt, sind Stromverbrauch und Wärmeentwicklung des Class-G-Amps eher die eines Kleinleistungsamps. Die Kunst ist dabei, den Übergang zwischen den beiden Spannungsniveaus wirklich perfekt hinzubekommen – und so schnell, dass kein noch so komplexer Musikimpuls die Regelung ausdribbeln kann.

Wenn du wissen willst, wie der JBL SA550 Classic im Vergleich mit anderen von uns getesteten HiFi-Verstärkern abschneidet, wirf doch einen Blick in unsere Bestenliste:

Kantig und schwer

Den Class-G-Aufbau kann man im Inneren des 550 gut erkennen. Es sieht aus, als hätte der Verstärker nicht eine, sondern zwei Stereo-Endstufen. Wirklich verstärken kann aber nur eine, mit jeweils einem Paar fünfbeiniger „Thermal Trak“-Transistoren pro Kanal. Die vermeintliche zweite Endstufe ist ein sogenannter „Lifter“, der mit vier Hochleistungs-Schalttransistoren den Spannungshahn für die eigentliche Endstufe auf- und zudreht.

JBL SA550 Classic – Seitenansicht
Von der Seite offenbart der JBL SA550 Classic dann doch ein etwas edleres Design.

Der ganze Power-Achtzylinder klebt an einem breiten, hohen Kühlkörper aus Massiv-Alu. Interessant dabei, dass der JBL-Amp zwar größer und schwerer ist als der Arcam, diesem aber in puncto Leistung unterliegt: 90/150 Watt traut der Hersteller dem SA550 Classic zu, während der A25 für 100/165 Watt gut ist.

Eine Schublade höher haben die Entwickler dafür beim DAC gegriffen: Im JBL steckt nicht nur ein guter Wandlerchip, sondern der beste, den Zulieferer ESS im Programm hatte. Dieser ES9038K2M hat zwar inzwischen einen noch teureren Bruder bekommen, aber die Message kommt trotzdem an: Diese Digitalabteilung ist keine halbherzige Dreingabe, sondern als vollwertige Primär-Audioquelle zu verstehen. Schade eigentlich, dass JBL/Harman/Samsung dann mit digitalen Eingängen so knickrig ist. Ein optischer und zwei Koax-SPDIF-Anschlüsse, das ist zwar besser als nichts. Zumal noch ein mit allen Klangoptimierungen gewaschener Bluetooth-HD-Empfänger dazukommt.

Aber es fehlt ein USB-Eingang, um zum Beispiel einen Musik-PC mit dem Amp zu verbinden. Auch viele rein digitale Streamer verlassen sich auf USB als klanglich beste – und oft sogar einzige – Schnittstelle. Noch überraschender ist aber das Fehlen eines HDMI-ARC-Eingangs. Geräte, die ihn haben, stehen in der Disziplin „Wohnzimmertauglichkeit“ einfach ungleich besser da, weil der Fernsehton dann ganz selbstverständlich das HiFi-Erlebnis bereichert.

Stabile Karosserie, zierliche Fernbedienung

Alternativ kannst du am JBL den optischen Eingang für den Fernseher verwenden, aber halt nicht mit dem gleichen Komfort: Beim Fernsehen musst du dann immer auch die JBL-Fernbedienung bereithalten. Immerhin ist die klein und leicht. Trotz – oder wegen – des silbrig glänzenden Metallstreifens in der Oberseite wirkt sie etwas billig und passt nicht recht zum kantigen, schweren SA550 Classic.

JBL SA550 Classic – Lieferumfang
Die Fernbedienung wirkt nicht ganz so hochwertig, wie der Verstärker selbst.

Auch die beiden großen, geriffelten Drehknöpfe bestehen aus Metall, laufen wackelfrei und mit sämigem Drehgefühl. Fürs vollendete Vintage-Feeling besitzen beide eine feine Rasterung, und auch die fünf Tipptasten reagieren angenehm straff, mit deutlichem Druckpunkt. Neben den digitalen besitzt der JBL auch vier analoge Eingänge, von denen einer als 3,5-Millimeter-Miniklinke an der Front zugänglich ist.

Hinzu kommt der MM-Phono-Eingang sowie ein Paar Pre Outs für externe Endstufen oder Subwoofer. Wie sein Arcam-Halbbruder bietet der JBL zwar eine fernbedienbare Balance-Einstellung, aber keinerlei Klangregler. Da hilft es auch wenig, dass du den Digitalfilter des ESS-DAC umschalten kannst. Voreingestellt ist „Apodizing“, und es gibt sechs weitere Charakteristika, die ganz subtil den Klang beeinflussen.

JBL SA550 Classic – Rückseite Anschlüsse
Wenn du dir noch einen übersichtlichen Eindruck über die Anschlüsse verschaffen willst, wirst du hier fündig.

Nicht wie ein Soundeffekt – eher wie ein ganz vorsichtiges Verschieben der Raumabbildung und der subjektiven Dynamik. „Apodizing“ unterstreicht den weichen, geschmeidigen Charakter des Verstärkers, für manche Ohren vielleicht schon zu stark. Wir fanden im Hörtest „Corrected Minimum Phase Fast“ interessant, weil etwas griffiger und näher in der Abbildung. Aber wie gesagt: Es sind Nuancen, wenn auch hier etwas deutlicher als bei anderen DACs mit ähnlichen Umschaltmöglichkeiten. Was indirekt dann wieder für die Auflösungsfähigkeiten des Verstärkers spricht.

Unser Fazit zum JBL SA550 Classic

Dass man den SA550 Classic auf der JBL-Homepage praktisch nicht findet, lässt Rückschlüsse auf den Stellenwert zu, den klassisches HiFi im Konzern aktuell einnimmt. Dabei hat der Amp eine exponiertere Platzierung durchaus verdient. Er klingt seidig und kraftvoll, und er sieht ziemlich authentisch wie sein 60er-Jahre-Vorbild aus. Eine Retro-Optik, die mit dem JBL Authentics 500 auch unter den Bluetooth-Lautsprechern von JBL angekommen ist. Für Fans der Marke, schonmal zwei starke Argumente, auch wenn Verarbeitung und Finish im Detail für einen 2.000-Euro-Amp eher schlicht ausfallen und die Ausstattung ein paar wenig zeitgemäße Lücken aufweist.

HIFI.DE Testsiegel HiFi-Versaterker JBL SA550 Classic 8.4

Bei HiFi-Regler bekommst du den Verstärker:

Technische Daten
Leistung 2x 90W (8 Ohm), 2x 150W (4 Ohm)
Eingänge 3x Line Cinch, 1x Line 3,5mm Klinke, 1x Phono MM, 1x digital optisch, 2x digital Koax
Audio-Ausgänge 1 Paar Lautsprecher, Pre Out, Kopfhörer
Quellen kabellos Bluetooth aptX HD
Netzwerk
Gehäuse-Ausführungen Silber
Abmessungen (BxHxT) 448 x 124 x 321 mm
Gewicht 11,2 kg
Mitgeliefertes Zubehör Fernbedienung
Preis 1.999 Euro

Es soll doch ein Streaming-Amp sein? Dann wirf einen Blick auf unsere Bestenliste der besten Streaming-Verstärker:

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