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Dolby Atmos: Alles, was du über das 3D-Klangformat wissen musst

Mit Dolby Atmos erklimmt das Heimkino eine neue Klangebene. Doch was genau steckt hinter dieser Technologie und worauf solltest du beim Setup achten?
Dolby Atmos Setup Bild: Dolby

Für die meisten Heimkino-Enthusiasten ist Dolby Atmos der aktuelle Standard für 3D-Klang. Neu ist das Format allerdings nicht: In Kinos findet man schon seit 2012 entsprechende Setups, die für eine ordentliche Geräuschkulisse von oben sorgen. Und im Jahr 2014 präsentierte Onkyo erste Dolby Atmos-Produkte im Heimkinobereich.

Das native Tonformat Dolby Atmos fand schnell Platz in den ersten AV-Receivern namhafter Hersteller, großes Interesse bei Anwendern und kurz darauf bereits Konkurrenz aus dem Hause DTS.

Was steckt hinter Dolby Atmos?

Das grundsätzliche Ziel von Dolby Atmos ist es – genau wie bei seinem visuellen Konterpart – den Zuschauer tiefer ins Geschehen eintauchen zu lassen. Dazu werden bei Dolby Atmos kanalbezogene Tonspuren aufgehoben und bereits in der Abmischung objektbasiert im Raum platziert.

Statt klassisch jedem Kanal eine dedizierte Aufgabe zuzuteilen, werden Objekten (zum Beispiel Hubschraubern in Filmen) dedizierte Metadaten zugewiesen. Sie enthalten Informationen darüber, wie sich das Objekt bewegt und wo es sich im Raum zu einer bestimmten Zeit befindet. Daraus entsteht ein raumfüllender Klang, bei dem die hinzugefügte Höhenebene über Deckenlautsprecher das immersive Filmerlebnis schafft.

Dolby Atmos im Heimkino

Die Einführung von Dolby Atmos brachte auch eine neue Nomenklatur für die Lautsprecherkonfiguration. Was im herkömmlichen Setup noch eine 5.1-Konfiguration aus zwei Front-, einem Center- und zwei Surround-Lautsprechern plus Subwoofer war, ist in der 3D-Klangwelt mindestens eine 5.1.2-Aufstellung.

Dolby Atmos Kino
Längst hat Dolby Atmos den Weg aus dem großen Kinosaal in die Wohnzimmer vieler Heimkino-Enthusiasten gefunden. | Bild: Dolby

Wirklich ambitionierte Heimkino-Bauer können Dolby Atmos sogar auf ein 24.1.10-Setup erweitern. Diese maximal ausgereizte Konfiguration mit insgesamt 34 Endstufen kann jedoch von einem Mittelklasse AV-Receiver nicht mehr bewältigt werden.

Um zu wissen, wie viele Endstufen der AV-Receiver haben muss, addiert man einfach die erste und letzte Ziffer. Der Subwoofer (mittlere Ziffer) klemmt nämlich an einem vom Rest unabhängigen Ausgang. Doch bevor wir uns eingehender mit Lautsprechern beschäftigen, gibt es relevante Informationen zur restlichen Technikausstattung im trauten Heim.

Welche Geräte werden für Dolby Atmos gebraucht?

Das Schlüsselgerät im Heimkino-Setup ist der AV-Receiver. Da dieser die Steuerzentrale für Video- und Audio-Signale darstellt, muss er die Dolby-Atmos-Spur des Quellmaterials dekodieren können. Deshalb ist beim Kauf eines AV-Receivers unbedingt darauf zu achten, dass er Dolby Atmos unterstützt. Dies trifft aber bereits für die meisten Einstiegsgeräte im Heimkino-Bereich zu.

Marantz SR 7013 AV
Der Marantz SR-7013 ist mit Dolby Atmos und DTS Virtual:X ausgestattet und unterstützt IMAX Enhanced dank DTS- und HDR-Technologie. | Bild: Marantz

Seit der Einführung entsprechender Geräte sind sämtliche wichtige Marktprotagonisten nachgezogen. Erst jüngst etwa präsentierte Pioneer die AV-Receiver SC-LX904 und SC-LX704. Im High-End-Bereich führte McIntosh die AV-Verstärker MX170 und MX123 und Lyngdorf Audio den Lyngdorf MP-60 ein.

Der Blu-ray-Player muss derweil nicht zwingend durch einen neuen ersetzt werden: Jeder Player, der die Filmtonspur via Bitstream-Signal weiterleiten kann, kann auch Dolby Atmos verarbeiten. Bitstream ist auch für die anderen 3D-Klangformate Auro-3D und DTS:X notwendig.

Muss der Fernseher 3D-Klangformate unterstützen? Nein, das muss er nicht. Der Panasonic GZ2000 OLED-Fernseher ist jedoch der weltweit erste Fernseher mit integrierten Dolby Atmos-Lautsprechern.

Damit kommen wir zum tonangebenden Teil, der das Heimkino mit Leben füllt: Abhängig vom Anspruch und Budget können die Lautsprecher entweder in der Decke montiert, Soundbars oder sogenannte „Dolby Atmos Enabled“-Lautsprecher angeschafft oder virtuelle Lösungen umgesetzt werden.

Dolby Atmos über Deckenlautsprecher realisieren

Der beste Weg für viele Heimkino-Enthusiasten ist, zwei bis sechs Lautsprecher in oder an die Decke zu montieren. Dabei bedarf es einiger Planung – zum Beispiel für die Kabelführung und exakte Positionierung – und etwas handwerkliches Geschick. Der offiziell Dolby-Ratgeber gibt dabei vor, in welchem Abstand und Winkel sich die Deckenlautsprecher zur Sitzposition befinden sollten.

Dolby Atmos 7.1.2 Layout
Je mehr Lautsprecher im Dolby Atmos-Setup verwendet werden, desto mehr Zeit muss in die Planung der unteren und oberen Eben fließen. Eine 7.1.2-Konfiguration benötigt viel Platz und eine geeignete Deckenhöhe. | Bild: Dolby

Die Anzahl der Lautsprecher ist besonders von der Raumgröße und -höhe abhängig. Wer sein Heimkino im Keller hat, stößt hier schnell auf akustische Probleme, wenn die Decke zu niedrig ist. Das heimische Wohnzimmer dagegen sollte in der Höhe weniger Schwierigkeiten bereiten. Übrigens: Im Auro-3D und Dolby Atmos-Thread tauschen sich die Nutzer des HiFi-Forums über ihre Konfigurationen und Erfahrungen mit dem Thema aus.

Soundbars mit 3D-Klangeffekten

Soundbars sind kompakte, riegelförmige Geräte, die unter dem Fernseher positioniert werden. Sie besitzen mehrere, integrierte Lautsprecher, die im besten Fall ein raumfüllendes Klangerlebnis bringen.

So befinden sich beispielsweise in Sennheisers Ambeo-Soundbar nicht weniger als 13 Lautsprecher, die für Dolby Atmos-Klang sorgen, der einer 5.1.4-Lautsprecheraufstellung gleichkommen soll. Hier werden über Wandreflexionen virtuelle Lautsprecher im Raum platziert, was für ein dreidimensionales Klangbild sorgen soll.

Sennheiser Ambeo Sound mit Dolby Atmos
Die Sennheiser Ambeo liefert erste Eindrücke, wie 3D-Klang aus einer Soundbar klingt – und das hat seinen Preis. | Bild: Sennheiser

Trends zeigen, dass immer mehr Menschen zu Soundbars greifen. Doch nicht jedes dieser Produkte ist in der Lage, 3D-Klang wie Dolby Atmos zu erzeugen. Und nicht jeder Nutzer möchte etwa 2.499 Euro für eine ausgeben, die es kann.

Aufgesetzt: Dolby Atmos Enabled Lautsprecher

Für solche Fälle hat sich Dolby eine vereinfachte Lösung ausgedacht, die sich Dolby Atmos Enabled-Lautsprecher nennt. Hierbei handelt es sich um Lautsprechermodule, die oben auf die vorderen und hinteren Lautsprecher platziert werden. Sie sind nach oben angewinkelt („upward-firing“), so dass sie den Sound zur Decke schicken, wo er zurück zum Hörplatz reflektiert wird.

Dolby Atmos 5.1.4 Upfiring
Aufgesetzte Lautsprechermodule verwandeln eine 5.1-Surround-System in eine 5.1.4-Atmos-Konfiguration. | Bild: Dolby

Im HiFi-Forum wird immer wieder heiß diskutiert, ob und wie gut diese Lösung funktioniert. Sowohl Deckenlautsprecher als auch Dolby Atmos Enabled Lautsprecher haben ihre Befürworter. Welche Lösung die beste ist, muss jeder in seinen eigenen vier Wänden testen.

Virtueller Sound: Dolby Atmos Height Virtualization

Als vermeintlich einfachste Variante bietet sich die Dolby Atmos Height Virtualization, wenn man weder Deckenlautsprecher noch Lautsprechermodule anschaffen will. Hier wird vom AV-Receiver ein virtuelles Tonformat dekodiert, das den Überkopf-Ton simuliert und den Sound auf Kopfhöhe des Hörers wiedergibt.

Wie DTS Virtual:X verwandelt auch Dolby Atmos Height Virtualization eine Stereo-, 5.1- oder 7.1-Konfiguration in ein immersives 3D-Surroundsound-Erlebnis. Das Ergebnis ist jedoch nicht dem zu vergleichen, was ein komplettes Dolby Atmos-System im Stande ist zu produzieren und das Konzept ist in der HiFi-Community umstritten.

Konkurrierende Sound-Formate: DTS:X und Auro-3D

Dolby hält natürlich keine Monopolstellung auf den 3D-Surround-Sound. Die Spezialisten DTS und Auro bieten ihre eigenen Tonformate für ein immersives Kinogefühl auf dem heimischen Sofa. Gerade DTS-Formate sind auf DVD, Blu-rays und UHD-Blu-rays sehr verbreitet. 

DTS:X

In puncto 3D-Klang machen es sich die Kalifornier von DTS mit dem DTS:X-Format sehr einfach. Der Entwickler verzichtet auf eine eigene – und damit dritte – Vorgabe zur Aufstellung. Stattdessen soll die Tonspur mit praktisch jeder Lautsprecherkonfiguration klarkommen, was Endverbrauchern und Herstellern gleichermaßen die Arbeit erleichtert.

Ob sich der Traum der freien Aufstellung im Raum für einen 3D-Raumklang damit jedoch umsetzen lässt, muss in der Praxis erst getestet werden. Heimkino-Profis wissen, wie wichtig die richtige Position der Lautsprecher ist und das jede noch so kleine Verschiebung das Ergebnis zum Guten oder Schlechten verändert.

Auro 3D

Auro geht mit dem Auro-3D-Format einen anderen Weg als die Konkurrenz. Während Dolby die Höhenebene getrennt vom Rest sieht, addiert Auro sämtliche Kanäle einfach auf. Das führt zu einer verständlichen 7.1-, 9.1- oder gar 11.1-Konfiguration. Hier werden Höhenlautsprecher vorne, seitlich und hinten senkrecht im 30-Gradwinkel zur Hörposition über den vorhandenen Lautsprecher angebracht.

Auro 3D
Der Overhead-Layer wird auch aus Voice-of-God (VoG) bezeichnet. Dieser Lautsprecher befindet sich direkt über dem Sitzplatz. | Bild: Auro

Doch Auro ist nicht sehr verbreitet und chronisch unterrepräsentiert bei den AVR-Herstellern. Wer sich die Möglichkeit offen lassen möchte, sein Dolby-Setup auch auf Auro-3D erweitern zu können, muss sich für einen Denon- oder Marantz-Receiver entscheiden. Andere Hersteller unterstützen das Format derzeit nicht.

Filme mit Dolby Atmos: Blu-rays und Streaming

Im Reich der physischen Medien finden sich Hunderte bis Tausende Filme auf UHD- und Full-HD-Blu-rays mit Dolby Atmos. Wehrmutstropfen für alle Fans der Marvel-Filme. Sie müssen für die Atmos-Tonspur zur 4K-Blu-ray greifen, denn Disney entschied sich dazu, normalen Blu-rays keinen 3D-Klang zu spendieren.

Aber auch die Streaming-Dienste lassen sich nicht lumpen. Apple TV Plus, Disney Plus, Amazon Prime Video und Netflix unterstützen das 3D-Soundformat. Bei den drei erstgenannten Anbietern stehen selektierte Filme und Serien mit Atmos zur Verfügung. Hier muss man im Detail in der jeweiligen Beschreibung des Inhalts prüfen, ob das Format angeboten wird. Bei Netflix ist allerdings ein Premium-Abo notwendig, um Dolby Atmos genießen zu können.

Next Level: Musik und Spiele in Dolby Atmos

Dolby Atmos ändert auch die Art und Weise wie Musik zu Hause erlebt wird. Dazu ist Dolby eine eine Partnerschaft mit Universal Music eingegangen, die das Ziel verfolgt, große Hits bekannter Künstler an die neue Technologie anzupassen und neu abzumixen. 50 Songs liegen derzeit auf Blu-ray oder im Streaming-Angebot in Dolby Atmos Music vor.

Dolby listet außerdem 15 Spiele im Dolby Atmos-Format. Dazu zählen Blockbuster wie The Division 2 und Gears of War 4. Zusammen mit Dolby Vision tauchen Zocker so in ein völlig neues, audio-visuelles Spielerlebnis ein.

Jetzt ansehen: Dolby Surround und Dolby Atmos Setup

Hast du bereits Erfahrungen mit 3D-Klangformaten gesammelt? Welche Hürden musstest du dabei überwinden? Teile es uns in den Kommentaren mit!

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