Startseite Heimkino Dolby Atmos Dolby Atmos so weit das Auge reicht: Ist das eine gute Sache?

Dolby Atmos so weit das Auge reicht: Ist das eine gute Sache?

Nicht nur AV-Receiver, Lautsprecher und Soundbars locken mit Dolby Atmos. Auch TVs, Notebooks und sogar Smartphones wollen mitmischen. Aber ergibt das wirklich einen Sinn?
Samsung setzt für einige Galaxy-Smartphones auf Dolby Atmos Bild: Samsung

Dolby Atmos steht für objektbasierten Surround-Sound mit dedizierten Höhenkanälen. Bei einem klassischen Heimkino-Aufbau realisiert ihr das mit einem AV-Receiver sowie passenden Decken- bzw. Dolby-Atmos-Enabled-Lautsprechern. Letztere „feuern“ dann nach oben (Upfiring). Doch mittlerweile führen viele Wege nach Rom.

Was macht echtes Dolby Atmos aus?

Jedes 5.1- oder 7.1-Surround-Set lässt sich über zusätzliche Deckenlautsprecher zu beispielsweise einem 5.1.2 oder 7.1.4 Set ausbauen. Die neu hinzugestoßene, letzte Ziffer steht dabei für die Höhenkanäle. Genau jene machen „echtes“ Dolby Atmos aus. Dolby selbst demonstriert das exzellent in seinem „Amaze-Trailer“, welcher Regen hörbar auf den Zuhörer herabströmen lässt (hier kostenlos herunterladbar).

Die Möglichkeiten, die zusätzlichen Höhenkanäle zu nutzen, sind mannigfaltig: Dolby Atmos setzt auf eine objektbasierte Abmischung bzw. zusätzliche Metadaten, um Dinge akustisch im Raum zu platzieren – ein Hubschrauber, fallende Blätter oder Musik, die den Zuhörer umhüllt.

Ein Dolby-Atmos-Heimkino-System
Ein Beispiel für ein Dolby-Atmos-Heimkino-System. | Bild: Dolby

Dadurch, dass Atmos Klangobjekte oberhalb des Zuhörers platziert entsteht mehr Räumlichkeit.

Warum profitieren Soundbars?

Berechtigte Frage: Wie kann eine Soundbar ohne separate Deckenlautsprecher von Dolby Atmos profitieren? Wie Dolby-Atmos-Enabled-Lautsprecher setzen Soundars mit Atmos auf nach oben gerichtete Speaker („upward-firing“ oder auch „upfiring“). Der Sound wird von der Decke reflektiert und klingt (im Idealfall) für den Zuhörer, als komme er von oben. Wie gut das in der Praxis funktioniert, hängt nicht nur vom Soundbar-Modell ab, sondern auch von der Aufstellung, der Hörposition und den allgemeinen Räumlichkeiten.

Eine Soundbar mit 3D-Sound
Dolby Atmos bei Soundbars nutzt im Idealfall integrierte Upfiring-Speaker. | Bild: Dolby

Hochwertige Soundbars setzen zusätzlich auf separate Rear-Lautsprecher, die ebenfalls Upward-Firing-Speaker integrieren. Dadurch erreicht etwa Samsungs aktuelles Flaggschiff, die Q950T, einen 9.1.4-Aufbau. Auch die noch frische Sonos Arc (hier unser Test), die sich mithilfe eines Sonos Sub und z. B. der Sonos One SL zu einem vielseitigen Surround- und Multiroom-Setup erweitern lässt, bietet ebenfalls Upfiring-Speaker. Selbiges gilt für die LG DSN11RG, eine 7.1.4-Soundbar, die sich dank High Resolution Audio auch für Musik empfehlen möchte.

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Doch dann existieren auch kleinere Exemplare wie die Anker Soundcore Infini Pro (2.1), die LG GX (3.1) oder die Sony HT-X8500 (2.1). All diese Modelle werben ebenfalls mit Dolby Atmos. Was hat es damit auf sich? Schließlich fehlen nach oben gerichtete Lautsprecher. Greifen wir einmal Sony heraus. So hantieren die Japaner mit Begrifflichkeiten wie „Vertical Surround Engine“ und „S-Force Pro Front Surround“. Andere Hersteller nennen es anders. Doch im Kern geht es um ein Wort: „simuliert“.

Die Anker-Infini-Pro-Soundbar
Die Anker-Infini-Pro-Soundbar. | Bild: André Westphal

Während Anker und LG sich in Schweigen hüllen, nennt Sony zumindest klar das Stichwort „Virtuell“. Man versucht also via Software bzw. über Algorithmen nachzuhelfen. Besitzer preisgünstiger Receiver sind da eventuell mit Dolby Atmos Height Virtualization vertraut. Das ist eine Technik, die ebenfalls ohne Decken- oder Upward-Firing-Speaker 3D-Sound simuliert.

Die aus der Höhe wahrnehmbaren Surround-Effekte halten sich zumeist in Grenzen. Trotzdem ist Dolby Atmos selbst bei derartigen 2.1-Soundbars nicht völlig nutzlos. Schon die Verarbeitung des Klangformats kann sich je nach Modell positiv auf den Sound auswirken. Allerdings gibt es da wichtigere Kaufargumente, etwa die Anschluss- und Passthrough-Möglichkeiten (Stichwort: eARC), als Surround-Spielereien bei einer Stereo-Soundbar.

Fernseher und 3D-Sound: Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“

Viele Fernseher integrieren mittlerweile ebenfalls Dolby Atmos. Logischerweise ist von TV-Lautsprechern allerdings kein raumfüllender Sound zu erwarten, selbst wenn Hersteller wie HiSense, LG oder TCL damit werben. Dennoch erfüllt Atmos-Integration bei Fernsehgeräten einen Zweck. So kann ein verlustfreies Atmos-Signal nur durchgeschleust werden, wenn euer TV die Dolby-Atmos-Verarbeitung bzw. HDMI eARC unterstützt.

Es gibt auch TVs mit Dolby Atmos
Es gibt auch Fernseher mit Atmos-Unterstützung. | Bild: Dolby

Dabei ist es wichtig, korrekt zu unterscheiden. Einmal existiert Atmos auf Basis von Dolby Digital+. Dann gibt es noch das verlustfreie Atmos auf Basis von Dolby TrueHD. Die unkomprimierte Variante findet auf Ultra HD Blu-rays Anwendung. Dagegen findet ihr die komprimierte Version bei Streaming-Anbietern wie Amazon Prime Video, Disney+ und Netflix. Sie lässt sich wegen der geringeren Anforderungen an die Bandbreite auch via HDMI ARC übertragen. Der TV muss dafür trotzdem Dolby Digital+ unterstützen. Die Verarbeitung von Dolby Digital+ ist obligatorisch, sollen vorinstallierte Streaming-Apps zu 3D-Sound kompatibel sein. Ihr möchtet wiederum verlustfreies Atmos durchschleusen? Dann achtet auf einen Port mit HDMI eARC am TV eurer Wahl.

Smartphones mit Dolby Atmos – Partygag oder echter Mehrwert?

Was ist mit Dolby Atmos an Smartphones und Notebooks? Realistisch gesehen, ist hier kein wahrnehmbarer 3D-Klang aus den internen Lautsprechern zu erwarten. Üblicherweise verbindet man sein Smartphone, im Gegensatz zu einem TV, auch nicht mit einem AVR, einer Soundbar oder einem Ultra HD Blu-ray Player. Trotzdem unterstützen Modelle wie die Apple iPhone 11, die Samsung Galaxy S20 oder die OnePlus 8 Atmos.

Das OnePlus 8 unterstützt Dolby Atmos
Das OnePlus 8 unterstützt Atmos. | Bild: OnePlus

Mit dem „echten“ Atmos-Sound hat das wenig zu tun. Deswegen werben Hersteller wie OnePlus auch vielmehr mit „Powered by Dolby Atmos“. Ob dies wirklich den Klang verbessert oder sogar verschlechtert, daran scheiden sich die Geister. Es handelt sich jedenfalls um eine Mischung aus Hard- und Software-Lösung. Ein Algorithmus soll hier den Klang verbessern. Das gilt auch und vor allem, wenn Kopfhörer genutzt werden. Die Bezeichnung „Dolby Atmos“ ist hier etwas irreführend. Sie bleibt Marketing-Abwägungen geschuldet. Für Notebooks gilt dies analog genau so.

Immerhin können einige, wenige kompatible Smartphones Dolby Atmos Music nutzen. Das bietet der Streaming-Dienst Tidal etwa in seinem Hi-Fi-Abonnement an. Um den größten Mehrwert vom Atmos-Streaming zu erhalten, sind jedoch andere Gerätekombinationen empfehlenswert. Etwa lässt sich das Atmos-Streaming über aktuelle Amazon Fire TV, Apple TV sowie die Nvidia Shield TV (2019) in Verbindung mit Soundbars und Lautsprechersystemen nutzen.

Darum ist Dolby Atmos überall

Zusammengefasst: Dolby Atmos ist nicht gleich Dolby Atmos. Die „echte“ Variante mit objektbasiertem 3D-Surround-Sound und zusätzlichen Höhenkanälen ist etwas anderes, als die bloße Atmos-Verarbeitung. Im Falle von Notebooks und Smartphones meint Dolby Atmos in erster Linie eine Verbesserung des Stereo-Sounds. Dies erreicht man durch eine Kombination von Algorithmen und Hardware-Optimierung.

Mancher Leser fragt sich berechtigterweise, warum Dolby so ein Kuddelmuddel nicht nur zulässt, sondern sogar selbst forciert. Schließlich rümpfen einige 3D-Sound-Enthusiasten schon bei 3D-Sound über Soundbars die Nase. Bei Modellen ohne Upward-Firing-Speaker teilen wir diese Skepsis. Dann noch Notebooks und Smartphones mit Dolby Atmos, was dort nicht einmal 3D-Sound meint… Warum?

Dolby Atmos soll Zuhörer beeindrucken
Dolby Atmos soll Zuhörer beeindrucken. | Bild: Dolby

Dolby verdient sein Geld mit Lizenzen. Konsequenterweise hat das Unternehmen ein Interesse daran, möglichst viele Partner bzw. Produkte mit Lizenzen zu beglücken, um seine Einnahmen zu steigern. Natürlich ist man dabei immer noch auf sein Image der Qualität bedacht. Dafür geht Dolby aber auch Kompromisse ein. Und das führt zu marketingwirksamen aber technisch irreführenden Ergebnissen wie Dolbys Smartphone-Strategie.

Wie stehst du zu Atmos bei Soundbars, TV-Lautsprechern, Notebooks und Smartphones? Hast du da bereits negative oder positive Erfahrungen gesammelt? Teile gerne deine Meinung mit der HiFi-Community in den Kommentaren!

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