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Fernseher oder Beamer? Großes Kino zu Hause

Die Preise für die ganz großen 4K-Fernseher sind im Sinkflug - wann lohnt sich heute noch der Beamer für das Heimkino im Wohnzimmer?
Beamer oder Fernseher - was ist besser? Bild: JVC

Filme, Serien und Games auf zwei oder drei Meter Diagonale zu sehen, hat schon was ziemlich Beeindruckendes. In der Vergangenheit war das ganz klar die Domäne der Beamer. Fernsehgeräte in solchen Dimensionen waren schlicht nicht bezahlbar, während Beamer zu einem guten Kurs beeindruckende Bilder auf die Leinwand zauberten.

In den letzten Jahren hat sich aber sowohl die Technologie als auch das Preisgefüge deutlich verändert. Inzwischen gibt es Fernsehgeräte jenseits von 80 Zoll (2,04 m) für rund 1.500 Euro zu kaufen. Gleichzeitig hat sich die Standard-Auflösung von Full HD auf 4K erhöht, und mit HDR hat sich bei den Farben und der Helligkeit einiges getan. Für Beamer sind diese Technologien allerdings deutlich aufwendiger zu realisieren.

Epson EH-TW7400 weiß
Beamer wie den Epson EH-TW7400 gibt es neben Schwarz auch in wohnzimmerfreundlichem Weiß. | Bild: Epson

Wir zeigen dir, wann sich für dich ein Fernseher für perfektes Heimkino-Feeling lohnt, und wann du an einem Beamer einfach nicht vorbeikommst.

Kann ich nicht einfach einen günstigen Office-Beamer nutzen?

Beamer ist nicht gleich Beamer, und es gibt je nach Anwendungsbereich gravierende Unterschiede. Du kannst zwar hergehen und den Beamer aus dem Büro übers Wochenende mit nach Hause nehmen. Das reicht sicher für das beliebte Rudelgucken von Film und Sport im Wohnzimmer oder auf der Terrasse.

Auf Dauer wirst du damit allerdings kaum Freude haben, denn die meisten Business-Beamer sind zum Anschauen von Filmen eher ungeeignet. Das liegt nicht etwa an einer zu geringen Lichtausbeute, denn hell genug sind solche Office-Beamer allemal. Es hapert vielmehr daran, dass solche Geräte meistens für PCs optimiert sind, sowohl was die Auflösung als auch was das Seitenverhältnis des Bildes betrifft.

Selbst wenn du dich mit den unschönen grauen Balken arrangierst, die vom falschen Seitenverhältnis herrühren, mangelt es oft an der Bildqualität. Zwar verfügen viele Büro-Beamer sogar über einen „Film-“ oder „Kino-“ Bildmodus, allerdings meistens mit unzureichendem Ergebnis.

Herausforderung: Farben und Auflösung

Gerade beim Anschauen von Filmen ist eine natürliche Farbdarstellung besonders wichtig. Das UHD-Format mit HDR verlangt neben der 4K-Auflösung auch die Abbildung des deutlich erweiterten Kino-Farbraumes. Die meisten Beamer erkennen, wenn über HDMI ein HDR-Video ankommt. Sie stellen dann den Kontrast und die Farbwiedergabe automatisch auf HDR mit größerem Farbraum um. BenQ z.B. liefert manche Beamer ab Werk mit einer Farb-Kalibrierung aus, echtes Plug-and-Play also.

Geht es allerdings um schieres Auflösungsvermögen, liegen Fernseher eindeutig vorn. Die meisten Geräte ab 40 Zoll aufwärts verfügen heute über 4K-Auflösung. Inzwischen kommt zunehmend auch 8K-Auflösung zum Einsatz, wobei 8K in der Größenordnung aktuell noch recht teuer ist.

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4K-Fernseher liefern eine Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkten, was für diese technisch kein großes Problem darstellt. Beim Beamer ist der technische Aufwand zur Umsetzung einer nativen 4K-Auflösung dagegen deutlich höher und entsprechend teurer. Die aktuell günstigsten Beamer mit nativer 4K-Auflösung kommen von JVC und Sony. Der Einstieg beginnt bei knapp 6.000 Euro für den JVC DLA-NX5 beziehungsweise 5.000 Euro für den Sony VPL-VW270.

Um dennoch 4K-Inhalte angemessen auf die Leinwand zu bringen, arbeiten die Hersteller bei den erschwinglichen, filmtauglichen Geräten mit einem Trick. Die native Full-HD-Auflösung der Projektor-Chips wird hochgerechnet und die einzelnen Pixel leicht versetzt mehrfach wiedergegeben. Bei Beamern von Acer, BenQ und Optoma, die mit DLP-Technik arbeiten, heißt das XPR-Technologie. Bei den LCD-basierten Projektoren von Epson und JVC spricht man von eShift.

Das funktioniert mittlerweile so gut, dass du bei einem üblichen Betrachtungsabstand im normalen Filmbetrieb kaum einen Unterschied zur nativen 4K-Auflösung feststellen wirst.

HDR bei 4K-TVs und Beamern

4K-Filme kommen neben der höheren Auflösung heute oft mit HDR und dem bereits erwähnten erweiterten Farbraum. Hier sind hohe Spitzenhelligkeit und tiefes Schwarz gefragt. Beides für Beamer echte Herausforderungen, bei denen Fernseher auftrumpfen können.

Der AG8 soll UHD-Filme dank integriertem 4K HDR Bildprozessor in Kinoqualität wiedergeben.| Bild: Sony

Die besten HDR-Bilder bekommst du von Fernsehgeräten geboten. Allerdings sind es nicht gerade die preisgünstigen 4K-TVs, die wirklich gutes HDR liefern: Eine HDR-Qualität, die dem Qualitätssiegel „Ultra HD Premium“ entspricht, bringen zum Beispiel OLED-TVs. Und die sind bei großen Diagonalen recht teuer: 77 Zoll OLED-Bilddiagonale schlagen derzeit mit 4.000 bis 5.000 Euro zu Buche. Dafür unterstützen diese Geräte mehrere HDR-Formate, darunter Dolby Vision, in allerbester Qualität. Etwas günstiger sind QLED-TVs zu bekommen, die ebenfalls erstklassiges HDR bieten können, allerdings meist ohne Dolby-Vision-Unterstützung.

Hierzu auch auf HIFI.DE:

4K-kompatible Beamer unterstützen die Standard-HDR-Verfahren HDR10 und HLG (Dolby Vision ist hier leider nicht in Sicht). Fernseher sind den Beamern zwar in Sachen HDR-Spitzenhelligkeit überlegen, doch mit einem lichtstarken Beamer, der HDR10 unterstützt, bekommst du immerhin das größere HDR-Bild und Kino-Feeling. Am besten funktioniert das im abgedunkelten Raum.

Der Beamer mag es am liebsten dunkel

Gerade Beamer, die explizit für das perfekt abgedunkelte Heimkino produziert werden, haben eine vergleichsweise geringe Lichtausbeute. Das liegt unter anderem daran, dass Filter in den Lichtweg geschwenkt werden. Diese sorgen einerseits zwar für besonders natürliche Farben, andererseits geht das zulasten der Helligkeit. In einem abgedunkelten Heimkino ist das kein Problem, im Wohnzimmer hingegen schon.

Die Beamer für das voll ausgestattete Heimkino kommen hauptsächlich von Epson, JVC und Sony und sind sehr groß. Außerdem sind sie, wie bereits erwähnt, nicht ganz billig. Als Alternative zum Fernseher eignen sich solche Heimkino-Boliden dementsprechend eher weniger.

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Immer noch gilt der Grundsatz, dass es für die Projektion umso besser ist, je dunkler der Raum ist. Denn die Leinwand wirft neben dem Licht aus dem Projektor immer auch Umgebungslicht zurück. Ist Licht im Raum, verhilft eine hohe Lichtausbeute dem Beamer zu einem akzeptablen Bild. Also doch besser der Beamer aus deinem Büro? Fast, denn auch die Hersteller haben den Bedarf an filmtauglichen, hellen Beamern durchaus erkannt und entsprechend reagiert.

BenQ HDR-Menü
Die meisten HDR tauglichen Beamer bieten im Menü eine Anpassung an die Raumhelligkeit an. | Bild: HIFI.DE

Es gibt eine ganze Reihe Beamer, die einerseits eine gute Farbtreue erreichen, andererseits hell genug sind, um auch in Räumen ohne vollständige Verdunkelung bestehen zu können. Mit Preisen ab 1.000 Euro sind sie zudem auch diesbezüglich eine Alternative zum Fernseher. Zumal du auch für einen Fernseher auf helles Licht im Raum verzichten solltest. Ist es richtig hell im Zimmer, kommt es meist zu störenden Spiegelungen auf dem TV-Bildschirm, und auch die optische Wahrnehmung leidet unter dem hellen Umgebungslicht.

Ein Beamer als TV-Alternative sollte folgende Grundvoraussetzungen erfüllen:

  • Das projizierte Bild weist ein Seitenverhältnis von 16:9 auf.
  • Die Auflösung beträgt 1920 x 1080 Pixel, die gegebenenfalls auf die 4K-Auflösung 3840 x 2160 hochskaliert wird.
  • Im Bildmodus für Filme, zumeist als „Kino“, „Film“ oder „Cinema“ bezeichnet, wird weitgehend der Normfarbraum für HDTV abgedeckt.
  • Der Beamer erkennt HDR-Inhalte und schaltet automatisch den entsprechenden Bildmodus ein oder stellt ihn zumindest zur Verfügung.
  • Freunde des Rasensports und anderer Sportereignisse legen auf einen entsprechenden Bild-Modus Wert.
  • Er ist auch im Film-Modus noch hell genug für ein brillantes Bild, selbst wenn es im Raum nicht stockfinster ist. Etwa 700 bis 1000 lm sollten an der Leinwand noch ankommen, je nach Raumhelligkeit.

Wohin mit dem Beamer?

Ein Fernseher wird meist einfach auf ein Sideboard gestellt oder an der Wand montiert. Beim Beamer gibt es unterschiedliche Konstruktionen, da man selten den Abstand zwischen Leinwand und Beamer frei wählen kann.

Normale Beamer benötigen einen Projektionsabstand von etwa zwei bis drei Metern, um eine Bilddiagonale von zwei Metern zu erzeugen, was einem 80-Zoll-Fernseher entspricht. Im typischen Wohnzimmer wird ein solcher Beamer daher oft hinter dem Sitzplatz aufgestellt oder unter der Decke montiert. Mit dem Zoom kannst du die Bildgröße leicht variieren und an die Leinwandgröße anpassen.

Ist der Raum kleiner, ist ein sogenannter Kurzdistanz-Beamer eine Überlegung wert. Dieser kann schon aus einer Entfernung von etwa 1,5 Metern eine Bilddiagonale von ca. zwei Metern erzeugen. Idealerweise montierst du einen Kurzdistanz-Beamer unter der Decke, dort stört er am wenigsten.

LG Vivo HU85LS im Einsatz
Ein Ultrakurzdistanz-Beamer nimmt auf dem Sideboard nicht mehr Platz ein als eine Soundbar. | Bild: LG

Ein Ultrakurzdistanz-Beamer kann sogar schon ab einem Abstand von 30 bis 50 Zentimetern von der Leinwand eine Bildbreite von mehr als zwei Metern projizieren. Du kannst einen solchen Beamer also direkt auf ein Sideboard oder Rack vor der Leinwand aufstellen beziehungsweise unter der Decke montieren. Die meisten Ultrakurzdistanz-Beamer haben eine eingebaute Soundbar und liefern ordentlichen Ton zum Bild gleich mit.

Der Input – wie smart sind Beamer?

Ein Manko haben Beamer gegenüber dem Fernseher nach wie vor: Kein uns bekannter Beamer verfügt über einen eingebauten Fernseh-Tuner. Zwar hat LG schon vor Jahren ein Exemplar der CineBeam-Reihe mit einem DVB-T-Tuner ausgestattet, dieser entsprach aber nicht dem deutschen Fernsehstandard (heute DVB-T2 HD) und ist demzufolge hier auch nie verkauft worden. Für den Fernsehempfang muss du also auf eine passende Set-Top-Box zurückgreifen. Für diese und andere Quellgeräte stehen jedoch meistens mehrere HDMI-Buchsen zur Verfügung.

Streaming per Netzwerk ist meist sowohl per LAN als auch drahtlos möglich. Auch die Inhalte deines Smartphones kannst du per Beamer auf die große Leinwand übertragen oder einfach einen USB-Stick in die dafür vorgesehene Buchse des Beamers stecken.

Bei den Ultrakurzdistanz-Beamern sind zudem sämtliche Anschlüsse in Richtung Leinwand und damit gut versteckt untergebracht. Buchsen, an die du öfter ranmusst, haben oft eine Abdeckung, damit das äußere Erscheinungsbild nicht getrübt wird.

LG WebOS Oberfläche
LG hat den Beamern das gleiche Betriebssystem gegönnt wie den Fernsehern, du findest alle gängigen Streaming-Dienste per Mausklick. | Bild: HIFI.DE

Die grafischen Bedienoberflächen ähneln zunehmend denen der Fernseher. LG nutzt mit WebOS das hauseigene Betriebssystem auch für Beamer, und BenQ oder Epson nutzen heute meist eine Android-Variante. Apps der Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Prime Video und Disney+ sind sind inzwischen auch bei den Beamern oft integriert.

Nicht zu vergessen – der Ton

In den meisten Fällen sorgt der Fernseher auch für den Ton, was dem Anspruch „großes Kino zu Hause“ meist nicht gerecht wird. Du kannst den Sound aber leicht mit externen Lautsprechern, wie einer Soundbar oder einem Stereo-Set verbessern.

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Bei Beamern kommt erschwerend hinzu, dass der Ton, den sie wiedergeben, nicht aus derselben Richtung kommt wie das Bild. Aber auch hierfür haben die meisten Beamer heute Lösungen integriert. Eine Bluetooth-Schnittstelle, um den Ton über aktive Lautsprecher oder eine Soundbar auszugeben, ist mittlerweile auch beim Beamer keine Seltenheit mehr. Wo diese fehlt, gibt es zumindest einen analogen Audio-Ausgang oder eine S/PDIF-Buchse als digitalen Audio-Ausgang.

Ultrakurzdistanz-Beamer sind hier im Vorteil: Sie stehen direkt vor der Leinwand und liefern von dort den passenden Ton. Hersteller wie LG und Optoma statten ihre Ultrakurzdistanz-Beamer deshalb gleich mit mehreren Lautsprechern aus, ganz wie eine Soundbar.

Optoma UHZ65UST Lautsprecher
Beim Optoma UHZ65UST sorgen gleich mehrere Lautsprecher unter dem Bespannstoff für einen satten Sound. | Bild: Optoma

Angenehmer Nebeneffekt: Das Lüftergeräusch, das mitunter als störend empfunden wird, ist ebenfalls vorne an der Leinwand und damit weiter weg von deinem Sitzplatz als bei einem anderen Beamer. Außerdem sorgen moderne Leuchtmittel wie Laser sowie effiziente Kühlkonzepte für weniger Störgeräusche als beispielsweise bei den Office-Beamern.

Unser Fazit

Ein Beamer macht im Wohnzimmer dann Sinn, wenn dir ein wirklich großes Bild wichtig ist, du überwiegend Filme anschauen willst, und dies meistens abends. Auf eine große Leinwand projizierte Bilder können definitiv mehr Kinoatmosphäre vermitteln. Vor allem Laserbeamer mit Ultrakurzdistanz-Projektion bieten sich im Wohnzimmer an. Wenn du jedoch mit 2 Metern Diagonale auskommst oder perfektes HDR besonders wichtig für dich ist, solltest du auf einen Fernseher setzen.

Was ist dein Favorit für das Kino im Wohnzimmer? Ist der Beamer alltagstauglich genug? Teile es uns in einem Kommentar mit!

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