Startseite Fernseher Spitzenhelligkeit – oder: Wie hell muss mein TV sein?

Spitzenhelligkeit – oder: Wie hell muss mein TV sein?

Je heller, desto besser? Das kommt darauf an - grundsätzlich gilt jedoch: haben ist besser als brauchen.
Spitzenhelligkeit - Wie hell muss mein TV sein? Bild: Samsung

Mit dem Aufkommen von Samsungs QD-OLED-Displays sowie Mini-LEDs und Neo-QLEDs im Allgemeinen taucht auch immer wieder die Frage auf, wie hell ein TV sein muss. Oder anders gefragt: Was habe ich von mehr Spitzenhelligkeit?

Wie wird die Spitzenhelligkeit angegeben?

Wenn du auf der Suche nach dem besten Fernseher bist, wirst du schnell über Messwerte und damit verbunden Spitzenhelligkeiten stolpern. In der Regel werden diese in Nits angegeben, eine andere Bezeichnung für Candela pro Quadratmeter (cd/m²). Das gibt im Grunde an, wie viel Licht pro Quadratmeter Fläche zur Verfügung steht – die Leuchtdichte also.

Ein höherer Wert bedeutet daher ein helleres Bild. Das spielt vor allem dann eine Rolle, wenn du gerne bei Tageslicht Filme oder Serien schaust. Oder wenn du das Maximum an Helligkeit in Spielen herausholen möchtest. Es hat aber auch einen großen Einfluss darauf, wie gut HDR-Inhalte aussehen können.

Die Fernseher mit der besten Bild-Wertung haben fast alle eine hohe Spitzenhelligkeit und befinden sich weit vorne in unserer Fernseher Bestenliste:

Die Fernseher mit besonders hoher Spitzenhelligkeit sind allerdings auch nicht ganz günstig.

Spitzenhelligkeit bei HDR-Inhalten

HDR, das steht für High Dynamic Range, sorgt für ein nuancierteres Bild mit einem, wie der Name schon verrät, hohem Dynamikumfang. Heißt: In einzelnen Szenen können unterschiedlich beleuchtete Areale eines Bildes besser dargestellt werden. Einzelne Sterne an einem Nachthimmel etwa, die dich förmlich anstrahlen, während dunkle Bereiche trotzdem noch Details aufweisen.

SDR HDR Vergleich - auch hier spielt die Spitzenhelligkeit eine Rolle
Im direkten Vergleich zaubert HDR ein wesentlich kontrastreicheres Bild mit einem erhöhten Farbumfang – auch wenn diese Darstellung den Effekt etwas überzeichnet. | Bild: LG

HDR-Inhalte oder -Signale kommen immer auch mit sogenannten Metadaten daher – Subinformationen, die die eigentlichen Daten begleiten. Diese teilen dem Fernseher mit, welche Eckwerte die Videoproduktion berücksichtigt hat. Oft handelt es sich dabei um HDR10 mit einem Leuchtdichtewert von 1.000 Nits. Es können aber auch mal 2.000 oder 4.000 Nits sein.

Auch SDR bietet Spitzenhelligkeiten

Wenn du nicht vorrangig Netflix guckst, die zumindest bei ihren Filmen HDR zur Pflicht gemacht haben, wirst du im Alltag aber natürlich häufig auch SDR-Inhalte konsumieren. SDR steht für Standard Dynamic Range und kann letztlich im Dynamikumfang nicht mit HDR-Content mithalten.

Das Standard-TV-Bild etwa wurde ursprünglich nach Rec.709 Standard referenziert, 100 Nits sind hier an der Tagesordnung. Klar, das mag Geschmacksache sein, aber unserer Meinung nach geht das an der Realität vorbei.

Wir bevorzugen für SDR-Material für die Spitzenhelligkeit einen Wert um die 200 Nits, weshalb du mal in die Einstellungen deines Fernsehers schauen solltest. Panasonic nimmt gerne die 100 Nits in seinem True Cinema Mode als Voreinstellung, während Samsung das andere Extrembeispiel darstellt und in seinen Modi gerne die Leuchtdichte aufdreht.

Das bieten moderne Fernseher

Setzt du auf High-End-Modelle von LG, Panasonic, Samsung, Sony und Co., sind Spitzenhelligkeiten von mehr als 1.000 Nits möglich. Die neuen QD-OLEDs von Samsung schaffen in kleinen Bereichen sogar bis zu 1500 Nits, Mini-LED oder QLEDs auch gerne über 2.000.

samsung-qn95b-lauminanz
Moderne Fernseher erreichen auch gerne mal Werte von über 2.000 Nits – zumindest Nicht-OLEDs. Hier exemplarisch unsere Messungen des Samsung QN95B.

Das sorgt für dynamische Bilder und generell eine hohe Leuchtkraft. Insbesondere in hellen Räumen von Vorteil, natürlich aber auch bei Medieninhalten ein großer Pluspunkt. Und auch beim Gaming profitierst du von der Helligkeit, du siehst so schneller Feinde oder kannst all die Details wesentlich besser darstellen lassen.

Die Sonne, die durch die Baumkronen scheint, die Taschenlampe, die den Tatort erleuchtet. Je höher der Ausgangswert bei der Leuchtdichte, desto differenzierter und ansprechender das Bild.

HDR-Inhalte erhalten durch eine höhere Helligkeit viel mehr Spielraum, um zu scheinen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Je mehr Leuchtkraft zur Verfügung steht, desto feiner können die Abstufungen in der Ausleuchtung einer Film- oder Spielszene ausfallen.

Doch was ist, wenn man diese Werte noch ins Extrem treibt und TVs mit einer Leuchtdichte von bis zu 10.000 Nits Helligkeit aufwarten?

Der 10.000 Nit-Prototyp von Sony

Sony hat sich offenbar diese Frage gestellt. Auf einer der weltweit größten Fachmessen für Unterhaltungselektronik, der CES, wurde 2018 ein Fernseher vorgestellt, der neben einer 8K-Auflösung eine extrem hohe Leuchtdichte aufwies. 10.000 Nits!

Nur zum Vergleich: Das ist heller als viele LED-Videowände, die im Außenbereich genutzt werden. Oder als ein leicht bedeckter Himmel.

Piccadilly Circus Screen
10.000 Nits – das ist so hell wie aktuelle LED-Screens für den Außenbereich. | Bild: Unsplash / John Cameron

Wenn aber herkömmliche Fernseher mit rund 1.000 Nits auskommen, ergibt dann so viel Leuchtdichte überhaupt noch einen Sinn? Überwiegen die Vorteile einer noch höheren Leuchtkraft? Oder wird die Sonnenbrille durch eine solch hohe Spitzenhelligkeit in Zukunft Pflicht beim Kinoabend?

Wie hell ist zu hell? Oder gibt es überhaupt ein zu hell?

Natürlich brauchst du auch bei einer so hohen Leuchtdichte nicht Angst um deine Augen zu haben. Diese Extremwerte werden schließlich, wie auch bei üblichen Fernsehern, nicht auf dem gesamten Bild wiedergegeben. Vielmehr wird es genutzt, um Spitzenlichter noch weiter hervorzuheben und Highlights besser auszudefinieren.

Und selbst wenn das Bild dadurch zu hell wird: Eine Option zu haben, ist immer von Vorteil. Du kannst die Helligkeit einfach herunterregeln, wenn du dich geblendet fühlst. Und falls dann doch der Kinoabend auf den Vormittag verlegt wird, bleibt dir genügend Spielraum für eine tolle Filmwiedergabe auch im Hellen.

Die Wahrnehmung von Helligkeit

Übrigens: Nur weil ein Fernseher in Zukunft womöglich bei der Spitzenhelligkeit die 10.000 Nits Grenze knacken könnte, bedeutet das nicht, dass er gleich zehnfach heller als ein heutiger OLED wahrgenommen wird. Leuchtdichte nämlich wird nicht linear empfunden. Ein Unterschied von 100 zu 50 Nits ist etwa wie die Farbe Weiß zu Grau, bei 1.000 und 1.500 Nits ist der vom Auge feststellbare Unterschied jedoch wesentlich kleiner.

Das hängt auch mit der Umgebungshelligkeit zusammen. Ist dein Raum schön hell, wirst du einen Wert von 2.000 Nits etwa als wesentlich „dunkler“ empfinden als in einem abgedunkeltem Raum. Und weil du im Hellen zudem weniger Details in dunklen Szenen ausmachen kannst, solltest du für den vollen Genuss immer die Vorhänge zuziehen oder abends ohne Licht Filme und Serien konsumieren.

Helligkeit beim Fernseher richtig einstellen

Damit du alles, was du mit deinem TV ansehen oder wiedergeben möchtest, auch genießen kannst, solltest du ihn natürlich auch nach deinen eigenen Wünschen einstellen. Dazu zählt auch die Helligkeit, die in dem Fall die Strahlkraft des Panels widerspiegelt.

Egal, was du hier einstellst, du regelst damit vor allem SDR-Inhalte. Der Grund: Spielst du etwas mit HDR ab, wird automatisch der höchste Helligkeitswert eingestellt, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Allerdings kannst du auch hier nachregeln, was wir jedoch nicht empfehlen würde, da eben die maximale Leuchtdichte deines Fernsehers HDR-Effekte erst so richtig zum Strahlen bringen.

LG Game Optimizer verändert nicht die Spitzenhelligkeit, wohl aber den Schwarzwert
Im Game Optimizer beim LG C2 etwa kannst du Einstellungen am Schwarzwert vornehmen, um dunkle Bereiche des Bildes aufzuhellen.

Neben der Helligkeit an sich ist auch der Video-Schwarzwert von Bedeutung – gerade für Gamer*innen. Willst du dir im Multiplayer den Sieg sichern, solltest du die dunklen Bereiche feinjustieren – wie es etwa bei dem LG C2 im Game Optimizer möglich ist. Das sorgt für mehr Überblick, da du in den dunkleren Bereichen des Bildes ganz einfach mehr erkennen kannst. Das Licht solltest du dennoch ausschalten, gerade wenn du in HDR der digitalen Unterhaltung nachgehst.

Nur kurz: QD-OLED vs. OLED vs. QLED

Es lohnt sich, die verschiedenen Displaytechnologien genauer zu betrachten, falls du das Bestmögliche aus den derzeit erhältlichen Fernsehern herausholen möchtest. Ob OLED oder QLED oder LED besser zu dir passen, solltest du dir vor dem Kauf überlegen.

Die neuen QD-OLEDs sind ein gutes Beispiel dafür, wie eine höhere Leuchtdichte gerade die Highlights besser hervorhebt. Durch die spezielle Bauweise können zudem Spitzenhelligkeiten länger aufrechterhalten werden, als bei herkömmlichen OLEDs. Du musst dabei trotzdem nicht auf Dynamik und hohe Kontraste verzichten. 

Neuere OLEDs können bei der Leuchtdichte dank Kühlkörper gut mithalten, halten die Spitzenhelligkeit jedoch nicht so lange. Das fällt allerdings nur bei langen Szenen auf, die keine Veränderungen bei der Beleuchtung aufweisen. Dank der neuen Technologien ist mittlerweile auch hier das Ergebnis in hellen Räumen sehr gut.

Wenn es noch ein wenig heller sein soll, sind QLEDs die richtige Wahl. Über 2.000 Nits erreicht der Samsung QN95B im Test. Das ist nochmal deutlich heller als die OLED-Konkurrenz und sorgt für ein noch stimmigeres Bild. Einschränkungen gibt es nur bei den Schwarzwerten, die aufgrund verschiedener Dimmingzonen bauartbedingt nicht ganz mithalten können.

Wie hell muss er denn nun sein, der TV?

Ob jetzt 10.000 Nits wirklich notwendig sind, kann schwer beantwortet werden. Solang man es nicht selbst erlebt, wird man es vermutlich kaum vermissen. Fest steht aber, dass eine höhere Leuchtdichte immer nur Vorteile mitbringt.

Zum einen hast du mehr Spielraum, wenn du doch einmal die Helligkeit herunterregeln möchtest. So kannst du bei allen Lichtverhältnissen das Maximum aus deinem Fernseher herauskitzeln.

Zum anderen sehen Inhalte, insbesondere HDR-Content, einfach besser, nuancierter, dynamischer aus. Möchtest du, dass deine Filme, Serien oder Videospiele sich von ihrer besten Seite präsentieren, lohnt daher ein Blick auf die Spitzenhelligkeit der jeweiligen Geräte.

10.000 Nits Spitzenhelligkeit sind vielleicht ein wenig übertrieben. Eine höhere Leuchtkraft kann aber in jedem Fall von Vorteil sein. Hast du schon Erfahrungen mit verschiedenen Leuchtdichten gemacht? Teile uns diese gerne in den Kommentaren mit.

zur Startseite Beitrag kommentieren
Für Links auf dieser Seite erhält HIFI.DE ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit * oder gekennzeichnete. Mehr Infos.