Startseite HiFi Elektronik CD Player Test Marantz ND8006: CD-Player mit voller Streaming-Ausstattung

Test Marantz ND8006: CD-Player mit voller Streaming-Ausstattung

Der ND8006 ist eine universelle digitale Quelle und ersetzt Radio, CD-Spieler und Streamer. Im Test haben wir geprüft, ob dem gehobenen Preis auch entsprechender Klang gegenübersteht.
Marantz ND8006 Titel Bild: Sound United
In Kürze
Absolut betrachtet mag der Marantz ND8006 teuer erscheinen. In Ausstattung und Klang kann er sich aber mit den besten Digitalplayern der Welt messen, und dann ist er schon fast wieder günstig. Und dank des großen Angebots an HEOS-kompatiblen Mitspielern ist er so vielseitig wie wenig andere.
Vorteile
  • Krafvoller, musikalisch stimmiger Klang
  • Vielseitiges, stabiles HEOS-Streaming
  • Zwei Cinch-Ausgänge, hochwertiger Kopfhörerausgang
Nachteile
  • Bedienung am Gerät etwas fummelig

Zum halben Preis des überragenden SACD 30n bietet Marantz mit dem ND8006 ein ganz ähnlich ausgestattetes Gerät an: Der ND8006 vereint einen CD-Player mit den vielseitigen Streamingfunktionen der hauseigenen HEOS-Plattform zu einem Allround-Netzwerk-CD-Player. Nur SACD fehlt, aber das braucht ja auch nicht jeder. Uns hat daran besonders interessiert, ob und auf wieviel Klang du im Vergleich zum doppelt so teuren 30n verzichten musst. Das Ergebnis fällt durchaus interessant aus.

Marantz ND8006 Front
Mehr als nur ein CD-Player: Hier spielt der ND8006 gerade tatsächlich eine Disc ab. Viele Nutzer werden ihn aber primär als Netzwerkplayer kaufen – und die CD-Fähigkeit als praktische Ergänzung betrachten. Klanglich nehmen sich CD und Streaming (mit Dateien vergleichbarer Auflösung) nichts. | Bild: Sound United

Präsentes Powerplay: Der Marantz ND8006 im Hörtest

An unserer Verstärker-Referenz Pass INT25 und den Koax-Monitoren Tannoy Legacy Eaton hört man manchmal mehr, als einem lieb ist – etwa rauh und komprimiert wirkende Vocals auf vielen aktuellen Produktionen, die offenbar für die Wiedergabe auf Telefonen und Autoanlagen optimiert wurden. Erwischt man eine wirklich liebevolle Aufnahme, etwa John Grants neues Album Boy From Michigan, wird man aber in ein eigenes Klanguniversum gesaugt.

Und das sieht beim ND8006 tatsächlich etwas anders aus als bei so ziemlich jedem anderen Player: ordentlicher, mit kräftigerem Ton in der Stimme und besserer Abgrenzung zwischen den einzelnen Instrumenten oder Mischpult-Spuren. Ein sonorer, singender, auf einem reichen und angenehmen Grundton aufbauender Klang. Damit wirken selbst durchschnittliche Produktionen diesen oft entscheidenden Hauch einladender und zugänglicher.

Marantz ND8006 Fernbedienung
Über die mitgelieferte Fernbedienung kannst du alle Funktionen des CD-Players steuern. | Bild: Sound United

Anders als der SACD 30n, aber nicht viel schlechter

Der Marantz ND8006 bietet im Grunde den klassischen Marantz-Klang, den wir schon von den CD-Spielern des Herstellers lieb gewonnen haben: Mehr auf die Musik konzentriert als auf die Effekte, geschmeidig, angenehm, einen Hauch wärmer als die meisten vergleichbaren Player, aber trotzdem auf ganz mühelose Weise detailreich und differenziert. Der Marantz SACD30n ist im direkten Vergleich wesentlich genauer in der räumlichen Abbildung und noch differenzierter im Ton. Aber das zahlt sich nur mit wirklich guten Aufnahmen aus – und ohne direkten Vergleich vermisst du davon auch nichts.

Gehobene Rechenkunst: Der Aufbau des ND8006

Der Schaltungsaufwand, mit dem die Marantz-Entwickler ihre Klangvorstellungen im ND8006 realisieren, ist selbst für dessen gehobene Preisklasse enorm. Klangbestimmend sind bei Digitalplayern nicht nur die eigentlichen D/A-Wandler, sondern auch die analogen Ausgangsstufen stromabwärts sowie die Digitalfilterung stromaufwärts. Marantz verwendet im ND8006 einen sehr hochwertigen DAC des Herstellers ESS. Dieser ESS9016 hat zwar einen integrierten Digitalfilter, den die Entwickler aber offenbar durch einer hauseigenen Luxuslösung ersetzt haben.

Für dieses „Marantz Musical Digital Filtering“ bereitet ein programmierbares CPLD (Complex Programmable Logic Device) sämtliche Signale auf, bevor sie in den eigentlichen Wandler strömen. Das befreit den Wandlerchip von einem guten Teil der sonst dort nötigen Rechenarbeit. Vor allem aber konnten die Marantz-Entwickler auf diesem Weg genau ihre Erkenntnisse umsetzen, statt aus vorgefertigten Algorithmen wählen zu müssen.

Marantz ND8006 Innenansicht
In die Vollen: Wer glaubt, dass 43-Zentimeter-Gehäuse heute nur heiße Luft enthalten, sollte einen Blick in den ND8006 riskieren. Die große Digitalplatine in der linken Hälfte trägt Digitalfilterung, Quellenumschaltung und -Nachtaktung. Huckepack darauf sitzt etwa mittig die HEOS-Platine. Die Audioplatine im rechten Drittel ist ausschließlich dem DAC und den analogen Ausgangsstufen gewidmet – sowie deren auffallend luxuriöser Stromversorgung. | Bild: Sound United

Umschaltbare Filterung für Goldohren

Dem Nutzer lässt Marantz die Wahl zwischen zwei Varianten des Digitalfilters. Wobei du nicht zu viel Klangunterschied erwarten darfst: Die Filter, im Menü schlicht 1 und 2 genannt, beeinflussen die Durchlasskurve lediglich im obersten Hochton, der schon fast außerhalb des Hörbereichs liegt. Zudem gehen sie unterschiedliche Wege im Impulsverhalten. Uns gefiel Filter 2 besser, weil die Musik da etwas lockerer und feiner spielte. Wir hätten aber wahrscheinlich nicht sofort bemerkt, wenn es jemand heimlich verstellt hätte.

Die analogen Ausgangsverstärker nach dem DAC sind ebenfalls eine Marantz-Spezialität. Wo bei anderen Herstellern meist ein einsamer OP-Amp-Chip reichen muss, baut Marantz besonders schnelle und verzerrungsarme Verstärker-Baugruppen aus Scharen von Einzeltransistoren. Und weil der ND8006 über zwei separate, unabhängig nutzbare Ausgänge verfügt, von denen eines im Pegel regelbar ist, gibt es die Luxus-Ausgangsstufen hier gleich in doppelter Ausführung.

Marantz ND8006 Anschlüsse
Kontaktfreudig: Der Marantz ND8006 bietet nicht nur zwei unabhängige Ausgangspaare (links im Bild), sondern auch ein ganzes Sortiment digitaler Eingänge. Im Bild nicht installiert sind die beiden Antennen für besten Bluetooth- und Dualband-WLAN-Empfang. | Bild: Sound United

Praxis-Check beim Marantz ND8006

Wie sein großer Bruder SACD30n stammt der ND8006 aus dem Marantz-Werk im japanischen Shirakawa. Das Gehäuse trägt das „alte“ Marantz-Design mit der charakteristischen dreiteiligen Frontplatte. Deren mittlerer Sektor ist aus Aluminium, die runden Wangen rechts und links davon bestehen dagegen aus Plastik. Das Gehäuse ist – auch dank des doppelten Stahlblechbodens – sehr steif und stabil.

Marantz ND8006 + PM8006
Marantz stellt dem Mediaplayer ND8006 in Form des PM8006 einen passenden Verstärker zur Seite. | Bild: Sound United

Das CD-Laufwerk des ND8006 stammt aus konzerneigener Fertigung und gilt als sehr zuverlässig. Der restliche Aufbau ist auf den ersten Blick kaum vom doppelt so teuren SACD30n zu unterscheiden: Ein großer, dickwandig abgeschirmter Ringkerntrafo bedient auch hier ausschließlich die Audioplatine. Steuerung, Laufwerk und so weiter haben ein eigenes Schaltnetzteil. Auf der Audioplatine sorgen Spaliere von Marken-Elkos aus den teuren SILMIC- und Cerafine-Baureihen für stabile und saubere Versorgungsspannungen.

Marantz ND8006 Laufwerk
Das CD-Laufwerk des Marantz ND8006 kommt aus der eigenen Fertigung und wirkt solide. | Bild: Sound United

Vornehmer Kopfhörerausgang

Außergewöhnlich hochwertig auch der aus Einzeltransistoren aufgebaute Kopfhörerverstärker mit eigener analoger Lautstärkeregelung und dreistufig vorwählbarem Verstärkungsfaktor. Der Lautstärke-Drehknopf für diesen Ausgang ist so klein, dass du dir kurz überlegst, zum Leisedrehen eine Zange zu verwenden – aber das ist der einzige ergonomische Schwachpunkt am ganzen Player.

In der Praxis besticht der ND8006 mit seiner Vielseitigkeit. Das HEOS-Modul verschafft dem Nutzer Zugriff auf zahlreiche Abo-Streamingdienste, kostenloses Internetradio und, falls vorhanden, die eigene Festplatten-Musikbibliothek. Über die Digitaleingänge können zudem Fernsehton, Spielkonsolen und sonstige Datenquellen vom Edel-Wandler des ND8006 profitieren. Über seinen USB-B-Port schließlich erreicht man den Player auch vom Rechner aus.

Marantz ND8006 Platine
Versteckte Größe: Der ESS9016 (oben) ist ein unscheinbarer, aber hochgenau arbeitender Wandlerchip. Der Kopfhörerverstärker (unten) besteht aus Einzeltransistoren. | Bild: Sound United

An einem MacBook Pro mit dem Abspielprogramm Audirvana entpuppt sich dieser USB-Eingang als klangstärkster Betriebsmodus des Marantz-Players. Und das liegt nicht nur daran, dass hier auch die höchsten Abtastraten unterstützt werden. Schließlich ist das Angebot an DSD- und DXD-Downloads nicht gerade üppig. Für den noch fokussierteren, glatteren Klang via USB ist primär der asynchrone Übertragungsmodus verantwortlich, der den Taktuhren des Marantz-DACs volle Kontrolle über den Datenfluss verleiht.

Fazit Marantz ND8006: Vornehmer Allroundplayer mit viel Klang-Gegenwert

Aber auch als Streamer, CD-Player und selbst mit datenreduzierten Internetradio-Kanälen kann sich der Marantz mühelos vom Gros anderer Digitalplayer absetzen. Und selbst in den Momenten, wo dir die letzten Klangfeinheiten egal sind, macht der Marantz mit seinem eleganten HEOS-Bedienkonzept und der stabil laufenden App einfach einen Riesenspaß.

Technische Daten
Optisches Laufwerk ja (CD)
Eingänge USB asynchron, 1x Koax S/PDIF, 2x TOSlink
Audio-Ausgänge 1x Cinch fixed, 1x Cinch regelbar
Chromecast Built-In
Quellen kabellos Bluetooth, AirPlay2
Integrierte Streamingdienste TIDAL, Spotify Connect, Deezer, Amazon Prime Music, Soundcloud
MQA
Roon ready
Multiroom HEOS
Raumeinmessung
Netzwerk LAN, WLAN (Dualband)
Gehäuse-Ausführungen schwarz, silbergold
Abmessungen (BxHxT) 44 x 10,6 x 33,1 cm
Mitgeliefertes Zubehör Fernbedienung
Gewicht 8 kg
Preis 1.499 €
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