NAD M66 im Test: Dieser Netzwerk-Player ist ein Träumchen
- Eingänge
- 2x Analog Cinch, 1x analog XLR, 1x Phono MM, 1x Phono MC, 1x HDMI-eARC, 2x digital Koax, 2x digital optisch, 1x digital AES/EBU, 2x Optisch, 2x Koax (BNC / Cinch), 2x HDMI In, 1x HDMI-ARC, 2x USB-A (Media), 1x USB-B (Audio, asynchron), 1x IPA-Link
- Audio-Ausgänge
- 1x Pre Out Cinch, 1x Pre Out XLR, 4x Subwoofer Cinch, 4x Subwoofer XLR, 1x 6,3-mm-Klinke, Bluetooth aptX HD Transmitter
- Quellen kabellos
- Bluetooth aptX HD, Airplay 2
- Integrierte Streamingdienste
- Tidal (klassisch & Connect), Qobuz, Spotify Connect, Deezer, Amazon Music, Idagio, Napster u.a.
- Gehäuse-Ausführungen
- Silber/Schwarz
- Abmessungen (BxHxT)
- 435 x 133 x 382 mm
- Preis
- 6199 Euro
Der M66 hat einen stolzen Preis und strebt klanglich nach den High-End-Sternen. In seiner praxisbewussten Konstruktion bleibt er den NAD-Tugenden aber doch treu: serienmäßig mit Dirac-Einmessung ausgestattet, modular upgradefähig – und im Umgang mit digitalen wie analogen Signalen gleichermaßen liebevoll.
- Detailreicher, sauberer Klang mit weiter Abbildung
- Leistungsfähige Einmess-Software und Mikrofon im Lieferumfang
- Exzellent klingende Phono-Eingänge für MM und MC
- Überragende Verarbeitung
- Nur eingeschränkt nützliche Fernbedienung
Der NAD M66 ist nicht irgendein HiFi-Gerät, sondern ein Statement: So stellt sich der kanadische Hersteller eine perfekte Stereo-Vorstufe vor. Und zwar sowohl funktional, als auch qualitativ und ästhetisch. Was der Spaß kostet, wird am Schluss kalkuliert, die Entwicklung des Gerätes aber weitgehend freigehalten von schnöden Budgetfragen. Während andere High-End-Vorverstärker oft höchst spartanisch ausgestattet sind, haben die NAD-Planer auf Vielseitigkeit gesetzt. Wir testen den flexiblen Netzwerk-Player auf Herz und Nieren.
Hier bekommst du den NAD M66:
NAD M66 im Hörtest: transparente Farbenpracht
So vielfältig wie die Talente des NAD M66 wird dann auch der Hörtest. Phono- und Line-Analog-Eingänge wollen beurteilt und eingeordnet werden, aber natürlich auch der integrierte Streamer und D/A-Wandler. Als Gegenspieler bauen wir den Lumin P1 Mini auf, der seit seinem Test die Riege der Netzwerk-Player unter 10.000 Euro anführt. Warum, das macht der Lumin mit Humanhood von The Weather Station deutlich, das in 96/24-Highres-FLAC über Tidal streamt.

Tamara Lindemans Stimme wirkt über die beiden Spieler/Vorstufen überraschend unterschiedlich: Fest, verbindlich und energisch stellt der Lumin sie vor die Lautsprecher. Der NAD wirkt weniger direkt und massiv, dafür im Hochton verspielter und nuancenreicher. Im Stück Mirror profitiert davon zum Beispiel Drummer Kieran Adams, dessen Besen dem Snaredrum-Fell und den Becken noch interessantere Strukturen und Metallschattierungen entlocken.
Der duftig blühende, dabei stets unaufdringliche Hochton ist eine Stärke des NAD. An den dichteren Stellen des Albums gefällt uns dann wieder der Lumin besser. Dessen anfänglich eher unspektakuläre Neutralität gereicht ihm immer deutlicher zum Vorteil, je mehr Musiker und Mischpultspuren gleichzeitig in den Mix drängen.

In solchen Momenten wirkt der P1 Mini strukturierter und stabiler, damit auch glaubwürdiger. Wären die beiden Streamer-Preamps Bäume, hätte der P1 Mini den stabileren Stamm und tiefer reichende Wurzeln, während der NAD mit einer ausladenden Krone und üppiger Blütenpracht beeindruckt.
Du willst alle Netzwerk-Player, die wir bisher getestet haben, auf einen Blick sehen? Dann wirst du hier fündig:
Analog gegen „analog“ – mit unerwartetem Ausgang
Beim Vergleich der Line-Eingänge haben wir insgeheim einen Vorsprung für den NAD erwartet. Schließlich wussten wir schon vor der Hörsession, dass der M66 mit einem kerzengeraden Analog-Signalweg antritt, während der Lumin den Signalen noch einen Umweg durch die digitale Domäne zumutet. Soweit die beiden Geräte vergleichbar sind, also mit Cinch-Hochpegel, liegt der Lumin aber auch nach stundenlangem Hören mindestens gleichauf mit dem NAD.

Da ist wieder diese Kraft und Stabilität, die uns schon im Streaming-Durchgang so gut gefiel. Als Analogquelle nutzen wir einen Luxman PD-191A mit Nagaoka MP-700 und Transrotor Phono 3. Über beide Streaming-Vorstufen klingt das so fein und natürlich, dass sogar die schönsten Streams dagegen verblassen. Auch hier wirkt der Lumin etwas kraftvoller und kontrollierter, während der NAD obenrum noch feinere Verästelungen offenbart.
Bei der Einstufung der Phono-Eingänge kann uns der Lumin nicht helfen. Um auch den MC-Eingang des NAD zu testen, ziehen wir neben dem Luxman-Laufwerk noch den Acoustic Signature Verona Neo hinzu. In dessen 12-Zoll-Arm ist mit dem Transrotor Figaro ein sehr anspruchsvolles, leises und hochauflösendes MC-System montiert. Und das können wir über den MC-Input des NAD tatsächlich uneingeschränkt und in voller Pracht genießen: cremig-süß in den Höhen, weiträumig in der Abbildung und druckvoll-stabil im Bass.

Apropos Bass: Dass der NAD mit seiner Dirac-Einmessung echte Verbesserungen in problematischen Akustiken ermöglicht, gehört auch in diesen Hörtest. Unsere Hörräume sind akustisch optimiert, Vergleichstests zudem nur in komplett neutraler Betriebsart aussagekräftig. Also mit abgeschaltetem Equalizing jeglicher Art. Im normalen Wohnumfeld verleiht dir der NAD aber umfangreiche Einflussmöglichkeiten, die der Lumin nicht bieten kann.
NAD M66: Technischer Aufbau und Praxis
Das dickwandige, aus gefrästen Aluplatten zusammengesetzte Gehäuse des M66 ist in Passgenauigkeit und Finish nicht zu toppen. Wir kennen das Design schon vom nahezu identisch aussehenden Vollverstärker M33. Und natürlich gibt es auch eine stilistisch passende Endstufe feinster Qualität als designierten Partner zur M66: die M23 V2.

Typisch für NADs Masters-Serie ist die umfangreiche und konsequent moderne Ausstattung des M66: Das ist keine klassische Vorstufe, der man nachträglich eine Streamingfunktion implantiert hat. Sondern eine von Grund auf neu entwickelte, im und für das Streamingzeitalter designte, modulare Architektur. Für das Streaming hat NAD-Mutterkonzern Lenbrook eine hauseigene Lösung namens BluOS, die nicht nur in NAD- und Bluesound-Geräten, sondern auch in einer stattlichen Anzahl fremder Streamer und Streaming-Amps Verwendung findet.
Die weite Verbreitung und das vielfältige Angebot an BluOS-kompatiblen Geräten und Smart-Speakern machen auch den M66 noch attraktiver. Denn wo er im Haupt-Hörraum für höchstwertiges Entertainment sorgt, will man vielleicht ja auch weitere Zimmer mit preis- und größenmäßig passenden Streaminglösungen ausstatten.

Und kann dabei auf das gesamte BluOS-Ökosystem zugreifen, das vom portablen, preiswerten Flex 2i über Soundbars bis hin zu audiophilen Streaming-Verstärkern von NAD, Roksan oder Cyrus reicht. Gesteuert, eingerichtet und gruppiert wird alles mit der ausgereiften BluOS-App, die sowohl Streamingdienste aller Art als auch lokale Sammlungen übersichtlich erschließt.
Alles bestens versorgt – vom Subwoofer bis zum Kopfhörer
Die Fähigkeiten von BluOS fasst man am besten zusammen, indem man schreibt, was das Streaming-Betriebssystem nicht kann. Da fällt uns nur das exotische Einbit-Tonformat DSD ein. Wenn du nicht zu der kleinen Gemeinde an DSD-Fans gehörst, die ihre SACD-Sammlung auf Festplatte gerippt haben (was nur mit inoffiziellen technischen Klimmzügen überhaupt gelingt), wirst du solchen Files vermutlich nie begegnen. Eine der Stärken des NAD, sein hochgenaues und komplexes Equalizing, könntest du mit DSD ohnehin nicht nutzen, weil die beteiligten Signalprozessoren ausschließlich im PCM-Format arbeiten.

Beim Equalizing sprechen wir auch nicht von willkürlicher Klangverbiegung mit zahllosen Reglern, sondern von präzise vorausberechneten Filterdateien, erstellt durch die Akustiksoftware Dirac. Deren Korrekturfiles werden in einer separaten App ermittelt und dann auf eigene Speicherplätze im M66 übertragen, wo du sie dann abrufen, wechseln oder deaktivieren kannst.
Im Preis des M66 ist die Dirac-Volllizenz enthalten, inklusive der Bass-Control-Erweiterung für bis zu vier unabhängige Subwoofer mit jeweils eigenen Einstellungen. Die (einzeln sehr teure) Software ist also bereits bezahlt. Auch das nötige Messmikrofon liegt bei. Zeit und Sorgfalt musst du aber selbst investieren. Denn Dirac ist keine Ein-Klick-Patentlösung, sondern kann schnell zu einem eigenen Hobby werden.
Vornehmer Aufbau in allen Bereichen
Eingänge bietet der M66 reichlich. Verführerisch locken gleich zwei Phono-Eingänge, von denen einer für MM- und einer für MC-Systeme ausgelegt ist. Hohe Übersteuerungsreserven und Rauschabstände (im Hörtest ebenso wie im Datenblatt) verraten eine sorgfältige Konstruktion dieser heiklen Vor-Vorverstärkerstufen.

Neben den beiden Phonos warten drei Line-Analog-Eingänge auf Signale – einer davon sogar im symmetrischen XLR-Format. Der M66 ist also mehr als nur ein Streamer mit Analog-Eingang für den Notfall: Er ist eine vollwertige Analog-Vorstufe. Was man auch an anderen Features erkennt – etwa dem rein analogen Signalweg und der hochwertigen analogen Lautstärkeregelung.
Willst du mit dem NAD einfach nur naturbelassen Plattenspieler hören, öffnen mehrere Relais dem Signal einen kerzengeraden, hochwertig bestückten Pfad durch den Verstärker: zwei aktive Pufferstufen, dazwischen ein symmetrisches Paar des exzellenten Widerstandsnetzwerks MUSES72323, das den Pegel weich und ohne merkliche Stufen variiert. Diese Bauweise sorgt nicht nur für dauerhaft perfekte Kanalgleichheit, sondern erlaubt auch eine verlustfreie, Dezibel-genaue Balancekorrektur, sollten Akustik, Technik oder Aufnahme diese einmal erfordern.
A/D und D/A vom Feinsten
Der direkteste Weg aus dem NAD heraus führt über die XLR-Buchsen, die wir dann auch klanglich vorziehen. Der Cinch-Vorstufen-Ausgang klingt einen Hauch herber, weil hier eine weitere (Differenz‑)Verstärkerstufe die symmetrischen Signalpaare zu einbeinigen Cinch-Strömchen zusammenfaltet. Alternativ zum analogen Signalweg kann der NAD die Eingänge aber auch gleich hochauflösend digitalisieren. Und zwar nicht mit irgendeinem Chip, sondern mit dem ES9822PRO von ESS.

Der passt nicht zufällig perfekt zum D/A-Wandler, der ebenfalls von ESS stammt: dem ES9038PRO. Sicher ist es auch diesem illustren, präzise aufeinander abgestimmten ADC- und DAC-Team zu verdanken, dass der digitale Umweg zwar viele praktische Features ermöglicht, klanglich aber keinen Deut schlechter ist als der rein analoge Pfad.
Konsequenterweise kontrolliert der NAD im digitalen Modus auch die Pegel digital, skaliert die Signale also mathematisch kleiner, statt sie mit Widerständen abzuschwächen. Die teuren MUSES-Regelchips und ihre Schaltungs-Entourage existieren also nur, um Analogpuristen ein gutes Gewissen und einen Hauch an Performance-Unterschied zu geben. Weitere DACs finden sich übrigens vor den vier Subwoofer-Ausgängen. Zwei Stereo-DACs des Typs PCM5122 von Burr-Brown stehen dort bereit.
NAD M66: Hoher Komfort, kaum Mäkel
Ach so: Dezent im Schatten der Frontblende wartet ein schlagkräftiger Kopfhörerausgang, der auch anspruchsvolle Hörermodelle wie den Audeze LCD-2 mit ausreichend Strom und hochdynamischem Klang beliefert. Da der NAD sich die jeweilige Volume-Stellung für Kopfhörer- und Normalbetrieb merkt, gibt es beim Ein- und Ausstecken auch keine bösen Überraschungen. Wohnzimmer-Praxispunkte sammelt der M66 mit seinem HDMI-Eingang, der per eARC Steuerbefehle vom Fernseher entgegennimmt.

Daneben kannst du theoretisch noch fünf weitere Digitalspieler anschließen: zwei mit Koax-, zwei mit optischem und einen mit AES/EBU-Ausgang. Nur einen USB-Audioeingang zum Direktanschluss eines PC kann der NAD nicht bieten. Mit Roon-Servern arbeitet er dagegen nahtlos zusammen.
Bluetooth steht am M66 in der aktuellen Version aptX HD zur Verfügung. Ultrasensible Hörer können im Menü alle Wireless-Aktivitäten unterbinden, zu denen neben Bluetooth auch WLAN gehört. Je länger wir mit dem M66 arbeiten, desto stimmiger wirkt sein umfassendes Ausstattungskonzept.

Wenige Kleinigkeiten fallen uns als Verbesserungsvorschläge ein: Die Fernbedienung hat zwar viele Tasten, kann aber nicht die Eingänge umschalten. Das geht besser. Ebenso die Platzierung der Standby-Sensorfläche an der Frontplatten-Oberseite, wo wir im Test laufend aus Versehen drankamen, wenn wir den Touchscreen bedienen wollten. Was wir auch vermisst haben: einen manuellen Level-Regler für die ansonsten auch ohne Dirac gut einstellbaren Subwoofer-Ausgänge.
Unser Fazit zum NAD M66
NAD-typisch trägt der M66 am Heck zwei Modulschächte für MDC2-Systemerweiterungen. So kannst du neue Funktionen oder Schnittstellen, an die wir heute vielleicht noch nicht denken, später ganz einfach nachrüsten. Aktuell gibt es für den M66 noch keine MDC-Module, denn seine Ausstattung ist so durchdacht wie lückenlos. Kompromisslose Audiophile mit dem nötigen Kleingeld, die sich in analogen wie digitalen Welten gleichermaßen wohlfühlen, finden in diesem NAD den idealen Vorverstärker. Der Klang ist in jeder Betriebsart Weltklasse, die Konfigurations- und Einstellmöglichkeiten ebenfalls, und das BluOS-Streaming zeigt einmal wieder seine Reife und Verlässlichkeit. Wir lieben diesen unauffällig-perfekten Streaming-Preamp.
| Technische Daten | |
| Eingänge | 2x Analog Cinch, 1x analog XLR, 1x Phono MM, 1x Phono MC, 1x HDMI-eARC, 2x digital Koax, 2x digital optisch, 1x digital AES/EBU, 2x Optisch, 2x Koax (BNC / Cinch), 2x HDMI In, 1x HDMI-ARC, 2x USB-A (Media), 1x USB-B (Audio, asynchron), 1x IPA-Link |
| Audio-Ausgänge | 1x Pre Out Cinch, 1x Pre Out XLR, 4x Subwoofer Cinch, 4x Subwoofer XLR, 1x 6,3-mm-Klinke, Bluetooth aptX HD Transmitter |
| Chromecast Built-In | – |
| Quellen kabellos | Bluetooth aptX HD, Airplay 2 |
| Integrierte Streamingdienste | Tidal (klassisch & Connect), Qobuz, Spotify Connect, Deezer, Amazon Music, Idagio, Napster u.a. |
| MQA | Ja |
| Roon ready | Ja |
| Multiroom-fähig | Ja |
| Raumeinmessung | Dirac Live Fullrange / Dirac Bass Control |
| Netzwerk | LAN, WLAN |
| Gehäuse-Ausführungen | Silber/Schwarz |
| Abmessungen (BxHxT) | 435 x 133 x 382 mm |
| Mitgeliefertes Zubehör | IR-Fernbedienung, Netzkabel, Messmikrofon, USB-Stick |
| Gewicht | 5 kg |
| Preis | 6199 Euro |
Alle bisher getesteten HiFi-Verstärker findest du hier in der Übersicht: