Fosi Audio Box X2 im Test: Der beste Phono-Pre unter 100 Euro?
- Eingänge
- 1x MM Cinch, 1x AUX (3,5 mm)
- Audio-Ausgänge
- 1x Cinch
- Abmessungen (BxHxT)
- 120 x 33 x 100 cm
- Abschlusswiderstände
- 47 kΩ (MM)
- Eingangskapazität
- 100 pF (MM)
- Gain
- 39, 42, 45 dB (MM, schaltbar)
- Preis
- 70 Euro / 100 Euro (getestete Version)
Ganz strenge HiFi-Fans könnten dem Fosi Audio Box X2 vorwerfen, dass er es mit dem dynamisch-direkten Röhrensound manchmal übertreibt. Ein kleines Klangwunder ist er zu diesem Preis trotzdem – und zudem einer der rauschärmsten Phono-Preamps, die wir kennen.
- Sehr rauscharm
- Dynamischer, fein aufgelöster Klang
- Röhren und Opamps wechselbar
- Blaue LED-Beleuchtung muss gefallen
Preiswerte Phono-Vorverstärker kauft man oft ganz pragmatisch. Als Bindeglied zwischen Plattenspieler und Vollverstärker etwa, wenn letzterer keinen eigenen Phonoeingang mitbringt. Dann wird so ein Gerät oft behandelt wie ein Zubehörteil – ein Adapterstecker oder ein Stück Kabel – und darf auch nicht viel mehr kosten. Die überwältigende Mehrheit aller verkauften Phono-Vorverstärker liegt daher unter 100 Euro. Klingt sehr knapp, aber dafür bekommst du heute mustergültig rauscharme, gut klingende Geräte. Und du bekommst den Fosi Audio Box X2, der diesen Grundtugenden noch eine weitere hinzufügen soll: audiophilen Charme.
Hier kannst du den Fosi Audio Box X2 direkt bestellen:
Der Fosi Audio Box X2 soll besser, musikalisch mitreißender klingen als typische Phono-Schaltungen, wie sie in Verstärkern oder auch Plattenspielern serienmäßig eingebaut sind. Dafür treiben seine chinesischen Schöpfer einen technischen Aufwand, der in dieser Preisklasse eher selten ist: Eine veritable Röhren-Ausgangsstufe soll dem Sound noch mehr Glaubwürdigkeit verleihen. Deren Einfluss kannst du sogar ohne Plattenspieler erleben, weil der X2 einen Aux-Eingang mitbringt. Auch optisch setzt sich der Fosi von den schmucklosen Kästchen ab, die sonst vorherrschen. Im Hörtest wollen wir herausfinden, ob seine beiden glimmenden Glaskolben nur gut aussehen – oder ob sie dem X2 tatsächlich einen Sound-Vorsprung verschaffen.

Fosi Audio X2 im Hörtest: Dynamik-Doping für deine Anlage
Im Hörraum haben wir den Luxman PD-191A mit unserem besten MM-Tonabnehmer bestückt, dem Nagaoka MP-700. Streng genommen ist das ein MI-System und kein MM, aber das macht aus Sicht des Phono-Vorverstärkers keinen Unterschied. Überraschend groß ist dagegen der klangliche Unterschied zwischen dem Fosi und eigentlich jedem anderen Phono-Preamp seiner Preisklasse. Den Anfang macht im Hörtest das Album Hit Parade von Róisín Murphy. Der Track Milf Funk bildet den Abschluss der ersten Vinylseite – jedenfalls auf unserer Version des Albums in „purple marbled“ Vinyl. Auf allen anderen Pressvarianten fehlt er. Eigentlich schade, denn es ist ein starkes, hart groovendes Stück mit knorrigem Bass und messerscharfen Funk-Riffs.

Mit diesem charakteristischen, clean-metallischen Gitarrensound schafft der Fosi Audio Box X2 schon während der ersten Sekunden des Stücks einen Aha-Effekt: Das hier noch unbegleitete Instrument klingt unheimlich authentisch. Fast so, als stünde rechts im Eck nicht eine unserer gewohnten Tannoy-Monitorboxen, sondern ein kunstlederverkleideter Fender-Gitarrenamp. Sobald sich dann der Beat hinzugesellt, verwandelt sich der verdutzte Testerblick in ein breites Grinsen: Dieser kleine Preamp lässt es richtig groß krachen, macht über das gesamte Frequenzband Druck. Róisín Murphys Stimme wirkt sehr präsent, aber auch etwas heller als mit unserem Referenz-Preamp SPL Phonos Duo. Ein Unterschied, den wir mit weiteren Vergleichen genauer untersuchen wollen.
Sauber abtastende Plattenspieler sind Pflicht
Der Cambridge Audio Alva Duo landet auf dem Rack neben dem Fosi, um die Fahne gehobener Budget-Preamps hochzuhalten. Das gelingt ihm nur teilweise. Tatsächlich wirkt der Cambridge – ähnlich wie unser deutlich teurerer SPL – etwas wärmer und runder. Dynamisch – im Bass wie in den Höhen – wirkt der Brite aber zurückhaltender, fast brav. Dabei haben wir die Lautstärke selbstverständlich ausgeglichen, um dem X2 keine psychoakustischen Vorteile zu geben. Der günstige Preamp ist schließlich je nach Einstellung seines Gain-Schalters bis zu 6dB lauter als der Cambridge.

Beim dicht produzierten, romantisch rockigen Album Stereo Mind Games der Londoner Band Daughter wird klarer, warum der Fosi so dynamisch wirkt. Wenn wirklich viel los ist in der Rille, beginnt das Klangbild diffus und etwas rau zu wirken. Mit seiner Röhren-Ausgangsstufe scheint der kleine Preamp die Musik nicht nur weiterzuleiten, sondern auch ein wenig aufzuhübschen und anzureichern. Das funktioniert je nach Aufnahme ganz hervorragend und unauffällig – siehe oben. In anderen Fällen kann daraus aber auch eine leicht künstliche Note entstehen. Das exzellente interne Phonoteil des jüngst getesteten Audiolab 9000A, den wir nun auch noch aufgebaut haben, bleibt in solchen Fällen deutlich klarer, weicher und farbenreicher.
Kein Klangwunder, aber immer spannend und oft begeisternd
Als Upgrade gegenüber eingebauten Phonoteilen geht der Box X2 aber dennoch klar. Und zwar immer dann, wenn es sich dabei um Standardausführungen in einfacheren HiFi-Verstärkern mit Phono-Eingang handelt. Das ist für eine 70-Euro-Phonobox schon eine beachtliche Leistung. Zumal der X2 immer wieder zu erkennen gibt, dass ihn sein knappes Budget zwar zu Kompromissen zwingt, nicht aber sein audiophiles Feuer löscht.

Patience, ein souliges Stück des Londoner Indie-Gesangskollektivs Deep Throat Choir (In Order To Know You, Bella Union BELLA1229V) hören wir mit dem X2 lieber als mit manchem deutlich teureren Phono-Vorverstärker. Vielleicht wirken die Sängerinnen hier nicht ganz so fleischlich präsent wie mit dem SPL. Aber wie der Fosi die Stimmen separiert, jede einzelne zum Leben erweckt und ihr bis in die kleinsten Melodieschnörkel folgt, das ist auch bei teurem HiFi nicht immer selbstverständlich.
Einen unerwartet deutlichen Klangeinfluss übt der Gain-Schalter an der Frontplatte aus. Hier steigt nicht nur der Ausgangspegel des Preamps in 3-dB-Schritten. Sondern auch der Charakter des Sounds verändert sich. Die 45-dB-Stellung ist klar die spektakulärste und dynamischste. Sie setzt dem Klang aber auch das am deutlichsten funkelnde Hochton-Krönchen auf. Je nach Plattenspieler, Tonabnehmer und Anlagen-Umgebung kann das genau den richtigen Spritzer Lebendigkeit und Luft bedeuten. Oder aber schon leicht aufgesetzt wirken, was bei Krönchen okay ist, im Klang aber eher irritiert. In den niedrigeren Gain-Positionen wirkt der Ton ausgewogener, die räumliche Staffelung kompakter und die Dynamik dezenter.
Wie der Fosi Audio Box X2 im Vergleich mit anderen Phono-Vorverstärkern aus unseren Tests abschneidet, verrät dir ein Blick in unsere Bestenliste:
Fosi Audio Box X2: Technischer Aufbau und Praxis
Der Gain-Schalter scheint auf die Gegenkopplung des Ausgangs-Opamps zu wirken und damit dessen Verstärkungsfaktor zu verändern. 39, 42 und 45 dB resultieren je nach Schalterstellung als Gesamt-Pegelgewinn. Das ist für ein MM-Phonoteil schon recht viel. Der X2 ist daher auch für High-Output-MCs uneingeschränkt geeignet, deren Ausgangsspannungen meist deutlich unterhalb derer von „echten“ MMs liegen.
Wunderbar klang zum Beispiel die Kombination mit dem Sumiko Blue Point No. 2, das mit 2,5 mV nur halb so viel Spannung ausspuckt wie etwa das ebenfalls getestete Rega Nd5. Besonders mit leisen Tonabnehmern fällt der extrem gute Rauschabstand des Fosi auf: Bei angehobenem Arm (und korrekter Erdung) hört man vom Phonoteil absolut nichts. Kein Rauschen, keinen Brumm, nichts.

Tonabnehmersignale um rund 40dB (also mehr als 100-fach) zu verstärken, ist nur ein Teil der Aufgabe eines Phono-Preamps. Gleichzeitig gilt es, noch die RIAA-Kennlinie dB-genau wieder geradezubiegen. Die sichtbar zur Schau gestellten Röhren erledigen von dieser Schwerarbeit nur einen kleinen Teil. Unterstützt werden sie von einem umfangreichen Halbleiterteam aus rauscharmen, hochwertigen Opamps: zwei Mono-TL071, drei zweikanalige NJM2068. Einen funktionierenden MM-Preamp könnte man bereits aus einem oder zwei der genannten Chips bauen. Die Fosi-Entwickler betreiben hier also beträchtlichen Mehraufwand.
Die Röhren dienen dem klanglichen Feinschliff
Die beiden Röhren sitzen als Ausgangspuffer ganz am Ende der Schaltung. In der Grundversion des X2 sind es chinesische 6J1, die hier mit sehr niedriger Anodenspannung laufen: 12 Volt statt der im Röhren-Datenblatt stehenden 120. Großartige Verstärkungswirkung ist da nicht mehr zu erwarten, wohl aber die röhrentypische Oberwellensignatur, die für den besonderen Klang des X2 verantwortlich ist.

Gourmets können die serienmäßigen 6J1 mit anderen, kompatiblen Typen ersetzen. Unser Testgerät kam von vornherein mit einem Paar solcher Upgrade-Kolben: General Electric JAN5654W aus alter US-Produktion. Das JAN steht für Joint Army Navy: Militärspezifikationen, die zum Beispiel eine höhere Zuverlässigkeit oder besondere Vibrationsunempfindlichkeit verlangen. Fosi verkauft so ein Pärchen für 30 Euro. Exakt wie getestet würde unser Fosi Audio Box X2 also rund 100 Euro kosten.
Der Preamp steckt in einem schönen Alugehäuse mit golden eloxierten Trimmringen um die Röhrensockel herum. Eher unnötig finden wir die Beleuchtung der Röhren: Da solche Kleinsignalröhren nur ganz zart glimmen, hilft Fosi mit bläulichen LEDs in den Sockeln etwas nach. Neben dem Gain-Schalter, der das Gerät zugleich einschaltet, gibt es keine weiteren Bedienelemente.

Links auf der Frontplatte erlaubt eine 3,5-mm-Buchse den Anschluss einer weiteren Quelle, etwa eines portablen Players. Steckt ein Stecker in dieser Buchse, hat dessen Signal automatisch Vorfahrt und gelangt direkt in die Ausgangsstufe. Der Gain-Schalter bleibt auch dann wirksam. Und der Klang? Wird keineswegs schlechter: Unser Netzwerk-Player Audiolab 9000N wirkt durch den X2 gehört noch etwas cremiger, wärmer und präsenter.
Unser Fazit zum Fosi Audio X2
Ungeachtet seines günstigen Preises ist der X2 ein ernstzunehmendes Gerät mit hohem Spielwert, das wir nach dem Test gar nicht mehr aus der Hand legen wollten. Der intensive, fein aufgelöste Phonoklang ist nicht immer perfekt fehlerfrei, aber das sind Plattenspieler und Platten ja auch nicht. Dafür animiert der X2 zum Weiterhören und Experimentieren, klingt nie faul und lahm, sondern stets engagiert, temporeich und dynamisch.
Hier geht’s direkt zum Angebot des Fosi Audio Box X2:
| Technische Daten | |
| Eingänge | 1x MM Cinch, 1x AUX (3,5 mm) |
| Audio-Ausgänge | 1x Cinch |
| Abmessungen (BxHxT) | 120 x 33 x 100 cm |
| Abschlusswiderstände | 47 kΩ (MM) |
| Eingangskapazität | 100 pF (MM) |
| Gain | 39, 42, 45 dB (MM, schaltbar) |
| Gewicht | 0,3 kg |
| Preis | 70 Euro / 100 Euro (getestete Version) |
Ein separater Phono-Vorverstärker ist dir doch zu umständlich? Hier findest du bereits von uns getestete HiFi-Verstärker mit Phono-Eingang im Vergleich: