Thorens MC 1600 im Test: Mit 43 Schaltern zum Phono-Traum
- Eingänge
- 1x Cinch (MM/MC), 1x XLR (MM/MC)
- Audio-Ausgänge
- 1x Cinch, 1x XLR
- Abschlusswiderstände
- 20–1280 Ω in 64 Stufen, 47 kΩ
- Eingangskapazität
- 50–600 pF, 12 Stufen
- Gain
- 32–68 dB in 4dB-Schritten
- Abmessungen (BxHxT)
- 300 x 90 x 300 mm
- Gehäuse-Ausführungen
- Schwarz
- Preis
- 2199 Euro
Egal, ob ambitioniertes Moving-Iron-, erschwingliches MM- oder esoterisches MC-System: Mit dem MC 1600 holst du aus jedem Tonabnehmer klangliche Höchstleistungen heraus. Die 43 DIP-Schalter auf der Unterseite machen die Einstellung schwierig, die vielen klugen Features gleichen das aber aus.
- Klingt detailreich, druckvoll und unaufdringlich
- Sehr rauscharm, auch für leiseste MC-Systeme geeignet
- Subsonic mit schaltbarer Flankensteilheit
- Symmetrische Ein- und Ausgänge
- Sehr fein konfigurierbar
- Einstellungen am Geräteboden schwer zugänglich und nur mit Plan verständlich
- Kein Umschalten zwischen Ein- und Ausgängen möglich
- Kein Standby-Schalter
Für renommierte Plattenspielerhersteller ist es Ehrensache, auch einen Phono-Vorverstärker im Programm zu haben. Und zwar einen richtigen. Der darf dann auch gern etwas teurer sein, solange er uns das Gefühl gibt, über diesen Teil der Anlage nie wieder nachdenken zu müssen. Mit dem MC 1600 hat Thorens nun so einen Preamp vorgestellt: vollsymmetrisch aufgebaut, MM- und MC-fähig, umfangreich anpassbar. Und in Deutschland entwickelt und gebaut. Klar: 2200 Euro gibst du nicht mal eben aus. Erst recht nicht, weil du einen Einstiegs-Plattenspieler gekauft und vergessen hast, dass die Anlage keinen Phono-Eingang besitzt. Der MC 1600 richtet sich eher an Leute, die bereits über einen Topspieler verfügen und diesen noch weiter ausreizen wollen.
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Beim Thorens zählen Modelle wie der TD 1600 zu den prädestinierten Partnern. Der fast gleichlautende Name des neuen Preamps scheint das zu unterstreichen. Aber auch ein TD 1500 macht sich gut neben dem – dann ziemlich genau gleich teuren – Vorverstärker. Oder der brandneue TD 404 DD. Oder jedes andere hochwertige Laufwerk, natürlich auch von anderen Herstellern: Die umfassenden Anpassungsoptionen des MC 1600 sorgen dafür, dass wirklich jeder Tonabnehmer der HiFi-Welt damit optimal zusammenspielt. Von dieser Flexibilität haben wir im Hörtest regen Gebrauch gemacht.

Thorens MC 1600 im Hörtest: breitbandig und dynamisch
Dass wir unseren Technics SL-1210GR2 für den Hörtest mit dem Thorens-MC-System TAS 1600 bestückt haben, könnte man als Heimvorteil werten – auch weil der MC 1600 unter anderem mit diesem System entwickelt und abgestimmt wurde. Überschätzen solltest du die Synergieeffekte aber nicht: Das TAS 1600 verwenden wir markenübergreifend in allen möglichen Testsituationen, weil es schlicht ein exzellentes, allürenfreies und sehr musikalisch klingendes MC-System ist.

Umgekehrt haben wir auch viele andere gute Tonabnehmer mit dem TAS 1600 gehört, von Audio-Technica, Ortofon, Dynavector, Nagaoka und Grado. Jeder dieser Abtaster bewahrt seinen eigenen Stil nicht nur, sondern bringt ihn sogar besonders deutlich zum Ausdruck. Was dem Thorens-Preamp ein hohes Maß an Transparenz und Neutralität bescheinigt.
Direkt aus der Verpackung heraus, mit nur minimaler Warmlaufphase, begrüßt uns der Thorens mit einer seiner besonderen Stärken: einem Bassbereich, der nicht nur brav mitbrummt, sondern mit viel Elastizität und Druck die Musik regelrecht vorantreibt. Das gefällt vor allem Rockhörer:innen sehr gut. Selbst wenn vorher bereits ein sehr hochwertiger Preamp spielte, erhält etwa die Rhythmussektion von Karate auf Pockets nach dem Wechsel zum Thorens saftigen Zusatzschub.

Aber auch die Leadgitarre und die Schlagzeugbecken wirken sehr lebendig und differenziert. Der Thorens-Preamp ist also nicht nur im Bass fleißig, sondern verteilt seine Zuwendung harmonisch im gesamten Audioband. So wirkt die Musik unterm Strich perfekt ausgewogen, aber zugleich größer, weiter ausgreifend als mit den meisten anderen Phonoteilen.
Angenehmer, leicht zugänglicher Sound
Wenn du von einem Standard-Phonoeingang oder einem preiswerten externen Phono-Vorverstärker zum Thorens wechselst, geben dir Weite und Dynamik auf Anhieb Bestätigung: Diese Investition hat sich gelohnt. Währenddessen arbeiten wir uns zu immer leiseren Abtastern vor: Vom TAS 1600 mit 0,4 mV Ausgangsspannung geht’s zum Denon DL-103 mit 0,3 mV – und dann zum Linn Klyde mit nicht mal 0,2 mV. Hier ist ein Punkt erreicht, wo selbst High-End-Phonostufen oft an Grenzen stoßen.

Unsere SPL Phonos Duo zum Beispiel kann sich bei solchen ultraleisen MCs ein merkliches Hintergrundrauschen nicht verkneifen. Am Thorens-Preamp ist es dagegen kaum wahrnehmbar. Mit mittellauten Standard-MCs passiert es uns mehrmals, dass wir uns nach dem Wechsel zum Thorens am falschen Eingang wähnen, weil das vertraute Phonorauschen praktisch vollständig fehlt. Sobald die Nadel in der Rille einrastet, ist die Musik aber da – wie aus dem Nichts.
Profi mit Bass und Details
Aber die SPL hat auch Stärken – etwa enorme Dynamik und eiserne Kontrolle im Grund- und Mittelton. (It (Is) It) Critical Band, das großartige Debütalbum der 90 Day Men aus dem Jahr 2000, wirkt auf diesem Weg noch schroffer und vielschichtiger. Das animiert noch mehr dazu, die dissonant grollenden Postrock-Akkorde auf der Luftgitarre zu begleiten.

Ganz unten und ganz oben hat der Thorens zwar quantitativ mehr zu bieten, musiziert also schön druckvoll und detailreich. Dafür bringt der SPL mehr Tempo, präzisere Struktur und noch sauberer definierte Tonhöhe. Diese Charakteristika bleiben auch beim Wechsel von MC zu MM (Audio-Technica VM745XML) und MI (Grado Prestige Gold) erhalten. Unterm Strich zieht der Thorens MC 1600 wegen seiner Breitbandigkeit und seines leicht zugänglichen, weit aufgefächerten Sounds mit der SPL gleich.
Du willst wissen, wie der Thorens MC 1600 im Vergleich mit anderen Phono-Vorverstärkern abschneidet? Unsere Bestenliste verrät es dir:
Zwei Kanäle, vier Signalgleise
Der Thorens MC 1600 hat einen etwas ungeschickten Namen. Denn natürlich kann er auch sehr gut mit MM-Abtastern umgehen. Er bietet den Magnetsystemen zwölf wählbare Abschlusskapazitäten zwischen 50 und 600 Picofarad und zehn mögliche Verstärkungsfaktoren zwischen 32 und 68 dB. Die höheren Werte sind zwar hauptsächlich für MC gedacht. Aber du kannst zum Beispiel auch MC-übliche 64 dB Gain mit MM-typischen 47 Kiloohm Abschlusswiderstand kombinieren. Was bei bestimmten Pickup-Exoten tatsächlich auch sinnvoll ist.

Für den MC-Abschlusswiderstand gibt es gleich 64 Stufen zwischen 20 und 1280 Ohm und damit Idealbedingungen für wirklich jedes Moving Coil aktueller wie historischer Produktion.
Konfiguriert wird der MC 1600 über insgesamt neun DIP-Schalterbänke oder „Mäuseklaviere“, die durch den Geräteboden zugänglich sind. Für den Widerstand sind dabei sieben Minischalter zuständig, jeweils fünf weitere legen Kapazität und Verstärkung fest – immer pro Kanal. Wobei rechts und links natürlich stets die gleichen Werte eingestellt werden sollten. Die präzise Anpassung erfordert also auch etwas Fleiß und gut gefeilte Fingernägel.

Wobei du die Phonostufe zur gehörmäßigen Entscheidung beispielsweise zwischen 100 und 200 Ohm MC-Abschluss oder zwischen 50 und 100 Picofarad MM-Kapazität nicht ständig wenden musst wie ein Fünf-Kilo-Burgerpatty. Sie klingt auf dem Rücken liegend nämlich genauso gut wie richtigherum.
Harte Schale aus Taiwan, weicher Kern aus Deutschland
Auch ein zweistufiges Subsonicfilter lässt sich zuschalten. Die höhere Einstellung blendet Infraschall mit wirksamen 12 dB pro Oktave aus und schützt damit Verstärker und Lautsprecher vor akustisch irrelevanter Schwerarbeit. Ohne nutzloses Membrangeflatter klingen vor allem kompakte Lautsprecher deutlich besser und pegelfester. Die Schaltung des MC 1600 ist vom Ein- bis zum Ausgang durchgehend symmetrisch aufgebaut. Du findest am Heck Ein- und Ausgänge sowohl im Cinch- als auch im XLR-Format, kannst aber immer nur ein Pärchen davon verwenden.

SPL löst das noch praktischer mit einem Umschalter, der dir erlaubt, beide Eingangspaare mit je einem Plattenspieler zu belegen. Aber das interessiert nur Besitzer:innen multipler Dreher und trägt natürlich auch zum deutlich höheren Preis der Phonos Duo bei.
Bei der Schaltungsentwicklung hat Thorens eng mit einem traditionsreichen deutschen High-End-Hersteller kooperiert, der praktischerweise auch über eigene Fertigungskapazitäten verfügt. Der MC 1600 ist also designed and made in Germany, unter freundlicher Mitwirkung eines taiwanesischen Spezialisten, der die massiven Alu-Gehäuseteile fräst und eloxiert.
Für die Formgebung zeichnet wieder einmal Helmut Thiele verantwortlich, der auch die meisten neuen Thorens-Plattenspieler entworfen hat. Im Rack ist die wuchtige Vorstufe nicht zu übersehen. Das liegt auch an dem stolzen Thorens-Schriftzug, der dank RGB-LEDs in sieben – ebenfalls per DIP-Schaltern anpassbaren – Farben leuchten kann und sich mit einem Drehregler am Heck stufenlos dimmen lässt. Für ganz diskreten Genuss kannst du das Logo auch komplett abschalten.
Praktischer Pegelwarner als verstecktes Feature
Immer an und nicht dimmbar ist die rote Netz-LED. Die aber mehr kann als nur rot leuchten. Thorens hat ihr eine Zusatzaufgabe als Pegelanzeige gegeben: Steigt das verstärkte Signal über einen vorgegebenen Wert, wechselt die LED von Rot auf Blau. Die Entwickler haben die Ansprechschwelle so gewählt, dass bis zur tatsächlichen Clippinggrenze immer noch über 10 dB Dynamikreserve verbleiben.

Das ist extrem praktisch. Denn weder Tonabnehmer noch die Schallplatten selbst haben eine irgendwie normierte Lautstärke. Je nach System und Gain-Einstellung sind daher sowohl zu „heiße“ Kombinationen möglich, die unnötige Verzerrungen provozieren, als auch zu leise Einstellungen, mit denen du Dynamik und Rauschabstand verschenkst. Die simple LED beendet das Ratespiel: Blinkt sie an lauten Stellen ab und zu mal auf, ohne aber dauerhaft zu leuchten, liegst du mitten im grünen Bereich.
Die Verstärkung im MC 1600 findet in Opamps statt, die dank Stecksockeln sogar wechselbar sind. Da die Schaltung komplett symmetrisch arbeitet, gibt es jede Stufe doppelt. Also nehmen zwei extrem rauscharme LT1115 die Signale in Empfang und geben Plus- und Minushälfte jeweils einem OPA604 von Burr-Brown weiter. Hier findet auch die RIAA-Entzerrung statt, die sich aus passiven und aktiven Filtern zusammensetzt.

Richtung Ausgang folgen insgesamt vier Stereo-OPs des Typs OP1655, die die symmetrischen und unsymmetrischen Ausgangsstufen darstellen. Ihren Strom bezieht die Schaltung aus zwei gekapselten Schaltnetzteilen, die gemeinsam mit Regelungs- und Reinigungsstufen im abgeschotteten rechten Gehäusedrittel hausen.
Unser Fazit zum Thorens MC 1600
Sehr offen und detailreich, freundlich im Ton und saftig-druckvoll im Bass: Der Thorens MC 1600 dürfte den Geschmack vieler Analogfans perfekt treffen. Einmal angeschafft, kann sie nahezu unbegrenzt mit deinem Spieler und deiner Anlage mitwachsen: Kein System ist diesem sehr rauscharmen Preamp zu leise, kein Anschlusswert zu ausgefallen.
Hier findest du den Thorens MC 1600 im Angebot:
| Technische Daten | |
| Eingänge | 1x Cinch (MM/MC), 1x XLR (MM/MC) |
| Audio-Ausgänge | 1x Cinch, 1x XLR |
| Abschlusswiderstände | 20–1280 Ω in 64 Stufen, 47 kΩ |
| Eingangskapazität | 50–600 pF, 12 Stufen |
| Gain | 32–68 dB in 4dB-Schritten |
| Abmessungen (BxHxT) | 300 x 90 x 300 mm |
| Gewicht | 5 kg |
| Gehäuse-Ausführungen | Schwarz |
| Preis | 2199 Euro |
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