Cambridge Audio MXW70 im Test: Vielseitige Mini-Endstufe
- Leistung
- 2x 70 W (8 Ω), 2x 125 W (4 Ω) | Bridge Mode: 1x 250 W (8 Ω)
- Eingänge
- 1x XLR, 1x Cinch
- Audio-Ausgänge
- 1x Lautsprecherpaar (ein Lautsprecher im Bridge Mode)
- Abmessungen (BxHxT)
- 215 x 57 x 215 mm
- Gewicht
- 1,6 kg
- Preis
- 599 Euro
Hochmoderne Class-D-Endstufe mit einem Klang, den man aus Geräten dieser Größe einfach nicht erwartet. Für einen deutlichen Zuwachs an Dynamik und Sauberkeit kannst du jederzeit eine zweite MXW70 dazukaufen und die Amps in Mono verwenden. Wir kennen weder für 600 noch für 1200 Euro kompetentere und musikalischere Endstufen.
- Lockerer, fein aufgelöster Klang, gute Dynamik
- Mono-Option mit deutlichem Leistungs- und Klangzuwachs
- Schaltbare Cinch- und XLR-Eingänge
- Status-LED könnte heller sein
„Mini“ klingt immer etwas verniedlichend. Aber das ist nun mal die ganz offizielle Bezeichnung für HiFi in der halben Standardbreite, das also nur 21,5 statt 43 Zentimeter deines Regalfachs verbraucht. Dass heute auch Minikomponenten vollgepackt mit Features und Leistung sein können, hat Cambridge uns schon mit dem Streamer MXN10 gezeigt. Zu diesem passt die Cambridge Audio MXW70 nicht nur größen- und designmäßig perfekt. Denn seit der Streamer per Softwareupdate eine vollwertige Lautstärkeregelung erhalten hat, wachsen bei den Nutzer:innen Begehrlichkeiten, ihn direkt an einer Endstufe zu betreiben. So verbinden sich Streamer und Endstufe zu einem kompakten Streaming-Amp.
Hier findest du die Cambridge Audio MXW70 direkt im Angebot:
Nachfrage nach kompakten Endstufen kommt aber nicht nur aus der Cambridge-Kundschaft. Kompakte Streamer gibt es ja wie Sand am Meer. Und weil die Endstufe, beziehungsweise ihre Interaktion mit den Lautsprechern, klangrelevant ist, freuen wir uns über jede hochwertige, vorzugsweise erschwingliche Endstufe, die unsere Auswahl bereichert. Zudem lässt sich die Cambridge auch als Monoblock nutzen, wobei sie drastisch an Leistung gewinnt. Stellst du zwei MXW70 in Mono nebeneinander, hast du auch wieder das klassische 43er Maß. Ob dann auch der Klang noch vollwertiger wird, klären wir in unserem Hörraum.

Cambridge Audio MXW70 im Hörtest: ausgewogen und dynamisch
Mit ihrem klanglich wie musikalisch spannenden Album Good Arrows eröffnet die Londoner Band Tunng den Hörtest. Hier gibt’s schön nah und direkt aufgenommene Akustikgitarren, verspielte Arrangements voller kleiner Effekte, raffinierte Soundkreationen und Gesangsmelodien, die man nachher nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Die Cambridge Audio MXW70 macht gleich mit den ersten Gitarrenakkorden klar, dass sie sich nicht vor klaren Aussagen drückt. Lässt also die Stahlsaiten lebendig und glanzvoll fetzen, zeichnet aber auch die Vocals akkurat und mit sauberer Artikulation nach, ohne in Richtung zischelig-dünn zu übertreiben.

So kompakte und zugleich kompetente Kandidaten rufen natürlich Konkurrenz auf den Plan. Fosi Audios ZA3 zum Beispiel ist zwar nicht wirklich kompakter als die Cambridge. Jedenfalls solange man das separate Netzteil der Fosi in die Betrachtung einbezieht. Die chinesische Endstufe lockt aber mit höheren Leistungswerten und einem manuellen Lautstärkeregler, der sie in ganz spartanischen Anlagen zu einer Art Vollverstärker macht.
Duell der Zwerge
Im Hörraum lenkt sie die Aufmerksamkeit vor allem auf ihre dynamischen Fähigkeiten: Percussion klöppelt etwas härter, Gitarrensaiten schnalzen noch fetziger. Aber die Vocals wirken jetzt etwas weniger natürlich. Gerade in den zweistimmigen Gesangspassagen scheinen die Stimmen weniger Individualität zu behalten, ihre Konturen mehr zu zerfließen. Der Fosi-Klang wirkt somit zwar auf die ersten Takte dynamischer, danach aber auch weniger interessant und aufschlussreich.

Die Cambridge-Endstufe trifft die Balance zwischen Kontur, Struktur und weichem, musikalischem Fluss besser. Immer wieder freuen wir uns über ihren feinen Hochton, der in seiner Agilität fast an Röhrenverstärker erinnert. Im direkten Vergleich zur Fosi wirkt die Cambridge Audio MXW70 obenrum gleichzeitig dezenter und informativer – eine feine Kombination, die reiche Klangfarben und natürliche Klangästhetik verspricht. Wirklich kraftraubende Bass-Eskapaden gelingen der Fosi tatsächlich noch etwas besser. Die Leistungsdifferenz ist also in manchen Fällen wirklich hörbar und real – und nicht nur unterschiedlichen Messverfahren oder optimistischen Datenblattschreibern anzulasten.
Doppelter Spaß in Doppelmono
Mit einer zweiten Cambridge Audio MXW70 testen wir, ob der Monobetrieb der Endstufen auch klangliche Vorteile bringt. Das ist nicht bei allen Endstufen der Fall. Manche werden auch einfach nur stärker, büßen mitunter aber sogar Genauigkeit und Natürlichkeit ein. Nicht so die Cambridge: Deren zuvor noch etwas gemächlicher Tiefton erinnert sich nun plötzlich seiner rhythmischen Verantwortung.

Drums und Percussion werden – auch bei niedrigen Lautstärken – deutlich straffer, der E-Bass singt melodisch, wo er vorher eher sonor brummelte. Auch die Räumlichkeit profitiert unüberhörbar: Aufnahme-Akustiken bauen sich weiter und akkurater gegliedert vor unseren Ohren auf – oder sogar dahinter, wenn das in der Produktion beabsichtigt war.
Ganz unabhängig davon, ob du zunächst nur eine oder gleich zwei MXW70 anschaffst: Idealerweise solltest du diese Endverstärker über ihre symmetrischen XLR-Eingänge betreiben. Denn die Cambridge Audio MXW70 gehören zu den Endstufen, die via XLR tatsächlich besser klingen: temporeicher, straffer, in den Höhen noch etwas feiner und sauberer. Der Unterschied ist überraschend deutlich.

Zusammen mit dem Netzwerk-Player MXN10, der nur Cinchausgänge hat, ergibt sich dennoch eine tolle Kombi, die wir uns ohne Zögern ins Regal stellen würden. Andererseits lockt der Cambridge Audio CXN100 als etwas teurerer, aber noch „perfekterer“ Partner: Mit XLR‑Ausgängen, potenterer Vorverstärkung und höherwertigem DAC weckt er das wahre Potenzial der kompakten Endstufe – erst recht, wenn zwei davon als Stereopaar arbeiten. Das resultierende Trio aus CXN100 und zwei MXW70 kostet zwar etwas über 2000 Euro. Es macht bei Nutzer:innen ohne Analog-Ambitionen aber den feinsten Streaming-Verstärkern Konkurrenz.
Wie sich die Cambridge Audio MXW70 im Vergleich mit anderen Endstufen schlägt, verrät dir ein Blick auf unsere Endstufe:
Cambridge Audio MXW70: Technischer Aufbau und Praxis
Die Umschaltung zwischen dem XLR-Buchsenpaar und dem Cincheingang erfolgt mit einem kleinen Schiebeschalter am Heck. Mit einem weiteren Schalter direkt daneben kannst du den Monobetrieb aktivieren. Der Verstärker verwertet dann nur noch das Signal, das an der ursprünglich linken Cinch- oder XLR-Buchse anliegt.

Und füttert dieses den beiden Endstufenkanälen, wobei er bei einem die Phase invertiert. Eine positive Auslenkung im Eingangssignal erzeugt somit eine positive und eine gleich hohe negative Ausgangsspannung an den beiden Plus-Klemmen. Der Lautsprecher sieht nur deren Differenz, also die doppelte Spannung.
Diese Verbindung zweier Endstufenkanäle, bei der die Last (der Lautsprecher) wie eine Brücke zwischen den beiden Plus-Ausgängen hängt, nennt man Brücken- oder auch BTL-Betrieb (Bridge Tied Load). Da doppelte Spannung nach dem Ohm’schen Gesetz auch den doppelten Strom fließen lässt, müsste sich die Leistung (also das Produkt aus Spannung und Strom) theoretisch vervierfachen.

Was den meisten brückbaren Stereoendstufen aber nicht gelingt, weil das Netzteil vorher an seine Belastungsgrenze kommt. Die Cambridge Audio MXW70 schafft gebrückt beachtliche 250 Watt. Das kommt dem theoretischen Maximum schon nahe: Denn im Stereobetrieb ist die Endstufe mit 2x 70 Watt an 8 Ohm, bzw. 125 Watt an 4 Ohm spezifiziert.
Audiophile Schaltverstärkertechnologie
Generiert wird die Leistung hocheffizient und ohne nennenswerte Abwärme in Class D. Aber nicht in irgendeinem. Cambridge hat sich für ein NCore-Leistungsmodul des niederländischen Herstellers Hypex entschieden. Nach unseren Hörerfahrungen ist das eine der bestklingenden Class-D-Technologien, arbeitet verzerrungsfrei, lastunabhängig und breitbandig.

Charakteristisch für NCore scheint auch der ungetrübte Zugewinn an Qualität im gebrückten Modus zu sein. Das ist nicht selbstverständlich, weil durch die Brückenschaltung beide Amp-Kanäle gewissermaßen in Serie arbeiten, ihre Ausgangswiderstände sich also addieren.
Deinen Vorverstärker oder Netzwerk-Player mit Lautstärkeregelung schließt du wahlweise an einem Paar XLR-Buchsen oder an einem Cinch-Buchsenpaar an. Für die Lautsprecherkabel stehen griffige Schraubklemmen mit Banana-Steckplatz bereit. Die Beschriftung des Anschlussfelds verrät auch, welche Anschlüsse im Brückenbetrieb die richtigen sind. Und ermahnt dich zudem, in diesem Fall auf die Impedanz der Lautsprecher zu achten.

Denn die angegebenen 250 Watt Mono gelten für 8-Ohm-Boxen. Für 4 Ohm fehlt eine Angabe. An 4 Ohm spielen die Cambridge-Monos zwar auch anstandslos. Die entsprechend höheren Ströme können aber die Schutzschaltung auslösen, wenn du allzu schwungvoll aufdrehst.
Komfortabel und gut geschützt
Viel zu bedienen gibt es an einer Endstufe natürlich nicht. An der Frontplatte ist folglich nur ein einziger Taster, der den Amp in Standby-Schlaf versetzt oder aufweckt. Der kleine LED-Punkt in seiner Mitte leuchtet im Betrieb etwas heller, im Standby schwächer, aber der Unterschied ist fast zu gering, um ihn zuverlässig zu erkennen. Also nicht wundern, wenn du Musik startest und nichts passiert: Dann hat sich der Amp automatisch schlafen gelegt, weil es länger als zehn Minuten nichts zu tun gab. Dieses Auto-Standby kannst du deaktivieren, falls es dich stört. Je nach verwendetem Zuspieler kannst du deine Endstufe(n) auch mit dem üblichen 12-V-Triggersignal starten: Je eine Eingangs- und eine Durchschleifbuchse sind dafür vorhanden.

Die Power-LED kann neben Weiß auch noch Rot leuchten – auch wenn du das möglichst nie zu Gesicht bekommen solltest. Mit roten Blinkzeichen verrät der Amp nämlich, dass seine Schutzschaltung eingreift – und warum: Überhitzung und Gleichstrom im Ausgangssignal führen direkt zur Abschaltung und einfachem respektive doppeltem Blinken. Bei kurzem Clipping bleibt der Amp zwar an, macht aber durch viermaliges Blinken auf die Übersteuerung aufmerksam. Dauerhaftes Clipping führt wiederum zur Abschaltung. Erlebt haben wir nur den DC-Schutz – weil wir es nicht lassen konnten, bei eingeschalteter Anlage am Phono-Vorverstärker herumzustöpseln.
Unser Fazit zur Cambridge Audio Audio MXW70
Die MXW70 klingt kultiviert, fein und farbenreich, bereits im Stereomodus. Als Doppelmono-Paar legt sie deutlich an Dynamik und Kontrolle zu. In dieser Größen- und Preisklasse kennen wir keine bessere Endstufe. Um alles herauszuholen, betreibst du sie an einem wirklich guten Vorverstärker oder regelbarem Streamer mit symmetrischen Ausgängen. Denn auch wenn die MXW70 als perfekte Ergänzung zum kompakten, erschwinglichen Cambridge MXN10 vermarktet wird, reicht ihr Potenzial doch noch um einiges weiter.
Hier kannst du die Cambridge Audio MXW70 direkt bestellen:
| Technische Daten | |
| Leistung | 2x 70 W (8 Ω), 2x 125 W (4 Ω) | Bridge Mode: 1x 250 W (8 Ω) |
| Eingänge | 1x XLR, 1x Cinch |
| Audio-Ausgänge | 1x Lautsprecherpaar (ein Lautsprecher im Bridge Mode) |
| Abmessungen (BxHxT) | 215 x 57 x 215 mm |
| Gewicht | 1,6 kg |
| Mitgeliefertes Zubehör | Netzkabel |
| Verfügbare Farben | Grau |
| Preis | 599 Euro |
Die passenden Vorverstärker für deine Endstufen findest du hier, in unserer Bestenliste: