Audio-Technica AT-LP7X im Test: Schönheit mit Upgrade-Potenzial
- Antrieb
- Riemen, manuell
- Tonabnehmer ab Werk
- Audio-Technica AT-VM95E
- Motor
- DC mit opt. Regelung
- 33 ⅓ / 45 / 78 RPM
- Ja / Ja / – (elektronische Umschaltung)
- Anti-Skating einstellbar
- Ja (Feder, stufenlos, skaliert)
- Integrierter Phono-Vorverstärker
- Ja (MM und MC, umschaltbar)
- Preis
- 799 Euro
Viel audiophiler – und vielseitiger – wird’s in dieser Preisklasse nicht: Der LP7X überzeugt mit einem stabil und leise laufenden Riemenantrieb, sowie seinem vielseitigen Zehnzoll-Tonarm. Dank universellem Headshell, Höhenverstellung und Phonostufe ist er für Tonabnehmer-Experimente prädestiniert. Nur das spielbehaftete Tonarmlager bremst die Euphorie.
- Angenehmer, natürlicher Klang mit stabiler Abbildung
- Gute Laufruhe
- Gut einstellbarer Zehnzoll-Tonarm mit universellem SME-Headshell
- Phono-Vorverstärker für MM- und MC-Systeme geeignet
- Tonarmlager hat Spiel
- Klang könnte in komplexen Passagen strukturierter sein
Der AT-LP7X ist Audio-Technicas zweitteuerster Plattenspieler. Übertroffen wird er in der Preisliste nur durch den LP8X, der für 200 Euro mehr mit Direktantrieb und automatischer Endabschaltung lockt. Dafür hat der LP7X einen integrierten Phono-Vorverstärker, den du sogar auf MC-Systeme umschalten kannst. Du kannst den Spieler also an jeden AUX-Eingang anschließen – selbst wenn du den serienmäßigen MM-Tonabnehmer irgendwann durch ein Moving Coil ersetzen willst. Sofortiger Handlungsbedarf besteht nicht, denn das Originalsystem ist zwar preiswert, aber zigtausendfach bewährt und erwiesen klangstark. Für schnelle Sound-Upgrades gibt es dafür zudem eine Reihe höherwertiger Austauschnadeln, die im Handumdrehen montiert sind.

Nicht nur der Tonabnehmer, sondern auch der Tonarm des LP7X entspricht dem des teureren Bruders. Lässt man den Komfortgewinn durch die Abschaltautomatik des Achters mal außer Acht, könnte der Siebener also aus klanglicher Sicht der bessere Deal sein. Mit den gesparten 200 Euro ist schließlich eines der erschwinglichen Audio-Technica-MCs schon weitgehend finanziert. Alternativ bekommst du dafür ganz locker die beliebte ML-Nadel für das vormontierte AT-VM95 und zwei, drei LPs. Um solche Upgrades lohnend erscheinen zu lassen, muss aber zunächst die Qualität des eigentlichen Spielers stimmen. Weshalb wir Laufwerk und Tonarm im Test stets besonders genau unter die Lupe nehmen.
Audio-Technica AT-LP7X im Hörtest: Ruhe und Ordnung
Den Hörtest eröffnet Madonnas Bedtime Stories in der klanglich unschlagbaren deutschen Originalpressung aus dem Jahr 1994. Trotz relativ langer Seiten (das Einfachalbum hat über 50 Minuten Spieldauer) und dünnem 90er-Jahre-Vinyl klingt die LP auch heute noch taufrisch: obenrum fein definiert und lebendig, im Bass satt und ausdrucksstark. Der AT-LP7X breitet die R’n’B-beeinflusste Produktion großformatig und stabil im Hörraum aus.

Stimmen, Beats und Instrumente erhalten klar nachvollziehbare Positionen im Mix, wirken aber nie übertrieben scharfkantig, sondern bleiben stets weich und natürlich. Für den recht einfachen elliptischen Diamanten, den wir auch aus vielen anderen Spielern kennen, ist das eine beachtliche Leistung: Hier klingt er lebendig und zugleich kultiviert, was auf sehr niedrige Verzerrungen schließen lässt.
Mit seiner weiten und stabilen Abbildung punktet der Audio-Technica sogar gegen den Rega Planar 2, dessen Raumeindruck etwas kompakter und auch nervöser wirkt. Der Brite arbeitet für diesen Vergleich mit dem gleichen Tonabnehmer in Form eines zweiten Audio-Technica AT-VM95E. Weil der Rega keinen eingebauten Preamp hat, stellen wir ihm noch den Fosi X5 an die Seite und bringen damit den Preis auf vergleichbares Niveau.

Ganz unterschiedlich dagegen der Klang, und es fällt uns schwer, einen klaren Favoriten zu finden. Denn während der Rega in Stabilität und Abbildungsformat eher hinter dem Audio-Technica rangiert, liegt er in puncto Dynamik und Dramatik vorn. Wenn nach dem Intro von Madonnas Secret der Beat einsetzt, dann übernimmt er auf dem Rega regelrecht das Kommando und zieht das Stück kraftvoll vorwärts. Dem AT fehlt an der gleichen Stelle ein wenig Überraschungsmoment. Dennoch zieht er in der Summe seiner Eigenschaften mit dem Rega gleich – und überholt damit sogar seinen direkt angetriebenen Bruder Audio-Technica AT-LP8X knapp.
Abgehört: Upgrades per Nadel- oder Systemtausch
Der erste Upgrade-Schritt wäre beim AT-LP7X der Tausch der E-Nadel gegen die EN-Version mit nacktem statt metallgefasstem Diamanten. 119 Euro kostet diese Nadel, gegenüber 35 Euro für die E-Version – also schon ein deutlicher Mehrpreis. Der sich auch klanglich niederschlägt: Mit EN-Nadel bestückt, gewinnt der LP7X Spielfreude und Attacke im Hochtonbereich, ohne Sauberkeit und Ordnung einzubüßen. Von der orangen EN- zur roten ML-Nadel sind es dann nur noch 40 weitere Euro, die sich ebenfalls auszugeben lohnen.

Denn der hier verbaute MicroLinear-Diamant holt noch mehr Details aus der Rille, wirkt tonal aber – richtige Justage vorausgesetzt – eher noch vornehmer. Schwierige, hochtonreiche Passagen fährt die ML-Nadel beeindruckend unangestrengt und blitzsauber ab. Besonders eindrucksvoll ist der Unterschied bei S-Lauten und anderen hochtonreichen Signalen – vor allem in den engen letzten Zentimetern jeder Plattenseite, wo elliptische Nadeln oft an ihre Grenzen kommen. Worauf du beim Tausch der Nadel oder des gesamten Systems achten musst, haben wir dir in unserem Ratgeber zusammengefasst:
Da der integrierte Preamp des AT-LP7X auch über MC-Fähigkeiten verfügt, haben wir diese mit einem MC-Tonabnehmer aus Audio-Technicas umfangreichem Programm auf die Probe gestellt. Die Wahl fiel auf den AT-OC9XEN, der mit 369 Euro auch die Obergrenze der hier sinnvollen Systemupgrades markiert. Es gibt natürlich viel teurere MCs, aber schon das Potenzial des OC9XEN kann der Tonarm des Siebeners nur noch in Teilen realisieren:

Der Sound wird griffiger, direkter, glaubwürdiger, ohne dass irgendein Frequenzbereich dabei besonders gewichtet wird. Das ist ein klares Genuss-Plus und die Investition wert. Der Technics SL-1200GR2 zeigt aber auch, dass dieses System – gerade in dynamischen, dichten Passagen mit vielen Instrumenten – noch mehr Kick und Durchblick bieten kann.
Neugierig geworden? In unserer Bestenliste erfährst du, wie der Audio-Technica AT-LP7X im Vergleich mit anderen Plattenspielern mit Phono-Vorverstärker abschneidet:
Leichter, aber hartnäckiger Brumm im MC-Modus
Die für MC nötige höhere Verstärkung macht den eingebauten Phono-Vorverstärker aber auch störempfindlicher. Im Test mit verschiedenen MCs nervt uns ein leichter Brumm, den wir auch mit unterschiedlichen Erdungs-Strategien nicht wegbekommen. Weshalb der obige MC-Hörtest auch unter Vorbehalt steht: Sinnvoll ist so ein System nur, wenn es auch störfrei läuft. Das solltest du an deinem Exemplar auf jeden Fall nochmal prüfen, bevor du Geld in die Hand nimmst. Du kannst mit MC aber natürlich auch auf einen externen Preamp ausweichen. Mit MM-Abtastern aller Art arbeitet der eingebaute Vorverstärker dagegen nicht nur brummfrei, sondern auch angenehm rauschfrei.

Zum MM/MC-Umschalten findest du einen kleinen Schiebeschalter an der Rückseite des Spielers. In MC-Stellung erhöht dieser den Verstärkungsfaktor des Preamps von 36 auf 56 dB und senkt gleichzeitig den Abschlusswiderstand von 47 kΩ auf die MC-üblichen 100 Ohm. Ein weiterer Schalter deaktiviert den Preamp komplett. Zwischen den beiden Schaltern finden sich die vergoldeten Cinch-Anschlussbuchsen für das solide mitgelieferte Kabel.
Die etwas klein geratene Schraubklemme am Heck benötigst du zum Anschluss des Erdungsdrahts, wenn du den AT mit externen Phonoteilen hörst. Strom erhält der Spieler aus einem 12-Volt-Steckernetzteil. Im abgeschalteten Zustand ist der Stromverbrauch nahezu null, da neben dem Motor auch der interne Preamp deaktiviert wird. Als stabile Basis dient dem LP7X eine dicke, seidig lackierte Zarge aus MDF. Sie steht auf höhenverstellbaren Dämpferfüßen, die ihrem Job recht effektiv nachgehen.

Langer Arm für sauberen Sound
Seine im Hörtest beschriebene exzellente Laufruhe hat der Audio-Technica einem Riemenantrieb gehobener Qualität zu verdanken. Hier dreht sich ein 1,7 Kilo schwerer, äußerst sauber verarbeiteter Teller aus dunklem, aber noch leicht transparentem Acryl. Dessen präzise strukturierte Oberfläche nimmt direkten, satten Kontakt zur Platte auf. Nur der äußere Rand des Tellers lässt zum Plattenrand etwas Luft – gerade genug, um eine LP selbst bei laufendem Spieler sicher greifen zu können.

In Schwung versetzt diesen Teller ein kleiner, weich gelagerter Gleichstrommotor mit elektronischer Drehzahlregelung. Dabei dient eine kleine optische Encoderscheibe als Drehzahlgeber, die unmittelbar unter dem Teller auf der Lagerachse mitläuft. Das Tellerlager selbst ist klassisch aus Messingbuchse und Stahlwelle aufgebaut. Es läuft weich, geräuschlos und wartungsfrei.
Der Tonarm ist für den LP7X zugleich Stärke und Schwachstelle. Seine üppige Länge von fast zehn Zoll reduziert den Spurfehlwinkel und damit die Verzerrungen. Zudem verschafft dir die Extralänge mehr Platz zwischen dem J-förmigen Alu-Armrohr und dem Teller, was das Auflegen noch komfortabler macht. Der Serien-Tonabnehmer AT-VM95E ist in einem hochwertigen Headshell aus Massivaluminium vormontiert. An die Bajonettkupplung passen aber auch beliebige Fremd-Headshells nach SME-Standard.

Sehr schön gelöst ist die Höhenverstellung mit dem skalierten Drehrad im Technics-Stil, aber mit größerem Verstellbereich. Nicht ganz happy waren wir mit den kardanisch angeordneten Tonarmlagern, die besonders in der horizontalen Bewegung spürbares Spiel aufweisen. Das wäre an einem Technics- oder Rega-Arm undenkbar – wie der gleich teure Technics SL-40CBT beweist – und hat auch klangliche Auswirkungen. Womöglich klänge der LP7X mit präzise justierten Lagern noch dynamischer. Warm, großformatig und sauber musiziert er auch so schon.
Unser Fazit zum Audio-Technica AT-LP7X
Schon mit dem serienmäßigen System klingt der LP7X, wie er aussieht: großformatig, seidig, stabil. In der Summe seiner Klangeigenschaften kann er damit auch neben Topspielern seiner Preisklasse bestehen. In der Handhabung ist er den meisten sogar überlegen. Dass der MC-Preamp – jedenfalls bei unserem Exemplar – etwas brummt, nehmen wir dem Spieler nicht wirklich übel, zumal er mit MM mustergültig spielt. Die wechselbare Headshell nach SME-Standard und die präzise VTA-Einstellung machen den Spieler auch für experimentierfreudige Analogfreunde attraktiv.
| Technische Daten | |
| Antrieb | Riemen, manuell |
| Tonabnehmer ab Werk | Audio-Technica AT-VM95E |
| Getestet mit: | Audio-Technica AT-VM95E, AT-VM95EN, AT-VM95ML, AT-OC9XEN |
| Tonarm | Alu, 10", J-Form, SME-Headshell-Bajonett |
| Teller | Acryl, 1,7 kg |
| Motor | DC mit opt. Regelung |
| 33 ⅓ / 45 / 78 RPM | Ja / Ja / – (elektronische Umschaltung) |
| Anti-Skating einstellbar | Ja (Feder, stufenlos, skaliert) |
| Höhenverstellbare Füße | Ja |
| Integrierter Phono-Vorverstärker | Ja (MM und MC, umschaltbar) |
| Preis | 799 Euro |
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