MoFi MasterDeck im Test: Meisterhaft musikalischer US-Spieler
- Antrieb
- Riemen
- Tonabnehmer ab Werk
- –
- Motor
- Brushless DC
- 33 ⅓ / 45 / 78 RPM
- Ja / Ja / Ja
- Anti-Skating einstellbar
- Ja
- Integrierter Phono-Vorverstärker
- –
- Preis
- ab 7999 Euro (ohne Tonabnehmer) | getestete Ausführung: 8999 Euro
Fast so, als würde man keine LP, sondern direkt das Masterband hören: Der große MoFi-Spieler holt aus jedem Stück Vinyl, das du auf seinen Teller legst, konsequent ein Maximum an Dynamik, Timing und Unmittelbarkeit heraus. Da verzeiht man ihm gerne die etwas hakelige Justage.
- Souveräner Klang mit hoher Dynamik und akkuratem Timing
- Weiter Drehzahlverstellbereich
- Resonanzarmer, leichtgängiger Zehnzoll-Tonarm
- Hochwertige Verarbeitung mit coolem Look
- Keine Überhanglehre für Tonarm
- Keine Haube
- Schrauben für Höhenverstellung und Azimuth unnötig klein und schwer zu treffen
Der MoFi Masterdeck ist kein gewöhnlicher Player. Damit beziehen wir uns nicht nur auf seinen stolzen Preis, der schon ohne Tonabnehmer an der 8000 kratzt. Vielmehr schafft er es, einen charmanten Retro-Look mit gleichsam unverwüstlicher als auch hochmoderner Technologie zu vereinen. Wir haben den charmanten Amerikaner mit knallig gefärbtem Riemen und Echtholzschale auf unser HiFi-Rack gehieft. Was folgte, war Hörspaß sondergleichen.
Hier findest du den MoFi Masterdeck sowohl ohne System, als auch mit dem hier getesteten MC-Tonabnehmer. Im Set sparst du stolze 850 Euro:
MoFi Masterdeck: Ein Plattenspieler vom Plattenlabel?
Der Masterdeck ist das Toplaufwerk des Herstellers MoFi aus dem US-Bundesstaat Michigan. Mobile Fidelity Sound Lab, die Mutterfirma von MoFi, begann 1977 als Plattenlabel und wurde mit audiophilen Edelpressungen bekannter Alben berühmt. Erst 2014 entstand der Hardware-Ableger mit Lautsprechern, Elektronik und Plattenspielern. Als Entwickler wurden Koryphäen ihrer jeweiligen Fachgebiete verpflichtet: Andrew Jones (u. a. TAD, Elac) zeichnet für die Lautsprecher verantwortlich, die Elektronik kam zunächst von niemand Geringerem als Tim de Paravicini. Nach dessen Tod übernahm Peter Madnick (Runco, Audio Alchemy, Constellation Audio) die Preamp-Sparte. Alle MoFi-Plattenspieler stammen aus der Feder von Allen Perkins, den erfahrene Analogfans von seinen Firmen Immedia und Spiral Groove kennen.

Der Masterdeck weist viele technische Parallelen zu Perkins’ älteren Werken auf und wurde deshalb auch schon als „Spiral Groove zum halben Preis“ bezeichnet. Den Plattenspieler mit Riemenantrieb bekommst du als reines Laufwerk oder spielfertig mit vormontiertem MoFi-Tonabnehmer zu einem attraktiven Paketpreis. Beziehungsweise fast spielfertig. Der Arm liegt separat im Karton und muss erst noch eingebaut werden. Perkins’ Design-Handschrift findet sich an diesem System, aber auch am massiven, mehrschichtigen Teller, an dessen invertiertem Lager und in der Funktionsweise des Tonarms.
Bei diesem handelt es sich um einen Hybriden, der die Stärken von einpunkt- und kardanisch gelagerten Armen verbinden soll. Dank seiner XL-Länge von 10 Zoll kann er schon rein geometrisch betrachtet besonders verzerrungsarm arbeiten. Übergröße hat auch die Zarge, deren Design uns an klassische Analog-Studiotechnik erinnert. Wir lieben den Look! Ob uns der Sound gleichermaßen begeistert, erfährst du im Hörtest.

MoFi Masterdeck im Hörtest: fast wie live im Studio
Wir beginnen den Hörtest mit dem mitgelieferten MoFi-Tonabnehmer, der den bescheidenen Namen Ultragold trägt. Unverkennbar ein MC-System. Der Spieler klingt damit enorm griffig und direkt, lässt Instrumente und Stimmen körperreich und farbsatt im Hörraum erscheinen. Unsere Lieblingsplatten klingen aber trotzdem ein bisschen anders als gewohnt. Emotionaler, unmittelbarer, schnörkelloser. Dies ist ein Spieler, der entschlossen zu Werke geht, der HiFi-Manierismen durch Dynamik, Energie und Kraft ersetzt. Musik klingt mit dem Masterdeck nicht wie ein kunstvolles Fresko aus Klängen, das man aus sicherer Entfernung bewundert. Sie durchdringt die „vierte Wand“ zwischen Zuhörer und Reproduktion, und lässt ein starkes Gefühl des Dabeiseins entstehen.

Tonal wirkt der MoFi mit dem hauseigenen Tonabnehmer kräftig, herzhaft, fast ein bisschen rauchig. Die Hochtonauflösung ist mustergültig, die Abtastfähigkeit fast schon sensationell: Von Chor-Tutti (Veljo Tormis – Forgotten Peoples, ECM New Series) bis hin zu Vibraphon-Freakouts (Milt Jackson – Soul Believer, Pablo Records) gibt es keine audiophile Gemeinheit, die das Ultragold nicht souverän meistern würde. Wirklich komplett souverän, und dabei unglaublich dynamisch. Das lässt direkte Rückschlüsse auf den Tonarm zu: Nur an resonanzarmen, perfekt gelagerten Auslegern erreichen Tonabnehmer dieses Maß an Perfektion.

So gelingt das Kunststück, die LP als Medium fast komplett aus dem Sound verschwinden zu lassen. All die kleinen Unsicherheiten in Tempo, Timbre und Dynamik, die unserem Gehör oft den Vinyl-Ursprung verraten, weichen hier einem stabilen, selbstbewussten Live-im-Studio-Sound, von dem man sich gern auch bei etwas höheren Lautstärken in den Hörsessel drücken lässt.
Stabiler Charakter – auch mit Fremdabtastern
Der MoFi-Tonabnehmer unterstreicht mit seiner Abstimmung das griffige, leicht vintage-warme Element im Klang des Masterdeck. Größtenteils bleibt dieser Charakter aber auch mit anderen guten MCs erhalten. Ausprobiert haben wir das mit dem unbestechlich neutralen, extrem geschmeidigen Ortofon MC X40. Das wirkt in den Höhen noch etwas weicher und entspannter, poliert den Oberton nochmal mit einem feinen Wolltuch, während das MoFi ihm eher einen leicht matten Schimmer verleiht.

Beides fein, und letztlich Geschmackssache. Aber auch mit dem Ortofon bleibt der MoFi er selbst: Seinen Lieblings-Partytrick, die LP gewissermaßen verschwinden zu lassen und uns in die Musik einzubeziehen, beherrscht er mit dem dänischen MC mindestens genauso gut.
Was man dem US-Spieler stets anhört, ist sein drehmomentstarker, sehr steif an den Teller angekoppelter Antrieb. Rhythmisch und dynamisch erinnert das Masterdeck damit weniger an einen klassischen Riementriebler, sondern beschwört fast schon etwas Reibrad- oder Direktantriebs-Feeling herauf. Das verschafft dem MoFi in seinem Preis-Umfeld fast ein Alleinstellungsmerkmal. Klar gibt es da auch den SL-1300G von Technics. Aber selbst der hat nicht diesen Drive, der uns praktisch mit jeder aufgelegten Scheibe zum Kopfnicken und Fußwippen zwingt.

Und zwar selbst wenn die Aufnahme älter ist als der Tester: Full House von Wes Montgomery wurde 1962 aufgezeichnet, noch dazu live. Und klingt in der deutschen Stereo-Pressung aus dem Jahr 1968 (parallel gab es damals auch Monoversionen) einfach mit- und hinreißend. Das Bild ist abgenutzt, muss hier aber dennoch sein: Das Masterdeck klingt nicht mehr wie ein Plattenspieler, sondern schon mehr wie das Masterband.
Wie der MoFi Masterdeck im Vergleich mit anderen von uns getesteten Plattenspielern abschneidet, verrät dir unsere Bestenliste:
Praxis & Aufbau: hochmotorisiert, kurz übersetzt
Der aufrechte, unbeirrte Vorwärtsdrang im Sound des Masterdeck hat seinen Ursprung in einem kraftvollen, in sich sehr steifen Riemenantrieb. MoFi montiert dafür einen ungewöhnlich starken Dreiphasenmotor in einen stabilen Metallrahmen und diesen in eine wunderschöne Zarge mit massivem Nussbaum- oder Sapelli-Holzrahmen.

Das Oberdeck des Spielers besteht aus zwei Lagen schwarz eloxiertem Aluminium, die sich zu einer Gesamtstärke von zwei Zentimetern summieren und Teller und Tonarm tragen. Kontakt zu deinem Sideboard oder Rack stellen vier höhenverstellbare Füße des Spezialisten HRS her. Deren interne Feder-Dämpfer-Systeme sind offensichtlich genau auf den 17-Kilo-Spieler abgestimmt: Wir können im laufenden Betrieb munter auf dem Tisch mittrommeln, hören davon im Ausgangssignal aber so gut wie nichts.

Ein Silikonriemen in MoFi-Orange überträgt die Antriebskraft auf den unteren Tellerrand, der nur wenige Millimeter vom Motor-Pulley entfernt ist. Die Platzierung verringert den Entkopplungseffekt des Riemens, dessen Elastizität sich hier nur auf wenigen Zentimetern entfalten kann. Was im Gegenzug höhere Drehzahlstabilität bringen müsste. Der von Perkins gewählte Motor ist nicht der geräuschärmste seiner Art.
Falls du im Betrieb in der Nähe des Spielers ein dezentes mechanisches Reibgeräusch wahrnimmst, gehört das zum normalen Auftritt dieses Aggregats – das im Gegenzug über enormes Drehmoment verfügt und zum Glück auch keine wahrnehmbaren Spuren im Audiosignal hinterlässt. Oder fast keine: Wer es wirklich darauf anlegt, entdeckt in den Leerrillen der glattesten Vinylpressungen vielleicht ein ganz entferntes Murmeln. Oft jedoch ist schon die Schneidemaschine lauter, die bei der Produktion der Platte verwendet wurde.

Eigenwillige Drehzahlregelung beim MoFi Masterdeck
Damit der Motor absolut ruckfrei und stabil rotiert, füttert ihn DSP-Netzteil mit präzise geformten Spannungen. Für die Einhaltung der Solldrehzahl sorgt eine zweistufige Mess- und Regellogik. Einerseits kann die Motorsteuerung über vier kleine Magnetzylinder in der Tellerunterseite und einen Hallsensor im Oberdeck die Tellerdrehzahl direkt messen. Sie nutzt diesen Input aber nur zur einmaligen Kalibrierung. Die dabei ermittelte „richtige“ Motordrehzahl wird gespeichert und im normalen Betrieb dann über einen optischen Geber am Motor gemessen und gehalten. 33, 45 und 78 Umdrehungen sind möglich, jeweils über den „Trim“-Drehknopf in 0,1-Prozent-Schritten über einen großen Bereich hinweg verstellbar.
Starten und stoppen kannst du den Spieler mit einer im Betrieb gelblich leuchtenden, quadratischen Starttaste, die auch aus einem Mischpult aus den 80er Jahren stammen könnte. Weil der Motor beim Start ganz langsam hochgeregelt wird, braucht der Spieler zum Erreichen der Nenndrehzahl rund zehn Sekunden. Wer so viel Geduld nicht aufbringt, kann die Platte natürlich auch bei laufendem Teller wechseln und wenden.
Die Chance, dabei dem Riemen in die Quere zu kommen, ist wegen dessen Position am unteren Tellerrand eher gering. Oder besser am unteren sichtbaren Tellerrand. Denn ein Teil der 6,5 Kilo schweren Scheibe ist im Alu-Oberdeck versenkt. Weil man den Teller am Rand folglich nicht greifen kann, liegt zum Zusammenbau ein kurzer Nylongurt mit zwei Rändelschrauben bei, den man wie einen Griff in der Tellermitte befestigt.

Schöner, akustisch neutraler Teller
Hauptsächlich besteht der Teller aus Aluminium. In der Mitte ist die Buchse eines invertierten Lagers eingepresst, das mit einem Tefloneinsatz auf einer Kugel rotiert. Diese wiederum sitzt in der feststehenden Lagerwelle. Als Schmiermittel dient ein weißes Lithiumfett. Der oberste Zentimeter des Tellers ist aus Delrin gedreht, einem sehr zähen und dichten Spezialkunststoff, der je nach Quelle auch als Acetal oder POM vermarktet wird. Das resultierende Sandwich verhält sich akustisch ausgesprochen neutral, wie ein Klopftest mit aufgesetzter Nadel eindrucksvoll bestätigt: Mehr als ein dumpfes „Buff“ ist dem Teller dabei nicht zu entlocken. Die Platte kommt ohne Matte direkt auf die Oberfläche des MoFi Masterdeck, wo eine leichte Vertiefung im Labelbereich für satten Kontakt sorgt.

Wer will, kann den Kontakt zwischen Vinyl und Teller mit einem optionalen Gewicht noch intensivieren. Bei diesem Spieler – und das schreiben wir ganz selten – bringt die bessere Ankopplung tatsächlich klar hörbare Klangvorteile. Im Test haben wir die Black Forest Audio Däd!Clämp verwendet, eine 100 Gramm leichte Spannzangenklemme mit dosierbarem Anpressdruck. In Verbindung mit den zugehörigen Gummi-Unterlegscheiben sorgt sie auch bei schüsselig verzogenen LPs für absolut planen Kontakt des Vinyls zum Teller. Und klanglich selbst bei unverwellten Platten für gefühlt leiseren Lauf, höhere Dynamik und bessere Auflösung. Zugegeben: die Däd!Clämp ist nicht billig, und sie lässt sich nur bei stehendem Teller anbringen oder abnehmen. Aber die Wirkung ist verblüffend.
Eine günstigere Alternative zur Plattenklammer findest du hier:
Universeller Zehnzoll-Arm mit Hybridlager
Auch beim Tonarm hat sich Allen Perkins nicht lumpen lassen. Und aus seiner bevorzugten Einpunktlagerung eine noch praxisfreundlichere Hybridlagerung konstruiert. Diese stellt die Tendenz reiner Einpunktler ab, unbedämpft in alle erdenklichen Richtungen zu baumeln und unerfahrene Nutzer:innen damit in Angst und Schrecken zu versetzen. Der Arm des Masterdeck handhabt sich praktisch genau wie ein kardanischer Standardarm. Die Schwenkbewegung über die Platte vollführt er zwar auf einer einzigen Lagerspitze. Er lehnt sich dabei aber mit zwei Rubinkugeln ganz dezent an seinen Edelstahlmast an, was seine Beweglichkeit deutlich berechenbarer, aber nicht nennenswert schwergängiger macht. Vertikal wippt der Arm dagegen in zwei Keramik-Kugellagern feinster Qualität.

Das Armrohr mit einer stolzen Effektivlänge von zehn Zoll lässt Perkins aus Kohlefaser fertigen, und zwar mit variabler Wandstärke. Der Durchmesser bleibt von vorne nach hinten also konstant, die Wandstärke nimmt aber zu. Das Headshell besteht aus Alu und besitzt einen verdrehbaren Systemträger, sprich frei einstellbaren Azimuth. Eine Linie auf der Oberseite von Headshell und Tonarm zeigt an, wann der korrekte Wert eingestellt ist. Leider stimmte diese Markierung bei unserem Testgerät nicht ganz überein, wie wir bei der Feinjustage feststellten.
Justage für Ausgeschlafene
Wenn du die Klemmschraube ganz löst, kannst du das Headshell auch komplett abziehen und wechseln. Universelles Plug-and-Play à la SME/Technics geht damit trotzdem nicht, weil erstens nur das MoFi-Originalteil passt und du zweitens mit jedem Wechsel auch die Headshell-Käbelchen neu stecken und den Azimuth neu justieren musst. Bei der Überhangjustage kamen wir uns zunächst etwas allein gelassen vor: Nur ein kleines Loch im Headshell, unter dem die Nadel geometrisch korrekt sitzen soll. Und auch darüber schweigt die Bedienungsanleitung. Eine richtige Lehre aus Kunststoff oder Metall fänden wir besser und angemessener.

Unser Fazit zum MoFi Masterdeck
Schon das Design des Masterdeck lässt angenehmes Retro-Studiofeeling aufkommen. Der Sound passt perfekt dazu: kraftvoll, unmittelbar, auf den Punkt genau getimt. Mit einem Top-MC-System – gerne dem MoFi-eigenen Ultragold zum reduzierten Bundle-Preis – ist das Masterdeck ein absoluter Traumspieler, der bis in fünfstellige Preiszonen kaum Konkurrenz fürchten muss.
Hier findest du den MoFi Masterdeck im Angebot:
| Technische Daten | |
| Antrieb | Riemen |
| Tonabnehmer ab Werk | – |
| Getestet mit: | MoFi UltraGold, Ortofon MC X40 |
| Tonarm | MoFi 10" Carbon, mittelschwer |
| Teller | Aluminium/Delrin, 6,5 kg |
| Motor | Brushless DC |
| 33 ⅓ / 45 / 78 RPM | Ja / Ja / Ja |
| Anti-Skating einstellbar | Ja |
| Höhenverstellbare Füße | Ja |
| Integrierter Phono-Vorverstärker | – |
| Verfügbare Farben | Echtholz schwarz oder Nussbaum |
| Preis | ab 7999 Euro (ohne Tonabnehmer) | getestete Ausführung: 8999 Euro |
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