Audiolab 9000N im Test: Streaming mit High-End-Genen
- Eingänge
- 1x USB-A (Media), 1x USB-B (Audio, asynchron)
- Audio-Ausgänge
- 1x Cinch variabel/fix, 1x XLR variabel/fix, 1x digital optisch, 1x digital Koax
- Quellen kabellos
- –
- Integrierte Streamingdienste
- Tidal (klassisch & Connect), Qobuz (klassisch & connect), Spotify Connect
- Gehäuse-Ausführungen
- Silber, Schwarz
- Abmessungen (BxHxT)
- 444 x 89 x 333 mm
- Preis
- 2799 Euro
Der Audiolab 9000N ist ein solide aufgebauter High-End-Player mit leistungsstarkem, komfortablem OpenHome-Streaming und großartigem Klang. Wenn du die ganz große Anschlussvielfalt suchst, gibt es aber Alternativen mit mehr Auswahl.
- Stabiles, komfortables Streaming
- Neben der Audiolab-App auch mit anderen Apps (Linn, Lumin, BubbleUPnP) steuerbar
- Dynamischer, räumlich präziser Klang
- Kein Bluetooth, keine Digitaleingäge außer USB-A
- Unterstützt nur Tidal, Qobuz und Spotify
Eigentlich hätten wir den Audiolab 9000N schon viel früher zum Test bestellen müssen. Das holen wir hiermit nach – spät, aber zum Glück noch lange nicht zu spät. Denn der 9000N kam zwar schon Anfang 2024 auf den Markt, ist aber nach wie vor topaktuell. Und wird es auch noch lange bleiben. Dafür sorgt einerseits der fleißige Software-Support des Herstellers, der auf jegliche Änderungen in der Streaming-Landschaft schnell mit Updates reagiert. Andererseits aber auch die üppigen Ressourcen der eingesetzten Prozessor-Hardware. Und nicht zuletzt die Entscheidung des chinesischen Audiolab-Mutterkonzerns IAG, sich für Streaming-Betriebssystem und -Bedienkonzept höchst kompetente Unterstützung zu sichern.

Beim Streaming-Amp 6000A Play verließ sich Audiolab noch auf eine Streaming-Einheit von dts Play-Fi. Damit waren wir nicht wirklich glücklich. Play-Fi ist zwar sehr verbreitet, aber eigentlich nicht für High-End-Player, sondern eher für Smart Speaker und ähnliche, preiswerte Umsetzungen entwickelt. Für den 6000A Play passt das gerade noch. Der teure, reine Player 9000N braucht aber auf jeden Fall etwas Besseres. Bekommen hat er das Beste:
Prozessorboard und Betriebssystem des Topmodels entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Edel-Streamingschmiede Lumin. Die Verwandtschaft geht so weit, dass du einen Lumin – zum Beispiel den Lumin P1 Mini – mit der App des 9000N steuern kannst und umgekehrt. Aber nicht nur der Bedienkomfort, sondern auch der Klang profitiert von der Lumin-Technologie – wie wir im Hörtest herausfinden werden. Natürlich an der Seite des passenden Vollverstärkers Audiolab 9000A.
Den Audiolab 9000N gibt es in schwarzer und silberner Ausführung:
Audiolab 9000N im Hörtest: stabil wie in Stein gemeißelt
The Cry! von Prince Lasha und Sonny Simmons ist ein Stück Jazz-Historie, das auch heute, über 60 Jahre nach der Aufnahme, noch taufrisch klingt. Das Remaster, das auf Tidal mit der höchstmöglichen Auflösung von 192 kHz/24 bit zur Verfügung steht, animiert den Audiolab zu wahren Klangfarben-Feuerwerken. Da kitzeln glitzernde Schlagzeugbecken die Hörnerven (Drums: Gene Stone). Knorrige Bassläufe (Gary Peacock oder Mark Proctor, manchmal auch beide gleichzeitig) massieren das Zwerchfell. Und die beiden Solisten mit Flöte und Tenorsax blasen so unmittelbar und livehaftig intensiv, dass man ihnen anstandslos in ziemlich schräges Freejazz-Terrain folgt. Wir müssen uns zusammenreißen, sie nicht auch noch mit Zwischenrufen und -Applaus anzufeuern.

Der Audiolab 9000N tut das, was allerbestes HiFi am besten kann: uns musikalische Welten abseits des Gewohnten erschließen. So wird eine uralte Jazzplatte aus den Kindertagen der Stereophonie zur unverhofften Abenteuerreise. Aber auch eine ganz moderne Aufnahme, Jazz At The Berlin Philharmonic II: Norwegian Woods mit Knut Reiersrud, Solveig Slettahjell, Bugge Wesseltoft und dem Trio In The Country reißt uns mit irrem Live-Feeling aus unseren Hörsesseln. Wir hören hier nicht nur Tonfolgen, sondern die Spannung und Kommunikation zwischen den Musiker:innen, ihre ansteckende Spontanität und Begeisterung.
Klang-Oberflächen, so glatt wie Marmor
Der exzellente WiiM Ultra tritt auf, um die Ehre aller erschwinglichen Netzwerk-Player stellvertretend zu verteidigen. Das gelingt ihm auch überraschend gut: Moderne Digitalplayer machen schon lang keine groben Fehler mehr. Schaltet man ein paarmal zwischen Wiim und Audiolab hin und her, entdeckt man dennoch Eigenheiten und Unterschiede – oft an Stellen, wo man sie gar nicht erwartet hätte.

So vermittelt der Audiolab einen genaueren Eindruck der Tonhöhe: Die einzelnen Töne eines Klavierakkords scheinen ineinanderzugleiten wie die Zähne eines Reißverschlusses. Der WiiM zeigt einen Hauch von Unsicherheit, als hätte der Klavierstimmer eine einzelne Saite um eine Winzigkeit zu tief oder zu hoch gestimmt. Natürlich kommt ein 440-Hertz-Ton aus beiden Playern mit exakt 440 Hertz heraus. Der Eindruck entsteht erst, wenn sich die Oberwellen gleichzeitig gespielter Töne zu diesen komplexen harmonischen Gebilden verbinden, die wir so genießen.
Auch gegen ambitionierte Streamer aus dem angehenden High End, etwa dem Cambridge Audio EXN100, setzt sich der große Audiolab durch. Seine Bässe wirken straffer und fester, die Stereoabbildung noch weiter und eindeutiger. Der präzise Fokus hilft nicht nur bei der akustischen Ortung einzelner Instrumente, sondern verleiht diesen Instrumenten eine sehr realistische, feste und glatte Kontur.

Bei manchen Instrumenten, etwa Vibraphon und Flügel, erinnert uns diese Festigkeit an polierten Marmor. Allerdings an Marmor, der einen Nachmittag unter italienischer Sonne verbracht hat: massiv, glänzend und warm. So klingt nicht nur der Audiolab 9000N. Auch viele andere Player beherrschen dieses edle, faltenfreie Großformat. Allerdings ist keiner davon wirklich billig – und die meisten eher deutlich teurer als der Audiolab.
Mit Lumin-Technik gegen das Lumin-Original
Auch ohne das Wissen um die technische Verwandtschaft hätten wir zur Abgrenzung nach oben als Nächstes den Lumin P1 Mini aus dem Regal geholt. Denn zumindest im Playerbereich – also beim Heranholen der Daten übers Netzwerk, beim Entschlüsseln und Entpacken – bedient sich der 9000N identischer Protokolle und eng verwandter Technik. Auch das eigentliche Rendering gehört dazu, also der klanglich sensible Schritt, der die erhaltenen Daten zu einem einheitlichen PCM-Datenstrom formt und in den D/A-Wandler füttert. Würde der Audiolab 9000N also auch klanglich an einen Lumin erinnern?

Teils-teils, war das Ergebnis unseres Vergleichs. Die Festigkeit im Klang, die unverrückbar stabile Abbildung und den kraftvollen Durchzug zeigen beide Player sehr ähnlich. Bei Goners, einem zarten, überwiegend akustischen Album, geht der Lumin jedoch noch liebevoller mit der Stimme von US-Songwriterin Laura Gibson um.
Und das ist keine minimale Geschmacks-, sondern eine sehr klare Sache: Die Stimme selbst wirkt weicher und körperlicher, zugleich aber von mehr Atmosphäre und Raum umgeben. Aber der P1 Mini ist natürlich auch fast doppelt so teuer – und nur ein Teil des Mehrpreises fließt in umfangreichere Ausstattung wie HDMI- und Analogeingang. Der andere Teil des Extrabudgets dient dem Kampf um das letzte Klangprozent.
Unsere Bestenliste verrät dir, wie sich der Audiolab 9000N im Vergleich mit anderen von uns getesteten Netzwerk-Playern schlägt:
Das steckt im Audiolab 9000N – Streaming-Gene vom Profi
Der Audiolab-Player bringt nicht nur den Ohren Genuss. Er zeigt auch, wie intuitiv und komfortabel High-End-Streaming sein kann und sollte. Verantwortlich dafür ist OpenHome, ein Netzwerkprotokoll, das ähnlich wie UPnP oder DLNA die Kommunikation und den Datenfluss zwischen Servern, Streamern und deren Steuerinstanzen regelt.
Niemand Geringeres als Linn entwickelte es Mitte der 00er Jahre, um den hauseigenen Netzwerk-Playern perfekte Bedingungen zu schaffen. Die Schotten hielten das Protokoll aber bewusst offen und für alle anderen Hersteller zugänglich. Nicht nur aus Idealismus, sondern weil gemeinsame, markenübergreifende Standards eine dynamischere Entwicklung und ein besseres Nutzererlebnis versprachen.
OpenHome zu implementieren, ist allerdings recht anspruchsvoll. Auf Herstellerseite bedarf es einer gewissen Software-Kompetenz, im Gerät entsprechend leistungsfähiger Hardware. Viele traditionelle HiFi-Firmen hatten die Erstere nicht, wollten die Kosten der Letzteren vermeiden – und griffen zu einfacheren, fix-und-fertigen Lösungen. So auch Audiolab bei seinen kleineren Streamern. Lumin dagegen gehörte nach Linn zu den ersten OpenHome-Anwendern und zeichnete sich auch für den ersten Player verantwortlich, der DSD übers Netzwerk streamen konnte.

Die Lumin-Preisliste beginnt, wo sie bei Audiolab endet. Wer sich das aktuelle Einstiegsmodell D3 genau von innen anschaut, erkennt einen Chipsatz, der sich nahezu identisch nun auch im Audiolab-Topmodell findet. Der Technologietransfer umfasst die gesamte Player-Funktion, nicht aber die Wandler- und Ausgangsstufe, wo sich Audiolabs eigenes Entwicklerteam verwirklichte. Parallelen entstehen aber auch hier, weil Audiolab wie viele andere Hersteller zu den D/A-Wandlerchips von ESS greift.
Im Audiolab 9000N ist es das Topmodell ES9038Pro, gefolgt von einer luxuriösen analogen Ausgangsstufe. Der Treibstoff für die ganze Pracht stammt aus einem dicken Ringkerntrafo und zahlreichen individuellen Spannungsreglern: Hier muss kein Bauteil Hunger leiden oder auch nur die kleinste Unregelmäßigkeit in der Stromversorgung erdulden.
Bedienung und Praxis – Durchdachte App
Gesteuert wird der Audiolab primär über seine App. Dass diese exakt aussieht und funktioniert wie die Lumin-App, ist angesichts der technischen Verwandtschaft nicht überraschend. Auch unser 17 Jahre alter Linn Sneaky taucht in der Geräteauswahl auf. In der kleinen, feinen OpenHome-Familie versteht man sich firmen- und generationenübergreifend. Du kannst den 9000N daher auch mit einer Linn-App steuern, wenn dir diese besser gefällt. Oft passiert aber das Gegenteil: Viele Linn-Nutzer ziehen die Lumin-App vor. Das hängt jedoch auch ein bisschen von deinem verwendeten Smart-Device ab. Auf dem kleinen iPhone SE musst du dich zum Beispiel an die zum Teil recht kleinen Bedienfelder gewöhnen.
Die frei editierbaren, aus externem und lokalem Content mischbaren Abspiellisten, die freie Navigation innerhalb von Tracks jedes Formats und das insgesamt extrem stabile und geschmeidige Handling hast du aber auf jeden Fall. Wer es noch komfortabler haben will und die zusätzlichen Kosten nicht scheut, kann selbstverständlich auch einen Roon-Server verwenden: Der 9000N ist Roon ready. Was er dir dagegen nicht bieten kann, ist Bluetooth. Bei den nativ unterstützten Streamingdiensten ist die Auswahl nicht riesig, mit Qobuz, Tidal und Spotify – jeweils auch im Connect-Modus und in allen verfügbaren Auflösungen – unserer Meinung nach aber völlig ausreichend.
Wuchtiges Gehäuse, wohlüberlegte Schnittstellen
Der interne Player verarbeitet Audiodateien mit bis zu 768 kHz Samplingrate – oder 512 MHz bei DSD, die wahlweise per schnellem WiFi oder per LAN-Kabel ankommen. Auch den Inhalt eingesteckter USB-Sticks stellt der Audiolab sehr schön dar. Weitere Datenzuspieler, denkt sich Audiolab wohl zu Recht, dürften da gar nicht nötig sein. Folglich bringt der 9000N keine „klassischen“ Digitaleingänge mehr mit, sondern nur einen schnellen, jitterfreien USB-2.0-Eingang. Der könnte zum Beispiel interessant sein, wenn du einen Audio-PC nutzen willst. Heute nichts mehr Besonderes, aber trotzdem sehr schön, ist das Farbdisplay, das Cover, technische Trackinfos oder auch animierte VU-Meter anzeigt.
Weiterreichende Geräteeinstellungen, etwa deine bevorzugte Digitalfilter-Charakteristik oder das Display-Layout, erreichst du mit einem Dreh-Drück-Knopf am Gerät oder mit der soliden Systemfernbedienung. Ein zweiter Drehknopf dient als Volume-Regler, sofern du die Ausgänge – XLR und Cinch – auf „variabel“ gesetzt hast. So fungiert der Netzwerk-Player auch als Vorverstärker für deine Endstufen oder Aktivboxen.
Beim Gehäuse wahrt der Audiolab 9000N den gewohnten, unaufdringlichen Audiolab-Look. Wie solide die Karosserie gebaut ist, fällt uns erst beim Versuch auf, den Spieler zu öffnen. So bestehen Deckel und Frontplatte aus einer durchgehenden, massiven Aluschale, die durch Dutzende kleiner Torx-Schrauben mit dem Stahlchassis verbunden ist. Beste Voraussetzungen, um auch nach vielen Jahren noch eine prachtvolle Erscheinung im Rack abzugeben.

Unser Fazit zum Audiolab 9000N
Mit hauseigenem Audio-Know-how und einer der besten Streaming-Engines, die man für Geld und gute Worte bekommen kann, ist Audiolab beim 9000N ein großer Wurf gelungen. Der 9000N bildet nicht nur einen idealen Player-Partner zum Vollverstärker 9000A. Er sollte immer auf deiner Liste stehen, wenn du einen überragend klingenden Digitalplayer mit einem für audiophile Vielhörende gemachten Bedienkonzept suchst.
Hier kannst du den Audiolab 9000N direkt bestellen:
| Technische Daten | |
| Eingänge | 1x USB-A (Media), 1x USB-B (Audio, asynchron) |
| Audio-Ausgänge | 1x Cinch variabel/fix, 1x XLR variabel/fix, 1x digital optisch, 1x digital Koax |
| Chromecast Built-In | – |
| Quellen kabellos | – |
| Integrierte Streamingdienste | Tidal (klassisch & Connect), Qobuz (klassisch & connect), Spotify Connect |
| MQA | Ja |
| Roon ready | Ja |
| Multiroom-fähig | Ja |
| Raumeinmessung | – |
| Netzwerk | LAN, WLAN |
| Gehäuse-Ausführungen | Silber, Schwarz |
| Abmessungen (BxHxT) | 444 x 89 x 333 mm |
| Mitgeliefertes Zubehör | IR-Fernbedienung, Netzkabel |
| Gewicht | 6,2 kg |
| Preis | 2799 Euro |
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