Line Magnetic LM-216IA Plus im Test: Kräftiger Röhrenamp mit XL-Sound
- Leistung
- 2x 45 Watt / 8 Ohm, 2x 45 Watt / 4 Ohm
- Eingänge
- 2x Cinch
- Audio-Ausgänge
- 1x Lautsprecher-Paar 4Ω/8Ω
- Quellen kabellos
- Bluetooth 5.1 aptX HD / LDAC
- Abmessungen (BxHxT)
- 376 x 192 x 345 mm
- Preis
- 2499 Euro
Auf dem Papier ist die Mehrleistung gegenüber einem EL34-Röhrenverstärker nicht der Rede wert. In der Praxis macht seine kräftige Endstufe den 216IA Plus aber zu einem auffallend souveränen Verstärker, für den sich schnell ein Lautsprecherpaar findet. Der Klang ist dann umwerfend fein, musikalisch und elegant.
- Sehr breitbandiger, samtig-feinauflösender Klang
- Relativ Lautsprecher-unempfindlich
- Bluetooth-Eingang
- Praktische Bias-Anzeige
- Schwer, heiß und stromhungrig
- Kein Kopfhörerausgang, nur zwei Cinch-Eingänge
Du suchst einen Röhrenverstärker, der dich viele Jahre mit kraftvollem, natürlichem Sound begleiten soll? Mit dem LM-216IA Plus macht Line Magnetic dir einen brandneuen, verlockenden Vorschlag. Der Verstärker basiert auf dem seit vielen Jahren bewährten LM-216IA, übernimmt dessen kraftvolle Endstufe auf KT88-Basis, ergänzt diese aber mit einer überarbeiteten Vorstufe und einem Bluetooth-Eingang. So dürften Komfort und Klangpotential von der Modellpflege gleichermaßen profitieren.

Brummfrei dank neuem Trafo?
Eigens für den deutschen Markt erhält der LM zudem einen besonders vibrationsarmen Netztrafo. So soll der Amp auch dann ohne nerviges Summen seiner Arbeit nachgehen, wenn dein Netzstrom mal wieder mit Gleichstromanteilen belastet ist. Der DC-Offset im Netz hat dich bislang nicht gestört? Gut möglich. Du hattest vielleicht auch noch kein HiFi-Gerät mit einem so mächtigen Trafo.

Schaltnetzteile schön und gut: In Röhrenverstärkern braucht man ganz klassische, aus vielen Kilo Eisen und Kupfer bestehende Umspanner. Und gleich noch zwei weitere als Übertrager – quasi das Getriebe, das die Röhrenwatt überhaupt erst auf die Straße – pardon: an die Lautsprecher – bringt. Ganz schön aufwendig. Der stolze Preis des 216IA Plus resultiert also nicht aus Verschwendungssucht, sondern ist für einen Röhrenamp noch eher moderat. Warum du dir den Aufwand leisten solltest, wird beim Musikhören schnell klar: Gute Röhrenverstärker machen nicht einfach Sound, sondern verwandeln deine Lieblingsalben in packende Musik-Abenteuer.
Alle von uns bereits getesteten Röhrenverstärker findest du hier, in unserer Bestenliste:
Line Magnetic LM-216IA Plus im Hörtest: dezent, aber intensiv
Warum nicht einfach einen kleineren Röhrenverstärker kaufen? Vielleicht einen mit EL34- statt KT88-Röhren, mit ein paar Kilo weniger auf den Stahlblech-Rippen und einem noch freundlicheren Preisschild? Wenn du gut wählst, etwa den Cayin MT-35 Mk3, bleiben wesentliche Stärken erhalten: Die Nähe und Unmittelbarkeit, die Lebendigkeit und feurige Intensität des Klangs ist auch da schon gegeben. Im Klang des LM-216IA Plus sind diese Tugenden aber viel schöner verpackt: seidig, faltenfrei, mit liebevoll gezwirbelten Hochton-Schleifchen und wertigem Bassgewicht.

Was du hörst und augenblicklich als besser empfindest, ist eine Mischung aus höherer Leistung, größerer Bandbreite und besserer Kontrolle. Ganz offensichtlich im Bass: The Road von der belgischen Künstlerin Patricia Vanneste alias Sohnarr führt über den Line Magnetic bedeutend tiefer in den Frequenz-Untergrund als über kleinere Röhrenamps – und auch die meisten Transistorverstärker. Was dem trance-igen Elektrosound dieses Stücks sehr gut bekommt.

Wenn das Stück in der Mitte dann sehr laut und dicht wird, kannst du dich abermals auf den LM verlassen: Während er Stimmen, Beats und Synthiespuren behutsam auseinandersortiert, diesen Soundgletscher gewissermaßen zum Schmelzen bringt, leistet er sich keinen schrillen, angestrengten Ton. Kleinere Amps musizieren hier einfach deutlich kompakter, weniger einhüllend, weniger überwältigend.
Herrlich verspielter Hochton
Zu einem spannenden Spektakel wird mit dem LM auch der Jazzklassiker The Cry! vom Prince Lasha Quintet, das der Streamingdienst Tidal in der 2024 remasterten Version bereithält – und zwar in der maximalen bei Tidal unterstützten Auflösung (FLAC, 192 kHz / 24 Bit). Lasha spielt hier Querflöte, begleitet von zwei Bassisten (Gary Peacock, Mark Proctor), Drums (Gene Stone) und dem Co-Solisten Sonny Simmons am Saxofon. Und schon nach einigen Minuten im ersten Track Congo Call fühlen wir uns, als hätte uns eine Zeitmaschine direkt ins Studio im Los Angeles der frühen 60er Jahre gebeamt. Oder eher umgekehrt: den Prinzen und seine vier Mitspieler in unseren Hörraum teleportiert. Denn altmodisch ist hier weder die Musik noch der Sound.

Aus audiophiler Sicht besonders köstlich sind die mit Besen gespielten Schlagzeugbecken, die hier natürlich-intensiv funkeln, schillern und swingen. Lashas Querflöte hat die perfekte Mischung aus dynamischem Biss, Wärme und silbrigen Obertönen. Einem so vollendet gespielten und reproduzierten Instrument folgt man gerne auch in harmonisch entlegeneres Terrain, wie es Freejazzer Lasha immer wieder gerne aufsucht. Erst recht, wenn der doppelt besetzte Bass und das Schlagzeug sich vor die Stücke spannen wie eine rumpelnde, zischende Express-Dampflok. Und schwupp! …hat man ein Häkchen mehr auf der High-End-Bingokarte: Man findet Sixties-Freejazz toll.
Guter Klang erweitert den musikalischen Horizont
So kann es dir mit vielen anderen Musikrichtungen auch gehen: Die detailreiche, zugleich ganz selbstverständliche und unverkrampfte Wiedergabe, wie sie der Line Magnetic beherrscht, bringt uns neben unseren vertrauten Lieblingssongs auch Ungewohntes näher. Nicht mal vor hartem Rock macht der 20-Kilo-Amp Halt. Denn auch da macht es einen Unterschied, ob die zu hörenden Verzerrungen originär aus den Gitarrenamps der Musiker stammen, oder ob die eigene Anlage noch ein bisschen was dazuerfindet.

Dieses eigenmächtige Klangverschönern wird Röhrenamps oft vorgeworfen. Wir hören zumindest beim Line Magnetic LM-216IA Plus nichts, das darauf hindeutet. Eher beschleicht uns der Verdacht, dass „gewöhnliche“ Amps sich zwar nie wirklich angreifbar machen, uns aber doch einen Teil der musikalischen Faszination vorenthalten. Dass es den feinen, reichen Röhrenklang nicht umsonst gibt, akzeptieren wir daher gerne. Auch, dass wir für ideale Ergebnisse vielleicht ein, zwei Lautsprecher mehr ausprobieren müssen, bis wir den optimalen Partner finden.
LM-216IA Plus: Technischer Aufbau und Praxis
Am Ende des vorigen Absatzes spielen wir auf den notorischen Widerwillen vieler Röhrenamps an, mit gewöhnlichen Lautsprechern aktueller Bauweise harmonisch zusammenzuspielen. Das hat nicht nur mit ihrer oft begrenzten Leistung zu tun, sondern auch mit ihrem – im Vergleich zu Transistoramps – höheren Ausgangswiderstand. Röhren können sehr hohe Spannungen abgeben, aber nur geringe Ströme. Lautsprecher mögen es genau umgekehrt. Hier kommen die Ausgangsübertrager ins Spiel, die wie ein Übersetzungsgetriebe zwischen diesen beiden Welten vermitteln. Bei den meisten Amps hat dieses Getriebe sogar eine Art Gangschaltung. Nämlich separate Klemmen für 4-Ohm- und 8-Ohm-Lautsprecher, die das Übersetzungsverhältnis der Übertrager entsprechend anpassen.

Auch der Line Magnetic hat diese doppelten Lautsprecheranschlüsse. Wichtig dabei: Die Impedanz ist nicht in Stein gemeißelt – schon weil die Herstellerangaben auf den Lautsprechern oft danebenliegen. Und auch, weil im Zusammenspiel mit Röhren nicht ein irgendwie gemittelter Einzelwert entscheidet, sondern der tatsächliche, frequenzabhängige Impedanzverlauf. Unsere Tannoy Legacy Eaton – nominell 8-Ohm-Boxen – hören wir am Line Magnetic zum Beispiel lieber an den 4-Ohm-Klemmen. An der Leistung ändert das nicht viel: LM gibt für beide Ausgänge 45 Watt pro Kanal an.
Leistung aus bauchigen Beam-Tetroden
2x 45 Watt – das ist für einen Röhrenverstärker schon recht kräftig. Verantwortlich dafür sind vier (ein Paar je Kanal) Beam-Tetroden des Typs KT88, die in diesem Fall aus aktueller chinesischer Produktion stammen. Was diese Röhren klanglich leisten, hat uns unter anderem der Cayin Jazz 90 zeigen können. Ebenfalls in China, nun aber bei LM selbst, entstehen die zugehörigen Übertrager: wuchtige EI-Kern-Trafos, vergossen in lackierten Stahlmänteln, die zusammen mit dem exakt gleich großen Netztrafo eine imposante Dreierreihe auf dem Oberdeck bilden. Ein Großteil der 20 Kilo Gesamtgewicht geht aufs Konto dieser Umspanner – und auch ein erheblicher Teil der Herstellungskosten. Denn hier stecken nicht nur kiloweise Kupfer und teure Eisen-Nickel-Legierungen drin, sondern auch viel Zeit und kostbares Wissen über den richtigen Aufbau von Audio-Übertragern.

Vor dem KT88-Quartett werkeln vier vergleichsweise zierliche Doppeltrioden für Vor- und Treiberstufe: zwei 12AU7, bzw. ECC82, gefolgt von zwei 6N6P (kyrillisch: 6Н6П) aus alter sowjetischer Produktion. Alles gebräuchliche, gut und in großer Auswahl verfügbare Röhren. Nachschubsorgen musst du dir hier garantiert nicht machen, zumal es für jeden verwendeten Röhrentyp auch noch etliche kompatible Alternativen gibt. Die kleinen Röhren halten aller Voraussicht nach ohnehin fast ewig. Und auch die Leistungsröhren sind für viele Jahre Hörspaß gut. Ab und zu solltest du ihre Ruheströme überprüfen. Dank eingebautem Amperemeter und gut zugänglichen Trimmpotis geht das sekundenschnell.
Für manche Nutzer:innen bedeutet das „Plus“ ein Minus
Die Lautstärke stellst du an einem soliden, gekapselten und motorisierten ALPS-Potentiometer ein – entweder manuell oder per Infrarot mit einer sehr schönen, aus Alu gefrästen Fernbedienung. Für die Quellenwahl musst du dich allerdings ans Gerät begeben. Viel Auswahl hast du eh nicht: Während der bisherige LM-216IA über vier Cinch-Inputs verfügte, sind es am Plus derer nur noch zwei. Die anderen beiden mussten ihren Platz für einen hochmodernen Bluetooth-5.2-Empfänger räumen, der Audiodaten von geeigneten Mitspielern auch in klangoptimierten BT-Varianten wie aptX HD versteht.

Abgesehen von der kleinen Digitalinsel im hinteren rechten Eck ist das Interieur des Line Magnetic ein Kunstwerk klassischer Analogtechnik. Wie Cayin baut auch Line Magnetic seine Verstärker in freier Verdrahtung auf. Was nicht nur schön aussieht, sondern auch Verluste und Umwege minimiert. Kleine Platinen finden nur für die Volume- und Ruhestromregler Verwendung. Einziger Nachteil der Punkt-zu-Punkt-Verdrahtung: Sie ist sehr arbeitsintensiv. Und Arbeit – insbesondere spezialisierte wie diese – wird auch im chinesischen Zhuhai, wo das Hauptwerk von Line Magnetic steht, von Jahr zu Jahr teurer.
Unser Fazit zum Line Magnetic LM-216IA Plus
Der günstigste KT88-Verstärker von Line Magnetic zeigt im Hörtest hohe klangliche Reife, bringt zeitgemäße Kraftreserven mit und verträgt sich mit vielen Lautsprechern. Klar gibt es noch günstigere Röhrenamps. Mit dem 216IA erhältst du aber eine wirklich üppige Portion jener Magie, die nur Röhren – und auch da nur die wirklich gut gemachten – entfalten. Solange du damit keine Disco beschallen willst, wird dir mit dem LM auch nie die Power ausgehen. Jedenfalls solange du Lautsprecher mit Wirkungsgraden um oder über 90dB/Wm verwendest. Gib dir aber auch dann die Mühe, die engere Auswahl mit deinem konkreten Amp auszuprobieren. Denn die Wechselwirkung zwischen Röhrenendstufe und Lautsprecherlast ist nie frei von Überraschungen.
| Technische Daten | |
| Leistung | 2x 45 Watt / 8 Ohm, 2x 45 Watt / 4 Ohm |
| Eingänge | 2x Cinch |
| Audio-Ausgänge | 1x Lautsprecher-Paar 4Ω/8Ω |
| Quellen kabellos | Bluetooth 5.1 aptX HD / LDAC |
| Gehäuse-Ausführungen | Schwarz |
| Abmessungen (BxHxT) | 376 x 192 x 345 mm |
| Mitgeliefertes Zubehör | Schutzkäfig, Fernbedienung, 2 Ersatzsicherungen |
| Gewicht | 19,5 kg |
| Preis | 2499 Euro |
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