Startseite HiFi Elektronik Verstärker Octave V70 Class A im Test: Röhren-Referenz aus Deutschland

Octave V70 Class A im Test: Röhren-Referenz aus Deutschland

50 Class-A-Röhrenwatt pro Kanal sind eine Ansage. Aber der Octave V70 Class A trumpft nicht nur mit hoher Leistung auf, sondern auch mit klanglicher Reife und Raffinesse.
HIFI.DE Test | Octave V70 Class A
Eingänge
4x Line Cinch, 1x XLR, 1x Pre-In (Cinch), optional: Phono MM oder MC
Audio-Ausgänge
1x Lautsprecherpaar, Pre-Out (Cinch), 1x Tape-Out (Cinch)
Quellen kabellos
Abmessungen (BxHxT)
451 x 150 x 415 mm
Preis
10.990 Euro (Phono-Modul und alt. Röhren mit Aufpreis)
In Kürze
Mit Sound-Tricksereien und Schönfärberei kann der Octave nicht dienen: Der V70 Class A besticht mit neutraler, hochgenauer Musikwiedergabe. Seine Dynamik ist für Röhrenverhältnisse außergewöhnlich, ebenso die universelle Kombinierbarkeit mit nahezu jedem hochwertigen Lautsprecher. Die extrem sorgfältige Verarbeitung und die auf Zuverlässigkeit optimierte Schaltung machen den deutschen Amp zu einer Anschaffung fürs Leben.
Vorteile
  • Feiner, präziser Klang mit viel Dynamik und Räumlichkeit
  • Autmatische Bias-Anpassung
  • Viel Leistung für einen Röhren-Amp
  • Große Auswahl an Endstufenröhren
  • Eco Mode zum Stromsparen
Nachteile
  • Schwer, heiß und stromhungrig
  • Fernbedienung ohne Quellenwahl

In unserem Hörraum wird es warm, denn wir haben den Röhrenverstärker Octave V70 Class zum Test geladen. Zwar ist er, wie alle Class-A-Verstärker, stromhungrig, verspricht dafür aber Dinge, die im krassen Kontrast zu klassischen Röhren-Amps stehen. Geradezu unerhörte Leistungsreserven und stoische Gelassenheit bei der Boxenwahl. Ob das stimmt – und wie der Röhrenbolide klingt, haben wir für dich getestet.

Octave V70 Class A Testsituation
Der Octave V70 Class A hat sich in unserem Test an verschiedenen Lautsprechern und gegen Mitbewerber beweisen müssen.

Viel „Bias“ um Röhrenverstärker

Aus Sicht des HiFi-Mainstreams könnte man Röhrenfans für verirrte Eigenbrötler halten, die sich das Leben mutwillig schwer machen: Sie holen sich sperrige, stromfressende, mit gefährlicher Hochspannung werkelnde Geräte ins Haus, an denen ständig irgendwas zu kontrollieren ist und deren entscheidende Bauteile alle paar Jahre gewechselt werden müssen. Dann verlangen diese Elektro-Mimosen für optimalen Klang auch noch ganz bestimmte Lautsprecher, von denen es nicht viele und kaum günstige gibt. Und wenn man auf einer Party mal richtig rocken will, muss der glimmende Fetisch-Verstärker mangels Leistung dann doch einem schnöden Transistor Platz machen. Auch wenn ein Fünkchen Wahrheit daran ist: Röhrenhörer:innen haben meist Besseres zu tun, als gegen solche Technikfabeln anzukämpfen. Sie schweigen lieber – und genießen.

Besonders ungetrübt ist der Röhrengenuss erfahrungsgemäß, wenn der Verstärker aus dem badischen Karlsbad kommt, von den nördlichsten Ausläufern des Schwarzwalds. Dort betreibt Andreas Hofmann seine Verstärkermanufaktur Octave, die ihrerseits aus dem Trafowerk seiner Eltern hervorging. Die elementare und qualitätsbestimmende Komponente eines Röhrenverstärkers sind seine Ausgangstrafos. Wie man die baut, hat Hofmann gewissermaßen schon mit der Muttermilch aufgesogen.

Octave V70 Class A Detail KT170 rechts
Verantwortlich für das hohe Gewicht des V70 Class A sind nicht die Röhren, sondern der Metallblock hinter ihnen. Er beherbergt die großen Trafos des Röhrenverstärkers.

Mit dem V70 Class A haben wir einen seiner besten Vollverstärker bestellt. Aber letztlich ist das genaue Modell gar nicht so entscheidend: Alle Octaves sind geprägt von Hofmanns Streben nach absoluter Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit und klanglicher Neutralität. Sound-Trickser und zartbesaitete Watt-Winzlinge finden sich eher nicht darunter. Auch der V70 Class A bringt zum Hörtest zwar unverkennbar den Klang seiner besonderen Schaltungsvariante mit, nicht aber deren notorische Ineffizienz.

Octave V70 Class A im Hörtest: Wucht, Wärme und Transparenz

Zunächst starten wir eine ganz zarte Produktion auf dem Netzwerk-Player Linn Sneaky, die kaum Grobdynamik, dafür aber unglaublich edle Klangfarben und Feinstrukturen mitbringt. Where To From, das neue Album der isländischen Komponistin und Cellistin Hildur Guðnadóttir, badet uns in Harmonien aus Cello, Gambe und Viola, die Vocals von Guðnadóttir selbst sowie zwei weiteren Sängerinnen umranken. Da wird nach wenigen Minuten klar: So elegant und sanft, fast zärtlich, schafft das kein uns bekannter Transistor. Zumal diese sanfte Eleganz nicht auf Kosten der Genauigkeit geht: Du hörst jeden Quadratzentimeter Holz, jede schwingende Saite, jedes Luftholen mit dem Kontrastreichtum einer Tuschezeichnung, aber auch mit der duftigen Leichtigkeit und dem Nuancenreichtum eines Aquarells.

Vergleichsgeräte sind nicht leicht zu finden, wenn sie zumindest den Hauch einer Chance haben sollen. Auf der Transistorseite ist es der McIntosh MSA5500. Der wirkt zwar etwas dunkler und weniger fein aufgelöst, beeindruckt uns aber wieder mit seiner Feindynamik und seinem weichen Musikfluss. Im Röhrenlager meldet sich der Cayin Jazz 90 freiwillig und kommt dem Octave immerhin schon recht nahe. Er lässt das Rosshaar der Bögen vielleicht etwas ruppiger über die Saiten gleiten als der badische Edel-Amp, der aber auch gut dreimal so teuer ist. Wenn das Geld da ist – keine Frage: Dann ist die Sinnlichkeit des Octave-Klangs unsere Wahl.

Trau dich ruhig, aufzudrehen

Dynamisch deutlich anspruchsvoller ist Sortilège von Preservation und Gabe ’Nandez. Ein Album aus der Tidal-Empfehlungsliste, das uns mit seiner spröden, oft dissonanten Vielschichtigkeit zuverlässig erst abschreckt. Genauso zuverlässig zieht es uns dann aber hinein in eine Welt aus Samples, Noise, Sprechgesang und Breakbeats. Mit dem Octave wirkt die Musik schon bei geringer Lautstärke so offen und weiträumig, dass wir erst gar nicht lauter drehen wollen. Unsere Befürchtung, die komplexen Klanggebilde könnten dann ihre Stabilität und Ordnung einbüßen, ist aber unbegründet: Ein Rechtsdreh am dicken Alu-Volumeregler macht die Beats einfach größer, die Samples unheilvoller und den Rap beschwörender. Das schöne Timbre, die feine Differenzierung bleiben aber voll erhalten.

Octave V70 Class A Pegelrad
Lädt zum Aufdrehen ein: das massive Pegelrad des Octave V70 Class A.

Auch dem eingangs angedeuteten Gerücht, Röhren seien nicht partytauglich, tritt der Octave mit aller Deutlichkeit entgegen. Dazu geben wir ihm als verschärfte Aufgabe Paul Kalkbrenners elegantes Techno- und House-Album The Essence. Der unwiderstehliche Banger Que Ce Soit Clair, zu dem der belgische Rapstar Stromae seine Vocals beisteuert, kickt hart und knackig, wie es sein soll. Als Quelle dient dabei nicht der Streamer, sondern unser dickes Acoustic-Signature-Plattenlaufwerk. Dem haben wir ein anspruchsvolles MC-System eingebaut (Transrotor Figaro), um den in unserem Test-Amp eingebauten MC-Preamp zu testen. Wenig überraschend leistet auch dieser ganze Arbeit.

Wie sich der Octave V70 Class A im Vergleich mit anderen Röhrenverstärkern schlägt, verrät dir ein Blick in unsere Bestenliste:

Octave schafft Class-A-Sound, ohne dessen Nachteile

Class A bedeutet dauerhaft hohen Ruhestrom, der die Endstufen bei Laune und im idealen Arbeitsbereich hält. So lassen sich bei Gegentaktverstärkern Verzerrungen komplett vermeiden, die im AB-Modus beim Übergang zwischen positiver und negativer Halbwelle des Ausgangssignals auftreten. Durch die voll aufgedrehten Ruheströme findet dieser Übergang einfach nicht mehr statt: Die Ausgangstransistoren oder -röhren stehen dauerhaft unter Volllast. Das führt aber zu enormer Hitzeentwicklung und hoher Belastung für das Netzteil. Bei Röhren, die sich in puncto Übergangsverzerrungen ohnehin gutmütiger verhalten als Transistoren, greift man daher eher selten zu dieser Schaltungsvariante.

Wenn du die verschiedenen Verstärkerklassen und was der Ruhestrom mit ihnen zu tun hat, besser verstehen möchtest, haben wir hier den passenden Ratgeber für dich:

Andreas Hofmann hat mit dem V70 dann auch keinen Standard-Class-A-Amp gebaut, sondern eine Sonderform mit „Dynamic Bias Control“, einer gleitenden, leistungsabhängigen Anpassung des Arbeitspunkts. So erhalten wir einen Verstärker, der zwar weitgehend in Class A arbeitet, zugleich aber über Leistungsreserven verfügt, die eigentlich einen doppelt so großen Amp erfordern würden. Man könnte auch sagen: Hofmann mogelt. Oder besser: Er zaubert. Und zwar so meisterhaft, dass es im Hörraum niemand mitbekommt. Locker 50 Watt pro Kanal kann der V70 Class A freisetzen. Das ist etwas weniger als der klassisch in A/B-Technik aufgebaute V70 SE, aber gigantisch viel für einen Class-A-Amp, der „nur“ 22 Kilo wiegt.

Röhrenschonend und zuverlässig

Die genaue Leistungsausbeute hängt auch von den verwendeten Röhren ab. Standardmäßig kommt der Verstärker mit zwei Paaren der modernen Beam-Tetrode KT120, er kann aber auch die größeren KT150 adäquat versorgen. Selbst die fette KT170 passt technisch darauf, darf aber nicht als Werksbestückung mitverkauft werden, weil ihre XL-Glaskolben nicht mehr unter den vorgeschriebenen Schutzkäfig passen. Umgekehrt können Besitzer:innen ausreichend effizienter Boxen auch mit pinkompatiblen kleineren Röhrentypen experimentieren. Dazu lässt sich die Anodenspannung des V70 mit einem versenkten Schalter auf der Rückseite herabsetzen. Was die Auswahl um Typen wie EL34, KT88 und 6550 erweitert.

Octave V70 Class A mit Schutzgitter
Das Schutzgitter ist gesetzlich vorgeschrieben, passt aber nur auf unser Testmodell, solange wir die großen KT170 noch nicht installiert haben.

Octave-typisch überwacht der V70 Class A seine Röhren elektronisch. Dass ein Röhrendefekt oder eine Fehlbedienung den halben Verstärker mit ins Grab reißt, ist durch schnelle Schutzschaltungen praktisch ausgeschlossen. Ein präzise gesteuertes Einschalt-Management fährt die Vakuumkolben schonend hoch. Erst, wenn alles stabil läuft, gibt ein Relais nach etwa einer halben Minute die Lautsprecherausgänge frei.

Vergeblich gesucht haben wir am frisch eingetroffenen Testgerät die kleinen Trimmpotis zur manuellen Ruhestromjustage, die wir von älteren Octaves gewohnt waren. Kein Wunder: Der V70 Class A stellt seine Ruheströme automatisch ein. Dreht man den Input-Wähler ganz nach links, leuchten aber nach wie vor die vier kleinen LED-Bias-Ampeln im Anzeigefenster auf. Sie dienen nun aber nur noch der Bestätigung, dass die Automatik ihren Job korrekt ausführt.

Octave V70 Class A BIAS-LED
Nach ca. 5 Minuten wechseln die vier Kontrolllämpchen von Gelb auf Grün: Der Ruhestrom stimmt.

Octave V70 Class A: Upgradefähig und anschlussfreudig

Für Röhrenverstärker eher untypisch ist das reich bestückte Anschlussfeld des V70 Class A. In der Grundversion bietet er vier Cinch-Eingänge und einen symmetrischen XLR-Input. Analogfans können ein Vorverstärkermodul wahlweise für MM oder MC ordern, das dann über das Aux-2-Cinchpärchen zugänglich ist. Ein ähnliches Konzept kennen wir bereits vom T+A PA 2000 R. Ein weiterer Eingang führt direkt zur Endstufe und ist für den Betrieb des V70 beispielsweise an einem A/V-Prozessor vorgesehen. Ausgänge gibt es sowohl mit Festpegel als Tape Out, als auch geregelt als Pre Out. Die grundsoliden Lautsprecherklemmen eines deutschen Labortechnik-Herstellers gibt es dagegen nur in einfacher Ausführung: Hofmann legt seine Verstärker nominell auf 6 Ohm aus, sie kommen aber mit Boxen praktisch jeder Impedanz blendend zurecht.

Octave V70 Class A Polklemmen Rückseite Detail
An diesen Polklemmen fühlen sich erfreulich viele Lautsprecher wohl. Die Plastikkappe daneben verschließt die Buchse fürs externe Netzteil.

Neben der Kaltgeräte-Netzbuchse überrascht uns der Octave noch einmal: Da verdeckt eine Schraubkappe einen eigenartigen Vierpol-Anschluss. Hier findet die optionale „Super Black Box“ Anschluss. Ein mit kaffeetassengroßen Elkos gefülltes Zusatzgehäuse, das die Siebkapazität des internen Netzteils kurzerhand vervierfacht und den Grip im Bass noch mal merklich eiserner wirken lässt. Es ist nicht zwingend nötig und auch nicht besonders billig. Aber eine herrlich dekadente Upgrade-Option, die du dir entweder gleich oder irgendwann später gönnen kannst.

Auf höchstem Niveau handgemacht in Deutschland

Dass Andreas Hofmann seine eigenen Trafos wickelt, hatten wir ja schon angesprochen. Aber auch, was er nicht selbst machen kann, stammt aus vornehmsten Quellen im In- und Ausland, wobei lokale Zulieferer Vorrang genießen. So stammen die perfekt gefrästen, lackierten und gebürsteten Metallteile von einem badischen Betrieb. Die Verarbeitung ist nicht unnötig protzig, sondern auf zweckmäßige, unaufdringliche Weise perfekt – mehr Unimog als Ferrari. Was sich auch auf die Zuverlässigkeit und Robustheit übertragen lässt: Hofmanns Verstärker sind komplett unkapriziös, schrecken vor keiner noch so fiesen Lautsprecherlast zurück und haben sich in den vergangenen 40 Jahren den Ruf absoluter Unverwüstlichkeit erarbeitet.

Octave V70 Class A Rückseite Anschlüsse Detail
Auf Wunsch kannst du den Octave V70 Class A auch mit Phono-Modul bestellen. MM oder MC: deine Wahl.

Selbst an den Energieverbrauch hat Octave gedacht – ein bei High-Endern oft eher vernachlässigtes Thema. Wenn du mit einem Schalter auf der Rückseite den „Eco Mode“ aktivierst, deaktiviert der Verstärker nach ungefähr zehn Minuten ohne Signal seine Endstufe, fährt sie aber sofort und zugleich schonend wieder hoch, sobald du weiterhören willst. Das senkt nicht nur den Stromverbrauch während der Schlafphasen um 85 Prozent, sondern verlängert auch die Lebensdauer der Endröhren. Genau richtig also, wenn du tagsüber immer mal wieder eine Plattenseite hören willst. Was mit dem V70 Class A garantiert häufig vorkommen wird.

Unser Fazit zum Octave V70 Class A

Legendäre Haltbarkeit, erlesener Klang und außergewöhnlich stabile Leistung zeichnen den Class-A-Vollverstärker von Octave aus. Experimentierfreudige Audiophile freuen sich über die vielen kompatiblen Röhrentypen, die der V70 Class A unterstützt. Dabei beruhigen umfangreiche Schutz- und Regelschaltungen das Gewissen auch sehr vorsichtiger Musikfreunde. Dass Entwicklung, Fertigung und auch viele vorgelagerte Produktionsschritte in Deutschland stattfinden, wirkt sich natürlich auf den Preis aus. Aber es findet auch Niederschlag in einem 110-prozentigen und wunderbar vernünftigen Aufbau und durchdachten, ausgereiften Konzepten, die du bei jeder Interaktion mit dem Octave spüren und genießen kannst.

HIFI.DE Testsiegel HiFi-Verstärker Octave V70 Class A 8.9

Technische Daten
Leistung 2x 50 Watt / 4 Ohm (High), 2x 25 Watt / 4 Ohm (Low)
Eingänge 4x Line Cinch, 1x XLR, 1x Pre-In (Cinch), optional: Phono MM oder MC
Audio-Ausgänge 1x Lautsprecherpaar, Pre-Out (Cinch), 1x Tape-Out (Cinch)
Quellen kabellos
Abmessungen (BxHxT) 451 x 150 x 415 mm
Mitgeliefertes Zubehör Röhrenschutzkäfig, Fernbedienung (nur Lautstärke)
Gewicht 22,1 kg
Gehäuse-Ausführungen Schwarz, Silber
Preis 10.990 Euro (Phono-Modul und alt. Röhren mit Aufpreis)

Röhrenglimmen ist dir nicht so wichtig? Alle von uns getesteten HiFi-Verstärker findest du hier:

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