DVB-I: Das musst du über das Fernsehen der nächsten Generation wissen
Bild: DVB ProjectDu kennst bestimmt DVB-T2, DVB-C und DVB-S2. Dahinter verbergen sich verschiedene Empfangsmöglichkeiten für das klassische Fernsehprogramm: via Antenne, Kabel oder Satellit. Doch inzwischen tritt die nächste Generation des Fernsehens auf den Plan, genannt DVB-I. Wir erklären dir, was genau dahintersteckt und wie du bald davon profitieren kannst.
DVB-I, -T2, -C…: Das verbirgt sich hinter den Abkürzungen
„DVB“ steht ganz allgemein für „Digital Video Broadcasting“. Entscheidend ist immer der Folgebuchstabe. Bei DVB-C steht er für „Cable“, bei DVB-S für „Satellite“ und bei DVB-I für „Internet“. Allerdings geht es bei DVB-I nicht nur um internetbasiertes Fernsehen – es steckt noch deutlich mehr dahinter. Das Ziel des neuen Standards ist nicht weniger als eine Revolution des TV-Empfangs.

Aktuell benötigst du einen Fernseher mit Mehrfach-Tuner, wenn du alle Empfangswege nutzen möchtest. Üblich sind in Smart-TVs derzeit Triple-Tuner, die den Empfang per Kabel, Satellit oder über die Antenne ermöglichen. DVB-I könnte diese Triple-Tuner auf lange Sicht überflüssig machen (oder zumindest die Handhabe für dich deutlich vereinfachen). Die Verantwortlichen streben nach einem Standard, der quasi alles vereint. Sollten sie alle Versprechen einlösen, würdest du nicht mehr zwischen verschiedenen Quellen wechseln müssen – geschweige denn zwischen verschiedenen Apps.
Das Kernversprechen: Eine einheitliche Senderliste, und das nicht nur am TV
DVB-I soll also vor allem den Komfort steigern. Läuft die Umsetzung wie geplant, stellt dein Fernsehgerät in Zukunft alle TV-Sender in einer einheitlichen Senderliste dar. Dabei wäre es ganz egal, ob du einen Sender per DVB-T2, DVB-C, DVB-S2 oder sogar per IPTV, also übers Internet, empfängst.
Doch DVB-I hat noch einen weiteren Vorteil. Da der Standard internetbasiert ist, kannst du ihn nicht nur am Fernseher nutzen. Nein, er ist auch für Notebooks, Smartphones und Tablets gedacht. Für die Internetübertragung berücksichtigt DVB-I deshalb auch nicht nur VDSL, Kabelinternet und Glasfaser, sondern ebenso mobile Wege wie 5G. Ziel ist es, der Gerätevielfalt in modernen Haushalten gerecht zu werden. Das lineare Fernsehen soll über das Wohnzimmer hinauswachsen und dir in der Hosentasche überall zur Verfügung stehen – auch ohne separate Dienste wie waipu.tv, Zattoo oder die jeweiligen Sender-Apps.
Wie du siehst, sollen Streaming und lineares Fernsehprogramm dank DVB-I deutlich näher aneinander rücken. Eine gemeinsame Oberfläche soll alles verbinden und auch Zusatzfunktionen via HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) können weiter Verwendung finden.
Die Vorteile für Endnutzer:innen wären damit erklärt. Aber was versprechen sich die Verantwortlichen, wie die TV-Programme, davon? Das können wir dir ganz klar sagen, denn da gibt es handfeste wirtschaftliche Interessen.
Darum wollen die Fernsehsender DVB-I
Das lineare Fernsehen und besonders die Privatsender stehen vor einer Reihe von Problemen. Immer mehr Unternehmen verlagern z. B. ihre Werbebudgets hin zu Streaming-Diensten wie Disney+, Netflix oder Prime Video. Über DVB-I erhoffen sich die Anbieter einen Push. Denn sie können über den Standard und seine zentrale Oberfläche eine einheitliche Reichweite über alle Empfangswege garantieren. Zudem sinken ihre Kosten, weil sie mit einem einheitlichen User-Interface rechnen können und weniger Aufwand bei der Aufbereitung der Sender haben.

Zudem könnten die klassischen TV-Sender wieder mehr Sichtbarkeit erlangen, wenn sie über DVB-I gebündelt und prominent an deinem Smart-TV erscheinen und komfortabel zu erreichen sind – statt in versprengten Senderlisten und Apps zu gastieren. Klar, mittelfristig würde DVB-I mit den bisherigen Empfangswegen koexistieren. Langfristig könnte es sie aber sogar ersetzen oder zumindest den Konsum ins Internet verlagern. Und es gibt noch weitere Vorteile.
So können die Sender über DVB-I z. B. zusätzliche Kameraperspektiven, Sprachversionen und interaktive Inhalte einbinden. Und sie können dynamische, personalisierte Werbung ausspielen, was zu den Streaming-Diensten aufschließen würde. Ein weiterer Faktor wäre eine höhere Unabhängigkeit von den Kabelnetz- und Satellitenbetreibern. Denn wir reden hier von einem offenen Standard, der auch ohne Plattformgebühren auskommt. Das alles macht DVB-I für die privaten TV-Anstalten sehr attraktiv.
Verschwinden die anderen Empfangswege also?
Nein, erst einmal nicht. Denn im Grunde ergänzt DVB-I zunächst die klassischen Standards bzw. führt sie eben einheitlich in einer Oberfläche zusammen. So kannst du einen einzelnen Sender, z. B. ARD, ProSieben oder RTL, zwar prinzipiell auf mehreren Wegen empfangen, sie erscheinen aber gebündelt in einer Senderliste. Dabei musst du nicht in jedem Fall selbst entscheiden, ob du z. B. Kabelfernsehen oder Internet nutzt. Stattdessen wählt dein Smart-TV automatisch den Empfangsweg mit der besten Qualität aus.

So könntest du einen Sender z. B. erst übers Internet in HD-Qualität streamen. Sollte dein Netzwerk ausfallen, würde dein Fernseher oder Receiver dank DVB-I automatisch zum Kabelfernsehen oder Satellitenempfang wechseln. Dies soll im Hintergrund automatisch ablaufen, ohne, dass du es überhaupt bemerkst. Allerdings bleibt hier die praktische Umsetzung abzuwarten, denn ob und wie dies funktioniert, hängt von den Geräteherstellern ab. Mit Pech könnte hier eine gewisse Fragmentierung entstehen.
Wann startet DVB-I?
DVB-I wird aktuell in Deutschland im Rahmen von mehreren Pilotprojekten getestet. Daran sind sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Sender beteiligt. Die Technik an sich ist ausgereift, aber die tatsächliche Verbreitung hängt davon ab, wann die Gerätehersteller auf den Zug aufspringen. Schließlich müssen TV-Hersteller und Receiver-Anbieter die ganze Sache aktiv einbinden.

Einen konkreten Starttermin für DVB-I gibt es dann auch bisher nicht. Mehrere Branchenverbände sowie die verantwortlichen Behörden wie die Bundesnetzagentur und natürlich die Sender wie ARD, ProSiebenSat.1 und RTL kümmern sich immer noch um die Rahmenbedingungen. Dies beinhaltet etwa auch Konzepte für die Zertifizierung von Empfangsgeräten wie Smart-TVs. Bedauerlicherweise musst du aktuell damit rechnen, dass es noch Monate, oder sogar Jahre, dauern könnte.
DVB-I: Ein Überblick für dich
- DVB‑I soll alle bisherigen TV‑Empfangswege (DVB‑T2, DVB‑C, DVB‑S2, IPTV) in einer gemeinsamen Oberfläche bündeln, sodass du nicht mehr zwischen Quellen oder Apps wechseln musst.
- Der Standard ist internetbasiert, aber kein klassisches Streaming – er vereint lineares Fernsehen und Internetfunktionen in einer einheitlichen Senderliste auf allen Geräten (TV, Smartphone, Tablet, Notebook).
- Sender profitieren wirtschaftlich, weil DVB‑I ihnen eine einheitliche Reichweite, geringere Verbreitungskosten, mehr Sichtbarkeit auf Smart‑TVs und neue Möglichkeiten wie Zusatzstreams und personalisierte Werbung bietet.
- Für Nutzer:innen entsteht ein hybrides System, bei dem der Fernseher automatisch den besten Empfangsweg wählt und bei Ausfällen nahtlos zwischen Internet, Kabel, Satellit oder Antenne umschaltet.
Falls du noch einmal schauen möchtest, worin sich DVB-T2, DVB-C, DVB-S2 und DVB-I unterscheiden, dann hilft dir bestimmt auch diese Tabelle weiter.
| Standard | Übertragungsweg | Typische Nutzung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| DVB‑T / DVB‑T2 | Terrestrisch (Antenne) | Mobile Nutzung, Zweitgeräte | Kostenlos, unkompliziert | Begrenzte Senderzahl, regionale Unterschiede |
| DVB‑C | Kabelnetz | Haushalte mit Kabelanschluss | Stabil, große Senderauswahl | Kostenpflichtig, abhängig vom Anbieter |
| DVB‑S / DVB‑S2 | Satellit | Haushalt mit Satellitenschüssel | Sehr große Senderauswahl, hohe Qualität | Sat-Schüssel nötig, wetteranfällig |
| DVB‑I | Internet (IP) | Smart-TVs, Set-Top-Boxen | Einheitliche Senderliste, flexible Verbreitung, Zusatzfunktionen | Abhängig von Internetqualität, noch im Aufbau |