Cord Cutting: Das musst du über den neuen TV-Trend wissen
Bereits Mitte 2024 ist in Deutschland das Nebenkostenprivileg entfallen. Darüber konnten zuvor Vermieter die Kosten für das Kabelfernsehen über die Betriebskosten der Miete abrechnen. Gerichte haben dies jedoch gekippt, damit jeder Haushalt selbst frei entscheiden kann, ob und wie das lineare TV-Programm empfangen wird. Schließlich ist es kein Geheimnis: Immer mehr Menschen entscheiden sich dazu, komplett auf das klassische, lineare Fernsehen zu verzichten. Viele haben noch Interesse, suchen sich jedoch andere Empfangswege. Hier schwappt dann das Phänomen des sogenannten Cord Cuttings aus den USA zu uns herüber.
Cord Cutting bedeutet eben genau das: Du schneidest das Kabel ab. Bevor du dies zu wörtlich nimmst, lass uns aber kurz genauer erklären, was damit gemeint ist. In den Vereinigten Staaten ist es nämlich schon üblich, sich von klassischen Empfangswegen wie Antenne, Kabel und Satellit zu verabschieden. Wie so oft kommt dieser Trend mittlerweile verstärkt auch in Europa und damit Deutschland an. Denn mittlerweile kannst du auch ohne klassisches Empfangskabel das Fernsehprogramm weiterhin genießen. Da führen viele Wege nach Rom.

Natürlich ist es mittlerweile auch gut möglich, deinen Entertainment-Bedarf gänzlich ohne das Fernsehen zu decken. Streaming-Dienste wie Amazon Prime Video, Disney+ oder Netflix kredenzen monatlich so viele Neuheiten, dass man schwer hinterherkommt. Und dann wären da ja auch noch die kostenlosen Mediatheken von ARD, ZDF, arte und mehr. Da bist du gar nicht mehr auf die Live-Ausstrahlung angewiesen. Besonders jüngere Menschen verabschieden sich daher zunehmend komplett vom Fernsehen.
Vor- und Nachteile des Cord Cuttings
Cord Cutting hat natürlich Vor- und Nachteile. Beispielsweise gibt es im deutschen Fernsehen immer noch exklusive Inhalte und gerade Sportfans mögen sicherlich nicht ganz darauf verzichten. Zumal z. B. ein Kabelanschluss zwar monatliche Gebühren kostet, doch auch Streaming-Dienste in den vergangenen Jahren immer teurer geworden sind. Die zunehmende Fragmentierung der Inhalte macht es dir sicherlich auch nicht leichter. Und bei der kompletten Inhaltsüberflutung kann es manchmal fast schon entspannend sein, einfach mal durchs TV-Programm zu zappen und vielleicht auch ganz zufällig neue Inhalte zu entdecken.
Auch stiftet das Fernsehen gemeinsame Erlebnisse – am Montag nach dem Wochenende über die Sportübertragung, Live-Show oder neue Serienfolge von der TV-Premiere am Sonntagabend schnacken, das gibt es bei Streaming-Diensten seltener, weil jeder seinen eigenen Rhythmus hat. Und dann wären da natürlich noch die Live-Nachrichtensendungen im klassischen Fernsehen, die ebenfalls ihren Wert haben, auch wenn professionelle Redaktionen zunehmend mit Social Media konkurrieren müssen. Dort verbreiten sich Nachrichten allerdings meist ungefiltert, ohne neutrale Einordnung.

Was man auch nicht vergessen sollte: Das klassische Fernsehen per Kabel und Satellit ist ziemlich ausfallsicher. Spielt aber deine Internetverbindung nicht mit, dann war es das auch schnell wieder mit dem erfolgreichen Cord Cutting und der Bildschirm bleibt schwarz. Nicht zu vergessen: Es benötigt auch eine gewisse Technikaffinität, um die passenden Dienste für den eigenen Bedarf auszuwählen. Ist diese gegeben, dann ergeben sich für dich jedoch echte Mehrwerte.
Beispielsweise sind Kabelfernsehen und Satellit nicht gerade flexibel, was die Nutzung an verschiedenen Endgeräten betrifft. Du verwendest hingegen Streaming-Dienste wie Prime Video? Dann ist es kein Problem, sie auch an Smartphones und Tablets, Notebooks oder sogar Spielekonsolen zu starten. Du bist zudem zeitlich flexibler und entscheidest viel selektiver, was du wann und wie sehen möchtest.
Cord Cutting per OTT: waipu.tv, Zattoo und Co.
Willst du dich zwar von traditionellen Empfangswegen verabschieden, aber dennoch weiterhin öffentlich-rechtliches Programm und Privatfernsehen genießen, dann sind OTT-Dienste eine hervorragende Alternative. OTT steht hier für „Over The Top“. In Deutschland dominieren im Wesentlichen die beiden Konkurrenten waipu.tv und Zattoo den Markt. Sie bieten dir verschiedene Pakete an, die unterschiedliche Senderangebote umfassen. Zugriff erhältst du über deine reguläre Internetverbindung.
Um OTT-Dienste zu nutzen, solltest du also über eine ausreichend schnelle Internetverbindung verfügen. Du benötigst aber nicht den neuesten Glasfasertarif, in der Regel sollten schon 15 bis 25 Mbit/s ausreichen. Das Programmangebot ist groß. Dein Cord Cutting wird etwa von waipu.tv bereits im Comfort-Abo, das 7,49 Euro im Monat kostet, mit über 240 Sendern belohnt. 210 davon kannst du in HD empfangen. Der Tarif Perfect Plus enthält sogar über 320 Sender – davon 300 in HD, inklusive RTL und ProSieben.

Zattoo bietet dir ein ganz ähnliches Programm an, verfügt aber über weniger ausländische Programme. Deswegen gibt es hier in allen Tarifen 240 Sender – das Gros in HD. Gemeinsam haben die OTT-Anbieter zudem, dass sie dir gegenüber Kabel- und Satellitenfernsehen gleich mehrere, technische Mehrwerte bieten. Zum einen kannst du ihre Apps nämlich nicht nur im Wohnzimmer an Streaming-Player oder Smart-TV nutzen, sondern auch an Smartphones und Tablets. Auch über das Web ist der Zugriff möglich. Dadurch ist natürlich eine viel flexiblere Nutzung gegeben, auch unterwegs.
So macht Cord Cutting Spaß: Ebenfalls kannst du Sendungen während der Wiedergabe zurückspulen und erhältst teilweise auch noch Cloud-Speicher für Aufnahmen. Je nach Abo ist sogar die Nutzung im EU-Ausland möglich.
IPTV-Angebote: MagentaTV und GigaTV
Vorsicht: OTT- und IPTV-Angebote werden oft in einen Topf geworfen. So bezeichnen sich sogar Plattformen wie waipu.tv oft selbst irreführenderweise als IPTV-Dienste. Streng genommen ist das aber falsch. Denn echte IPTV-Dienste operieren in einem geschlossenen Provider-Netz und sind daher auch auf diesen Anbieter beschränkt. Das hat auch Vorteile, da in der Regel die Stabilität größer ist. In Deutschland sind hier MagentaTV der Deutschen Telekom und GigaTV von Vodafone die bekanntesten und erfolgreichsten Anbieter.
MagentaTV und GigaTV bieten dir vereinfacht gesagt auch den TV-Empfang per Internet an, allerdings nicht über ein öffentliches, sondern über ein separates und vom Provider gesondert verwaltetes Netzwerk. Das stellt sicher, dass du auch bei hohen Belastungen, etwa abends oder am Wochenende, immer stabilen Empfang hast. Dafür benötigst du allerdings für den Empfang auch spezielle Hardware – wie etwa die Set-Top-Box MagentaTV One für Magenta TV.

Wie bei den OTT-Angeboten fürs Cord Cutting, so bieten dir auch IPTV-Plattformen komfortable Zusatzfunktionen für Aufnahmen, das Live-Zurückspulen und den Zugriff auf spezielle Mediatheken mit exklusiven Inhalten. Etwa hat sich die Telekom für MagentaTV Vorabzugriff auf viele Spin-Offs von The Walking Dead gesichert. Dort siehst du also auch Deutschlandpremieren.
Ein letzter Vorteil von IPTV-Diensten: Die Deutsche Telekom und Vodafone forcieren für MagentaTV und GigaTV preislich sehr attraktive Bundles. Buchst du im Paket also Streaming-Dienste wie Apple TV, Disney+, RTL+ und viele mehr dazu, kannst du, verglichen mit der separaten Buchung, eine Menge Geld sparen. So wollen dich die Anbieter natürlich auch in ihrem Netz halten.
Hauptunterschiede OTT vs. IPTV
| Merkmal | OTT-Fernsehen | IPTV |
|---|---|---|
| Netzwerk | Offenes Internet | Geschlossenes Provider-Netz |
| Flexibilität | Hoch, überall nutzbar | Eingeschränkt auf Provider |
| Qualität | Abhängig von Internetverbindung | Garantierte Stabilität & Qualität |
| Beispiele | waipu.tv, Zattoo | MagentaTV, GigaTV |
| Kostenmodell | Abo pro Plattform | Paketpreise über Provider |
Ganz ohne Fernsehen: Streaming über Disney+, Netflix, Prime Video und mehr
Vielleicht willst du das Cord Cutting aber auch auf die Spitze treiben und gänzlich auf das lineare Fernsehprogramm verzichten? Auch das ist mittlerweile möglich, ohne auf ein breites Entertainment-Angebot verzichten zu müssen. Denn seit es Streaming-Dienste wie Amazon Prime Video, Disney+ oder Netflix gibt, lässt es sich ehrlicherweise auch gut ohne das lineare TV-Programm leben. Zumal öffentlich-rechtliche und private Sender auch kostenlose Mediatheken als Optionen anbieten, solltest du doch einmal Inhalte vermissen.
Klar, ähnlich wie bei OTT-Anbietern, gilt auch für Streaming-Dienste, dass du eine ausreichend schnelle und stabile Internetverbindung benötigst. Du bist aber hier (fast) vollkommen frei von traditionellen Sendezeiten und kannst geräteübergreifend auf deinen Content zugreifen. Denn Anbieter wie Netflix bieten die Apps für so gut wie jedes Gerät an – vom Fernseher über dein Smartphone bis hin zur Spielekonsole.
Vor- und gewissermaßen auch Nachteil sind die exklusiven Produktionen der einzelnen Dienste. Nur Amazon Prime Video bietet dir The Boys, Stranger Things findest du exklusiv bei Netflix und willst du The Mandalorian ansehen, dann musst du bei Disney+ ein Abo abschließen. Die Fragmentierung nimmt zudem eher zu als ab, denn 2026 startet in Deutschland auch noch HBO Max. Dort findest du die Filme und Serien von Warner Bros. Discovery vor.
Früher punkteten Streaming-Dienste auch mit Werbefreiheit, doch inzwischen gibt es auch in diesem Umfeld sehr viele Abos mit Werbung. Verzichtest du zudem komplett auf das lineare Fernsehen und wünschst ein breites Angebot, benötigst du mehrere Abos, was schnell zu höheren, monatlichen Kosten führt als bei Kabel- und Satellitenfernsehen. Fällt das Internet zudem einmal aus, stehst du ganz ohne Empfang da. Nachrichten findest du bei Streaming-Diensten zudem nicht vor. Was Sport betrifft, wächst das Angebot hingegen. Prime Video zeigt etwa inzwischen die Champions League und es gibt sogar dedizierte Sportstreaming-Anbieter wie DAZN oder Dyn.
Ganz ohne lineares Fernsehen geht aber natürlich ein Stück Lokalkolorit verloren. So stammen die meisten Streaming-Anbieter aus den USA. Du findest dort zwar auch deutsche Produktionen, aber natürlich in deutlich geringerem Umfang als im klassischen Fernsehen.
Fazit: Ist Cord Cutting etwas für dich?
Cord Cutting ist ein Trend, der sich weiter halten wird. Gleichzeitig behält auch das klassische Fernsehen seine Daseinsberechtigung. Es muss jedoch, wie einst das Radio, neuen medialen Optionen Platz einräumen – wie Streaming-Diensten. Ob du das TV-Programm dabei per Antenne, Kabel, Satellit oder eben über OTT- oder IPTV-Dienste empfängst, ist nicht nur eine technische Frage, sondern hängt auch davon ab, ob du z. B. mehr Wert auf den mobilen Empfang für unterwegs legst oder dir eine ausfallsichere Verbindung wichtig ist.
Folgende Tabelle liefert dir dazu noch einmal eine schnelle Übersicht:
| Aspekt | Cord Cutting (OTT/Streaming) | Klassisches Fernsehen (Kabel/Satellit) |
|---|---|---|
| Flexibilität | Inhalte jederzeit abrufbar, auf vielen Geräten nutzbar | Feste Sendezeiten, meist nur am TV-Gerät verfügbar |
| Inhalte | Große Auswahl, internationale Produktionen, Mediatheken | Begrenztes Programm, stärker lokal geprägt |
| Kosten | Mehrere Abos summieren sich, teils teurer | Kabelgebühr oder Rundfunkbeitrag, oft günstiger |
| Technik | Internetabhängig, erfordert stabile Verbindung | Ausfallsicher, unabhängig vom Internet |
| Gemeinschaft | Individuelle Nutzung, weniger „alle gleichzeitig“ | Gemeinsames Live-Erlebnis bei Sport, Shows, News |
| Personalisierung | Empfehlungen, gezielte Auswahl | Keine Personalisierung, lineares Programm |
| Zusatzfunktionen | Timeshift, Cloud-Aufnahmen, Nutzung unterwegs | Zappen, einfache Bedienung, weniger Zusatzoptionen |
Am Ende gibt es also gar nicht „den“ idealen Empfangsweg. Was sich für dich am besten eignet, hängt von deinen ganz individuellen Präferenzen ab. Schaust du zum Beispiel gerne deutsche Produktionen, Nachrichten und Shows, dann kommst du am klassischen Fernsehen kaum vorbei. Gerade in ländlichen Gebieten ist dann vielleicht auch Kabelfernsehen oder Satellitenempfang für dich die beste Wahl.
Schaust du am liebsten zeitlich unabhängig und gerne an Smartphone und Tablet deine Lieblingsfilme und beziehst deine News ohnehin vorwiegend aus dem Netz, dann kannst du das Cord Cutting auf die Spitze treiben und nur noch auf Streaming setzen. Am Ende ist es deine Entscheidung.
Zusammenfassung:
- Wegfall des Nebenkostenprivilegs: Seit Mitte 2024 dürfen Haushalte in Deutschland selbst entscheiden, ob und wie sie lineares Fernsehen empfangen – Kabelgebühren können nicht mehr über die Miete umgelegt werden.
- Cord-Cutting-Trend: Immer mehr Menschen verzichten auf klassische Empfangswege wie Kabel, Satellit oder Antenne und setzen stattdessen auf OTT-Dienste oder reine Streaming-Plattformen.
- OTT vs. IPTV: OTT-Anbieter wie waipu.tv und Zattoo laufen über das offene Internet und sind flexibel, während IPTV-Dienste wie MagentaTV oder GigaTV über geschlossene Provider-Netze stabileren Empfang bieten.
- Streaming-Dienste: Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. bieten riesige Auswahl und Flexibilität, aber auch steigende Kosten und Fragmentierung durch exklusive Inhalte.
- Vor- und Nachteile: Cord Cutting bringt Freiheit, Mobilität und Vielfalt, erfordert aber stabile Internetverbindungen und mehrere Abos; klassisches Fernsehen punktet mit Ausfallsicherheit, Live-Charakter und gemeinschaftlichem Erlebnis.