Piega Premium 701 Wireless Gen2 im Test: Viel mehr als der erste Eindruck
- Leistung
- 200 Watt
- Eingänge
- An Lautsprecher: Cinch für Vorverstärker | An Hub: 3x Optisch, Koaxial, Cinch, 3,5-mm-Klinke, USB-B, HDMI ARC
- HDMI ARC / eARC
- Ja / –
- Quellen kabellos
- WLAN, Bluetooth 4.2, AirPlay 2, Google Cast, Roon, DLNA
- Streaming
- Spotify Connect
- Abmessungen (BxHxT)
- 180 x 1060 x 203 mm
- Gewicht
- 29 kg
- Paarpreis
- 7900 Euro (8.490 Euro mit Connect Plus)
Die Premium 701 Wireless Gen2 verschmelzen nahtlos mit deinem Wohnzimmer und bringen dir HiFi-Klang, ganz ohne Elektronik-Türme. Umfängliche Schnittstellen, eine einfache Bedienung und großartiges Aussehen bilden hier ein geniales Paket. Für Highres-Streaming solltest du jedoch zu einem externen Streamer greifen.
- Kraftvoller und detailreicher Klang
- Große Quellenauswahl
- Edles Design, hochwertige Haptik
- Keine LAN-Verbindung vorgesehen
- Connect Plus nicht im Lieferumfang enthalten
- Unterstützt außer Spotify Connect keine Streamingdienste direkt
Dass große Klanggewalt zwingend kühlschrankgroße Boxen und mindestens 200 Kilo Elektronik verlangt, will Piega widerlegen. Die Schweizer haben sich darauf spezialisiert, möglichst elegante Aluskulpturen zu formen, die sich in jede Wohnsituation einschmiegen sollen. Dass sie dazu auch noch gut klingen, ist kein nettes Beiwerk, sondern vielen Entwicklungsjahren und besten Zutaten geschuldet. Genau das wollen wir an den Piega Premium 701 Wireless Gen2 überprüfen. Das Paar Aktivboxen trägt die eigene Verstärkung bereits in sich, dank externer Sendereinheit bleiben dir auch weite Kabelwege erspart. Aber wie klingen die schlanken Alusäulen?
Hier kannst du die Piega Premium 701 Wireless Gen2 in drei Ausführungen bestellen:
Piega Premium 701 Wireless Gen2 im Detail
Während die meisten Lautsprecher, die wir bisher in unseren Hörräumen hatten, auf Gehäuse aus Holzfasern setzen, gibt es einige Hersteller, die andere Wege gehen. Bei den Fischer & Fischer SN170 waren es etwa Schieferplatten, die Wilson Audio Sasha V besteht gar aus verschiedenen, aufeinander abgestimmten Verbundstoffen. Bei Piega setzt man seit jeher auf Aluminium. Viel Aluminium. Auch die Piega Premium 701 Wireless Gen2 machen hier keine Ausnahme. Dadurch erinnert die schlanke Säule mit ihren 106 Zentimetern Höhe wie ein wenig an eine sehr schwere Orgelpfeife. 29 Kilo bringt jeder Lautsprecher auf die Waage. Doch das hohe Gewicht ist nicht nur dem „Leicht“-metall zuzuschreiben: Denn auch die komplette Verstärkung, die Sendeeinheit und insgesamt sechs Treiber sitzen in den Lautsprechern.

Fünf von diesen sind identisch, arbeiten dynamisch und haben 14 Zentimeter durchmessende Membranen. Alle sind auf besonders großen Hub optimiert, was Piega „Maximum Displacement Suspension“, kurz: MDS, nennt. Die vier unteren sind für den Tiefton, der vierte für den Mittelton verantwortlich. Ganz oben thront ein weiteres Aushängeschild Piegas: das Hochtonbändchen aus einer hochdünnen Aluminiumfolie.
Hochtonbändchen trifft auf Bass-Quartett
Statt durch eine zentrale Metallspule, wie es bei dynamischen Treibern der Fall ist, fließt bei einer solchen, magnetostatischen Membran, das Signal durch feinste Leiterbahnen, die gleichmäßig die ganze Membran bedecken. So kann die ganze Membran gleichmäßig bewegt werden – und das deutlich schneller als bei gleichgroßen dynamischen Treibern. Denn die Folie wiegt deutlich weniger.

Insgesamt 200 Watt können die Verstärkermodule im Inneren jeder Piega Premium 701 Wireless Gen2 freisetzen. Kombiniere das mit der vereinten Oberfläche von gleich vier Basstreibern, und das Boxenpaar verspricht, mehr Luft zu bewegen, als man den schlanken Säulen zumuten würde. Wie andere Aktiv-Lautsprecher ohne Streaming besinnen sich auch die 701 nur auf das Wesentliche: Piega hat in ihnen „nur“ Endstufen verbaut. Entsprechend findest du an den Lautsprechern selbst auch nur eine einzelne Cinch-Buchse für den linken, bzw. rechten Kanal deiner Vorstufe. Als reines, „dummes“ Boxenpaar könntest du sie also zum Beispiel mit dem regelbaren Ausgang eines WiiM Ultra verbinden und hättest ein vollwertiges und Streaming-fähiges Gesamtpaket.
Deutlich eleganter wird es aber mit der Piega-eigenen Sendezentrale namens Connect Plus, die wir uns für den Test ebenfalls haben schicken lassen. Ähnlich wie die Dali Rubicon 6 C erhalten sie mit dieser ihr Signal nämlich kabellos. Je nachdem, wie viele Musikquellen du in deinem Wohnzimmer hast, siehst du von deiner Anlage also nur die Lautsprecher. Doch was hörst du von ihnen? Wir drücken auf Play.
Erst mit dem Hub Piega Connect Plus werden die Premium 701 „wireless“:
Klangtest: Das können die Piega Premium 701 Wireless Gen2
Unsere erste Vermutung entpuppt sich als zutreffend. Die insgesamt acht Basstreiber rufen uns schon beim ersten Testtrack zum Appell. Kerzengrade sitzen wir auf dem Sofa, als Hedegaards Ratchets durch den Hörraum donnert. Brachial, groß und knackig klingen die Bässe. Einen Subwoofer wirst du bei diesen Lautsprechern wohl nur äußerst selten vermissen. Je nach Aufnahme und Hörumgebung kann diese Gewalt aber auch zu viel sein. Das Album Eusexua von FKA twigs etwa übertrieb es in dieser Hinsicht, auch wenn es weiterhin über die Piega Premium 701 Wireless Gen2 enorm Spaß macht.

Dazu trägt nicht zuletzt der brillante Hochtonbereich bei. Stimmen, Instrumente, aber auch räumliche Details und Effekte kommen ungekünstelt aus den Lautsprechern. Egal, ob wir Folksongs à la Tongues & Teeth der Crane Wives oder Beethovens Siebte hören: Alle Akteure sind genau dort, wo wir sie haben wollen, gut verteilt, plastisch klar umrissen. Einziger Wermutstropfen bleibt ein kleiner Frequenzbereich genau zwischen diesen beiden Disziplinen: Denn ausgerechnet dort, wo viele menschliche Stimmen liegen, nimmt sich die Premium 701 Wireless Gen2 zurück.
Dieser leichte Schleier verschwindet, wenn wir zum Vergleich unsere Audio Physic Midex verkabeln. Hier wirken alle Bereiche mehr aus einem Guss, auch wenn sie der genialen Bassperformance der Piega nur verhältnismäßig wenig entgegensetzen kann. Auch die Dynaudio Confidence 20 schafften in unserer Erinnerung ein harmonischeres Klangbild.

Leider änderte auch Piegas Raumkorrektur, zu der wir später noch ausführlich kommen, nicht viel an diesem Charakter. Nach der Einmessung mit unserem iPhone klang Crane-Wives-Frontfrau Emilee Petersmark noch körperhafter. Andererseits bekamen die Trommeln bei Tongues & Teeth so einen übergroßen Auftritt, bei dem sie einen Teil ihrer Kontrolle einbüßten. Das sollte dich aber nicht vom Experimentieren abhalten. Jeder Raum ist anders und die wenigsten werden, so wie unser Hörraum, akustisch behandelt sein.
Trotz – oder gerade wegen – dieser tonalen Abstimmung wirkt klassischer Rock ganz besonders lebhaft über die Piega. Black Out der Scorpions lässt uns nicht mehr los und macht einfach großen Spaß. Denn eines können die zurückhaltend Eleganz ausstrahlenden Aluskulpturen ganz besonders gut: Emotionen herüberbringen.
Wie sich die Piega Premium 701 Wireless Gen2 im Vergleich mit anderen Aktiv-Lautsprechern schlagen, verrät dir unsere Bestenliste:
Praxis: Einfache Bedienung, viele Quellen
Die Einrichtung der Piega Premium 701 Wireless Gen2 gestaltet sich erfreulich einfach. Die Lautsprecher mit Strom versorgen und ihre Stellung im Raum per Kippschalter auf der Rückseite bestimmen. Du hast die übliche Wahl zwischen Neutral, Wand und Corner, sowie Links, Rechts und Mono. Ein dritter Schalter ermöglicht dir, zwischen drei Gruppen (Weiß, Blau, Rot) zu wechseln. Das ist praktisch, wenn du gleich mehrere, unabhängige Musiksysteme von Piega nutzen möchtest. Die Sendeeinheit Connect Plus wird dann einfach auf dieselbe Farbe eingestellt und fertig ist die Einrichtung. So einfach würden wir uns das bei vielen kabellosen Systemen wünschen.

An physischen Quellen akzeptiert der kleine Hub zweimal Analoges (Cinch und Mini-Klinke) und sechsmal Digitales: HDMI ARC für deinen Fernseher, Koax, USB-B für deinen PC und sage und schreibe drei optische Quellen. Wir können uns zwar nicht vorstellen, wie viele Quellen neben alten Fernsehern und CD-Laufwerken noch ausschließlich auf eine optische Verbindung angewiesen sein könnten, aber besser haben als brauchen. Spannenderweise fehlt eine Ethernet-Buchse. Der Hub begnügt sich mit WLAN, um deine Musik zu streamen.
Ausbaufähige Streaming-Optionen
Einmal mit deinem Heimnetz verbunden – für diese Aufgabe vertraut Piega der Google-Home-App – taucht der Connect Plus automatisch in der Spotify-App als potenzieller Connect-Partner auf. Leider aber nur dort. Qobuz oder Tidal stehen dir weder in der Piega-App noch als Connect-Service zur Verfügung. Für die beiden bist du also entweder auf das kostenpflichtige Programm Roon angewiesen, oder musst mit den verlustbehafteten Optionen AirPlay, Google Cast oder Bluetooth vorliebnehmen. Letzteres unterstützt der Hub nur per Bluetooth-Codec SBC, also der am stärksten komprimierten Option. Betrachte die Bluetooth-Funktion also lieber nur als schnelle Notlösung, etwa, wenn sich ein Freund mit deinen Boxen verbinden möchte, ohne in deinem WLAN zu sein.

Für alles, was du in Highres-Qualität wiedergeben möchtest, sollte es also schon ein Kabel und ein ordentlicher Netzwerk-Player sein. In unserem Test übernahm der Eversolo DMP-A6 Master Edition diese Aufgabe mit Bravour. Alternativ kannst du aber natürlich auch einen kleineren Streamer wie den WiiM Pro nehmen, den du digital an den Hub klemmst und zusammen mit diesem diskret im Sideboard versteckst. Das ist auch deshalb möglich, weil sich Connect Plus und Fernbedienung nicht über Infrarot, sondern via Funk unterhalten. Solange deine Schranktür nicht aus Blei ist, macht sie hier also keine Probleme. Und da der Hub ohnehin kein Display besitzt, entgeht dir auch nichts.
Praktische Fernbedienung
Da auch die Lautsprecher dir nicht verraten, welche Quelle – oder Lautstärke – du gerade ausgewählt hast, kommt der Fernbedienung zudem eine Doppelfunktion zu. Sie zeigt über eine Reihe LEDs den aktuellen Status deines Setups an. Und das sogar dann, wenn du etwas per App geändert hast. Denn die Funkverbindung ist bidirektional. Wir verstehen aber nicht, warum die „Stream“-LED auf der Fernbedienung blinken muss, wenn du Musik streamst. Zwar schalten sich alle LEDs nach einigen Sekunden, in denen du die Fernbedienung nicht bewegst, aus, bis dahin lenkt es aber trotzdem ab.

Die Piega Premium 701 Wireless Gen2 und ihr Connect Plus funken übrigens über das Kleernet-Protokoll. Das ermöglicht ihnen eine maximale Übertragung von 96 kHz an 24 Bit. In unserem Test hielt das Set auch bei solchen Highres-Streams die Verbindung ohne einen einzigen Aussetzer. Ebenfalls versatzlos funktioniert die HDMI-ARC‑Verbindung zwischen Hub und unserem Fernseher. Serien und Spiele liefen absolut lippensynchron.
Raumkorrektur für iPhone-Nutzer:innen
Was die Piega-App dir hingegen bietet, ist eine Klangkalibrierung. Falls du selbst kein Apple-Device besitzt, empfehlen wir dir, zehn Minuten das iPhone eines Freundes auszuleihen. Denn nur Apple-Nutzer:innen können die Option nutzen. Android-Phones gibt es von zu vielen Herstellern mit zu unterschiedlichen Mikrofonen. Eine einheitliche Messung ist daher hier nicht möglich. Ähnlich wie Sonos’ Trueplay-Technologie bittet dich die App, das Handy vertikal schwingend durch den Raum zu wandern. Derweil geben die Piega Premium 701 Wireless Gen2 eine – recht laute – Testton-Kakophonie ab.

Nach einigen Sekunden ist der Spuk vorbei und die App präsentiert dir die Mess- und daraus berechnete Korrekturkurve. Laut Graph beschränkt sich die Messung auf den Bereich zwischen 20 und 1000 Hertz. Anschließend kannst du zwischen dem ursprünglichen und dem angepassten Klangprofil hin- und herwechseln und dich für die besser klingende Variante entscheiden. Auch Android-Nutzer:innen können davon unabhängig auch den rudimentären, zweibändigen Equalizer nutzen.
Unser Fazit zu den Piega Premium 701 Wireless Gen2
Wenn du die Piega Premium 701 Wireless Gen2 zum ersten Mal siehst, würdest du ihnen vermutlich nicht die Klanggewalt zutrauen, die sie in unserem Test entwickeln konnten. Die fast schon grazilen Alusäulen verbinden jedoch schweizerische Präzisionsfertigung mit HiFi-Klang, der sowohl Feines wie Brachiales gekonnt in Szene setzen kann. Warum die Sendezentrale Connect Plus jedoch nicht von vornherein im Set enthalten ist, verstehen wir nicht. Denn erst durch sie werden die 701 Wireless Gen2 ihrem Namen gerecht. Auch würden wir uns weitere, native Streaming-Optionen jenseits von Spotify wünschen. Davon abgesehen bekommst du mit den Premium 701 Wireless Gen2 samt Hub ein todschickes HiFi-Set, das bei Klang, Einrichtung und Design überzeugt.
Hier findest du die Piega Premium 701 Wireless Gen2 samt Connect Plus im Angebot:
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