Arcam Radia SA45 im Test: Top Streaming-Amp mit Analog-Talent
Mit glatten 1000 Watt maximaler Stromaufnahme lässt der Aracam Radia A45 in den technischen Daten schon mal ordentlich die Muskeln spielen. Kaum jemand gibt 5000 Euro nur für hohen Stromverbrauch aus. Für den klanglichen Eindruck entscheidender – jedenfalls beim Betrieb im Wohnzimmer – ist, wie sich ein Verstärker bei kleinen Leistungen verhält. Weil Musik von Dynamik lebt, ist hin und wieder dennoch rohe Power gefragt. Der Amp muss diese Reserven also stets dabeihaben, braucht sie die meiste Zeit aber nicht. Als elegante Lösung für diesen Konflikt haben die englischen Entwickler schon vor vielen Jahren die Class-G-Technik perfektioniert, die Leistung und Feingeist perfekt fusionieren will. Der Haken daran: Class G sauber umzusetzen, ist teuer. Weshalb dieses Bauprinzip nur den Topmodellen im Arcam-Programm zuteil wird.

Der Radia SA45 ist nicht nur Arcams bester Streaming-Vollverstärker, sondern Arcams bester Vollverstärker – Punkt! Mit seiner umfassenden Ausstattung und dem modernen, reduzierten Design soll er Streamingfans wie Analog-Audiophile gleichermaßen glücklich machen. Tatsächlich entpuppt er sich in unserem Test als die Art von Kandidat, bei deren Test man sich absichtlich etwas mehr Zeit lässt. Einmal im Zentrum unserer Referenzanlage aufgebaut, gibt er uns einfach keinen vernünftigen Grund, ihn wieder abzubauen. Also bleibt er erst mal stehen und dient als unbestechlicher Arbeits-Amp, mit und an dem wir andere Komponenten testen. Natürlich gibt es Mitbewerber mit ähnlich verbindlicher, transparenter Wiedergabe und ähnlichem Führungsanspruch. Wie sich der Arcam gegen sie schlägt, finden wir im Hörtest heraus.
Hier findest du den Arcam Radia SA45 im Angebot:
Arcam Radia SA45 im Hörtest: Kompetentes Understatement
Die ersten Töne mit dem Radia SA45 klingen überraschend. Und zwar unabhängig davon, welche Quelle du in dem Moment verwendest. Bei uns war es Streaming über den integrierten Player. Wir hören Bad Guy von Billie Eilish mit seinem vorwärtsdrängenden, nur von der Kickdrum begleiteten E-Bass-Intro. Das kennen wir eigentlich fetter, schwabbeliger, vor allem bei etwas höheren Lautstärken. Mit dem Arcam lernen wir, dass weder unsere Lautsprecher noch unsere Akustik daran schuld sind – oder zumindest nur in untergeordnetem Maß. Denn der A45 behält die Bassline eisern im Griff, wölbt das Fell der Kickdrum mit knackiger Autorität. So straff und energisch haben wir das Intro bislang nur selten gehört – und wenn, dann mit superteuren Amps oder Vor-Endstufenkombis, gegen die der Arcam schon fast wie ein Sonderangebot wirkt.

Eilishs Stimme verrät mit feiner Artikulation und seidigem Atemhauch, dass der Arcam sich für das Bassfundament nicht nennenswert anstrengen muss: Die Vocals klingen so glatt und geschmeidig, als wären sie a cappella aufgenommen und folglich die einzige Aufgabe für den Verstärker. Mit Genesis von Jorma Kaukonen wechseln wir zu einem rein akustischen Stück, das nur von raffiniertem Folkpicking auf einer stahlbesaiteten Gitarre und Kaukonens zärtlichen Lyrics lebt. Obwohl kein nennenswerter Bass enthalten ist, spürt man auch hier die Straffheit und Autorität, die den Arcam Radia SA45 zu etwas Besonderem machen. Der McIntosh MSA5500 schafft es aber, den Arcam zu überbieten. Der US-Streaming-Amp arbeitet in den Höhen noch filigraner, lässt den Gitarrennoten noch mehr von ihrem feinen, metallischen Glanz.
Klanglich eine analog-digitale Allzweckwaffe
Auch die Vocals des ehemaligen Jefferson-Airplane-Gitarristen übermittelt der McIntosh noch einfühlsamer und bewegter. Wohlgemerkt zum doppelten Preis. Die Darbietung des Arcam Radia SA45 wirkt im Gegenzug etwas sachlicher und trockener, was Fans durchaus auch als besondere Neutralität und mithin als Stärke interpretieren können. Der wasserklare, weiche Flow des US-Boliden und seine im Vergleich fast barocke Klangfarbenvielfalt bleiben aber unterm Strich die noch nachhaltigeren Argumente. Näher kommen sich die beiden Amps bei sehr hohen Pegeln, wenn der McIntosh etwas früher außer Atem kommt. Knapper wird der Vorsprung auch bei Nutzung der analogen Eingänge statt der integrierten Streamer: Gerade der symmetrische Eingang des Arcam-Amps hat höchstwertige externe Zuspieler verdient.

Für Einbau-Lösungen außergewöhnlich gut klingen auch die beiden Phono-Eingänge des SA45. Rauschen ist weder mit MM noch mit MC ein Thema, selbst wenn das anspruchsvolle Transrotor-MC Figaro seine ultraleisen Signale liefert. Das Figaro arbeitet auf dem Zwölfzollarm TA-5000 Neo von Acoustic Signature, der allein schon das Doppelte des Arcam-Amps kostet. Und doch haben wir nicht das Gefühl, dass das MC hier unter Form liefe: Die souveräne Sauberkeit und Natürlichkeit dieser Kombination kommt voll zum Ausdruck, ebenso die fundamentale Laufruhe des Acoustic-Signature-Laufwerks Verona Neo.
Alle von uns getesteten Streaming-Verstärker findest du hier, in unserer Bestenliste:
Technischer Aufbau: Arcam setzt auf Class G
In dem großvolumigen, aber recht dünnwandigen Gehäuse des Radia SA45 ist genug Platz, um einen vollwertigen HiFi-Verstärker mit einem amtlichen Netzwerk-Player zu kombinieren. Und zwar ohne Kompromisse auf einer der beiden Seiten zu machen. Zwei Drittel des Innenraums nehmen bereits Netzteil und Endstufe ein. Denn in der Arcam-Entwicklungsabteilung arbeiten überzeugte Anhänger klassisch-analoger Verstärkertechnik. Die haben sich im SA45 so richtig ausgelebt und dem Amp rechts hinten erst mal einen riesigen 1000-VA-Ringkerntrafo eingebaut. Die Endstufe sitzt vorne quer – leicht erkennbar an dem Guss-Kühlkörper, der mit seinen Aluzinken fast die volle Gerätebreite und -höhe einnimmt.

Wer etwas genauer hinschaut, erkennt, dass die Hauptversorgungsleitung vom Netzteil zum Leistungsverstärker doppelt vorhanden ist. Und dass besagter Kühlkörper nicht nur ein oder zwei Leistungshalbleiter-Paare pro Kanal beherbergt, sondern eine unerwartet größere Zahl von Transistoren. Beides ist der speziellen Arbeitsweise der Arcam-Endstufe geschuldet, die als Class G bezeichnet wird.
Das steht für Ausgangstransistoren, die nicht mit einer festen, sondern mit zwei unterschiedlichen Versorgungsspannungen betrieben werden. Der Trafo hat dafür zwei Sekundärwicklungen. Die Extra-Halbleiter am Kühlkörper dienen als Schalter, die blitzartig zwischen ihnen umschalten können. Und zwar signalabhängig: Im Leerlauf und für geringe Leistungen laufen die Endstufen mit geringerer Spannung. Reicht diese nicht aus, wechselt das Netzteil fliegend in den Vollgasmodus.
Du willst wissen, was es mit Transistoren und Versorgungsspannung auf sich hat? Unser Ratgeber verrät es dir:
Wie ein V8 mit Zylinderabschaltung
Die Endstufen stehen also nur dann unter der höheren Spannung, wenn diese auch wirklich nötig ist. Die meiste Zeit verbringen sie im Grundzustand, der aber gar nicht auf Sparsamkeit, sondern auf Verzerrungsarmut optimiert wurde und folglich in Class A läuft. Class G bringt also die hohe Klangkultur des A-Betriebs, ohne die gigantische Abwärme, die anfallen würde, wenn der Amp mit heftigen 180/300 Watt Nennleistung an 8 bzw. 4 Ohm permanent in „reinem“ Class A laufen würde. Zumindest auf dem Papier. Die Umschaltung in Echtzeit so präzise auszulösen und umzusetzen, dass man selbst mit schwierigsten Signalen nichts davon hört, ist eine Kunst für sich. Arcam verwendet Class G schon seit vielen Jahren, auch etwa in AV-Receivern, wo der Wärmehaushalt durch die vielen Kanäle besonders kritisch ist.

Entlang der Rückwand des Arcam Radia SA45 finden sich auf jeweils eigenen Platinen die analogen Eingangs- und Vorstufen sowie ein Stockwerk darüber die Digitalabteilung inklusive der Arcam-eigenen Streaming-Baugruppe. Erfahrene Heimkino- und Streamingfans erinnern sich: Die britische Firma gehörte zu den Pionieren des Netzwerk-HiFi und hatte in ihren AV-Receivern zeitweise die einzigen aus HiFi-Sicht wirklich vollwertigen Streamer. Auch die aktuelle Lösung, hochverdichtet auf sechslagigem Platinenmaterial, lässt kaum Wünsche offen: Roon-Support, riesiges Frontdisplay, Highres-Widergabe bis DSD256/PCM384 und ein anerkannt guter SABRE-DAC von ESS mit umschaltbarer Filtercharakteristik sorgen für Streaming-Performance, bei der niemand mehr physische Tonträger vermissen muss.
Darf’s etwas mehr sein? Zweimal Phono, viermal Sub
Außer natürlich, du willst sie vermissen und lieber doch noch einen Plattenspieler anschließen. Oder auch zwei. Das ist möglich, da der Radia SA45 für MM- und MC-Tonabnehmer separate Eingangsstufen und Buchsenpaare bereithält, die du wie alle anderen Eingänge per Fernbedienung oder Drehknopf bequem auswählen kannst. Neben den zwei Phono-Vorverstärkern warten vier weitere Inputs auf Analogsignale, darunter ein symmetrisches XLR-Paar. Welches hier tatsächlich auch klangliche Vorteile bringt, weil der Signalweg durch den SA45 die Symmetrie aufrecht erhält. Ebenfalls symmetrisch wie unsymmetrisch gibt es Pre-Outs für separate Endstufen, sowie jeweils gleich zwei (also insgesamt vier) Subwoofer-Ausgänge. Um diese optimal zu nutzen und nebenbei deine Raumakustik-Probleme elegant auszutricksen, kommt der Radia SA45 serienmäßig mit DIRAC, der angesagten Mess- und Korrektursoftware, sowie einem passenden Messmikrofon.

Wie es sich für eine solche Entertainment-Zentrale gehört, verfügt der Arcam über eine HDMI-eARC-Schnittstelle, die deinen Fernseher nahtlos in die Anlage integriert. Und über eine App, die du nach einem ersten Setup aber nur noch selten brauchen dürftest. Denn alle unterstützten Streamingdienste – Spotify, Tidal und Qobuz – nimmt der Arcam Radia SA45 nur über ihre Connect-Funktion ran. Du steuerst die Dienste also jeweils über ihre eigenen Apps, sofern du sie nicht ohnehin mit Roon verwaltest.
Leichte Schwächen bei Musik-Servern
Etwas stiefmütterlich behandelt der Arcam Radia SA45 lokale DLNA-Server. Die App kann zwar darauf zugreifen und muss nach dem Start des ersten Stücks auch nicht mehr erreichbar sein, damit ein Album weiterläuft. Du kannst die Abspielliste dann aber nicht mehr ergänzen oder editieren, sondern nur durch ein anderes Album ersetzen. Frei misch- und editierbare Abspiellisten weit über ein einzelnes Album und eine einzelne Quelle hinaus gehörten zu den wichtigen Komfort-Errungenschaften guter Netzwerk-Player. Getrieben durch die Streamingdienste und deren Apps, geben viele Hersteller diese Stärke gerade ohne Not wieder auf. Arcam ist hier nicht allein und bietet immerhin noch brauchbaren DLNA-Zugriff – anders als beispielsweise McIntosh. Als reiner Streamingdienst- oder Roon-User bekommst du von diesem Manko aber nichts mit.
Unser Testfazit zum Arcam Radia SA45
Mit dem Arcam Radia SA45 bekommst du einen der bestklingenden Streaming-Amps – und in dieser elitären Runde auch noch einen der erschwinglicheren. Von Zweiwege-Bluetooth bis Phono-MC sind alle modernen und klassischen Schnittstellen vorhanden. Beim Lautsprecherkauf hast du durch die üppigen Leistungsreserven absolut freie Hand.
Hier findest du den Arcam Radia SA45 im Angebot:
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