Rega Mercury im Test: Fabelhafte Vorstufe für Feingeister
- Eingänge
- 1x XLR, 5x RCA, (1x A/V-Bypass)
- Ausgänge
- 1x XLR, 1x RCA, 1x Rec. Out
- Kopfhörer-Verstärker
- Ja
- D/A-Wandlung PCM
- 24 Bit / 192 kHz
- D/A-Wandlung DSD
- DSD64
- Abmessungen (BxHxT)
- 435 x 97 x 380 mm
- Preis
- 8449 Euro
Du suchst einen reich ausgestatteten DAC-Vorverstärker mit ultrasauberem Klang und ungebremster Dynamik? Mit dem Mercury hätte Rega da einen perfekten Preamp, der mit analogen und digitalen Quellen, symmetrisch oder unsymmetrisch angeschlossen, gleichermaßen begeistert.
- Weiter, fein aufgelöster Sound
- Tolle Fernbedienung mit beleuchteten Tasten
- Arbeitet auch als KH-Verstärker sauber und dynamisch
- Hohe Anschlussvielfalt
- Display etwas schwer lesbar
- Aktuelle Lautstärke wird im Display nicht angezeigt
Mit dem Vorverstärker Rega Mercury krönt der englische Hersteller sein Elektroniksortiment. Oder, genau genommen: Mit dem Dreigestirn aus Vorverstärker Mercury, Endstufe Solis und Phono-Preamp Aura. Natürlich hat Rega auch ganz hervorragende Vollverstärker, die die Funktion dieser drei Topmodelle in sich vereinen. Aber je kompromissloser man jede einzelne Funktion umzusetzen versucht, desto schwieriger wird es, das alles in einem gemeinsamen Gehäuse zu tun. Ist der Mercury also kompromisslos gut? Wir machen den Praxistest.
Hier findest du den Rega Mercury im Angebot:
Rega Mercury: Glanzvoller Auftritt im Hörraum
Rega geht beim Mercury den konsequent separaten Weg: Wer keinen Plattenspieler besitzt und folglich keine Phono-Vorverstärkung braucht, muss diese auch nicht mitkaufen. Dafür hat wie bei allen neuen Rega-Amps auch hier ein D/A-Wandler Einzug gehalten. Und zwar kein Alibi-DAC für die Featureliste, sondern ein ernsthafter Wandler mit Rega-typischer Schaltungsphilosophie und dementsprechendem Klangpotenzial.

Einen „passenden“ Streamer baut Rega ganz bewusst nicht: Der Mittelständler mit rund 100 Mitarbeiter:innen fertigt zeitlose Verstärker, raffinierte Tonabnehmer und legendäre Plattenspieler, überlässt das wechselhafte Streaminggeschäft aber lieber Firmen, die darauf spezialisiert sind. Mit einem WiiM oder Eversolo verwandelst du den Mercury mit geringem Kostenaufwand in einen Streaming-Preamp.
Rega Mecury im Hörtest: Zwei Szenarien, zweimal Spitze
Der Hörtest teilt sich also in zwei Kapitel: Mit digitalen Zuspielern bewerten wir ihn zunächst inklusive seines integrierten D/A-Wandlers. Im Anschluss übernehmen unsere besten Plattenspieler und Phono-Vorverstärker die Rolle der analogen Musikquelle. Zunächst gilt es zu klären, ob der Rega einem guten Netzwerk-Player neue Facetten entlocken kann, die der Player-eigene DAC so nicht hinbekommt.

Wir schließen also unseren Linn Sneaky Music DS sowohl analog über Stereo-Cinch an, als auch digital über seinen Koax-Ausgang. Und können dann im laufenden Stück zwischen der Wandlung im Rega und dem bordeigenen Konverter des Sneaky hin- und herschalten. Die Lautstärkeregelung und die analogen Ausgangsstufen, die die angeschlossenen Endstufen antreiben, sind bei beiden Wegen identisch – nämlich die des Mercury.
Pikant daran ist auch, dass die jeweils verwendeten DAC-Chips eng verwandt sind. Allein aus dem Höreindruck würde man das aber nie vermuten. Denn der Rega-Preamp klingt deutlich klarer, kontrollierter und weiträumiger, wenn sein eigener DAC die Musikdaten wandelt. Der Vergleich wird dadurch erleichtert, dass der auf Festpegel gestellte Sneaky aufs Zehntel Volt genau den gleichen Pegel liefert wie die DAC-Abteilung im Rega.

So verrät kein Lautstärkesprung, auf welchem Weg der Klang gerade entsteht. Während der ersten Takte von Live In London! der Sängerin und Multiinstrumentalistin St. Vincent bemerkst du wahrscheinlich nicht mal, dass der Eingang gewechselt hat, wenn du nicht gerade aufs Display des Mercury schaust.
Klare, natürliche Mitten, akkurate Abbildung
Das Album ist mit dem Jules Buckley Orchestra in der Londoner Royal Albert Hall aufgenommen und aktuell nur als Stream oder Bezahl-Download erhältlich – jeweils im FLAC-Format, mit 24 bit und 48 kHz Auflösung. Wir haben es über Qobuz gehört. Der Transfer existierender Songs zu Orchesterversionen klappt nicht immer überzeugend. Bei St. Vincent ist es ein Volltreffer, auch weil die Orchesterparts raffiniert arrangiert sind und über insgesamt knapp 84 Minuten immer neue Überraschungen bereithalten.

Filigrane Melodiebögen und wuchtige Dynamiksprünge wechseln sich dabei über den Rega-DAC abermals deutlich kontrastreicher ab. Auch wenn sich die tonale Balance beim ersten Umschalten nicht groß ändert, erleben wir über den Mercury mehr Tiefe und Vielfalt.
Wie uns die Phono-Stufe Rega Aura gefallen hat, erfährst du in einem separaten Test. Für den wir aber den Mercury mit seinen vier Hochpegeleingängen als hochdynamisches, hochtransparentes Vergleichswerkzeug verwendet haben. Ob und wann man überhaupt einen Vorverstärker braucht, ist heute ja nicht mehr so eindeutig zu beantworten.

Digital-Player bringen meist eine eigene, digitale Lautstärkeregelung mit, die Teil der D/A-Wandlung ist und im praktisch relevanten Regelbereich verlustfrei arbeitet. Da ihre Ausgangsspannung – anders als bei Phono – ausreicht, um eine Endstufe voll auszusteuern, stellt sich die Frage, ob man den analogen Vorverstärker nicht einfach weglassen kann. Das geht tatsächlich oft. Und oft klingt das auch besser als der traditionelle Weg.
Der beste Freund feinster Endstufen
Überflüssig werden auf diesem Weg aber vor allem Vorverstärker im mittleren und erschwinglichen Preisbereich. Der Mercury bringt auch zwischen Top-Streamer und Endstufe eine nachvollziehbare Verbesserung. Klangfarben wirken intensiver, die Dynamik ungebremster. Die hauseigene Endstufe Solis (auch sie erhält einen eigenen Test) kommt am Mercury noch schwungvoller zur Sache als etwa an unserem vertrauten AVM PAS 30.3. Selbst der Chord Ultima Pre 3, ein reiner Line-Level-Vorverstärker ohne DAC, hat zwar minimal druckvolleren Bass, dafür aber nicht die Weite und Feinstruktur seines Rega-Gegenstücks.

Da der Rega wie der Chord mit symmetrischen und unsymmetrischen Ein- und Ausgängen bestückt ist, stellt sich zuletzt noch die Frage, welcher Weg überlegen ist. Darauf können wir keine eindeutige Antwort geben. Rega empfiehlt die symmetrischen nur für Fälle, in denen deren bessere Einstreufestigkeit entscheidend ist. Also bei wirklich langen Kabelstrecken zum oder vom Preamp. Unsere Ergebnisse variieren je nach Quelle. Der Phono-Pre Thorens MC 1600 etwa klingt am besten, wenn man ihn komplett symmetrisch arbeiten lässt.

Irgendwann muss das Balanced-Signal zwar in ein Single-Ended-Signal umgewandelt werden, da der interne Aufbau des Rega so ausgelegt ist. Aber die dazu nötige zusätzliche Baugruppe (Differenzverstärker) macht im Mercury einen bemerkenswert guten Job. Und so klingt der Thorens über den XLR-Eingang des Rega strukturierter, dynamischer und griffiger als bei Cinch-Verkabelung.
Du willst wissen, wie der Rega Mercury im Vergleich mit anderen Vorverstärkern abschneidet? Unsere Bestenliste hat die Antwort:
Der komplexeste Rega aller Zeiten
Sein dickwandiges Gehäuse aus gefrästen Aluplatten trägt der Rega nicht nur zur Dekoration. Es sorgt auch dafür, dass die weitverzweigte Verstärkerschaltung in einem stabilen thermischen Gleichgewicht bleibt. Der Mercury muss zwar keine Leistung abgeben wie ein Vollverstärker oder eine Endstufe. Dennoch erwärmt sich das Gerät im Betrieb für Preamp-Verhältnisse überraschend stark. Nachdem wir vier lange M6-Gewindebolzen gelöst und den Deckel abgehoben haben, erfahren wir auch, warum: Das ist kein normaler Vorverstärker, sondern ein Statement in analoger Schaltungstechnik.

Abgesehen vom Differenzverstärker hinter dem XLR-Eingang passieren die Signale hier ausschließlich diskrete Transistoren in kunstvollen, symmetrischen Arrangements, die den Halbleitern paradiesische Arbeitsbedingungen bereitstellen. Es ist ein wenig wie Halbleiterballett: Das Ergebnis wirkt völlig mühelos, nicht obwohl, sondern gerade weil intensive, hochsynchrone elektronische Teamarbeit dahintersteckt.
Die Vollformat-Hauptplatine im Inneren des Mercury ist somit auch ohne Phono-Funktion bis auf den letzten Quadratzentimeter ausgebucht. Wer genau hinschaut, kann Grüppchen von achtbeinigen Kunststoffkäfern erkennen, die verdächtig an Opamps erinnern. In Wirklichkeit sind das aber Doppeltransistoren im IC-Gehäuse: LSJ689 und LSK389 von Linear Systems, die zu den rausch- und klirrärmsten JFETs überhaupt zählen.

Die Lautstärke regelt ganz traditionell ein Motorpoti von ALPS. Die darauffolgende Ausgangsstufe mit ausgewachsenen Gegentakt-Transistorpaaren erinnert in ihrer Dimensionierung schon fast an eine kleine Endstufe. Ebenso der dicke Ringkern-Netztrafo, der über ein ganzes Bündel an Sekundärwicklungen Analoges und Digitales schön separat mit Strom versorgt.
Rega Mercury: Profi für Kopfhörer und Digitals
Mit umfangreicher Pufferung und Neutaktung ankommender Daten schlägt die integrierte Digitalabteilung in die gleiche Kerbe wie der legendäre, aber als Modell recht kurzlebige Rega DAC. Das gilt auch für die verwendeten Wandlerchips: Rega folgt hier nicht dem allgemeinen Trend zu den modernen, multikanaligen ESS-Chips. Sondern implementiert mit dem Wolfson WM8720 einen absoluten Klassiker, der nicht nur im Rega DAC, sondern auch zum Beispiel im Linn Klimax DS seine Qualitäten unter Beweis stellt.

Im Mercury arbeiten zwei dieser Chips in Doppelmono-Anordnung. Die zu wandelnden Daten stammen aus je zwei optischen und Koax-Eingängen, sowie einem asynchronen USB-Class2-Input. Wobei letzterer sorgfältigst vom Rest der Schaltung isoliert ist und seine Bits über zwei ADUM-iCoupler von Analog Devices quasi berührungslos und galvanisch entkoppelt in die eigentliche DAC-Schaltung morst.
Die Digitaleingänge unterstützen bis zu 24 Bit Wortbreite und 192 Kilohertz Samplingrate. Mehr ist im S/PDIF-Standard nicht definiert und auch klanglich sinnlos. Zudem führt kaum ein Download-Anbieter überhaupt Audiodateien jenseits von 192 kHz/24 Bit. Am USB-Port kommt aber immerhin noch DSD64 dazu. Nach den DAC-Chips geht’s direkt wieder mit diskreten, symmetrischen JFET-Analogfilterstufen weiter, also ganz ähnlich wie in der Linestufe.

Auch der Kopfhörerverstärker des Mercury besteht aus weit mehr als den üblichen zwei Chips. Auch hier: diskreter Aufbau, ausgewachsene Gegentakt-Endstufe mit symmetrischer Treiberstufe und über zwei Watt Leistung an niederohmigen Kopfhörern. Weil es im Hörtest nicht erwähnt wurde: Mit dem Hifiman HE400SE und dem Audeze LCD-2 klingt der Ausgang so sauber und dynamisch, dass auch Headphone-Audiophile auf separate Kopfhörerverstärker verzichten können.
Analogeingänge im Überfluss
Neben fünf digitalen Quellen kommen natürlich auch analoge Zuspieler nicht zu kurz: Fünf RCA-Eingangspaare und ein symmetrisches XLR-Duo stehen bereit. Cincheingang Nummer fünf bildet mit dem Record Out direkt daneben eine vollwertige Tape-Schleife: Drückst du den „Record“-Button auf der Fernbedienung, hörst du diesen Input als Tape-Monitor, während der Rec Out weiterhin die zuvor gewählte Hauptquelle ausgibt. Einer der Cinch-Inputs lässt sich zudem als Festpegel-Bypass konfigurieren, etwa um komfortabel einen Heimkino-Prozessor mit eigener Lautstärkeregelung einzuschleifen.

Damit du den Bypass nicht versehentlich aktivierst (mit einer ungeregelten Quelle könnte das deine Lautsprecher sprengen), tritt er nur in Kraft, wenn du sowohl den Schiebeschalter am Heck betätigst, als auch den entsprechenden Punkt im Menü bestätigst. Eine kluge Sicherung gegen Fehlbedienungen.
Display mit Ausbaupotenzial
Besagtes Menü erscheint auf einem farbigen TFT-Display mitten auf der Frontplatte. Dort finden sich diverse Grundeinstellungen, etwa fürs automatische Standby. Das ergibt angesichts einer Stromaufnahme von rund 50 Watt bei diesem Preamp auch durchaus Sinn. Im normalen Betrieb erscheinen auf dem Display der gewählte Eingang, bei digitalen Quellen auch die aktuell verarbeitete Samplingrate und der gewählte Digitalfilter.

An der Schriftgröße dieser Informationen könnte Rega noch einmal etwas arbeiten: Schon aus einem Meter Entfernung braucht man Adleraugen, um sie zu entziffern. Gar nicht angezeigt wird die aktuelle Lautstärke. Der Drehknopf an der Frontplatte hat zwar eine Markierung auf seiner breiten Krempe, aber die liegt meist schwer erkennbar im Halbschatten.
Eine reine Freude ist dagegen die massive Alu-Fernbedienung: Sie bietet Tasten mit direktem Zugang zu allen Funktionen und Eingängen – und leuchtet auf, wenn du sie in die Hand nimmst. Nur die Empfindlichkeit dieses Features hätte Rega etwas dämpfen können. In unserem Test fing das gute Stück auch dann an zu leuchten, wenn du dich neben ihr auf der Couch umgesetzt hast.
Unser Fazit zum Rega Mercury
Im einfachsten Fall besteht ein Vorverstärker aus einem Potenziometer und einer Handvoll Buchsen. Bei den heutigen, lauten Quellen ist aktive Elektronik für die Grundfunktion eigentlich gar nicht mehr nötig. Halbherzig umgesetzt, bringen aktive Preamps klanglich oft keine Vorteile. Der Mercury gehört nicht zu dieser Art Preamp: Mit riesigem Schaltungsaufwand sorgt er dafür, dass die von ihm betreuten Signale von seiner Existenz nichts mitbekommen – außer dass sie danach kräftiger und mit genau dem gewünschten Ausgangspegel vorliegen. An den besten Endstufen und Aktivboxen spielt ein solcher Preamp eine Schlüsselrolle.
Überzeugt? Hier kannst du den Rega Mercury direkt bestellen:
| Technische Daten | |
| Eingänge | 1x XLR, 5x RCA, (1x A/V-Bypass) |
| Ausgänge | 1x XLR, 1x RCA, 1x Rec. Out |
| Kopfhörer-Verstärker | Ja |
| D/A-Wandlung PCM | 24 Bit / 192 kHz |
| D/A-Wandlung DSD | DSD64 |
| Display | Ja |
| Abmessungen (BxHxT) | 435 x 97 x 380 mm |
| Gewicht | 14 kg |
| Preis | 8449 Euro |
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