AVM Ovation CS 8.3 S im Test: All-in-One, aber ohne Kompromisse
- Leistung
- 2x 250 Watt / 8 Ohm, 2x 550 Watt / 4 Ohm
- Eingänge
- 1x Cinch, 1x XLR, 1x Phono MM/MC, 2x Digital Optisch, 2x Digital Koax, 1x USB-C (asynchron), 1x HDMI-ARC
- Quellen kabellos
- Bluetooth 5.0, Airplay 2
- Integrierte Streamingdienste
- Tidal Connect, Qobuz Connect, Spotify Connect
- Roon ready
- Ja (Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch nicht abgeschlossen)
- Gehäuse-Ausführungen
- Silber, Schwarz, Cellini (Chrom, Aufpreis)
- Abmessungen (BxHxT)
- 430 × 120 × 350 mm
- Gewicht
- 11 kg
- Preis
- 20.990 Euro | 22.380 Euro (Chrom)
Er gehört zu den teuersten Streaming-Amps am Markt. Aber dafür ersetzt der AVM Ovation CS 8.3 S eine komplette High-End-Anlage und ist dabei nicht größer als ein normales HiFi-Gerät. Die klangliche Abstimmung ist kraftvoll, geradlinig und lässt jeden Lautsprecher über sich selbst hinauswachsen.
- Mitreißend dynamischer, breitbandiger Klang
- Riesige Leistungsreserven, geringe Abwärme
- Exzellenter Phono-Eingang (per App konfigurierbar)
- Integriertes CD-Laufwerk
- Vornehme Verarbeitung
- Lautstärkeregelung per Fernbedienung etwas träge
Der CS 8.3 S ist AVMs teuerster und ambitioniertester Streaming-Verstärker. Wobei diese Bezeichnung für den 8.3 zu kurz greift. Denn dank MC-fähigem, voll konfigurierbarem Phono-Eingang und CD-Laufwerk muss dieser Super-Receiver dein Sideboard höchstens noch mit einem Plattenspieler teilen. Genug Power für jeden Lautsprecher des HiFi-Universums bringt er auch mit. Schöner und partnerkompatibler bekommst du eine High-End-Anlage kaum hin. Mit dem AVM Ovation CS 8.3 S als Technik-Solitär und einem Paar klug ausgesuchter Boxen kommst du klanglich extrem weit, ohne dass dein Wohnzimmer gleich aussieht wie eine HiFi-Höhle.

Die CS-Modelle gehören schon seit vielen Jahren zum Kernprogramm des deutschen Herstellers AVM. Angefangen hat die Firma deutlich bescheidener: mit knapp kalkulierten Vorverstärkern und Endstufen, die eine Zeit lang sogar noch als Bausätze verkauft wurden. Musikfans mit hohen Klangansprüchen und knappem Budget waren begeistert. Das ist 40 Jahre her, und AVM ist zum Luxusanbieter gereift. Die Geräte der Ovation-Serie stehen als Flaggschiffe genau für diesen High-End-Anspruch. Aber die Badener haben diesen exklusiven Markt nicht für sich alleine: Auch Marken wie T+A und Burmester produzieren extrem hochwertiges und -preisiges HiFi in Deutschland. Im Hörtest interessieren wir uns nicht für den genauen Preis, sondern ausschließlich dafür, wie der AVM in seinem vornehmen Umfeld klanglich einzuordnen ist.
Hier kannst du den AVM Ovation CS 8.3 S in seinen drei Ausführungen bestellen:
AVM Ovation CS 8.3 S im Hörtest: clean, kraftvoll und sexy
Im Hörraum findet der AVM schnell Freunde: Er klingt saftig, kraftvoll, unkompliziert, mitreißend dynamisch. Immer wieder sind wir überrascht von dem swingenden Bass und dem weiträumigen Größenmaßstab, den selbst eher kompakte und schlanke Aufnahmen damit annehmen. Der Hörraum, in dem es eigentlich ums Vergleichen, Abwägen und Ausprobieren, also um Arbeit geht, wird mit dem AVM zum begehrten Wellness-Ort. Einfach mal ein paar Minuten hinsetzen, einen Lieblingstrack aussuchen und sich verwöhnen lassen. Mit jedem HiFi-Lautsprecher, den wir ausprobiert haben, stellt sich augenblicklich das Gefühl ein: Genau so muss Top-HiFi klingen! Dreh auf, ich will mehr!

Die Einschätzung kommt aber nicht nur willkürlich zustande, sondern verfestigt sich durch Vergleiche. Mit dem starken, vornehm aufgebauten Arcam Radia SA45 zum Beispiel, der immerhin auch schon um die 5000 Euro kostet. Und der mit seinem riesigen Farbdisplay im ersten, visuellen Eindruck durchaus Punkte macht. Sobald die Musik spielt, kapituliert der Engländer aber vor dem Charme und der Dynamik des AVM-Vortrags. Um sich hier zu entscheiden, muss man nicht lange hin- und herhören – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.
Das Gleiche passiert beim Vergleich mit dem Cyrus 40 Amp, einem teuren Kompakt-Vollverstärker, der eigentlich das Zeug hat, auch teureren Mitbewerbern gefährlich zu werden. Neben dem AVM sind alle Anstrengungen umsonst, und das hört man nicht erst nach intensiven Vergleichs-Sessions, sondern nach wenigen Takten. Etwa wenn Joni Mitchells schwieriges Album Mingus augenblicklich mit opulenter Studioakustik und pfeilschnell schnalzenden Gitarrensaiten verblüfft.
Ein Fall für den großen T+A
Nach dem Ausscheiden der britischen Kollegen steigt ein Musik-Mercedes in den Ring, der den AVM zum Deutschland-Derby „Baden gegen Westfalen“ herausfordert: Der T+A R 2500 R ist eines unserer kostbarsten Arbeitsgeräte und als Streaming-Amp aktuell ungeschlagen. Der AVM kann ihn zwar nicht klar besiegen, wohl aber einen attraktiven Gegenentwurf bieten.

Der Vergleich zeigt erneut, dass hohe Preise und die damit zunehmende technische Perfektion eben genau nicht dazu führen, dass die Unterschiede kleiner werden. T+A und AVM zeigen jeweils einen unverkennbaren klanglichen Stil. Welcher der beiden legitimer ist, können wir nicht entscheiden: Der AVM ist klar der sinnlichere, extrovertiertere, animierendere der beiden Amps. Er lässt Schlagzeugbecken fröhlich funkeln und Basslines kernig knurren, und er demonstriert nachdrücklich, welch dreidimensionales Raumgefühl klassische Zweikanal-Stereophonie erzeugen kann.
Der T+A hält sich in den Höhen mehr zurück, wodurch auch der Raum etwas weniger luftig und weit erscheint. Der Bass wirkt mit dem Herforder Amp sehr akkurat und kontrolliert, während der Herausforderer aus Malsch hier ganz klar die Zügel lockerer lässt. Das geht zwar etwas auf Kosten der Genauigkeit, gibt rhythmischer Musik aber mehr Drive: Wenn die Boxen es mitmachen, mutiert der AVM auf Partys zum sexy swingenden Beatmeister wie nur wenige andere High-End-Verstärker.

In Feindynamik und Differenzierung im Mittelton ordnet er sich dafür wieder hinter dem T+A ein: Der R 2500 R lässt Joni Mitchells Stimme lebendig werden, gibt ihr reichen, weichen Grundton und versäumt keine noch so winzige Modulation. Das klingt mit dem AVM dann wieder etwas schlichter, wenn auch makellos sauber.
Heißer Tipp für Vinyl-Audiophile
Beim LP-Durchgang ist der T+A außen vor, weil unser Leihgerät ohne das optionale Phonoboard kam. Dafür darf der Arcam noch einmal seine Aufwartung machen, der wie der AVM sowohl MM- als auch MC-Systeme akzeptiert. Der CS 8.3 S gibt sich mit den sensiblen Signalen, zugespielt von unserem SME Model 10 mit Korf-Tonarm TA-CF9 und dem neuen Audio-Technica AT-33xMLD, nicht die Spur einer Blöße.
Er serviert nicht nur den Arcam ab, sondern legt sich gleich noch mit hochwertigen externen Phonoteilen wie der Pro-Ject TubeBox DS3B an. So hört man kristallklar und praktisch rauschfrei, zu welchen Leistungen das moderne, gerade vorgestellte MC in einem Weltklasse-Tonarm fähig ist. Und kann den Gedanken an externe Phonohelfer getrost ad acta legen. Erst ein SPL Phonos kann diesen Gedanken wieder ausgraben. Ob dir das aber die 2000 Euro Kaufpreis wert ist – ganz zu schweigen vom eingebüßten Platz auf dem Sideboard – musst du wissen.

Mit dem AVM ziehen wir den – zugegeben teuren – Plattenspieler sogar dem integrierten HighRes-Streamer vor. Zumindest manchmal. Zum Beispiel bei Duke von Genesis: Streamingdienste bieten dieses Album aus dem Jahr 1980 nur in der 2007 remasterten Version an. Die hat zwar mehr Bass als das zeitgemäß etwas schrille Original, das uns in einer deutschen Pressung aus den frühen 80ern vorliegt.
Was der Spieler am AVM-Phonoteil jedoch an Dynamik und Differenzierung aus dieser Platte holt, lässt den eigenartig diffusen Stream weit hinter sich. Der CS 8.3 S gehört also ganz klar zu der Klasse von Streamingreceivern, die die analogen Eingänge nicht als lästige Pflicht behandeln, sondern mit ihrem vollen Potenzial ausspielen.
Neugierig, wie der AVM Ovation CS 8.3 S im Vergleich mit anderen Streaming-Verstärkern abschneidet? Die Antwort hat unsere Bestenliste:
Full House mit Class D und Röhre: Die Technik des CS 8.3 S
Schon die kultigen Riesen-Receiver der 70er Jahre brachten oft luxuriöse Phonozweige mit. Damals war Platte ja auch das primäre Medium, gefolgt von Tonband, Radio und später Kassette. Im AVM Ovation CS 8.3 S sitzt der Phono-Vorverstärker auf einer eigenen Platine, bestückt mit modernen, extrem rauscharmen Opamps, die den Eingang fit machen für leise, niederohmige Hochleistungs-MCs.

Rauscharme MC-Eingänge sind für sich genommen aber noch kein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt sie auch an anderen aktuellen Streaming-Amps, etwa dem oben zum Vergleich verwendeten Arcam SA45. Wirklich genial ist aber die präzise Konfigurierbarkeit des Preamps in Verstärkung, Abschlusswiderstand und -Kapazität. Und zwar per App, bequem vom Hörsessel aus.
Für MM-Systeme offeriert der AVM vier Verstärkungen: Um 40, 45, 60 und 55 dB wird das eingehende Signal angehoben. Das deckt auch Sonderfälle wie High-Output-MCs und leise MM-Exoten ab, die an normalen „einer für alles“-Eingängen meist zu kurz kommen. Für die klangkritische MM-Abschlusskapazität gibt es sogar sieben Werte zwischen 47 pF und 410 pF zur Auswahl.
Beim MCs ist die Kapazität unkritisch, dafür wirkt sich der Abschlusswiderstand auf die Tonalität und Dynamik des Systems aus. Also kannst du hier aus sieben Widerstandswerten zwischen 100 Ω und 2 kΩ und vier Verstärkungsfaktoren zwischen 55 und 70 dB wählen. Wobei letzterer Wert auch für wirklich leise Systeme wie unser Transrotor Figaro ausreicht.
Streaming-Vollbedienung
Analogplatten konservieren Musikkultur seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Am anderen Ende des Zeitstrahls befindet sich Streaming, das im AVM genauso liebevoll umgesetzt ist wie Phono. Ob du Streamingdienste wie Spotify oder Tidal nutzen oder deinen lokalen Festplattenserver anzapfen willst, ob dir der Sinn nach Internetradio steht oder nach Downloads im exotischen DSD-Format, ob du die Daten lieber per WLAN, Netzwerk- oder USB-Kabel zur Anlage transferierst: Der AVM ist auf alle Eventualitäten vorbereitet.

In der Praxis geht das viel einfacher, als es der Formatkauderwelsch im Datenblatt erwarten lässt. Und zwar gerade weil der Streaming-Amp so viel kann. Denn du sollst ja gar nicht unbedingt alles gleichzeitig nutzen. Sondern einfach so Musik hören, wie es deinen Gewohnheiten und Vorlieben entspricht. Der CS 8.3 S fügt sich nahtlos in deinen Musik-Lifestyle ein, statt dir seinen vorzuschreiben. So machen das gute Geräte.
Spitzen-DAC im Metallmantel
Umgesetzt ist das Streaming mit AVMs eigener x-Stream-Plattform, die auf Hardware des deutschen Spezialisten Audivo basiert. In direkter Nachbarschaft zum Streaming-Chipsatz: AVMs beste D/A-Wandler-Baugruppe, die sich um einen Chip von ESS rankt. Und von der du nur einen Alublock siehst, der sich wie eine schützende, temperaturausgleichende Metalldecke über der Schaltung ausbreitet.

Nach der Wandlung machen sich die Signale auf den kurzen Weg zur benachbarten Vorstufenplatine, wo auch die Outputs des Phonoboards und der beiden analogen Hochpegeleingänge ankommen. Zum klanglichen Feinschliff trägt an dieser Stelle eine Röhre bei. Dieser Kniff hat bei AVM Tradition: Bei ansonsten lupenreinem, praktisch verzerrungsfreiem Verhalten verleiht diese Doppeltriode dem Signal einen Hauch von geradzahligen, harmonischen Oberwellen. Du willst genauer wissen, warum das durchaus ein Vorteil sein kann? Hier verraten wir es dir:
Ein glattes Kilowatt Leistung
Als Lautstärkeregler verwendet AVM ein vornehmes, passives Widerstandsnetzwerk von MUSES, das in halben dB-Schritten arbeitet. Es reagiert wahlweise auf die edle Vollmetall-Fernbedienung, den Volume-Balken in der App oder auf den rechten der beiden massiven, kugelgelagerten Metall-Drehknöpfe an der Frontplatte. Per Fernbedienung vollziehen sich Lautstärkeanpassungen für unseren Geschmack zu träge. Hier dürfen die Entwickler gerne ein schnelleres Ansprechverhalten programmieren.

Per App ist das kein Thema, direkt am Gerät erst recht nicht: Du schubst den schwergewichtigen, aber leichtgängigen Knopf einfach mit etwas Gefühl an, und er rollt praktisch von alleine auf den gewünschten Pegel.
In einer reizvollen Kombination uralter und brandaktueller Technologien übergibt sie Röhre das Signal an eine Class-D-Endstufe des dänischen Spezialisten Pascal. Das hier verwendete Modul, das sein eigenes Netzteil gleich mitbringt, ist mit glatten 550 Watt pro Kanal an vier Ohm spezifiziert. Die Leichtigkeit und Autorität, mit der der AVM sich über Bassimpulse hermacht und dabei auch widerspenstige Boxen mühelos dominiert, liegt in dieser Leistungsabteilung begründet. Nebenbei erzeugt die Schaltendstufe kaum Abwärme.

So müssen weder Kühlrippen noch Luftschlitze das wunderschöne, aus gefrästen und geschliffenen Aluplatten zusammengesetzte Gehäuse des AVM Ovation CS 8.3 S verunstalten. Ein Glasfenster im hinteren Drittel des Deckels erlaubt dann aber doch reizvolle Einblicke. Man spürt, dass der badische Hersteller auf die Top-Komponenten der S-Serie stolz ist. Zu Recht, wie wir meinen.
Unser Fazit zum AVM Ovation CS 8.3 S
Fast hätten wir’s vergessen: Auch CD-Hörer:innen sind mit dem CS 8.3 S bestens bedient. Und wenn mal dein Besuch eine CD mitbringt, freuen sich auch Streamingnutzer:innen, dass der AVM sie nicht im Stich lässt. Alles perfekt machen, dabei der Musik und den Nutzungsgewohnheiten möglichst wenig im Weg stehen: Das ist die einfache Devise, deren konsequente Umsetzung nie wirklich billig sein kann.
So ersetzt der große All-in-One von AVM zwar eine komplette High-End-Anlage, kostet aber auch so viel. Weil es hier ausnahmsweise mal nicht ums Geldsparen geht, sondern um bestmöglichen Klang bei zugleich wohnzimmerfreundlichem Auftritt, ist das aber auch fair. Denn dank seiner hohen, effektvoll eingesetzten Leistung lässt der AVM CS 8.3 S kleine Lautsprecher akustisch groß erscheinen, große dagegen riesig.
Hier geht’s direkt zum Angebot des AVM CS 8.3 S:
| Technische Daten | |
| Leistung | 2x 250 Watt / 8 Ohm, 2x 550 Watt / 4 Ohm |
| Eingänge | 1x Cinch, 1x XLR, 1x Phono MM/MC, 2x Digital Optisch, 2x Digital Koax, 1x USB-C (asynchron), 1x HDMI-ARC |
| Audio-Ausgänge | 2 Paar Lautsprecherklemmen (schaltbar), 1x Stereo Pre Out, 1x Stereo Rec Out, 2x Digital (Koax, TOSlink), Kopfhörer (6,3 mm) |
| Quellen kabellos | Bluetooth 5.0, Airplay 2 |
| Integrierte Streamingdienste | Tidal Connect, Qobuz Connect, Spotify Connect |
| MQA | – |
| Roon ready | Ja (Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch nicht abgeschlossen) |
| Multiroom | – |
| Raumeinmessung | – |
| Netzwerk | WLAN, LAN |
| Gehäuse-Ausführungen | Silber, Schwarz, Cellini (Chrom, Aufpreis) |
| Abmessungen (BxHxT) | 430 × 120 × 350 mm |
| Gewicht | 11 kg |
| Mitgeliefertes Zubehör | Fernbedienung |
| Preis | 20.990 Euro | 22.380 Euro (Chrom) |
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