Schallplatten digitalisieren: So sicherst du deine Vinylsammlung
EinDem Charme von Schallplatten kann man sich nur schwer entziehen. Es wurden beliebig viele, sehr hitzige Diskussionen darüber geführt, ob nun Vinyl oder digitale Medien besser klingen. Darum soll es hier aber gar nicht gehen. Egal, ob du eher Analog-Ultra oder Convenience-Audiophile:r bist – in beiden Extrempositionen kann es sinnvoll sein, Schallplatten zu digitalisieren. Sei es, um deine seltene Pressung auch unterwegs hören zu können – oder, um einfach ein Backup für den Fall der Fälle zu haben. Wir verraten dir, was du beim Digitalisieren von Vinyl beachten solltest – und welches Equipment du dafür brauchst.
Schallplatten digitalisieren: Die richtige Hardware
Für das Digitalisieren einer Schallplatte bedarf es der richtigen Hardware. Genauer gesagt benötigst du für eine qualitativ hochwertige Digitalisierung Folgendes: einen Plattenspieler, einen Phono-Vorverstärker, einen A/D-Wandler mit USB-Ausgang und einen Computer. Dass du einen Plattenspieler benötigst, hast du dir natürlich schon gedacht. Ein Phono-Vorverstärker ist zwingend nötig, um die winzigen Signale aus der Plattenrille auf ein Level anzuheben, mit dem die weitere Elektronik etwas anfangen kann. Der A/D-Wandler übernimmt die eigentliche Digitalisierung, um die Musik anschließend via USB deinem Computer weiterzureichen.

Das klingt auf den ersten Blick vielleicht nach einer langen Liste, doch oft sind bereits viele dieser Punkte in einem Gerät kombiniert. Es gibt etliche Plattenspieler mit eingebautem Phono-Vorverstärker. Einige von ihnen, so etwa der Thorens TD 202 oder der Lenco LBT-188, haben sogar den nötigen Wandler mit an Bord. Über ihre USB-Buchse kannst du also deine Musik direkt an deinen PC schicken.
All-in-One-Lösungen: praktisch, aber klanglich ausbaufähig
Allerdings haben wir festgestellt, dass viele Plattenspieler mit USB-Ausgang eher Einstiegsmodelle einfacher Natur sind. Hochwertige Plattenspieler, die auch das letzte Quäntchen Information aus der Schallplatte herauszaubern können, kommen meistens ohne digitalen Tand. Oftmals fehlt sogar der Phono-Vorverstärker. Bei diesen Modellen fließt also jeder investierte Euro in eine möglichst saubere, analoge Abtastung. Genau auf diese solltest du aber auch Wert legen, wenn es dir um die Qualität deiner digitalen Musiksammlung geht. Für die schnelle MP3 für unterwegs reichen die oben genannten Modelle vollkommen aus.

Doch möchtest du die Files auch auf deiner heimatlichen HiFi-Anlage genießen, solltest du dich nach einem externen Phono-Vorverstärker mit USB-Ausgang umschauen. Diesen kannst du dann an deinen Traumplattenspieler anschließen und dessen bessere Abtastung nutzen. Ein Rega Fono Mini A2D MK2 oder ein NAD PP 4 kosten nicht die Welt und sind klanglich definitiv die bessere Option.
Die richtige Software zum Vinyl-Digitalisieren
Ist die Hardware da, benötigst du im zweiten Schritt noch die passende Software. Hierzu gibt es sowohl kostenpflichtige, speziell für die Plattendigitalisierung kreierte Programme, als auch kostenfreie Aufnahme-Software. Das kostenlose Audacity dürfte in den meisten Fällen die einfachste Lösung darstellen. Das sehr beliebte, kostenlose Programm bietet alles, was du für das Digitalisieren deiner Vinyl-Sammlung benötigst.

Die größte Optionsvielfalt bietet Pure Vinyl von Channel D. Dieses Programm bietet Einstellungen, mit denen sich Audiodateien intensiv optimieren lassen. Der Preis für die Vollversion liegt allerdings bei 350 Euro. Apple-Nutzer:innen haben alternativ die Möglichkeit, das bei macOS vorinstallierte GarageBand zu nutzen. Das Apple-Programm hat allerdings einen Nachteil: Es erschwert dir, Metadaten hinzuzufügen. Titel, Album, Interpret etc. lassen sich also nur schwer anpassen.
Schallplatten digitalisieren: Sauberes Vinyl, richtige Einstellungen
Damit die Musik am Ende in der bestmöglichen Qualität digitalisiert wird, lohnt es sich, etwas Zeit in die Vorbereitung zu stecken. Wichtig ist, dass der Plattenspieler richtig eingestellt ist. Das ist gerade dann wichtig, wenn du deinen Plattenspieler nur noch sporadisch nutzt – oder gar ausschließlich für die Digitalisierung aus dem Keller geholt hast.

Wie das Abspielgerät, sollten auch deine Schallplatten selbst noch einmal gesäubert werden, sonst kann es beim Schallplattenabspielen zu störenden Knackgeräuschen kommen. Zwar hält sich das Klischee hartnäckig, dass erst diese kleinen Fehler den Charme von Schallplatten ausmachen, besser klingt’s aber definitiv, wenn du deine Schallplatten sauber digitalisierst.
Aufnahme und Nachbearbeitung
Bei Audacity solltest du nun in den Programmeinstellungen den A/D-Wandler für die Aufnahme auswählen und den Menüpunkt „Kanäle“ auf „Stereo“ stellen. Das gilt natürlich nur für in Stereo produzierte Alben. Alte Pressungen können teils auch in Mono aufgenommen sein. Aus dem linken und rechten Lautsprecher kommt also ohnehin dasselbe Signal. Hier kannst du also auch „Mono“ auswählen. Bietet der A/D-Wandler die Möglichkeit, den Pegel einzustellen, solltest du nun darauf achten, dass die lauteste Stelle der Platte kurz vor dem 0-dB-Wert steht.

Wenn du CDs brennst oder auf deinem PC speicherst, kann das Laufwerk sie auch mit einem Vielfachen der üblichen Geschwindigkeit bewegen. Das beschleunigt den Prozess merklich. Bei Schallplatten funktioniert das natürlich nicht. Hier wird in Echtzeit digitalisiert. Also entweder mit 33 ⅓, 45 oder bei Schellackplatten mit 78 Umdrehungen pro Minute. Du solltest dir also genug Zeit nehmen, wenn du das Projekt angehst. Gerade wenn du Lieder einzeln speichern möchtest, musst du durchgehend anwesend sein, da die Aufnahme immer wieder gestoppt und abgespeichert werden muss. Da Vinyl-Platten keine Metadaten in ihren Rillen tragen, müssen diese Informationen im Metadaten-Editor manuell eingegeben werden.
Gewünschte Auflösung wählen
Sind die Lieder schließlich digitalisiert, solltest du noch ein wenig Nachbearbeitung betreiben. Das Geräusch der aufsetzenden und abhebenden Nadel etwa sollte sich mit dem gewählten Aufnahmeprogramm problemlos herausschneiden lassen. Am Ende lassen sich die Songs unter „Datei“ im gewünschten Format exportieren. Wie anfangs erwähnt, kannst du hier entscheiden, wie gut die Qualität deiner digitalen Kopie sein soll.
Wenn es dir um möglichst guten Klang geht, solltest du MP3 hinter dir lassen und dich stattdessen für das Dateiformat FLAC entscheiden. Dieses beschneidet deine Musikdaten nicht, um Platz auf dem Speicher zu sparen, sondern komprimiert verlustfrei. Die Aufnahme in 16 Bit und 44,1 Kilohertz entspricht CD-Qualität und stellt einen guten Kompromiss zwischen Qualität und Dateigröße dar. Noch mehr Informationen kannst du erhalten, wenn du auf 24 Bit und 96 oder 192 kHz erhöhst.
Fazit: Schallplatten digitalisieren ist kein Hexenwerk, aber sorgfältiges Handwerk
Wie du siehst, kannst du schon mit einem günstigen Plattenspieler, der einen USB-Ausgang hat, und einer kostenlosen Software wie Audacity deine Platten digital abspeichern. Doch wie so häufig liegt der Teufel im Detail. Kommt es dir auf gute Klangqualität an, lohnt es sich, in hochwertiges Equipment zu investieren. Aber keine Sorge: Auch ein externer Phono-Vorverstärker muss dich keine Unsummen kosten, und von einem besseren Plattenspieler zehrst du im Zweifel ein Leben lang.
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