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Schallplatten verkaufen: So erzielst du den richtigen Preis

Vinyl ist wieder angesagt – jetzt könnte also der richtige Zeitpunkt sein, die alten Schallplatten zu verkaufen. Wir erklären dir, wie du einen realistischen Preis erzielst.
Schallplatten verkaufen Quelle: Surya Urs / Unsplash

Alte Vinyls können im Laufe der Zeit enorm im Wert gestiegen sein. Damit begehrte Einzelstücke nicht zu Schleuderpreisen beim Schnäppchenjäger landen, geben wir dir hier einige Tipps, wie und wo du deine Schallplatten verkaufen kannst. Das kleinste Detail kann über mehrere Euro im letztendlichen Verkaufspreis entscheiden. Vom Erscheinungsjahr bis zum Zustand beeinflussen diverse Faktoren den Wert deiner LP.

Bestimmung des Wertigkeit: Zwischen Pressung, Zustand und Klangqualität

Die Pressung (Herkunftsland und Auflage) ist für einen Sammler besonders entscheidend. Eine Rarität aus dem Heimatland des Künstlers etwa hat einen wesentlich höheren Wert als eine Schallplatte „von der Stange“. Welcher Pressung die jeweilige LP angehört, lässt sich sehr gut über Online-Datenbanken wie discogs.com herausfinden.

Als Nächstes muss der Zustand überprüft werden. Mit abgedroschenen Phrasen à la “top Zustand” lässt sich ein Kenner selten abspeisen. Der Zustand ist mitentscheidend für den Verkaufspreis. Es gibt nunmal keine zweite Chance für den ersten Eindruck – und den macht das LP-Cover.

Die Inspektion der LP vor dem Verkauf

Notiere alle Auffälligkeiten der Front- und Rückseite:

  • Welche Gebrauchsspuren sind zu erkennen?
  • Befinden sich noch Preisschilder oder andere Aufkleber auf dem Cover?
  • Gibt es eine Nummerierung, die auf eine limitierte Auflage schließen lässt?

Im Inneren befindet sich die Platte idealerweise in einer Schutzhülle. Ihre Verfügbarkeit wird vom potenziellen Käufer positiv registriert. So weit, so gut – kniffliger wird die Untersuchung der Platte selbst. Die kann nämlich wesentlich feinere Abnutzungen aufweisen.

Ein möglichst heller Platz bringt Licht ins Dunkel: Um die Schallplatte gründlich prüfen zu können, empfiehlt es sich, das Licht direkt auf die Scheibe fallen zu lassen und den Lichtkegel über die Platte schweifen zu lassen. So werden selbst Haarrisse sichtbar.

Wie erwähnt, sollte der Zustand der Platte vor dem Verkauf exakt notiert werden. Damit reduziert sich das Risiko einer bösen Überraschung in der späteren Verhandlung, wenn dem Käufer bei Erhalt zuvor möglicherweise unbemerkte Schäden auffallen. Die letzten zwei Schritte umfassen eine Hörprobe und die Endreinigung, bevor es zur Anzeigenerstellung geht.

gebrauchte Schallplatten verkaufen
Der Preis deiner LP ist von vielen Faktoren abhängig. Ein Cover in gutem Zustand verrät beispielsweise viel darüber, wie mit der Platte umgegangen wurde. | Bild: blockerphoto / unsplash.com

Im Hörtest achtest du besonders auf Auffälligkeiten in der Klangqualität. Sprünge in der Wiedergabe, störendes Knistern und andere hörbare Einflüsse werden den Wert senken. Und ein bekennender Vinyl-Enthusiast wird sich die Platte vor dem Kauf sicherlich gerne anhören.

Zum Schluss wird die Platte gereinigt. So ist sichergestellt, dass auch die letzten Staubkörner und andere Partikel von der Oberfläche verschwinden. Profis bedienen sich eines professionellen Schallplattenreinigers, der die LPs mechanisch reinigt. Wer keine 400 bis 500 Euro investieren möchte, behilft sich zum Beispiel mit einem handelsüblichen Schallplatten-Reinigungsset. Darin enthalten sind Reinigungsflüssigkeit und -Tuch.

Vinyl-Verkauf: Was bedeuten die Abkürzungen?

Still Sealed (SS) / Mint (M): Entweder ist die Scheibe noch eingeschweißt und nagelneu (SS) oder der Zustand ist praktisch wie neu (M). Dabei sind keinerlei Gebrauchsspuren sicht- oder hörbar.

Near Mint (NM / M-): Du hast die Schallplatte schon ein paar Mal abgespielt. Sie zeigt unter Umständen minimale Gebrauchsspuren, für eine gebrauchte LP ist das aber ein nahezu perfekter Zustand.

Excellent / Very good (VG ++): Die Platte hat sichtbare Gebrauchsspuren, die aber keine nennenswerten Einflüsse auf die Klangqualität haben. Für Vinyl-Liebhaber ist dies immer noch ein guter Zustand.

Very Good (VG +/-): Immer noch gut genug, um keine Beschädigungen oder Sprünge befürchten zu müssen. Ein vereinzeltes, leichtes Knistern kann vorkommen, jedoch nicht ununterbrochen.

Good (G +/-): Von Grundrauschen bis zu heftigen Kratzern kann die Platte alles haben. Sie ist auf jeden Fall hörbar und ohne nervige Sprünge, erfreut wahrscheinlich aber nur noch den Gelegenheitshörer. 

Fair ( F +/-): Der Zahn der Zeit hat deutliche Spuren auf Platte und Cover hinterlassen. Es kann vorkommen, dass sich einzelne Songs nicht mehr richtig abspielen lassen.

Poor (P +/-): Eine Platte in diesem Zustand wird oft nur noch wegen des Covers gekauft. Ist das Cover selbst in einem sehr schlechten Zustand, die Platte aber noch hörbar, ist dies in der Regel der Kaufgrund.

0 / Missing: Das Originalcover fehlt. Ein neutrales Lochcover dient als Hülle.

Weitere gängige Abkürzungen im Vinyl-Handel:

  • OIS (Original Inner Sleeve): Die Innenhülle ist noch original.
  • WOL (Writing on Label): Der Besitzer hat das Label  beschriftet.
  • WOC (Writing on Cover): Der Besitzer hat das Cover beschriftet.
  • SOC (Sticker on Cover): Auf dem Cover befindet sich ein Sticker.
  • WOBC (Writing on Back-Cover): Der Besitzer hat die Cover-Rückseite beschriftet.
  • CutOut: Cover ist gelocht oder gestanzt.
  • FOC (Fold-Out-Cover / Gatefold Cover): Klappcover.

Dreigespann: Beschreibung, Bilder und Kommunikation

Gute Bilder sind das Aushängeschild einer jeden Anzeige, wenn die Platte online verkauft wird. Es kann sich also wirklich auszahlen, wenn du Mühe und Zeit in die Fotos deiner Schallplatte steckst. Idealerweise fotografierst du die Platte bei möglichst viel Licht aus mehreren Perspektiven. So kann sich der Kaufinteressent einen besseren Eindruck vom Objekt der Begierde machen. Ansprechende Fotos wecken mehr Interesse und können darüber entscheiden, ob jemand überhaupt erst eine Anfrage stellt oder nicht.

Vinyls verkaufen - Qualität bestimmen
Nicht nur der Zustand einer LP nimmt Einfluss auf den Verkaufspreis: Je seltener eine Platte ist, desto mehr Wert hat sie auch im Auge des Sammlers. | Bild: Jisu Han / Unsplash

Darauf nimmt auch der Beschreibungstext Einfluss. Für einen potenziellen Käufer ist es wichtig, so viele Informationen wie möglich zur Schallplatte zu bekommen. Es bewährt sich, den Zustand im Detail zu erklären sowie Auflage, Herkunftsland und andere Metadaten zu nennen. 

Gibt es hörbare Besonderheiten beim Abspielen, etwa Sprünge, Knistern oder Kratzen? Eine subjektive Klangbeschreibung hilft dem Käufer, den Wert der Platte weiter einzuschätzen. Ein freundlicher und professioneller Umgangston im Austausch mit dem Käufer ist dabei immer zu empfehlen. Verkäufer mit gutem Image sind in der Regel erfolgreicher darin, ihre Platten in Bares zu verwandeln.

Alte Schallplatten verkaufen – aber zum richtigen Kurs

Auch für gebrauchte Schallplatten gelten die Gesetze der freien Marktwirtschaft. Das heißt, Angebot und Nachfrage bestimmen mit über den Preis. Auf dem Weg zu einem realistischen Verkaufspreis sollten daher die einschlägigen Datenbanken und Online-Auktionshäuser durchsucht werden.

Es gäbe noch die Möglichkeit, Preiskataloge zu studieren – doch diesen Aufwand betreiben heutzutage wohl nur noch die wenigsten – ganz abgesehen davon, dass die Daten im Netz wesentlich aktueller sind und kurzfristige Preisentwicklungen berücksichtigen können.

Discogs App - Vinyl Datenbank
Die wahrscheinlich größte LP-Datendank im Netz: Discogs bietet seinen Online-Katalog auch in App-Form an. | Bild: discogs.com

Bei der Recherche werden idealerweise mehrere Quellen herangezogen, aus deren Preisdaten dann der Mittelwert gebildet wird. Dabei ist zu beachten, dass du über alle Quellen hinweg dieselbe Pressung (Herkunftsland, Jahr der Veröffentlichung, Katalog-Nummer, Label) und einen ähnlichen Zustand identifizierst. Eine aussagekräftige Wertrecherche ist sonst nicht möglich.

Wenn es im Bekanntenkreis Vinyl-Experten gibt, können diese für eine Preisschätzung zu Rate gezogen werden. Sonst sind die lokalen Plattenläden und -börsen auch eine sehr gute Anlaufstelle, um erste Erfahrungen in der Preisverhandlung zu sammeln. Die größte Informationsdichte liegt aber bei den virtuellen Händlern und Marktplätzen wie Ebay, Amazon und Kleinanzeigen-Portalen.

Sammlerstücke sind heiß begehrt und werden hoch gehandelt. Wer Massenproduktionen anbietet, darf weder große Konkurrenz fürchten noch große Summen erwarten. Saisonale oder kurzfristige Ereignisse, wie die Auflösung einer Band oder der Tod eines berühmten Künstlers, treiben die Preise in die Höhe. Nicht zu vernachlässigen ist auch die erhöhte Kaufbereitschaft bei den Interessenten, wenn es auf Weihnachten zugeht.

Wer kauft alte Schallplatten?

Der Vinyls-Enthusiast und Sammler schätzt das physische Medium und Nostalgie-Flair. In der heutigen drahtlosen, digitalen Welt hat das greifbare Medium für manche Menschen wieder einen echten Stellenwert. Diese Zielgruppe weiß, wie es um die Wertigkeit seltener LPs steht und sie ist gerne bereit, Premiumpreise zu zahlen, wenn Zustand und Art der Pressung ins Beuteschema passen.

Käufer alter Schallplatten
Praktisch jede größere Stadt verfügt über den ein oder anderen Plattenladen, der auch alte Scheiben ankauft. | Bild: discogs.ocm

Auch der Wiederverkäufer ist an deinen gebrauchten Platten auch interessiert. Du findest ihn in urigen Kellergeschossen der Stadt oder als Online-Händler im Netz. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Schnelle oder gar ungeduldige Anfragen sogenannter Reseller können potenziell ein Indiz dafür sein, dass du deine Platte gerade unter Wert feilbietest. Gerade bei Abnahme größerer Stückzahlen kann der Weg über den Händler aber natürlich eine legitime und bequemere Alternative sein.

Schallplatten auf Online-Marktplätzen

All die vorangegangenen Informationen nützen nichts, wenn deine Anzeige auf der falschen Plattform landet. Um die Sammlung schnell zu Geld zu machen, bietet sich ein Direktverkauf an einen Online-Händler an. Anbieter wie Recordsale, Rebuy oder Vinool kaufen alte Schallplatten an. Der Nachteil ist, dass du als Verkäufer im Vergleich zu Ebay am wenigsten für deine Platten erhältst.

Bei Ebay und diversen Marktplatz-Ablegern sind die Verkaufsanzeigen in der Regel gut aufgehoben, jedoch verlangen Ebay und Discogs eine Verkaufsprovision – kalkuliere diesen Umstand in den Verkaufspreis ein!

Der Plattenladen um die Ecke freut sich auch über Zuwachs, allerdings sind diese nicht besonders heiß auf Massenware. Stattdessen sind Händler dieser Art an seltenen Stücken interessiert. Einen Versuch ist es aber trotzdem wert – ein vorheriger Anruf kann die grundsätzliche Bereitschaft ebenfalls klären.

Schallplatten verkaufen? Digitalisiere deine Sammlung!

Egal wie du deine Schallplatten verkaufen willst: Das heißt noch lange nicht, dass die Musik für immer verloren ist. Es empfiehlt sich, die Schallplatten vor dem Verkauf noch zu digitalisieren. Wir haben dir dafür eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zusammengestellt, wie du deine Schallplatten digitalisierst.

Vinyls digitalisieren mit Audacity
Für die Digitalisierung kannst du unter anderem auf die kostenlose Aufnahme-Software Audacity zurückgreifen. | Bild: Audacity
Ein letzter Tipp: Wenn du deine Schallplatten online verkaufen möchtest, zahlt es sich aus, sie strategisch aufzuteilen. Besondere Perlen bringen im Einzelverkauf mehr ein und erlauben weniger Verhandlungsspielraum als ein Gesamtpaket. Den Rest kannst du in mehrere kleine Pakete aufteilen oder auch im Gesamtpaket anbieten.
Was ist deine persönliche Empfehlung für den privaten Schallplattenverkauf? Teile deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!
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