Onkyo Y-50 im Test: Hochwertiger, kompakter Streaming-Amp
- Leistung
- 2x 125 Watt / 8 Ohm, 2x 250 Watt / 4 Ohm
- Eingänge
- 3x Cinch, 1x Phono MM/MC, 1x Digital Optisch, 1x Digital Koax, 1x HDMI, 1x HDMI-ARC
- Quellen kabellos
- Bluetooth, AirPlay 2
- Integrierte Streamingdienste
- Tidal Connect, Qobuz Connect, Spotify Connect
- Roon ready
- –
- Gehäuse-Ausführungen
- Schwarz, Silber
- Abmessungen (BxHxT)
- 350 x 99 x 337 mm
- Gewicht
- 4,9 kg
- Preis
- 1499 Euro
Unter den kompakten Streaming-Amps ist der Onkyo Y-50 einer der stärksten, aber sein mager ausgestatteter Streamer kann ihn je nach Nutzungsgewohnheiten Sympathiepunkte kosten. HiFi-Puristen weichen auf den unterm Strich überzeugenderen A-50 aus.
- Kräftiger, dynamisch klingender Verstärker
- Gutes Display mit gelungener Grafik
- Einmesssystem
- Einige Streamingfunktionen wie DLNA-Serverzugriff und Radio fehlen
- Phono-Eingang MM/MC vorhanden, aber klanglich wenig überzeugend
- Kostet für das Gebotene etwas viel
Erst vor Kurzem hatte Onkyo mit dem A-50 gezeigt, wie überzeugend und zeitlos ein vollwertiger Streaming-Amp aussehen und klingen kann. Der Onkyo Y-50 ist zwar ebenfalls ein Streaming-Vollverstärker, verfolgt aber eine etwas andere Stoßrichtung. Der kompakte Y-50 ist etwas teurer als sein schwerer Vollformat-Verwandter. Dafür schmückt sich der Y-50 mit einem knackscharfen und kontrastreichen Display, während der A-50 auf jegliche Anzeige am Gerät verzichtet. Auch in puncto Leistung liegt der Lifestyle-Onkyo vor dem klassisch bestückten HiFi-Kollegen. Im Hör- und Praxistest prüfen wir, ob es weitere Argumente für oder gegen den Y-50 gibt.
Hier bekommst du den Onkyo Y-50:
Onkyo Y-50 im Hörtest: Power, die man spürt
Mit Qobuz Connect als Quelle hochauflösender Musikstreams erspielt sich der Y-50 im Hörraum schnell viel Lob. Seine Endstufen animieren selbst anspruchsvolle Boxen zu saftigem, mitreißend dynamischem Sound. Blues For The Red Sun von den Stonerrock-Altmeistern Kyuss entwickelt genau die richtige saftig-satte Wucht. Die tiefer gestimmte Rhythmusgitarre, gestützt von Akkorden auf dem E-Bass und natürlich einem großen Drumkit, treibt die Tracks vorwärts wie rostige Steampunk-Kampfvehikel in einem dystopischen Mad-Max-Film.

Schmutzig, doomig und fett – geht also schonmal überraschend gut. Überraschend deshalb, weil dieser herzhafte, organisch-warme Sound so gar nicht zu dem cleanen, zierlichen Äußeren des Y-50 passt. Aber die Leistung, die man braucht, um so etwas auch mit live-ähnlichen Lautstärken zu zelebrieren, ist definitiv da.
Auch mit neueren Rock-Highlights, etwa dem gerade erschienenen House Of Mirrors von All Them Witches, überzeugt der Onkyo-Streaming-Amp mit großformatigem, sattem Sound. Die hohe Nennleistung nutzen wir dabei meist gar nicht. Wie in fast allen HiFi-Situationen fließen selbst bei heftigen Lautstärken nur selten mehr als 10 Watt in die Boxen. Was man aber auch dann hört, ist die Leichtigkeit, mit der der Onkyo diese Leistung freisetzt.

Um den analog verstärkenden A-50 zu schlagen, fehlen dem Y-50 dann aber doch Feinstruktur und Natürlichkeit. Vor allem, wenn viele Spuren zusammenkommen – im Orchester-Finale von Mines Baum etwa – differenziert der A-50 die einzelnen Instrumente besser. Die Stimme bleibt besser mitverfolgbar, der Gesamtklang erhält einen noch natürlicheren, nuancierteren Glanz.
Du willst wissen, wie der Onkyo Y-50 im Vergleich mit anderen Streaming-Verstärkern abschneidet? Unsere Bestenliste hat die Antwort:
Mit Analogquellen etwas schwächer
Der Hördurchgang mit LPs überzeugt uns weniger. Und das liegt nicht am Plattenspieler, sondern am Phono-Eingang des Y-50. So tönte unser Ortofon MC X40, eigentlich ein unkompliziertes Low-Output-MC mit moderaten 0,4 Millivolt Ausgangsspannung, am Onkyo zu leise, zu schüchtern und undifferenziert. Etwas besser, aber weiterhin nicht wirklich gut, schlägt sich der Phono-Input im MM-Modus an einem Rega Planar 2 mit dem hauseigenen Nd3.
Generell ist am Phono-Eingang die Empfindlichkeit etwas zu vorsichtig gewählt: Auch mit eher lauten MMs wie einem Ortofon 2M Blue muss man am Y-50 für gleiche Lautstärke deutlich weiter aufdrehen als bei Nutzung des internen Streamers. Das ist klanglich nicht zwingend ein Nachteil, erzeugt aber potenziell unangenehme Pegelsprünge beim Umschalten.

Die analogen Line-Eingänge sind dagegen auf die üblichen 2 Volt ausgelegt und klingen an einem externen Netzwerk-Player folglich nicht lauter oder leiser als der interne Player. Sie klingen aber auch nicht besser: Die Endstufen im Y-50 verlangen digitale Ansteuerung, weshalb alle Analogeingänge zunächst einen A/D-Wandler passieren müssen. Das muss nicht zwingend schlecht klingen, wie andere Streaming-Amps mit digitalem Signalweg bewiesen haben.
Beim Y-50 fallen die analogen Inputs aber tatsächlich etwas gegen die digitalen Eingänge ab. Ganz vergebens ist der Digital-Umweg aber nicht. Schließlich kommen so auch deine Analogquellen in den Genuss der Onkyo Room EQ, einer appgestützten Raumakustik-Korrektur. Im Test lieferte dieses einfach zu bedienende System, das sich sinnvollerweise nur auf den Tiefton konzentriert, sehr ordentliche Ergebnisse.
Onkyo Y‑50: digital bis kurz vor die Lautsprecherklemme
Der Vergleich zum A-50 drängt sich auch in der technischen Betrachtung des Y-50 auf. Schließlich sollen beide Geräte weitgehend gleiche Funktionen erfüllen und liegen auch preislich nicht weit auseinander. Drastisch unterschiedlich ist dagegen die technische Umsetzung. Während der A-50 mit schwerem Linearnetzteil und einer ausgewachsenen A/B-Endstufe verstärkt, setzt der Y-50 auf ein hochmodernes Schaltendstufen-Chipset des niederländischen Zulieferers Axign.

Mit seiner digitalen Gegenkopplung gehört das hier verbaute Konzept zu den modernsten am Markt. Die Gegenkopplung greift das Ausgangssignal unmittelbar vor den Lautsprecherklemmen ab, digitalisiert es und gewinnt daraus ein Korrektursignal, das dem digitalen Eingangssignal beigemischt wird. So erzielt Axign extrem geringe Verzerrungen und – fast noch wichtiger – einen sehr niedrigen Ausgangswiderstand. Das hilft, klangliche Wechselwirkungen zwischen Verstärker und Lautsprecher zu vermeiden.
„Keine klanglichen Wechselwirkungen“ bedeutet nicht, dass alle Standlautsprecher am Y-50 gleich klingen. Im Gegenteil: Sie klingen sogar mehr nach sich selbst, mehr so, wie ihre Entwickler:innen sie abgestimmt haben. Schlechter Wirkungsgrad ist dabei kein Hindernis: Der Y-50 bringt mit 125/250 Watt an 8/4 Ohm auch widerspenstige Boxen in Wallung. Und wird dabei unabhängig von der abgefragten Leistung nicht mal handwarm.

Da muss sogar der fast dreimal so schwere A-50 passen, der nur 110/180 Watt freisetzen kann. In der HiFi-Praxis sind diese Unterschiede aber eher akademischer Natur. Zumal der A-50 uns im Hörtest mit seinem natürlicheren Klang klar auf seine Seite zieht.
Schönes Display, lückenhaftes Streaming
Der A-50 überzeugte uns auch mit seinem guten Streaming-Bedienkonzept – obwohl er nicht mal über ein Display verfügt. Vom teureren Y-50 mit seinem 5,5-Zoll-HD-TFT haben wir uns folglich eine weitere Steigerung erwartet. Das Display ist von feinster Qualität, zeigt Albumcover und Infos gestochen scharf und stellt auch Eingangs- und Volumeneinstellung sehr elegant und deutlich dar. Wer das zu langweilig findet, wechselt in den VU-Meter-Modus, der mit zwei Zeigern die ungefähre 8-Ohm-Leistung anzeigt.

An 4 Ohm müsste man den abgelesenen Wert ungefähr verdoppeln, aber es soll ohnehin nur ein grober Anhaltspunkt sein und kein zertifiziertes Messgerät. Flankiert wird das Display von zwei großen, wackelfrei gelagerten Drehknöpfen für Eingangswahl und Lautstärke. Auch durch die Einstellmenüs kannst du dich wahlweise mit der Fernbedienung oder mit diesen Knöpfen bewegen. Das wichtigste Bedienelement ist bei einem Streaming-Amp aber die App – in diesem Fall „Onkyo Controller“, die uns beim Test des A-50 noch ganz gut gefallen hatte.
Der Y-50 kann mit der gleichen App aber einfach zu wenig. Nämlich weder auf lokale NAS-Server zugreifen, noch über TuneIn einen Radiosender auswählen oder sonst irgendwelchen Content starten. Bei den Streamingdiensten Spotify, Qobuz und Tidal ist das halb so schlimm, denn da wirst du eh die jeweilige Original-App im Connect-Modus verwenden. Das funktioniert sehr gut, und nach einmal erteiltem Befehl auch stundenlang ohne weitere App-Beteiligung.

Auf unseren NAS-Server dagegen können wir nur per Drittanbieter-App (z.B. mconnect lite oder BubbleUPnP) zugreifen, und Internetradio müssen wir umständlich aus der TuneIn-App chromecasten. Das ist schwach, unvollständig und auch unverständlich, angesichts der Tatsache, dass der A-50 vom gleichen Hersteller die hier fehlenden Fähigkeiten alle mitbringt.
Onkyo Y-50: Anschlüsse im Überblick
Mit drei Line-Eingängen plus Phono verfügt der Y-50 über genügend Platz für deine analogen Quellen. Der Phono-Input ist sogar mit einem Kippschalter am Heck von MM auf MC umstellbar. Er kämpft im MC-Modus jedoch hörbar gegen interne Störfelder, die sich im Hintergrund mit Rauschen und leisem Pfeifen bemerkbar machen. Auch das ist ein Pluspunkt für den A-50, dessen Phonoteil deutlich besser performt.

Die digitalen Anschlussoptionen umfassen je einen Koax- und optischen Eingang, Ethernet und WLAN, sowie gleich zwei HDMI-Ports. Einer davon ist ein Ausgang mit ARC-Rückkanal, der deinen TV-Ton in Empfang nimmt und auch die Steuerung des Y-50 mit der TV-Fernbedienung ermöglicht. Ergänzt wird er um einen zusätzlichen Eingang, der vor allem dann hilfreich ist, wenn am TV selbst die HDMIs knapp werden und du noch deine Konsole unterbringen möchtest. Dafür ist der Onkyo Y-50 sogar laut Datenblatt mit allen wichtigen Gaming-Features ausgestattet. ALLM und VRR unterstützt er ebenso wie 120 Frames in 4K und 60 Frames in 8K.
Fürs Gästestreaming ohne Netzwerkzugang ist der Y-50 über Bluetooth zu erreichen. Auch hier fehlen gegenüber dem A-50 ein paar Kleinigkeiten: Der Fullsize-Amp beherrscht die klangoptimierte BT-Spielart aptX HD und kann Ton nicht nur empfangen, sondern auch an Bluetooth-Speaker oder Kopfhörer senden. Der Y-50 kann dagegen nur empfangen, und das nur in den Basis-Codecs SBC und AAC. Eine Kostenersparnis bedeutet auch die Entscheidung, im Y-50 erstmals das firmeneigene Room-EQ-System zu verwenden.

Anders als das im A-50 verwendete DIRAC ist das hauseigene System nicht lizenzpflichtig und benötigt auch kein proprietäres USB‑Mess-Mikrofon. Onkyo Room EQ verlässt sich stattdessen auf das Mikro im Smartphone – solange es von Apple kommt. Das ist komfortabler und bringt im Test durchaus gute Ergebnisse. Wunder kann keines der beiden Systeme vollbringen, weshalb wir ganz gut ohne Einmessung leben und arbeiten können.
Unser Fazit zum Onkyo Y-50
Etwas teurer als der hausinterne Konkurrent A-50, dafür kompakter, leichter aufzustellen und dank vollwertigem Display auch schöner anzusehen: Auf den ersten Blick gibt es im Vergleich durchaus Argumente für den Y-50. Zumal seine Class-D-Endstufe definitiv keine Billiglösung ist und Musik saftig-kraftvoll abliefert. Trotzdem sehen wir außer extremem Platzmangel keinen Grund, sich für mehr Geld den in jeder Hinsicht schlechter performenden Y-50 ins Regal zu stellen. Hätte Onkyo ihm einfach die Streamingfähigkeiten seines Vollformat-Bruders belassen, würde das anders aussehen. Durch die abgespeckte App fühlen wir uns mit dem schicken Gerät aber einfach zu eingeschränkt, um ihm eine universelle Empfehlung auszusprechen.
Hier findest du den Onkyo Y-50 im Angebot:
| Technische Daten | |
| Leistung | 2x 125 Watt / 8 Ohm, 2x 250 Watt / 4 Ohm |
| Eingänge | 3x Cinch, 1x Phono MM/MC, 1x Digital Optisch, 1x Digital Koax, 1x HDMI, 1x HDMI-ARC |
| Audio-Ausgänge | 1 Paar Lautsprecherklemmen, 1x Stereo Pre Out, 1x Kopfhörer 6,3 mm |
| Quellen kabellos | Bluetooth, AirPlay 2 |
| Integrierte Streamingdienste | Tidal Connect, Qobuz Connect, Spotify Connect |
| MQA | – |
| Roon ready | – |
| Multiroom | Ja |
| Raumeinmessung | Onkyo Room EQ |
| Netzwerk | WLAN, LAN |
| Gehäuse-Ausführungen | Schwarz, Silber |
| Abmessungen (BxHxT) | 350 x 99 x 337 mm |
| Gewicht | 4,9 kg |
| Mitgeliefertes Zubehör | Fernbedienung |
| Preis | 1499 Euro |
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