Thorens TD 404 DD im Test: Direktantriebs-Champion mit allen Extras
- Antrieb
- Direkt
- Tonabnehmer ab Werk
- –
- Tonarm
- TP 160 (9 Zoll)
- Motor
- 24V DC, Scheibenläufer
- 33 ⅓ / 45 / 78 RPM
- Ja / Ja / Ja
- Integrierter Phono-Vorverstärker
- –
- Preis
- 4.499 Euro
In dieser Preisklasse verlangen wir weitestgehende Perfektion – und nichts anderes liefert der 404 DD: Sein Top-Tonarm und der kraftvolle Direktantrieb schaffen Idealbedingungen für praktisch jeden Tonabnehmer. Perfekte Verarbeitung und stimmige Ausstattung runden die Performance ab.
- Kräftiger, stabiler, musikalisch überzeugender Klang
- Sehr laufruhig und störarm, auch mit sensiblen Systemen
- Angenehme Bedienung mit automatischer Abschaltung
- Stabile, grundsolide und schicke Verarbeitung
- Arm-Höhenverstellbereich nicht ideal
- Elektronischer Tonarmlift ist nicht der Schnellste
Unter den normalen, in Serie produzierten Thorens-Modellen ist der neue TD 404 DD schon fast das Topmodell. Darüber gibt’s nur noch den Retro-gestylten TD 124 DD, der das Doppelte kostet und über ein ganz ähnliches Antriebskonzept verfügt. Da sich auch die Tonarme fast wie Zwillinge gleichen, erscheint der Preis des neuen 404 nun gar nicht mehr so hoch. Ein wirklich schickes Design (natürlich sehr subjektiv beurteilt) dürfte ein Übriges tun, um den Thorens TD 404 DD zum neuen Star im Lineup des deutschen Herstellers zu machen. Ob er sich diese Lorbeeren verdient, finden wir im Test heraus.
Den Thorens TD 404 DD gibt es hier in drei schicken Ausführungen:
Einmal eingetroffen, blieb der 404 aber nicht lange in seinem voluminösen Doppelkarton. Nun hieß es: auspacken, Tonabnehmer montieren und ab in den Hörraum. Wie in seiner Preisklasse üblich, wird der TD 404 DD ohne System verkauft. Du kannst dich also frei für einen Abtaster nach deinem Geschmack entscheiden. Wobei die MC-Systeme aus dem Hause Thorens sicher nicht die schlechteste Wahl sind: Sie wurden explizit mit den neuen Tonarmen TP 124, TP 150 und TP 160 entwickelt. Von denen der letztere auch auf dem 404 montiert ist.
Thorens TD 404 DD im Hörtest: erzstabil und druckvoll
Also haben wir im Hörtest zunächst ein TAS 1600 montiert, das feinste unter den modernen Thorens-MCs. „Modern“ schreiben wir hier, weil Thorens auch eine eigene Version des Ortofon-Vintage-Klassikers SPU bauen lässt. Das hatten wir zwar gerade nicht da. Aber dafür eine gute Auswahl aktueller MCs, MMs und MIs – vom Grado Prestige Red 3 (MI) über das Ortofon MC X40 und das Dynavector DV20X2A-L (beide MC) bis zum Rega Nd9 (MM).

Ganz unabhängig vom montierten Tonabnehmer setzt sich stets eine Reihe von Grundqualitäten durch, deren Wurzeln eher im Tonarm und im Laufwerk stecken. Eine eindrucksvolle Ruhe und Stabilität im Klangbild zum Beispiel. Der Wechsel von einem einfacheren Plattenspieler zum Thorens fühlt sich an, als hätte jemand ein zuvor gekipptes Fenster zu einer befahrenen Straße geschlossen. Die Nadel setzt auf, Ruhe und Entspannung kehren ein, eine fast feierliche, erwartungsvolle Stille.
Und dann fährt die Musik ein wie ein Triumphzug. Oder wie ein gemächlich, aber unaufhaltsam heranholpernder Dampftraktor, wenn es sich bei der Platte auf dem Teller um Excellent Italian Greyhound von Shellac handelt. Die Band bestand unter anderem aus Bob Weston und dem 2024 verstorbenen Steve Albini – zwei der besten Toningenieure der Rockwelt. Wenig überraschend, dass der brettharte Postrock auf diesem Album überragend klingt: präzise, staubtrocken und nicht nur subjektiv, sondern mit einem Dynamic-Range-Index von 13 auch objektiv enorm dynamisch.

Der Thorens gibt diese Dynamik ungebremst weiter. Immer wieder fühlen wir uns, als hätten wir uns während der Aufnahmen in Albinis Chicagoer Studio Electrical Audio geschlichen: Bob Westons E-Bass vibriert bedrohlich in der Magengrube, Albinis Gitarre schickt metallisch blitzende Akkorde und Todd Trainers Drums drücken uns mit wuchtigen Breaks in den Hörsessel.
Ausgewogen und druckvoll
Die verschiedenen Tonabnehmer tragen ihren jeweiligen Charakter bei. Als preiswerter Geheimtipp entpuppt sich das Grado Prestige Red 3 für nur 200 Euro, das mit kräftigen Mitten, dezenter Hochtonauflösung und kernigem Bass für einen sehr griffigen, anmachenden, musikalisch stimmigen Sound sorgt. Verblüffend ist dabei, wie kontrolliert und sauber es schwierige, hoch ausgesteuerte Platten meistert.

Hier spielt erfahrungsgemäß der Arm eine wichtige Komplizenrolle: Der TP 160 auf dem 404 gehört definitiv zu der Art Tonarme, die Tonabnehmer über sich hinauswachsen lassen. Das preiswerte Grado klingt mit seiner Unterstützung richtig teuer. Was außerdem positiv auffällt: Der US-Tonabnehmer, der als sehr einstreuempfindlich gilt, fängt sich auf dem Thorens keinerlei Brumm- oder sonstige Störgeräusche ein.
Die MCs – das Thorens und noch ausgeprägter das Dynavector – verbinden seidige Feinauflösung mit explosiver Mitteltondynamik und einem deutlich weiteren Raumeindruck. Was von System zu System erhalten bleibt, ist der ausgewogene, unerschütterlich stabile Grundcharakter des Laufwerks. Dieser Spieler macht Lust, ein Album nach dem anderen durchzuhören und sich dabei von bisher ungehörten Perspektiven überraschen zu lassen.

Selbst der Technics SL-1200G, preislich direkt vergleichbar, kann das nicht besser. Tonal haben wir den Japaner etwas neutraler in Erinnerung. Aber dafür kann der Thorens vor allem im Tiefton noch mehr Dynamik mobilisieren. Unterm Strich nehmen sich die beiden Direktantriebs-Spieler klanglich nicht viel: Beide sind Weltklassespieler, die sich mit nahezu jedem Tonabnehmer kombinieren lassen.
Neugierig, wie der Thorens TD 404 DD im Vergleich mit anderen von uns getesteten Direktantrieblern abschneidet? Unsere Bestenliste hat die Antwort:
Stabiler, komfortabler Tonarm
Parallelen zum Technics gibt es auch bei einer kleinen Schwäche des Thorens: Mit den meisten HiFi-Tonabnehmern muss die Höhenverstellung seines Tonarms an den unteren Anschlag, um die erwünschte Parallelstellung des Headshells und Tonabnehmers zur LP-Oberfläche zu erreichen. In besonders ungünstigen Fällen kann es sein, dass du für korrekten VTA ein Distanzplättchen zwischen Headshell und System schrauben musst.

Mit den getesteten Tonabnehmern und Headshells ergab sich letztlich aber doch kein Bedarf. Die eigentliche Höhenverstellung funktioniert zuverlässig und stabil, wenn auch nicht superschnell: Zwei Sicherungsschrauben wollen gelöst werden, dann hebt oder senkt ein gelochter Drehring am Sockel den ganzen Tonarm.
Den Arm selbst kennen wir schon vom Thorens TD 1600 und 1601: ein wunderschöner Neunzöller mit J-förmig gekröpftem, großvolumigem Rohr, dem man seine Solidität und Präzision schon von Weitem ansieht. Auch das beiliegende Thorens-Headshell ist sehr dickwandig und stabil. Alternativ kannst du jedes andere SME-kompatible Headshell verwenden: von schlichten, billigen Technics-Klonen über die durchdachten, hochwertigen Modelle von Audio-Technica oder Ortofon bis hin zu exklusiven Edelholz- oder Keramikexoten.

Das Ortofon MC X40 zum Beispiel hatten wir in Ortofons eigener LH-4000 montiert, das Grado in einem einteiligen, ultrasteifen Aluminiumoxid-Keramikshell von Korf Audio. Noch mehr Festigkeit würde man zwar mit einem nicht wechselbaren, dauerhaft mit dem Armrohr verbundenen Träger gewinnen. Aber der komfortable Tonabnehmereinbau und die Möglichkeit, fertig bestückte Shells blitzschnell zu wechseln, dürften meist schwerer wiegen.
Pfiffig konstruiertes Schneidenlager
Horizontal bewegt sich der Arm in hochwertigen, mustergültig spielfrei justierten Kugellagern. Vertikal wippt er auf zwei Stahl-Schneiden, die in V-förmigen Lagerschalen sitzen. Ein altes, bewährtes Prinzip, das reibungsfrei, spielfrei und nahezu unverwüstlich ist. Designer Helmut Thiele hat aber einige neue Ideen beigesteuert: Neu gestaltete Lagerschalen sorgen für einen noch genauer definierten Drehpunkt, und eine magnetische Zentrierung hindert die Schneiden berührungslos daran, seitlich zu verrutschen.

Im alltäglichen Gebrauch merkst du keinen Unterschied gegenüber einem kugelgelagerten Arm wie etwa dem etwas günstigeren, ansonsten sehr ähnlichen TP 150. Ein skaliertes Gegengewicht sorgt für die richtige Balance und kann mit zusätzlichen Ballastscheiben auch richtig schwere Headshells und Abtaster in der Schwebe halten. Ebenfalls skaliert und kinderleicht per Drehknopf einzustellen ist das Antiskating, das bei diesem Arm mit Federkraft arbeitet.
Als Lift dient dem TP 160 auf dem 404 nicht die übliche mechanische Lösung mit Silikondämpfung, sondern ein elektronisch gesteuerter kleiner Servomotor. Per Tipptaste rechts vorn auf dem Chassis kannst du den Arm heben und senken lassen. Den aktuellen Status erkennst du am LED-Ring der Lifttaste: Grünes Licht bedeutet „Arm oben, Nadel in Sicherheit“, rotes warnt dich, wenn der Lift abgesenkt ist. Eine saubere und elegante Lösung, aber nicht unbedingt etwas für Ungeduldige: Vom Tastendruck bis zum fertig abgesenkten oder hochgefahrenen Arm vergehen einige Augenblicke. Ein manueller Lift ist da deutlich schneller.

Am Ende der Plattenseite hebt sich der Arm automatisch und der Teller hält an. Beim TD 404 DD handelt es sich also um einen Halbautomaten – ein in dieser Preis- und Güteklasse seltenes, dafür umso erfreulicheres Feature. Auch mit anderen Analog-Goodies kann der 404 dienen. Etwa höhenverstellbaren, raffiniert aufgebauten Füßen, die Stahlfedern mit Gummidämpfern kombinieren und tatsächlich für sehr gute Entkopplung sorgen. Oder einem bei Nichtgebrauch versenkbaren Pitchregler samt Stroboskop, das von der Tellerunterseite in ein kleines Sichtfenster eingespiegelt wird.
Direktantrieb mit Schnellstart
Drei Tipptasten links vorne auf der fünf Millimeter starken Alu-Deckplatte steuern das Laufwerk. Ein Tipp auf 33 oder 45, und eine knappe Sekunde später dreht der 3,7 Kilo schwere Teller mit Sollgeschwindigkeit. Da ist also einiges an Drehmoment im Spiel. Wie beim Urvater aller Direktantriebe, dem Technics SL-1200, ist der Teller praktisch Teil des Motors. Die Antriebsspulen sitzen dabei im Chassis, der von ihnen angetriebene Magnetring ist dagegen fest mit dem Teller verschraubt. Der Teller selbst ist einteilig und hochpräzise aus Aluminium gedreht. Er verfügt über ein schimmerndes Diamantfinish und läuft perfekt rund.

Ähnlich wie bei Technics soll eine zähelastische Gussmasse auf der Tellerunterseite die Eigenresonanz des großen Rundlings bedämpfen. Das funktioniert nur mittelgut, wie ein Klopftest mit aufliegender Nadel ergibt. Die Eigenschwingung, ein dezentes „Dünggg“, trat beim Musikhören aber nie störend in Erscheinung.
Eine Matte im herkömmlichen Sinn hat der 404 nicht. Dafür aber zehn griffige Gummieinlagen in passenden Ausfräsungen in der Telleroberseite. So bekommt dein Vinyl Halt und Schutz und der Teller einen coolen, leicht spacigen Look, der viel von seinem edlen Metallfinish preisgibt. Wir finden den gesamten Spieler optisch sehr gelungen. Und wenn wir die Menschentrauben bei seiner ersten öffentlichen Vorstellung auf der High End in München richtig in Erinnerung haben, sind wir nicht die einzigen.

Die gefräste MDF-Basis unter der gebürsteten Alu-Deckplatte gibt’s in drei verschiedenen Oberflächen. Unser Testgerät kam in hochglanzlackiertem Nussbaumfurnier. Noch stimmiger wirkt das Design aber – unserer Meinung nach – in der Ausführung in mattem Eichenholz: sehr Seventies-selig, sehr skandinavisch – und auch die Haube aus rauchfarbenem Acryl passt perfekt dazu.
Unser Fazit zum Thorens TD 404 DD
Mit exzellentem Tonarm, erzstabilem Direktantrieb und gelungenem Design gehört der TD 404 DD ganz klar zu den attraktivsten Spielern seiner Preisklasse. Bei der Anschaffung musst du neben dem Preis des Spielers noch etwas Geld für einen Tonabnehmer und ein Anschlusskabel einplanen. Aber niemand verlangt, dass du es da gleich übertreibst. Mit einem guten, aber erschwinglichen MM kommst du auf diesem Direkttriebler schon extrem weit. Als Kabel reicht im Grunde jedes kapazitätsarme Cinchkabel und ein Stück Klingeldraht für die Massenverbindung. Eleganter ist natürlich ein explizites Phonokabel. Beim 404 darf dieses auch symmetrisch sein: Der Spieler offeriert an seinem Anschlussfeld sowohl Cinch- als auch XLR-Buchsen.
Hier findest du den Thorens TD 404 DD im Angebot:
| Technische Daten | |
| Antrieb | Direkt |
| Tonabnehmer ab Werk | – |
| Tonarm | TP 160 (9 Zoll) |
| Teller | Aluminium mit Gummieinlage, 3,7 kg |
| Motor | 24V DC, Scheibenläufer |
| 33 ⅓ / 45 / 78 RPM | Ja / Ja / Ja |
| Anti-Skating einstellbar | Ja (stufenlos) |
| Höhenverstellbare Füße | Ja |
| Integrierter Phono-Vorverstärker | – |
| Preis | 4.499 Euro |
Alle von uns getesteten Plattenspieler findest du hier, in unserer Bestenliste: