Ist Netflix auf dem Weg zur All-in-One-Streaming-App?
Bild: Mollie Sivaram via UnsplashJeder Streaming-Dienst hat seine eigene App. Daran hast du dich sicherlich mittlerweile gewöhnt. Doch einige Plattformen zeigen sich da offener als andere. Amazon bietet etwa nicht nur Inhalte von Prime Video an, sondern erlaubt dir auch das Abonnieren diverser Channels. Durch diese kannst du dann z. B. auch auf Apple TV, Paramount+ oder andere Rivalen direkt über Prime Video zugreifen. Und Joyn integriert z. B. die Inhalte der öffentlich-rechtlichen Sender teilweise in sein Angebot. Offenbar sagt auch Netflix dieses Prinzip grundsätzlich zu. Derzeit prüft der Streaming-Dienst seine Optionen.
Speziell in den Vereinigten Staaten werden solche Synergien immer wichtiger. Denn YouTube entwickelt sich dort bereits zu einer Art Ersatz fürs Fernsehen. In den USA kannst du deswegen z. B. direkt über YouTube auch Dienste wie HBO Max abonnieren. Inzwischen will Netflix da wohl nicht mehr komplett außen vor bleiben. Angeblich sollen diesbezüglich bereits Verhandlungen mit etwa Peacock laufen.
Auch wenn Netflix sich bei der Integration von Partnerdiensten wohl zunächst auf die USA konzentrieren möchte, ist eine internationale Expansion wahrscheinlich. Da müsste der Streaming-Marktführer eben jeweils regional entscheiden. In Deutschland könnte man da beispielsweise die Fühler ausstrecken, um vielleicht Joyn, MagentaTV oder gar RTL+ ins Boot zu holen. Die zusätzliche Reichweite wäre bei den Anbietern sicherlich willkommen.
Streaming-Bundles liegen nicht nur bei Netflix im Trend
Doch warum wollen Streaming-Dienste wie Netflix überhaupt mit der Konkurrenz gemeinsame Sache machen? Ist das nicht eigentlich paradox? Nun, inzwischen wird es im Dickicht der vielen Plattformen immer schwerer, Neukund:innen zu gewinnen und bestehende Abos zu halten. Daher streben viele Anbieter danach, für ihre Community auch zu einem zentralen Anker zu werden. Vereinfacht gesagt: Wer z. B. über die Prime-Video-App auch Apple TV, Paramount+, Crunchyroll und mehr aufruft, nutzt die Plattform von Amazon als zentrale Anlaufstelle. Damit sinkt das Risiko enorm, dass er oder sie sich davon komplett verabschiedet.
Zudem fließen natürlich auch Provisionen. Für Netflix könnte es somit auch sehr lukrativ sein, die Dienste von Partnern einzubinden und gewissermaßen selbst von deren Erfolg zu profitieren. In Frankreich experimentiert man damit bereits zaghaft, indem man Inhalte des regionalen Senders TF1 anbietet. Die Kooperation hat das Management bereits als sehr aussichtsreich eingestuft (via The New York Times).
Die Zeit muss zeigen, wie Netflix da vorgehen wird. Schließlich wird der Streaming-Dienst Partner auch davon überzeugen müssen, dass es für sie vorteilhaft wäre, direkt in der Netflix-App Präsenz zu zeigen.