Klipsch The Nines II im Test: Streaming-Box für Anspruchsvolle
- Leistung
- k.A.
- Eingänge
- 1x HDMI 2.1, 1x HDMI eARC, USB-C, Optisch Digital, Koax digital, Line RCA, Line XLR, Phono MM RCA
- HDMI ARC / eARC
- Ja / Ja
- Quellen kabellos
- Bluetooth 5.4, Chromecast, AirPlay 2
- Streaming
- Ja (Qobuz, Tidal, Spotify)
- Abmessungen (BxHxT)
- 245 x 460 x 375 mm
- Gewicht
- 14,9 kg (Hauptbox), 14,5 kg (zweite Box)
- Paarpreis
- 2499 Euro
Du suchst eine Streaming-Aktivbox, die ausgewachsene HiFi-Anlagen deklassiert? Dann könnte die The Nines II genau passen. Vom Plattenspieler bis zur Spielkonsole ist jede Quelle willkommen. Die Boxen sind etwas größer, der Sound dafür aber schlicht atemberaubend, dynamisch und basstüchtig.
- Sehr ausgewogener, klarer, räumlich präziser Klang
- Tiefer und pegelfester Bass
- Viele Eingänge incl. XLR, USB-C und HDMI
- Schöne Verarbeitung
- Internetradio oder DLNA-Serverzugriff nur mit Fremd-Apps
Die Klipsch The Nines II ist das größte der drei smarten Aktivboxenmodelle des US‑Herstellers. Von ihren kleineren Geschwistern The Fives und The Sevens unterscheidet sich die Nines hauptsächlich durch ihr ausladendes Format. Während die Fives noch klassisch aufs Sideboard oder Regal passen, wird’s mit den deutlich voluminöseren Sevens schon langsam eng neben dem TV. Bei den Nines II ist dann endgültig Zeit für separate Ständer. Steht hier für knapp 2500 Euro eine komplette, streamingfähige Anlage mit Heimkinoambitionen parat? Wir machen den Hörtest – auch im Vergleich zur sehr guten The Sevens II.
Hier bekommst du die Klipsch The Nines II:
Klipsch The Nines II im Hörtest: nicht nur größer, sondern besser
Gegenüber der Klipsch The Sevens II bringt die Nines im Tiefton 50 Prozent mehr Membranfläche mit, und das Gehäuse ist proportional mitgewachsen. Wir rechnen also mit stärkerem und tieferem Bass – und bekommen ihn auch. Der Größenvorteil macht sich mit Filmton und Musik gleichermaßen bemerkbar, und das sehr deutlich. Die paar Hertz Unterschied in der unteren Grenzfrequenz, die das Datenblatt verzeichnet, beschreiben nicht ansatzweise, was wir im Hörraum erleben: fundamentalen Tiefton, der uns mit Carl Craigs House-DJ-Set Sessions Vol. 1 schon fast in einen Club beamt.

Die Siebener sind hier auch schon eindrucksvoll, lassen sich eigentlich nur in freistehenden Häusern ans Limit ihrer Pegelfestigkeit bringen. Wobei sie auch dann nie grob clippen oder verzerren, sondern der bevorstehenden Überlastung elegant ausweichen: Ab einer bestimmten, zugegebenermaßen schon sehr hohen Lautstärke beginnt die DSP-Regelung, die tiefsten Frequenzen dynamisch zu begrenzen.
Wer noch lauter dreht, bekommt zwar mehr Pegel, muss aber zunehmend auf Tiefbass verzichten. Aber Gemach: Diese Grenze überschreitest du bereits mit der The Sevens nur mit echten Partypegeln. Die Nines II können noch viel mehr, klingen dabei aber zugleich noch angenehmer. Den dynamischen Tiefbass-Limiter erreichst du in normalen Wohnräumen praktisch gar nicht mehr, weil vorher deine Ohren Alarm schlagen.

Pegelfestigkeit und Tiefgang liefert die The Nines II also genau im erwarteten Ausmaß. Die Klipsch-Entwickler sind Meister darin, kompakten Gehäusen verblüffende Dynamik zu entlocken. Die Nines II sind dafür ein Paradebeispiel. Aber im Alltag ist ein anderer Vorteil dieses Modells noch viel entscheidender: Die Nines II klingen selbst gegenüber den exzellenten Sevens noch verzerrungsfreier, lebendiger und tonal überzeugender.
Neugierig geworden, wie die Klipsch The Nines im Vergleich mit anderen Aktiv-Lautsprechern abschneiden? Unsere Bestenliste hat die Antwort:
Der Sevens überlegen – direkt aus der Box
Im Bericht zur The Sevens II hatten wir ganz vorsichtig deren Tendenz kritisiert, feinere Details – Klavieranschläge, die Artikulation einer Sängerin, das Knacken und Knarzen eines Akustikgitarren-Korpus – minimal unterzubelichten. Die Aktiv-Lautsprecher spielten sehr unaufdringlich und räumlich präzise, konnten je nach Aufnahme aber auch etwas verschlossen und fast zu dezent wirken.

Bei der Sevens II hatten wir uns in solchen Fällen mit einer ganz leichten Anhebung des Präsenz- und Hochtonbereichs mit dem grafischen Equalizer beholfen. Die Nines II hat das nicht nötig. Ihr Mittelhochton fließt völlig mühelos aus der Boxenebene weit in den Raum hinein. Trotz weitgehender Deckungsgleichheit in der tonalen Balance wirkt die große Klipsch anspringender, mitteilsamer, natürlicher und lockerer.
Den nötigen Platz und das entsprechende Budget vorausgesetzt, ist es also sinnvoll und richtig, dich für die The Nines II zu entscheiden – selbst wenn du deren Dynamik- und Bassfähigkeiten gar nicht im vollen Umfang nutzen willst. Das Topmodell ist einfach die noch gelungenere, noch überzeugendere HiFi‑Box. Eine allgemeine Faustregel kannst du daraus aber nicht ableiten. Zwar sind die größten Boxen einer Baureihe fast immer quantitativ überlegen – können also lauter und tiefer.
Stimmiger und in HiFi-Kriterien überzeugender klingen sie aber häufig eben gerade nicht – siehe etwa unseren Test der Audio Pro A48 W, die den Charme ihrer kleineren Schwestern vermissen ließ. Auch die The Nines aus der ersten Generation zeigte die audiophilen Qualitäten ihrer Nachfolgerin lange nicht so deutlich. In der hier getesteten Mk‑II‑Familie ist unsere Empfehlung dagegen ganz klar: Die Sevens II ist auch schon klasse. Aber wo immer du sie finanziell und räumlich untergebracht bekommst, schenkt dir die Nines II eine absolut lohnende Extraportion Hörspaß.
Klipsch The Nines II: mit allen digitalen Wassern gewaschen
Die The Nines ist ein Aktiv-Set aus zwei Zweiwegeboxen, die für jeden ihrer Treiber eine eigene, maßgeschneiderte Class-D-Endstufe eingebaut haben. Eingänge, Steuerung und Signalverteilung sitzen dabei in einer der beiden Boxen, die wahlweise rechts oder links stehen kann. Das entscheidest du mit einem Schalter im Einstellmenü auf der „Klipsch Connect Plus“-App.

Der jeweils andere Kanal gelangt wireless per Funk von der Haupt- in die technisch-akustisch identische Nebenbox, die die Signale dann selbst verstärkt. Für hochauflösende Tonformate empfiehlt Klipsch, statt der Funkverbindung das beiliegende CAT6-Kabel zu nutzen. Was wir im Test dann auch durchgehend taten.
Im Tiefton arbeitet in jeder Box ein Achtzoll-Treiber (20 Zentimeter Korbdurchmesser) mit Klipschs bewährter Cerametallic–Membran, die hier aber nicht in dem gewohnten Kupferton, sondern schwarz eloxiert wurde. Vom Korb oder den Befestigungsschrauben siehst du nichts. Beide Chassis sind von hinten an der einteiligen Schallwand befestigt.

Anders als in der Vorgängergeneration – und ähnlich wie das Gehäuse der KEF LS Luxe – besteht diese Schallwand aus BMC (Bulk Molding Compound), einem Gemisch aus Kunststoff, Glasfasern und mineralischen Füllstoffen, das heiß in Form gepresst wird. Der Rest des Gehäuses wird ganz traditionell aus echtholzfurniertem MDF geschreinert. Ein Bassreflexkanal an der Rückwand unterstützt den Tiefton, der zudem digital entzerrt wird. So erreicht die Nines Bassfrequenzen, die mit einem passiven Lautsprecher gleicher Größe nicht realisierbar wären.
Klipsch ohne Horn? Undenkbar!
Im Hochton arbeitet ein 25-Millimeter-Treiber mit Titankalotte im Zentrum eines großen, quadratischen Tractrix-Horns, das Teil der nahtlos gegossenen BMC-Schallwand ist. Das Horn hat vielfältige Auswirkungen: Es sorgt für eine milde Bündelung des abgestrahlten Schalls und erhöht den Wirkungsgrad drastisch. Ersteres macht die Box unempfindlicher gegenüber reflektierenden Flächen in nicht idealen Hörräumen.

Der Direktschall wird dadurch nicht so schnell durch Reflexionen verwässert, die Abbildung bleibt auch in etwas größeren Hörabständen noch griffig und präzise. Der höhere Wirkungsgrad senkt direkt die Verzerrungen: Für gleiche Lautstärke sind weniger Leistung und geringere Membranauslenkungen nötig. Dadurch kann das Horn schon bei deutlich tieferen Frequenzen einsteigen als eine normale Kalotte. Bei der The Nines II zum Beispiel schon ab 1600 Hertz, fast eine Oktave früher als bei „normalen“ Zweiwegeboxen. Was wiederum dem Tiefmitteltöner entgegenkommt, der mehr Abstand vom heiklen oberen Ende seines Übertragungsbereichs halten kann.

Klipsch hat die The Nines II sehr sorgfältig und neutral abgestimmt. Dieses Voicing erhältst du am originalgetreuesten, wenn du die Boxen im „Direkt“-Klangmodus betreibst. Voreingestellt ist bei den neuen Boxen der spektakuläre, weiträumig einhüllende „Film“-Modus. Einfluss auf den Klang kannst du mit einem fünfbandigen Equalizer nehmen und deine Lieblingseinstellung auch abspeichern.
Ein noch mächtigeres Werkzeug ist aber das Einmesssystem Dirac, das mit einer „limited bandwidth“-Lizenz (die übrigens völlig ausreicht) fest in die Klipsch-Firmware integriert ist. Mit dem beiliegenden Messmikrofon erkundet dieses System die Akustik deines Hörraums, um anschließend genau abgestimmte Korrekturfilter zu berechnen. Das funktioniert je nach Akustik mal besser, mal weniger gut, ist aber auf jeden Fall ein wertvolles und wirksames Feature.
Klipsch The Nines II: App mit wenig Streamingkomfort
Alle Einstellungen erreichst du übersichtlich mit der Klipsch-App, die – wie auch die integrierte Streaming-Elektronik – in Zusammenarbeit mit dem neuen Klipsch-Konzernpartner Onkyo entstanden ist. Ganz happy sind wir damit nicht, weil die App zwar Eingänge aussucht, Einstellungen aller Art erlaubt, die Lautstärke regelt und Softwareupdates auslöst – aber keine Musikauswahl jeglicher Art erlaubt.
Die großen Streamingdienste Qobuz, Tidal und Spotify sind davon kaum betroffen, weil sie ohnehin die Verwendung ihrer eigenen Apps favorisieren. Diese steuern dann per Connect-Protokoll den Streamer in der Klipsch. Für Internetradio musst du dir aber selbst etwas einfallen lassen, also etwa die TuneIn-App starten und den gewünschten Sender von dort per AirPlay oder Chromecast auf die Klipsch schicken.
Auch für lokale UPnP- oder DLNA-Mediaserver (auf NAS-Platten, dem PC oder sonstwo) fehlt der App ein nativer Zugriff. Als Übergangslösung funktioniert das kostenlose „Mconnect Lite“ sehr gut, für Android geht sicher auch „BubbleUPnP“. Eine native Unterstützung in der Klipsch-App, samt nichtflüchtiger On-Device-Playlist, wäre uns aber bedeutend lieber gewesen. Denn dann könnten die Boxen nach dem Abspielbefehl ganz ohne Mitwirkung des Smartphones ihre Listen abarbeiten, statt nach jedem Track bei der externen App nachfragen zu müssen, was als Nächstes kommt.

Das passiert zwar automatisch und unbemerkt im Hintergrund – aber nur, solange jene App auch erreichbar ist. Stehst du also beim Trackwechsel zufällig gerade draußen am Grill und hast das Handy dabei, bleibt im Wohnzimmer die Musik stehen. Auch Entwicklungspartner Onkyo kann das eigentlich besser – etwa beim Streaming-Amp Onkyo A-50.
Unser Fazit zu den Klipsch The Nines II
Die römische Zwei bedeutet hier mehr als nur ein paar Updates. Gegenüber der alten Nines bekommst du einen zusätzlichen HDMI-Eingang, das vielseitigere eARC statt ARC, einen (mit kleinen Einschränkungen) vollwertigen integrierten Streamer, unabhängige rechte und linke Boxen mit Wireless-Sync, sowie nicht zuletzt einen deutlich natürlicheren Klang. Erhalten geblieben sind zum Glück die exzellente Bassperformance und die heftige Dynamik dieses Aktiv-Boxensets. Das in drei Echtholzfurnieren und mit der gegossenen Schallwand zudem auch optisch und haptisch nur positiv auffällt.
Hier kannst du die Klipsch The Nines II direkt bestellen:
| Technische Daten | |
| Bauart | 2-Wege Bassreflex |
| Leistung | k.A. |
| Eingänge | 1x HDMI 2.1, 1x HDMI eARC, USB-C, Optisch Digital, Koax digital, Line RCA, Line XLR, Phono MM RCA |
| HDMI ARC / eARC | Ja / Ja |
| Quellen kabellos | Bluetooth 5.4, Chromecast, AirPlay 2 |
| Ausgänge | 1x Sub Out (mono, mit Pegelregler im App) |
| Streaming | Ja (Qobuz, Tidal, Spotify) |
| Sprachassistenten | – |
| Bedienung | IR-Fernbedienung, App, Eingangswahl und Volume auch an der Hauptbox) |
| Verbindung Primary/Secondary | Funk / CAT6 |
| Abmessungen (BxHxT) | 245 x 460 x 375 mm |
| Gewicht | 14,9 kg (Hauptbox), 14,5 kg (zweite Box) |
| Verfügbare Farben | Echtholzfurnier Walnuss, Red Oak oder Ebenholz Schwarz |
| Paarpreis | 2499 Euro |
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