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Technik erklärt: Tonabnehmer

Der Tonabnehmer ist das erste und wichtigste Glied der hochsensiblen Vinyl-Wiedergabekette. Doch wie funktioniert er eigentlich?
Nahaufnahme: Tonabnehmer in der Rille Bild: Pixabay

Oft beginnt das Hobby Vinyl mit einem einfachen Komplett-Plattenspieler. Tonarm und Tonabnehmer sind hier ab Werk vormontiert, und manchmal ist sogar der Phono-Vorverstärker gleich integriert. Wenn du dann nach einer Weile ausprobieren möchtest, was klanglich in der guten alten Schallplatte steckt, erreichst du in vielen Fällen mit einem neuen Abnehmer ein erhebliches klangliches Update . Das wundert nicht, denn die Nadel ist das erste und wichtigste Glied der hochsensiblen Vinyl-Wiedergabe.

Vinyl: Tonabnehmer-Nadel auf Platte
Der Tonabnehmer ist das erste und wichtigste Glied der hochsensiblen Vinyl-Wiedergabekette. | Bild: Moehre1992, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Musik aus der Rille

Das Funktionsprinzip eines Schallplatten-Tonabnehmers ist schon verblüffend: Eine mikroskopisch feine Spitze, meist aus Diamant, läuft durch eine Schallplattenrille, die nicht breiter ist als ein menschliches Haar. An den Flanken dieser v-förmigen Rille sind links und rechts die akustischen Informationen in winzigen Strukturen eingeschrieben.

Plattenrille Nahaufnahme
Wo die Musik spielt: Die Rille einer Schallplatte ist nicht breiter als ein menschliches Haar. | Bild: Pixabay.com

Diese muss die Nadel möglichst präzise abtasten. Es entstehen mikroskopisch kleine Bewegungen, die über einen vergleichsweise riesigen Hebel (den Nadelträger) in das Innere des Systems übertragen werden. Dort werden daraus je nach Tonabnehmer-Typ auf verschiedenen Wegen minimale elektrische Impulse erzeugt. Diese winzigen Impulse werden dann in mehreren Stufen verstärkt bevor du sie als Musik aus den Lautsprechern hören kannst.

So gesehen grenzt es fast schon an ein Wunder, dass dieses komplexe elektromechanischen System überhaupt funktioniert. Und wie gut schon preiswerte Abtaster klingen, ist wirklich beachtlich. Doch aus den meisten Plattenspielern lässt sich mit einem besseren Tonabnehmer auch noch ein besserer Klang herauskitzeln.

Die häufigsten Tonabnehmer-Typen

Heute gebräuchlich sind vor allem Moving Magnet Tonabnehmer (MM) und Moving Coil Tonabnehmer (MC). Im Allgemeinen gelten MM-Systeme als etwas einfacher und günstiger, MC-Systeme als teurer und feiner klingend. Doch natürlich gibt es auch dafür Ausnahmen. Richtig ist jedoch, dass die meisten Einsteiger-Plattenspieler mit MM-Tonabnehmern ausgestattet sind und oft auch nur dafür geeignet sind. MC-Abnehmer stellen in jedem Fall höhere Ansprüche an Tonarm und den restlichen Plattenspieler.

Tonabnehmer clearaudio Concept MC
Moving Coil Tonabnehmer gelten als die Feingeister unter den Tonabnehmern. | Bild: clearaudio

Das Gleiche gilt für den Phono-Vorverstärker. MM-Tonabnehmer brauchen eine weniger aufwändige Vorverstärkung und finden sich deshalb (wieder) in vielen Verstärkern und AV-Receivern. Auch wenn dein Plattenspieler eine integrierte Phono-Vorstufe hat, ist sie vermutlich nur für Moving Magnet geeignet.

Phono-Preamps für Moving Coil Tonabnehmer sind technisch aufwändiger und deshalb teuerer. Dafür sind sie meist aber auch für MM- und MC-Betrieb umschaltbar. Reine MC-Vorstufen sind selten, gibt es aber auch.

 

Außer MM- und MC-Systemen gibt es mit dem sogenannten Moving Iron Prinzip noch eine weitere Variante des elektromagnetischen Tonabnehmers, die aber nur selten vorkommt. Noch exotischer sind Tonabnehmer mit piezoelektrischen Dehnungsstreifen, Laser-Abtastung oder optischer Erfassung der Plattenrille. Alle diese Technologien gibt es, doch sie sind meist sehr teuer und spielen nur im absoluten Luxus-Segment eine (kleine) Rolle.

Es dürfte kaum ein individuelleres Thema beim Hobby HiFi geben als die Auswahl eines Tonabnehmers. Neben den offensichtlichen Kriterien (Preis, Plattenspieler, Tonarm, Phonovorverstärker) gibt es viele weitere Aspekte und persönliche Vorlieben, die in diese Entscheidung einfließen. Nicht wenige langjährige Vinyl-Fans bauen sich deshalb im Laufe der Zeit eine kleine Sammlung von Systemen auf, die sie je nach Zweck und Tageslaune einsetzen.
Gerade beim Kauf von Tonabnehmern geht also nichts über das eigene Ausprobieren!

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