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Philips Fidelio X3 im Test: Weiterentwicklung des beliebten X2

Nachdem es um Philips und seine Fidelio-Kopfhörer zunächst recht still geworden war, taucht nun der Philips Fidelio X3 wie der Phönix aus der Asche auf. Wir gehen der Frage auf den Grund, ob er das Zeug dazu hat, das Erbe der X-Serie erfolgreich weiterzuführen.
Philips Fidelio X3
Preis
349,99 Euro
Gewicht
380 g
Kopfhörertyp
Over-Ear / Offen
Frequenzbereich
5 Hz - 40 kHz
Mitgeliefertes Zubehör
3 m Klinkenkabel, Adapter-Stecker (3,5 mm auf 6,3 mm), Tasche
In Kürze
Mit dem neuen kabelgebundenen X3 setzt Philips seine bei Kopfhörerfreunden geschätzte Fidelio-X-Serie fort. Hier geht es nicht um drahtlose Convenience, sondern um hochkomfortablen Hörgenuss nach alter Manier. Wenn du in diesem Preissegment nach audiophilen Tugenden suchst, solltest du dir den offen konstruierten Over-Ear-Kopfhörer durchaus näher ansehen.
Vorteile
  • Austauschbare Kabel
  • Symmetrische Kabel beiliegend in 3 Meter Länge
  • Hoher, ermüdungsfreier Tragekomfort
  • Langzeittaugliches Hörbild
  • Authentisches Klangbild
  • Auch für mobile Geräte geeignet
Nachteile
  • Kein kurzes Kabel im Lieferumfang

Beim Fidelio X3 setzt Philips wie schon bei den beiden Vorgängern, dem X1 und dem X2, auf klassische Tugenden. Statt drahtlos per Bluetooth empfängt er die Signale über Kabel und bietet große, bequem um das Ohr herum anliegende Ohrpolster. Hierdurch macht Philips bereits am Äußeren den klanglichen Anspruch deutlich, der dem X3 zugrunde liegt. 

Fidelio X3 im Test: Das audiophile Konzept

Dies setzt sich beim Frequenzgang fort. Laut Datenblatt erreicht der X3 für das menschliche Ohr nicht mehr hörbare Bereiche bis 40 kHz und steigt mit tiefen 5 Hz sogar bis in die Regionen des Infraschalls hinab. Davon können drahtlose Kopfhörer nur träumen. Denn inzwischen hat die Technik bei der drahtlosen Musikübertragung klanglich zwar aufgeholt, aber spätestens bei hochaufgelösten Inhalten (HiRes-Audio) haben audiophile kabelgebundene Hörer die besseren Karten.

Der Philips Fidelio X3 im Test / mit Verpackung

Der Philips Fidelio X3 bringt alle Tugenden eines kabelgebundenen HiFi-Kopfhörers mit. Für die Entwicklung des X3 hat Philips Benoit Burette verpflichtet, der bereits bei den Vorgängermodellen mitgewirkt hat. Trotzdem handelt sich keineswegs um alten Wein in neuen Schläuchen, denn der neue Fidelio X3 wurde sowohl optisch als auch akustisch verfeinert.

Außerdem „reagieren“ Kopfhörer auch auf unterschiedliche Kabel. So wirken sich sowohl die Beschaltung der Kabel, sprich symmetrisch oder unsymmetrisch, wie auch das verwendete Leitermaterial durchaus hörbar auf das Klangbild aus.

Lobenswert: Die mitgelieferten Kabel des Philips Fidelio X3

Aufgrund seiner offenen Konstruktion wird der Fidelio X3 eher in einer ruhigen Umgebung zu Hause oder auf der Terrasse zu finden sein. Denn damit dämmt er Außengeräusche kaum, und auch die von ihm ausgestrahlte Geräuschkulisse eignet sich weniger für Bus und Bahn. Um so erfreulicher, dass Philips dem X3 gleich zwei 3 Meter messende Kabel beilegt, die auch längere Entfernungen zwischen dem Hörplatz und dem Quellgerät überbrücken.

Bei einem dieser beiden Kabel handelt es sich sogar um ein symmetrisches Kabel mit einem 2,5-mm-Klinkenanschluss. Neu ist auch, dass Philips nicht mehr wie bisher nur eine Ohrmuschel ansteuert, sondern beim neuen X3 auf eine doppelseitige Verkabelung setzt. Deren Vorteile liegen auf der Hand. Zum einen bietet die symmetrische und somit störfreiere und zudem leistungsmäßig kräftigere Ansteuerung klangliche Vorteile. Zum anderen sind das Handling und der Tragekomfort aufgrund der kürzer gehaltenen Stecker verbessert. 

Dank der niederohmigen Auslegung von gerade mal 30 Ohm überfordert der Fidelio X3 auch die Verstärker von mobilen Geräten wie Tablets oder Smartphones nicht. Wer das klangliche Potenzial wirklich ausreizen will, der greift für den mobilen Einsatz allerdings lieber auf einen dedizierten Digital Audio Player zurück.

Klangbewertung des Fidelio X3

Wer damit gerechnet hat, dass die Entwickler des X3 einfach den Klang des X2 übernommen haben, der dürfte sich ziemlich wundern. Beim Titelstück Alice aus Tom Waits’ gleichnamigem Album zeigt sich recht schnell, dass hier eine grundlegende Verfeinerung stattgefunden hat. So wirkt der Vorgänger X2 zunächst vordergründiger, bildet etwas konzentrierter und enger ab und zieht die Bühne weiter nach vorne. In der Summe führt dies dazu, dass er ein wenig angestrengter als der neue X3 wirkt.

Der X3 in der Seitenansicht auf dem Ständer
Der X3 knüpft an die Tugenden seines Vorgängers an, kommt dabei aber auch mit einem weicheren und feineren Klangbild daher.

Der X3 hingegen klingt distanzierter und unaufgeregter, er verkneift sich zunächst ein selbstbewussteres Auftreten. Dies führt nach langem Hören aber letztlich zu der Erkenntnis, dass gerade dadurch zwischenmusikalisch eingewebte Feinheiten deutlicher wahrnehmbar werden. Das macht das Stück insgesamt nachvollziehbarer und authentischer. Die Stimme von Tom Waits beispielsweise zeigt sich nicht alles dominierend, sodass das Saxofonspiel prägnanter in Erscheinung tritt und sich ausgewogener darstellt. 

Philips Fidelio X3 im Test - Freqenzdiagramm
Der Graph zeigt den ausgewogenen Frequenzverlauf des X3 auf dem linken Kanal (rot) und dem rechten Kanal (grün).

Im direkten Vergleich mit dem X2 zeigt sich, dass der X3 die Bühnenbreite weiter ausleuchtet, und auch der Blick in die Tiefe gelingt ihm weitläufiger. Natürlich sprechen wir hier über Nuancen, aber diese bewirken eine authentischere Darstellung und lassen den neuen Fidelio X3 einfach stimmiger wirken. 

Blick auf die Klangdetails

Die Auflösung des X3 ist für seine Preisklasse überdurchschnittlich. Die obersten Lagen gibt er sehr detailliert und feinzeichnend wieder, und feine Zwischentöne, wie die Strömungsgeräusche des Saxofonspiels macht er wahrnehmbar, ohne sie überpräsent werden zu lassen.

Diese feindynamische Transparenz geht mit einer niemals glasigen oder harten Hochtonauflösung einher. Gerade über die symmetrische Verbindung gibt der Philips Fidelio X3 allerfeinste Details noch konzentrierter und trotzdem unaufdringlich wieder. Dadurch wirkt sein Spiel energetisch und einnehmend.

Einem Sennheiser HD 560S gegenüber zeigt der X3 sich satter ausbalanciert und farbintensiver aufspielend, während er sich einem Beyerdynamic Amiron Home sehr nah an die Fersen heftet. Dessen räumlich stärker ausgeprägter und mit sanftem Grundtonschmelz ausgestatteter Charakteristik setzt der Philips X3 eine leicht kompaktere, aber dafür akkuratere Intonierung der feinsten Details entgegen. Interessant ist zudem der Vergleich mit dem Sennheiser HD 660S: Der HD 660S tönt eher sanft und mit einer ausgeprägteren Tiefenstaffelung ätherischer, während der Philips mit energetischer, direkterer und vordergründigerer Intonierung auf sich aufmerksam macht. Mit einem offenen Audeze LCD-X (ca. 1.500 Euro) kann der Philips Fidelio X3 nicht mithalten, erreicht aber für seine Preisklasse ein eindrucksvoll hohes Klangniveau.

Philips Fidelio X3: Das Design

Das Design des Fidelio X1 und X2 ist von einer eher progressiv-industriellen Ausrichtung geprägt. Die Designsprache des Fidelio X3 in unserem Test hingegen verkörpert eine Neuausrichtung zu mehr Luxus und Gediegenheit. Besteht der äußere Kopfbügel der Vorgängermodelle aus zwei glatt polierten, parallel verlaufenden Metallstäben, so verfügt der X3 hier über einen sehr fein polierten, mattschwarzen Vollmetallbügel, der von schwarzem Leder umhüllt wird. Aber beim X3 findet nicht irgendein Leder, sondern von dem schottischen Unternehmen Muirhead, welches für die besondere Qualität seines Leders und verantwortungsvolle Herstellung bekannt ist.

Philips Fidelio X3 mit den beiliegenden abnehmbaren Kabeln
Das Kopfband der Fidelio X3 lässt sich genau auf den Kopf des Trägers abstimmen und bietet auch auf lange Hördauer einen großartigen Tragekomfort. Außerdem lobenswert: Die Kabel mit symmetrischer Signalübertragung!

Natürlich findet sich auch hier das zweite, flexible Kopfband wieder, bei dem die Anpassung an den Kopf des Trägers stufenlos und wunderbar wie von Geisterhand geschieht. Das sorgt in Verbindung mit dem gut dosiert festen Anpressdruck für hervorragenden Tragekomfort, der auch längere Hörsessions erlaubt. 

Die Ohrmuscheln treten nicht mehr als vordergründiger Blickfang auf, sondern vielmehr als Einheit. Der vom dänischen Hersteller Kvadrat beigesteuerte Stoff umhüllt die nach außen gerichtete Seite der Ohrmuschel und findet sich nicht nur auf hochwertigen Sofas, nein, auch Lautsprecher-Hersteller wie KEF kleiden ihre Lautsprecher mit Stoff von Kvadrat ein. 

Die seitliche Stoffabdeckung der Philips Fidelio X3
Die hochwertigen Stoffabdeckungen von Kvadrat veredeln und vervollständigen den einheitlichen Look der Fidelio X3 auf der Außenseite der Ohrmuscheln.

Insgesamt setzt der X3 der eher technischen Erscheinung der Vorgängermodelle seine Eleganz und Unaufgeregtheit entgegen. Dass der Fidelio X3 für sein Design mit dem begehrten Red Dot Design Award 2020 ausgezeichnet wurde, beweist, dass er damit den Nerv der Zeit zu treffen scheint.

Die Technologie des X3

Philips setzt hier auf Bewährtes und greift auf einen dynamischen 50-mm-Treiber aus drei unterschiedlich starken, mit Dämpfungsgel gefüllten Polymerschichten zurück. Dies soll das Aufbrechen der Membran bei höheren Frequenzen und damit harte, glasige Höhen verhindern.

Bei Betrachtung der Membran fällt auf, dass diese beim X2 über 40 feine Einkerbungen verfügt, welche die Bildung von Resonanzen verhindern sollen. Mit seinem verbesserten Design und dank der Eigenschaften der Polymerschichten kommt der X3 mit lediglich 20 dieser Einkerbungen aus. Auch das doppelschichtig aufgebaute Gehäuse wirkt Resonanzen und Vibrationen weiter entgegen.

Der Philips Fidelio X3 liegend
Der Fidelio X3 punktet mit einem schönen und akustisch optimierten Design.

War die offene Konstruktion beim Vorgänger von einer sichtbaren abschließenden Einfassung aus Metalldraht geprägt, spielt die Membran des Fidelio X3 rückseitig nun auf eine mit schalldurchlässigem Kvadrat-Stoff umhüllte Ohrmuschel.

Verglichen mit einer festen, vollumfänglich geschlossenen Ohrmuschel ergeben sich dadurch kaum Schallreflexionen, die störend in Erscheinung treten könnten. Deren rückstrahlende Energie wirkt der Membranbewegung entgegen und tritt damit folgerichtig „sabotierend“ (störend) in Erscheinung. Offene Konstruktionen erzielen deshalb per se eine weiträumigere und „luftigere“ Wiedergabe. Das soll auch die um 15 Grad geneigte Anordnung der Treiber unterstützen, welche der gezielteren Abstrahlung in den Hörkanal des Innenohrs dient.

Bedienung und Praxis des Fidelio X3 im Test

Die austauschbaren Kabel bieten dank ihrer Länge eine gewisse Freiheit. Die mitgelieferten Kabel bestehen aus hochreinem, sauerstoffarmem Kupfer und sind keineswegs zu beanstanden. Dank der Stoffummantelung geben sie sich weder störrisch noch neigen sie zu besonderer Mikrofonie, eher im Gegenteil.

Philips Fidelio X3 liegend mit Kabeln
Der Fidelio X3 kommt nicht mehr mit nur einem Kabel wie der Vorgänger X2. Stattdessen hat Philips den X3 mit jeweils einem abnehmbaren Kabel für jede Ohrmuschel ausgerüstet.

Im Alltag punktet der Philips X3 durch unkompliziertes Handling und seinen sehr bequemen Sitz. Trotz seines Gewichtes von 380 Gramm nimmt man ihn nach einer gewissen Zeit kaum noch wahr. Dies ist sicherlich ein Verdienst der großzügig dimensionierten Ohrpolster aus anschmiegsamem Schaumstoff, die von weichem Velours umhüllt sind.

Unser Testfazit zum Philips Fidelio X3

Der Philips Fidelio X3 erweitert die audiophilen Tugenden seiner Vorgänger mit einer noch differenzierteren und filigraner ausgerichteten Spielweise. In dieser Preisklasse dürfte sich kaum ein Kopfhörer finden, der das Spiel der feinen Zwischentöne derart nonchalant und akribisch beherrscht.

Auch bei der räumlichen Darstellung zeigt der X3 größere Facetten, sodass er erst von deutlich kostspieligeren Kopfhörern eingefangen wird. Wer einen audiophilen Allrounder sowohl für den Alltagsgebrauch als auch für besondere Genussmomente sucht, der wird hier sicherlich fündig. 

Technische Daten
Preis 349,99 Euro
Gewicht 380 g
Kopfhörertyp Over-Ear / Offen
Wandler 50 mm, dynamisch
Frequenzbereich 5 Hz - 40 kHz
Mitgeliefertes Zubehör 3 m Klinkenkabel, Adapter-Stecker (3,5 mm auf 6,3 mm), Tasche
Impedanz 30 Ohm

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