Soulnote A-2 ver.2 im Test: Präzisionsverstärker für Analogfans
- Leistung
- 2x 80 Watt / 8 Ohm, 2x 160 Watt / 4 Ohm
- Eingänge
- 3x Cinch, 3x XLR
- Audio-Ausgänge
- 1x Lautsprecher-Paar
- Abmessungen (BxHxT)
- 430 × 160 × 423 mm
- Preis
- 8490 Euro
Eine unorthodoxe, technisch spannende Konstruktion, umgesetzt mit der Routine und Präzision der besten Großseriengeräte: Mit dem gegenkopplungsfreien A-2 ver.2 baut Soulnote einen absolut alltagstauglichen Avantgarde-Verstärker mit hochauflösendem, natürlich fließendem Klang.
- Klarer, dynamischer, fein differenzierter Klang
- Für einen gegenkopplungsfreien Verstärker sehr laststabil und kräftig
- Erlesener Aufbau, feines Finish
- Über gleich zwei Bypass-Kanäle als Endstufe nutzbar
- Nur analoge Eingänge, kein Kopfhörerausgang, kein Pre-Out
- Stromhungrig (70 W im Leerlauf)
Der A-2 ver.2 ist der zweitgrößte Vollverstärker des japanischen Herstellers Soulnote. Im Gegensatz zu den großen japanischen Marken, die in Preis und Ausstattung ihrer Geräte primär den Massen- und gehobenen Consumermarkt anpeilen, nähert sich Soulnote von der ultra-high-endigen, kompromisslosen Seite. Gemessen an anderen Kandidaten desselben Anspruchs wirken die 8500 Euro des Soulnote A-2 ver.2 schon fast bescheiden. Ob der High-End-Spezi seinem Anspruch dennoch gerecht wird – und was rappelnde Gehäuse damit zu tun haben –, erfährst du hier, in unserem Test.
Den Soulnote A-2 ver.2 kannst du in Schwarz oder Silber bestellen:
„Ein gerades Stück Draht mit Verstärkung“
Mit dem normalen HiFi-Geschäft sind die Gründer und Entwickler von Soulnote dennoch bestens bewandert. Schließlich wurde die Muttergesellschaft von Soulnote, die CSR Corporation, 2004 von Norinaga Nakazawa gegründet, der zuvor einer der Top-Ingenieure bei Marantz war. Weitere Marantz-Hochkaräter folgten ihm zum neuen Unternehmen. Marantz war damals gerade mit Denon zu D&M fusioniert und stand zunehmend unter dem Druck branchenfremder Kapitalgeber – was die erfahrenen Entwickler sicher nicht begeistert haben dürfte. Soulnote dagegen startete mit einer klaren, altmodisch-einfachen Mission: das weltbeste HiFi zu bauen.

Mit der überarbeiteten Version 2 des A-2 wollen die Japaner ihrem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen sein. Tatsächlich ist einiges passiert in dem Verstärker, das siehst du schon bei einem oberflächlichen Blick unter die Haube des äußerlich unveränderten Amps. Entwickler Hideki Kato hat praktisch keinen Bereich unangetastet gelassen – außer eventuell die coole Relais-Lautstärkeregelung. Ausstattungsmäßig ist ohnehin nicht viel dran an dem puristischen, reinen Line-Vollverstärker. Analog rein, Lautstärke anpassen, und mit Schmackes zu den Kabelklemmen wieder hinaus: Mehr passiert hier nicht mit dem Musiksignal. Aber das ist ja genau die schwierigste Kunst. Einen Amp zu bauen, der das Signal zwar vergrößert, sich ansonsten aber verhält wie ein kerzengerades Stück Draht. „A straight wire with gain“, so hat HiFi-Entwicklerlegende Peter Walker die Herausforderung einmal beschrieben.
Soulnote A-2 ver.2 im Hörtest: wie ein geölter Blitz
Kato-san hat ganze Arbeit geleistet. Selbst in der vornehmen Preisklasse des A-2 ist so lupenreiner, ungebremster Klang eine absolute Rarität. Was uns immer wieder zu begeisterten Kommentaren hinreißt, ist die enorme Geschwindigkeit und Schwerelosigkeit, mit der der Soulnote feinste Hochtonverästelungen darstellt. Er tut das aber nicht streberhaft-aufdringlich oder gar mit einem generellen Hang zur Helligkeit. Manche Platten klingen tatsächlich heller, aber auch freier und klarer. Aber zugleich wirken andere runder und organischer als gewohnt.

Was generell größer wird, sind die Kontraste zwischen unterschiedlichen Aufnahmen. Wenn Nouvelle Vague auf Bande À Part ihr Bossanova-Cover des New-Order-Klassikers Blue Monday anstimmen, breitet sich das Arrangement weit und stabil im Raum aus, während Mélanie Pains hauchiger Gesang wie eine Projektion vor uns schwebt. Die Raumweite und Tiefe, die der Soulnote mit unseren Tannoy-Monitoren erzeugt, ist spektakulär, ebenso die glatte, wie poliert wirkende Oberfläche der Töne und Stimmen.
Dass der Soulnote auch weniger gepflegte Musik überzeugend verstärkt, wird mit dem Tocotronic-Album Kapitulation offensichtlich: Mein Ruin kontrastiert Dirk von Lowtzows Vocals mit schwelenden Gitarrenriffs und einer straff treibenden Rhythm Section aus Bass und Drums. Mit dem Soulnote können wir die Verzerrungskomponenten des Gitarrenamps fast nachzählen, während die Stimme absolut präzise artikuliert.

Es ist nun kein warmer Wohlfühlklang mehr, sondern bei entsprechender Lautstärke eine punkige, wogende Sound-Brandung, die die Hörer:innen mitreißt und einbezieht. Was der Tatsache keinen Abbruch tut, dass Tocotronic live nochmal ein ganz anderes Energielevel erreichen. So nah wie mit dem A-2 ver.2 kommt man da mit HiFi-Mitteln aber normalerweise nicht ran.
Symmetrisch tönt’s noch besser aus dem Soulnote A-2 ver.2
XLR-Eingänge gibt es an vielen HiFi-Verstärkern. Meist bringen sie bessere Störarmut bei längeren Kabelstrecken, aber nur selten konkrete Klangvorteile. Der Soulnote A-2 ver.2 gehört zu diesen seltenen Fällen. Zum Beispiel, wenn der Phono-Preamp Soulnote E-2 ver.2 ihn über seine symmetrischen Ausgänge mit Musik von unserem Linn LP12 beliefert. Gegenüber der unsymmetrischen Cinchverbindung gewinnt der Klang bei vergleichbarer Sauberkeit noch an Substanz im Bass und Grundton. Noch auffälliger ist aber der weitere Raum: Es wirkt, als hätte jemand etwas an der Akustik geändert oder die Boxen besser aufgestellt. Die virtuelle Bühne wächst in die Breite, aber die Instrumente darauf wirken dadurch nicht gedehnt oder ausgedünnt, sondern konkreter und gewichtiger. Ein klangliches Win-Win also.

Bezugspunkte für einen sinnvollen Klangvergleich sind nicht leicht zu finden. T+As Über-Receiver R 2500 R kommt uns in den Sinn, klingt aber unterm Strich nicht besser. Im Bass kann er eventuell mehr Druck entfesseln als sein japanischer Kollege, im Mittelton immerhin gleichziehen. Im Hochton kommt der deutsche Streaming-Verstärker dann aber einfach nicht mehr hinterher: Der Soulnote klingt, wie oben bereits angedeutet, nicht heller, aber schneller, geschmeidiger, impulsiver – und damit auch natürlicher und aufregender.
Wie sich der Soulnote A-2 ver.2 im Vergleich mit anderen HiFi-Verstärkern verhält, verrät dir ein Blick auf unsere Bestenliste:
Kompromisslose Sound-Architektur bei Soulnote
Dem T+A muss man zugutehalten, dass er nicht nur ein Vollverstärker ist, sondern auch einen Weltklasse-Streamer und -D/A-Wandler enthält, zuzüglich eines FM- und DAB-Tuners und sogar eines CD‑Laufwerks. Er ist ein Multi-Source-Receiver der höchsten Komfortklasse, kann also weder das volle Budget noch seinen gesamten Innenraum der reinen Verstärkung widmen. Im Soulnote-Gehäuse richtet sich dagegen alles nach den Bedürfnissen der vierstufigen Darlington-Endstufe, deren zwei Kanäle sich spiegelbildlich über den gesamten verfügbaren Raum ausdehnen.

Der Hersteller arbeitet dabei mit vierlagigen, extradick (70 µm) kupferkaschierten Leiterplatten und einem wunderschönen Schaltungslayout, das nicht nur optimal geradlinige und kurze Signalwege garantiert, sondern auch von der Liebe und Leidenschaft erzählt, die in seine Entwicklung geflossen sein müssen. Erfahrene Tester, die schon Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Amps aufgeschraubt haben, schauen hier rein, murmeln leise „Oh, wow!“ und lupfen ihren imaginären Hut.
Ein dicker Ringkerntrafo versorgt die Schaltung über Scharen kleiner Sieb-Elkos mit Strom. Die kleine Stückelung der Siebkapazität erlaubt dem Netzteil ein schnelleres Nachladen als die sonst eher üblichen, einsamen Groß-Kondensatoren. Über der vollformatigen Hauptplatine schwebt ein etwas kleineres Huckepack-Board, das neben der Spannungsverstärkerstufe auch eine sehens- und hörenswerte Lautstärkeregelung beherbergt.

Hier dämpfen nicht etwa Potenziometer oder elektronische Chips das Musiksignal auf den gewünschten Spannungswert, sondern eine Schar von Relais, die unter vernehmlichem Klackern die richtigen Präzisionswiderstände in den Signalweg schalten. Ein kleiner Nachteil dieser Lösung ist die begrenzte Zahl an Volume-Schritten: Das schlichte rote Display rattert in Einerschritten von 0 bis 35. Die resultierenden Stufen sind gerade noch ausreichend fein, die Sauberkeit und Dynamik dieser Regelung dagegen außergewöhnlich.
Nur Hochpegeleingänge, Reduktion aufs Wesentliche
Soulnote kauft die Relais übrigens nicht einfach zu, sondern lässt sie nach eigenen Spezifikationen fertigen. Wir zählen auf der Vorstufenplatine allein 38 dieser langlebigen elektromagnetischen Schalter. Die meisten sind der Lautstärkeregelung zugeteilt, die anderen dienen der Eingangswahl. Deine Zuspieler finden an insgesamt sechs Eingängen Anschluss, von denen drei als Cinch- und drei als symmetrische XLR-Buchsen ausgeführt sind.

Einen Phono-Eingang gibt es nicht. Ebensowenig irgendwelche digitalen Schnittstellen: Der A-2 ver.2 ist ein komplett analoger, reiner Hochpegelverstärker, der für die anderen Funktionen gerne auf hauseigene Kollegen verweist: Neben Amps baut Soulnote auch überragende Phono-Vorverstärker und gewaltige DACs. Einzige Ausnahme: Bei Bedarf lässt sich der Verstärker über Schalter auf der Rückseite in eine Stereo- oder Monoendstufe verwandeln. Als Zubringer dienen dann Eingang 1 (Cinch) oder 4 (XLR).
Der A-2 ist im Signalweg nicht nur vollständig analog, sondern auch vollständig diskret aufgebaut, aus eng selektierten, teilweise schwer zu bekommenden und stellenweise sogar eigens in Auftrag gegebenen Halbleitern. In fast jedem Winkel des Geräts finden wir Anzeichen ungewöhnlicher Konsequenz. So ist die Verdrahtung zwischen den einzelnen Baugruppen nicht wie sonst üblich gesteckt, sondern fest verschlungen und verlötet.

Der Trafo trägt einen Mumetall-Mantel, der magnetische Streufelder von der Schaltung fernhält. Tatsächlich arbeitet der A-2 ver.2 mit allen Eingängen und allen Lautstärken absolut geräuschlos. Auch der mechanische Aufbau ist ungewöhnlich: Front und Seiten bestehen aus wunderschön gefrästen, dickwandigen Alutafeln, doch die Platinen sind darin nicht starr, sondern ganz bewusst mit etwas Spiel montiert. Ein Kniff, den wir beispielsweise auch vom Naim NAP 250 kennen, und der Mikrofonieeffekte mindern soll.
Der Aufbau des Soulnote A-2 ver.2: Mechanisch wie elektrisch lockere Zügel
Der Partytrick des A-2 – alt wie neu – ist aber sein klappernder Deckel. Ein dicker, stabiler Deckel mit Gittereinsätzen, um die nicht unerhebliche Abwärme des Verstärkers durchzulassen. Soulnote schraubt ihn nicht fest an, sondern lässt ihn nur an drei Punkten lose aufliegen. Man kann ihn zwar nicht einfach abnehmen, aber er hat in seiner Position in alle Richtungen etwas Spiel. Irgendwo auf der Soulnote-Website erklärt Kato-san ausführlich, warum das so sein muss. Sehr ausführlich! Da kommen wir in den etwas freakigeren Teil der Konstruktionsphilosophie.
Auch die drei Stahlfüße, die du gegen gleichfalls mitgelieferte, superspitze Stahlspikes tauschen kannst, wenn dir deine Möbel nichts bedeuten, gehören eventuell in diese Kategorie. Selbst die Platzierung der Gewindeeinsätze für diese Füße ist durchdacht: vorn einer, exakt mittig unter dem schweren Ringkerntrafo, der diesem eine Art mechanischer Erdung gibt. Und hinten ganz außen nochmal zwei. Ein Dreibein wackelt zwar nie, auf den vorderen Kanten des Verstärkers solltest du dich trotzdem nicht abstützen.
Gutmütiger bei den Spielpartnern
Trotz der eigenwilligen Details ist der A-2 ver.2 hochgradig praxistauglich. Gegenüber dem Vorgänger ist die Leistung – 2x 80 Watt an 8 Ohm, bzw. 160 Watt an 4 Ohm – leicht gesunken. Und das aus gutem Grund: Kato-san hat den Schwerpunkt noch etwas stärker auf optimale Stabilität an realen, niederohmigen Lasten gelegt. Das erleichtert die Lautsprecherauswahl erheblich, weil auch an Boxen mit wildem Impedanzverlauf keine Frequenzgang-Anomalien drohen.

Der eigentliche Hammer ist, dass der A-2 ver.2 hohe Leistung und Stabilität bietet, aber nach wie vor komplett ohne globale Gegenkopplung arbeitet. Diese sonst fast unvermeidliche Korrekturschleife kann zwar Verzerrungen und den Ausgangswiderstand senken, erzeugt bei der Gelegenheit aber ganz eigene Artefakte. Das „negative feedback“ wegzulassen, erfordert extrem diszipliniert aufgebaute, inhärent schon sehr saubere Schaltungen. Solche, wie wir sie im Soulnote A-2 meisterhaft umgesetzt finden.
Unser Fazit zum Soulnote A-2 ver.2
Aus unserer Hörerfahrung fallen uns nur ganz wenige Verstärker ein, die ein so prickelndes, duftig-offenes und ungebremst dynamisches Hörerlebnis erschaffen wie der Soulnote A-2 ver.2. Viele davon sind Röhrenverstärker. Alle arbeiten entweder ganz ohne oder nur mit minimal dosierter Gegenkopplung. Und nur die allerwenigsten bieten zugleich auch noch gesunde Leistungsreserven und universelle Laststabilität. Der Soulnote ist also zwar teuer, aber auch wunderschön aufgebaut und mit einer seltenen Kombination von Talenten gesegnet.
Hier findest du den Soulnote A-2 ver.2 im Angebot:
| Technische Daten | |
| Leistung | 2x 80 Watt / 8 Ohm, 2x 160 Watt / 4 Ohm |
| Eingänge | 3x Cinch, 3x XLR |
| Audio-Ausgänge | 1x Lautsprecher-Paar |
| Quellen kabellos | – |
| Netzwerk | – |
| Gehäuse-Ausführungen | Schwarz, Silber |
| Abmessungen (BxHxT) | 430 × 160 × 423 mm |
| Mitgeliefertes Zubehör | Fernbedienung, 2 Satz Füße (Spikes und flache Stahlfüße), Schraubenschlüssel |
| Gewicht | 20 kg |
| Preis | 8490 Euro |
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