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Marshall Monitor II im Test – Wie klingt der Rocker unter den ANC-Kopfhörern?

Bereits der MID A.N.C von Marshall überraschte mit durchaus audiophilen Qualitäten. Ist der neue Rock`n`Roll-Hörer ebenfalls für alle Stilrichtungen brauchbar? Wir haben ihn auf Herz und Nieren untersucht.
Preis
299,00 Euro
Gewicht
320 g
Akku-Laufzeit
30 Std. mit ANC, 45 Std. ohne ANC
Schnellladefunktion
15 Min. Ladezeit für 5 Std. Laufzeit
Akku-Ladezeit
2 Std.
Bluetooth-Standard
Bluetooth 5.0
Marshall Monitor II A.N.C. Test
In Kürze
Marshall schafft es mit dem Monitor II an den Erfolg des MID A.N.C. anzuknüpfen und baut die Leistung noch aus. Außerdem bringt er sowohl ein schönes klassisches Design, als auch eine intuitive, neuartige Bedienung und einen hervorragenden Klang mit.
Vorteile
  • Sehr ausgewogener Klang
  • Referenzklang über Kabel
  • Intuitive Bedienung
  • Hoher Tragekomfort
Nachteile
  • Keine hochauflösenden Bluetooth-Codecs
  • Kein Multipairing

Der MID A.N.C. von Marshall ist es gewesen, der durch seinen für alle Stilrichtungen passenden, tollen Klang bereits bei unserem Test im August 2019 für eine echte Überraschung gesorgt hatte. Der neue Monitor II A.N.C. soll an den Erfolg des MID A.N.C. anknüpfen und einiges noch besser machen. So gibt es jetzt eine Talk-Thru-Funktion, Sprachsteuerung und eine App – außerdem handelt es sich bei dem Monitor II A.N.C. um einen ohrumschließenden Hörer. Laut Herstellerangabe sind auch die Treiber überarbeitet worden, das erhöht die Spannung: Wie wird sich der Marshall Monitor II im Test schlagen?

Design beim Marshall Monitor II A.N.C.

Am augenzwinkernden Design der Marshall-Kopfhörer hat sich nichts Grundlegendes geändert: Die Ohrmuscheln des Monitor II A.N.C. erinnern an zu heiß gewaschene Gitarrenboxen, wenngleich sie ein wenig größer und auf der Rückseite etwas abgerundeter sind als noch beim MID A.N.C. Das liegt aber wohl in der Natur der Sache, denn schließlich handelt es sich bei dem neuen Modell um einen ohrumschließenden Hörer. Geblieben sind die Spiralkabel, die an Anschlussstrippen von Elektrogitarren erinnern, sowie der metallene Kopfbügel mit einem Polster aus Kunstleder. Das ganze Design sieht mit seiner Lederoptik edel aus. Übrigens weist die Marshall-Headphones-Webseite stolz darauf hin, dass die Kopfhörer komplett vegan gefertigt sind – echtes Leder kommt also nirgendwo zum Einsatz. 

Marshall Monitor II Design Detail
Der Monitor II macht dem klassischen Marshall-Look alle Ehre und begeistert besonders Nostalgie-Fans.

Erfreulicherweise hat man auch den stylischen messingfarbenen Multifunktionsbutton beibehalten, denn das unscheinbare Bedienelement hat es in sich: Man kann es zur Seite und nach oben oder unten schieben um Lautstärke einzustellen und Titel zu skippen. Längerer Druck schaltet den Hörer ein bzw. aus und erledigt das Bluetooth-Pairing. Das war schon beim Vorgänger genial intuitiv und ist es immer noch. Darüber hinaus hat der dreh- und klappbare Monitor II A.N.C. zwei weitere Buttons bekommen. Diese befinden sich – warum hat vorher noch keiner diese Idee gehabt? – in den hinteren Halteschrauben, welche die Ohrmuscheln am Bügel befestigen. So stören sie den gestalterischen Gesamteindruck nicht. Und, noch besser, sie sind auch bei aufgesetztem Hörer sofort zu finden. Das ist nicht nur eigenständiges, sondern auch wirklich innovatives und praxisgerechtes Design, bravo! Der linke Button ist für aktives Noise-Cancelling (ANC) und Talk-Thru-Funktion zuständig, während der rechte per App mit verschiedenen Funktionen belegt werden kann. 

Verarbeitung und Zubehör

Die Verarbeitungsqualität und der haptische Eindruck des Marshall-Hörers kommt zwar nicht an die edle Noblesse eines Technics F70 oder Bowers & Wilkins PX7 heran, geht aber vollkommen in Ordnung. Der Lieferumfang umfasst ein USB- und ein Miniklinkenkabel sowie eine Stofftasche, die den Monitor II A.N.C. nicht ganz so gut schützt wie die faltbare Box, die beim MID A.N.C. dabei gewesen war. Bislang der einzige klitzekleine Wermutstropfen.

Der Klang des Marshall Monitor II A.N.C.

Der Monitor II A.N.C. verfügt über einen speziell entwickelten 40mm-Treiber, der laut Werbe-Video „den legendären Sound liefert, den nur Marshall zu bieten hat“. Nun ist Marshall für Gitarrenboxen bekannt, mit 12“ oder 10“ Breitbandlautsprechern. Für Elektrogitarren ist das durchaus sinnvoll, audiophil im HiFi-Sinn geht jedoch anders. Daher ist diese Werbestrategie als ziemlich zweischneidig anzusehen. Denn  junge Rockmusiker mag das locken, HiFi-Enthusiasten könnten sich instinktiv eher einem Technics, Sony, Bowers & Wilkins oder auch Dali zuwenden.

Marshall Monitor II Frontal
Der Marshall Monitor II präsentiert sich mit einer sehr ausgewogenen Tonalität.

Aber Achtung, liebe Freunde des guten Klangs, Ihr lauft Gefahr, etwas zu verpassen: Der Monitor II in unserem Test spielte sich mit seiner äußerst ausgewogenen Wiedergabe, schöner Dynamik und guter Räumlichkeit vom Fleck weg in die Spitzenklasse. Ob Popmusik mit Toni Braxton, Jazz mit Esbjörn Svensson oder komplexe Arrangements mit Lars Danielsson: Jegliches Material kam entspannt, tonal richtig und dynamisch überzeugend aus dem Hörer. In punkto Auflösung und Basswiedergabe schneidet der Monitor II A.N.C. tatsächlich noch eine Spur besser ab als sein Vorgängermodell. Allein eine gewisse Enge im Klangbild und eine ganz leichte Kompression im Bassbereich konnten wir bei genauem Hinhören ausmachen, und auch Toni Braxtons und Paul O’Briens Stimmen klangen nicht ganz so intim wie mit richtigen Spitzenklasse-Systemen.

Marshall Monitor II Messergebnisse

Der Frequenzverlauf des Marshall Monitor II.

Da sich Marshall über die implementierten Bluetooth-Codecs ausschweigt, gehen wir davon aus, dass wie beim Vorgänger zwar AptX, aber nicht AptX HD oder gar LDAC unterstützt werden.

Marshall Monitor II im Test: Besser mit Kabel

Angesichts der angesprochenen Qualitäten des Monitor II A.N.C. griffen wir flugs zum Kabel. Und siehe da: Mit der Kupferverbindung spielte sich der vergleichsweise preisgünstige Marshall-Hörer mühelos in die Liga der Topmodelle. Im Vergleich zum PX7 von Bowers & Wilkins spielte der Monitor II A.N.C. in unserem Test sogar hörbar linearer auf.

Dynamik und Stereodarstellung sowie Feinzeichnung waren auf nahezu ebenbürtigem Niveau. Man hatte lediglich den Eindruck, der B&W PX7 würde Räumlichkeit und die Intimität von Stimmen noch eine Nuance selbstverständlicher aus dem Ärmel schütteln, was der Marshall Monitor II im Test aber durch ausgeglichenere Tonalität, besonders im Hochmittenbereich, wettmachte.

Letztendlich waren die Unterschiede definitiv Geschmackssache, allerdings muss dabei erwähnt werden, dass der teurere B&W PX7 per Bluetooth eine Klasse über dem Marshall-Hörer spielt. Insgesamt ist der Monitor II A.N.C. klanglich eine kleine Sensation, die drahtlos auch teurere Konkurrenten an die Wand spielt und über Kabel mit durch und durch audiophilen Qualitäten überrascht.

Marshall Monitor II Bedienelemente
Die Bedienelemente des Monitor II A.N.C. sind neben dem gut funktionierenden messingfarbenen Knopf die zwei hinteren Befestigungsschrauben als weitere Taster.

Längerer Druck schaltet den Hörer ein bzw. aus und erledigt das Bluetooth-Pairing. Das war schon beim Vorgänger genial intuitiv und ist es immer noch. Darüber hinaus hat der dreh- und klappbare Monitor II A.N.C. zwei weitere Buttons bekommen die sich – warum hat vorher noch keiner diese Idee gehabt? – in den hinteren Halteschrauben befinden, mit denen die Ohrmuscheln am Bügel befestigt sind. So stören sie den gestalterischen Gesamteindruck nicht (wer es nicht weiß, wird sie kaum entdecken) und, noch besser, sie sind auch bei aufgesetztem Hörer sofort zu finden.

Marshall Monitor II Tragetasche
Der Marshall Monitor II kommt mit einer schönen passenden Tragetasche, die den Kopfhörer beim Transport allerdings nicht schützt.

Technologie

Der Monitor II A.N.C. unterstützt zwar Bluetooth 5.0, aber leider keine hochauflösenden Codecs wie AptX HD oder LDAC. Auch Multipoint-Verbindungen gibt es nicht, was allerdings zu verschmerzen ist. Die Bluetooth-Kopplung verlief problemlos und die Verbindung wurde auch über größere Distanzen problemlos aufrechterhalten. Das nur einstufige ANC arbeitet wirkungsvoll und wie auch die Talk-Thru-Funktion erfreulich rauschfrei.

Die Telefonfunktionalität war wie beim Vorgängermodell gut. Die Marshall-App ermöglicht eine stufenlose Regelung der ANC- sowie Talk-Thru-Funktionen. Zudem gibt es einen Equalizer, der neben verschiedenen voreingestellten Kurven auch eine nutzereigene Einstellung abspeichern kann.

Marshall Headphones App
Über die Marshall Headphones App steuerst du Intensität des Noise Cancelling und der Talk Thrpug Funktion. Außerdem kannst du einen Equalizer frei einstellen oder auch auf Presets zurückgreifen.

Über die Multifunktionstaste an der rechten Ohrmuschel lassen sich drei frei wählbare Equalizerkurven durchschalten oder, alternativ, die Google-Sprachsteuerung aktivieren. Ein Bewegungssensor, der die Musik beim Absetzen oder Anheben des Hörers abschaltet, ist klassenüblich nicht an Bord. Die Batterielaufzeit ist mit bis zu 30 Stunden bei eingeschaltetem ANC hervorragend.

Bedienung und Praxis

Der erfreulich leichte Marshall Monitor II A.N.C. sitzt sehr bequem und stabil am Kopf. Dabei gehört auch der etwas hohe Anpressdruck des Vorgängermodells der Vergangenheit an. Auch die Hitzeentwicklung am Ohr hält sich zum Glück in Grenzen.

Die Bedienung über den messingfarbenen Multifunktionsknopf ist wie schon beim Vorgänger intuitiv und fehlerfrei zu erledigen – es gibt nach unserer Einschätzung in der Praxis wenig Besseres. Die beiden Buttons an den Rückseiten der Ohrmuscheln sind ebenso vorbildlich leicht aufzufinden und mit einem klaren Druckpunkt versehen.

Die Anschluesse des Marshall
Auf der Unterseite befindet sich neben dem Bedienknopf den Anschluss für das mitgelieferte 3,5 mm Klinkenkabel.

Der linke Taster schaltet zwischen ANC- und Talk-Thru-Modus um. Längerer Druck schaltet das ANC ab, was praktisch keine Auswirkung den Klang hat, aber die Batterielaufzeit erhöht. An der linken Ohrmuschel lassen sich wie schon beschrieben entweder drei per App vordefinierte Equalizerkurven umschalten oder die Sprachsteuerung aktivieren.

Summa summarum kann man den Marshall Monitor II A.N.C. mit seinen intelligenteren Lösungen als ein Musterbeispiel an Bedienfreundlichkeit beschreiben.

Unser Fazit zum Marshall Monitor II im Test

Mit seinem pfiffigen Design kann der Marshall Monitor II A.N.C. vielleicht auch etwas polarisieren. In jedem Fall punktet er mit wirkungsvollem ANC und seiner tollen Bedienphilosophie. Dabei spielt er sich klanglich klar in die Oberliga und macht bei keiner musikalischen Stilrichtung nennenswerte Fehler.

Sein Sound ist immer klar, gut durchgezeichnet, musikalisch und ermüdungsfrei. Das Fehlen hochauflösender Bluetooth-Übertragungscodecs ist angesichts der Preisklasse zwar nicht zu kritisieren, trotzdem würden wir sie uns – gerne für ein paar Euro mehr – wünschen, denn der Auftritt der Monitor II A.N.C. über Kabel macht klar, dass er damit mühelos zur klanglichen Referenzklasse aufschließen könnte. Marshall liefert einmal mehr eine kleine Sensation.

 

 

Technische Daten
Preis 299,00 Euro
Gewicht 320 g
Akku-Laufzeit 30 Std. mit ANC, 45 Std. ohne ANC
Schnellladefunktion 15 Min. Ladezeit für 5 Std. Laufzeit
Akku-Ladezeit 2 Std.
Bluetooth-Standard Bluetooth 5.0
Steuerungs-App Ja
Audio-Codecs SBC
Kopfhörertyp Ohrumschließend
Wandler 40 mm, dynamisch
Faltbar Ja
NFC Nein
Mitgeliefertes Zubehör 3,5 mm Klinkenkabel, USB-C Ladekabel, Tragebeutel

Ist der Marshall Monitor II ein möglicher Kandidat? Hast du schon Erfahrungen mit Produkten aus der britischen Rock’n’Roll-Schmiede gesammelt? Teile deine Meinung und Erfahrungen in den Kommentaren mit der Community!

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