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Dali Opticon 8 Mk2 – Der Lautsprecher-Riese mit Feingefühl im Test

Dali will mit der überarbeiteten Serie Opticon Mk2 harmonischen HiFi-Klang in jeden Raum bringen. Wir haben das beeindruckende Flaggschiff Opticon 8 Mk2 getestet.
Dali Opticon 8 Mk2 Titel
Treiber
5 ( 2 x Hochtöner, 1 x Mitteltöner, 2 x Tieftöner)
Frequenzbereich
38 Hz – 30 kHz (± 3 dB)
Abmessungen (BxHxT)
24,1 x 114,1 x 45 cm
Verfügbare Farben
Esche Schwarz, Tabakeiche
Preis
2.998 Euro pro Paar
In Kürze
Von ihrem souveränen Bassvolumen, über die präzisen und emotionalen Höhen, bis hin zur plastischen Räumlichkeit, macht die Dali Opticon 8 Mk2 so ziemlich alles richtig. Prädikat: Spaßbox.
Vorteile
  • Filigrane und plastische Höhen
  • Kräftiges Bassfundament
  • Performt auch an kleineren Verstärkern
Nachteile
  • Verlangt große Räume und Wandabstand

Die Danish Audiophile Loudspeaker Industries, kurz Dali, verfügen über ein beachtliches Portfolio an Lautsprechern. Nicht weniger als acht aktuelle HiFi-Lautsprecherserien – aktive und passive – hat Dali im Angebot. Dazu kommen noch Wandmonitore fürs Heimkino, Bluetooth-Boxen und -Kopfhörer. Die Opticon-Serie bildet hier die gehobene Mittelklasse und liegt inzwischen in der runderneuerten Version Mk2 vor. Ein Grund mehr genau hinzuschauen. Mit der Dali Opticon 8 Mk2 haben wir uns das Flaggschiff der Serie ins Studio geholt.

Dass Dali etwas von HiFi versteht, konnte unlängst die Regalbox Dali Oberon 3 unter Beweis stellen. Schon sie strotzte vor Energie und Musikalität. Umso gespannter sind wir auf den ausgewachsenen Standlautsprecher mit dem interessanten Doppel-Hochtöner.

Dali Opticon 8 Mk2 im Klangtest

Das Volumen eines Lautsprechers hat einen enormen Einfluss auf seinen Klang. Kurz gesagt kann ein großer Lautsprecher meistens auch mehr Luft in Schwingungen versetzen, als ein kleiner. Nach der Prämisse kannst du von der Dali Opticon 8 Mk2 einiges erwarten! Mit ihrer Höhe von 1,14 m und 45 cm Tiefe ist sie alles andere als kompakt. Aber wer jetzt denkt, einen plumpen Riesen vor sich zu haben, der behäbig durch die Klanglandschaft tapst, wird ein blaues Wunder erleben.

Dali Opticon 8 Mk2 Paar zusammen
Mit der mattglänzend schwarzen Front und den braunroten Treibern verströmt die Opticon 8 Mk2 eine erhabene Aura, kann aber auf Grund ihrer Größe auch etwas einschüchternd wirken.

Ja, dieser Lautsprecher klingt groß. Im Tiefton geradezu gewaltig. Aber Dali geht hier einen Schritt weiter und lässt diese Gewalt nicht leinenlos walten. Dieser Lautsprecher weiß es, das ganze Frequenzspektrum zu bedienen und verknüpft beeindruckend Schalldruck, plastische Räumlichkeit und filigrane Höhen. Dabei kommt die Opticon 8 Mk2 nie aus der Ruhe und lässt es aussehen, wie ein Kinderspiel.

Dream-Team Hybrid-Hochtöner

Beispiel gefällig? Pink Floyd ist mit Time einer von vielen zeitlosen Klassikern gelungen. Gleichzeitig stellt der Song aber auch jedes Paar HiFi-Lautsprecher hinterhältig auf die Probe. Das Stück fängt mit dem Ticken mehrer Uhren an, die plötzlich gleichzeitig anfangen in unterschiedlichen Tonhöhen und Intensitäten zu schlagen, zu läuten und zu klingeln. Ordnung in diese Kakophonie aus grellen Tönen zu bringen, lässt so manchen Hochtöner in die Knie gehen. Gut, dass die Opticon 8 Mk2 gleich zwei pro Lautsprecher hat: Eine große Gewebekalotte und ein Bändchen teilen die hohen Frequenzen unter sich auf. So gelingt es ihnen die Uhren und Wecker deutlich im Antiquitätenladen, in dem Alan Parson die Sequenz aufnahm, abzubilden.

Dali Opticon 8 Mk2 Hybrid Hochtöner
Perfektes Duo: Ein Bändchen und eine Gewebekalotte teilen sich den Hochtonbereich.

Gleich darauf kippt die Stimmung des Songs ins düstere. Roger Waters am Bass und Nick Mason am Schlagzeug geben den Tief- und Mitteltönern einiges zu tun. Orkangleich weht jeder Akkord, jeder Trommelschlag auf dich zu. Hier spürst du den Bass nicht nur in den Füßen und dem Zwerchfell, er scheint auch von Oben zu kommen. Bei der Anordnung der Treiber ergibt dieser Effekt auch Sinn: Ganz oben auf der Box thront einer der beiden Tieftöner. Spaß machen ohne über die Stränge zu schlagen – das kann die Dali Opticon 8 Mk2.

Gut, die Hochtöner lassen sich auch von haarsträubenden Effekten nicht aus der Ruhe bringen, aber wie sieht es mit menschlichen Stimmen und Räumlichkeit aus? Mercedes Sosa tritt für uns auf die Bühne und singt die Missa Criolla. Schon als der Chor einsetzt, meinst du den Raum spüren zu können, in dem das sakrale Stück aufgenommen wurde. Dann setzt Sosa an und tritt als dreidimensionale Figur aus den Lautsprechern heraus. Gute und auch plastische Wiedergaben haben wir schon viele gehört. Wenige aber, die dir das Gefühl geben, du könntest um die Sängerin herumfassen. Der Chor breitet sich vor dir weit in beide Richtungen aus, Sosa steht einzeln davor. Und selbst die Luft zwischen diesen beiden Klanggruppen scheint greifbar. Hut ab, Dali.

Fan von Frauenstimmen

Ein winziger Kritikpunkt sei an dieser Stelle aber doch erlaubt: Dieser fantastisch plastische Effekt gelingt den Opticon 8 Mk2 besonders gut bei Frauenstimmen. Männerstimmen wirken, je nach Tonlage, eine Idee leiser als ihre weiblichen Kollegen. Von David Gilmour, über Damien Rice bis Maynard James Keenan: sie alle kannst du über die Opticon 8 blind erkennen und problemlos verstehen, sie scheinen nur einen Schritt weiter von dir entfernt zu stehen. Die Hochtöner scheinen dem Mitteltöner doch ein wenig den Rang abzulaufen. Große Ausnahme: Leonard Cohen. Dessen grabestiefe Stimme erklingt wieder so präsent wie gewohnt.

Dali Opticon 8 Mk2 Mitteltöner
Auch der Mitteltöner klingt wundervoll harmonisch, gibt Männerstimmen teilweise aber etwas schüchtern wieder.

Ihre fast schon einschüchternde Ausmaße machen den Lautsprecher kein bisschen träge. Sie sorgen viel mehr für gesundes Selbstbewusstsein und Kraftreserven, wo diese gebraucht werden. Basspotenzial durch viel Membranfläche trifft auf doppelte Hochtonpräzision: So schafft Dali es in der Opticon 8 Mk2 das Grobe mit dem Feinen harmonisch zu verbinden.

Aufbau: Klangvolumen trifft auf Hochton-Raffinesse

Neben den dunkelroten Membranen, die wir bereits von der Dali Oberon 3 kennen, fällt die Dali Opticon 8 Mk2 vor allem durch ihre zwei unterschiedlichen Hochtöner auf. Zum einen setzt Dali hierbei auf eine aus der Calisto-Serie entlehnte Hochtonkalotte mit ganzen 29 mm Durchmesser, zum anderen verbaut Dali hier ein 17 x 45 mm messendes Bändchen. Die Kalotte übernimmt ab einer Frequenz von 2.200 Hertz vom Mitteltöner und spielt bis ca. 20 kHz. Ab 14 kHz kommt das AMT-Bändchen unterstützend hinzu und spielt bis zur oberen Frequenzgrenze bei 30 kHz.

Dali Opticon 8 Mk2 Hochtöner Explosion
Beide Hochtöner sind auf einer stabilen Aluminiumgussplatte montiert und ergänzen sich perfekt. | Bild: Dali

Dieser Hybrid-Hochtöner soll gleich mehrere Vorteile haben: durch die relativ große Kalotte (selbst die der Nubert nuVero 110 misst nur 26 mm) kann die Übergangsfrequenz auf recht niedrige 2 kHz heruntergesetzt werden. Ein „extrem dünnflüssiges magnetisches Fluid“ soll den Hochtöner auch in diesen tiefen Frequenzen belastbar machen, sodass du keine Verzerrungen fürchten musst. Das Bändchen hingegen ergänzt den Hochton um mehr Detailreichtum und soll die horizontale Bühnenabbildung noch erweitern.

SMC-Magneten und Dual-Flair-Technologie

Tief- und Mitteltonbereich werden bei der Dali Opticon 8 Mk2 von Treibern im Dali-typischen Braunrot versorgt. Deren Membranen bestehen aus einem Gemisch aus Papier und Holzfasern, die für ideale Stabilität und möglichst geringe Resonanzen sorgen sollen. Die beiden Tieftöner, die die anderen Treiber oben und unten umschließen, messen jeweils beeindruckende 200 mm im Durchmesser. Der 165-mm-Mitteltöner sitzt direkt unter der Hochtoneinheit.

Dali Opticon 8 Mk2 Tieftöner
Die Tieftöner haben einen Durchmesser von beachtlichen 20 cm.

Bei den drei Treibern setzt Dali auf sein patentiertes SMC-Material. Bei diesem Soft Magnetic Compound handelt es sich um beschichtetes Magnetgranulat, das in den Motoren der Treiber zum Einsatz kommt. Seine vielen guten physikalischen Eigenschaften sollen so für weniger Klangverfärbungen sorgen.

Auf der Rückseite findest du gleich zwei Bassreflexöffnungen. Auch hier hat Dali nichts dem Zufall überlassen und sagt Luftverwirbelungen im Boxeninneren den Kampf an: Bei der Dual-Flair-Technologie enden die Bassreflexrohre auf beiden Enden in einem Trichter. So soll der Schalldruck den engen Kanal möglichst sauber passieren können. Der Klang dankt es ihnen mit einem sauberen und kräftigeren Bass.

Dali Opticon 8 Mk2 Bassreflexrohr
Trichter an beiden Enden des Bassreflexrohres sollen für weniger Luftverwirbelungen sorgen. | Bild: Dali

Opticon 8 Mk2: Nichts fürs Gästezimmer

Das Offensichtlichste vorweg: Viel Volumen, viel Membranfläche und insgesamt gleich vier rückwärtig abstrahlende Bassreflexrohre? Die Dali Opticon 8 Mk2 ist nichts für kleine Räume. In unserem Test zeigt der Lautsprecher sehr deutlich, dass er einen Mindestabstand von Rückwand und Ecken dringend nötig hat. 40–50 cm sollten es schon sein. Wenn du ihm die geben kannst, wird der Riese handzahm und performt auch bei leistungsärmeren Verstärkern ordentlich. Die großen Basstreiber profitieren dennoch von etwas mehr Kontrolle seitens deines Verstärkers.

Dali Opticon 8 Mk2 Füße
Die Spikes sind höhenverstellbar und koppeln die Dali Opticon 8 Mk2 sicher an den Boden.

Für einen stabilen Stand der 34 kg schweren Lautsprecher sorgen stabile Metallfüße mit justierbaren Spikes. Sollte dein Boden diese nicht vertragen, liegen auch behelfsmäßige selbstklebende Dämpfer bei. Dali empfiehlt in der beiliegenden Kurzanleitung, die Boxen möglichst nicht einzuwinkeln, sondern geradeaus schauen zu lassen.

Tatsächlich öffnet sich die Bühne so erheblich und auch mittige Stimmen und Instrumente bleiben scharf umrissen. Dafür alleine verdient der Hybrid-Hochtöner alle Achtung! Leicht angewinkelt bekommen Stimmen dann aber doch noch den letzten Pep und den oben beschriebenen „umgreifbaren“ Körper. Experimentiere am besten selbst ein wenig aus, wie es in deinen vier Wänden am besten klingt. Mehr Tipps und Tricks für die beste Aufstellung findest du in unserem Ratgeber:

Ein Blick auf das Terminal verrät dir zwei Dinge: erstens die Opticon 8 Mk2 wird komplett in Dalis Werk in Dänemark gefertigt; zweitens die Dänen verstehen etwas von wirklich robusten Kabelklemmen. Die vergoldeten Schrauben haben sehr breite Kronen, mit denen du auch die dicksten Kabel bombenfest fixieren kannst. Allerdings lohnt es sich fast immer, in ein ordentliches Set Bananenstecker zu investieren. Gerade wenn du mit der Bi-Wiring-Option herumexperimentieren willst, sparst du so einiges an Nerven.

Dali Opticon 8 Mk2 Anschlüsse
An diesen Schraubklemmen findet jedes Kabel Platz.

Schlichtes Design mit Wiedererkennungswert

Während es alle anderen Modelle der Opticon-Familie in Schwarz, Tabakeiche und Weiß gibt, hat sich Dali dazu entschieden, das Flaggschiff Opticon 8 Mk2 nur in den beiden dunklen Ausführungen anzubieten. Dieses Finish gibt den Lautsprechern zwar etwas erhabenes, das ein oder andere „das kommt mir nicht ins Haus!“ werden sie so aber vermutlich trotzdem provozieren. Was sehr schade ist, denn so entgeht dir einiges!

Die charakteristisch braunroten Membranen kennen wir schon von anderen Dali-Lautsprechern. Auch die Folie in Holzoptik und die gesteckte Stoffabdeckung erinnern an die günstigere Oberon-Serie. Das spricht aber nicht gegen die Opticon-Serie, sondern viel mehr für bewusst anders gesetzte Prioritäten. Die Verarbeitung von beiden Lautsprechern ist absolut angemessen. Dein Geld fließt bei der Opticon 8 Mk2 halt eher in die klangrelevanten Bauteile.

Dali Opticon 8 Mk2 Serienname
Der Lautsprecher trägt seinen Familiennamen voller Stolz auf der „Stirn“.

Dass dafür auf Echtholzfurnier oder penible Lackierung verzichtet wurde, verzeihen wir Dali sofort. Der Klang gibt den Dänen Recht. Trotzdem ist Dali mit der Opticon 8 Mk2 ein absoluter Hingucker gelungen. Die mattglänzende Frontplatte verleiht dem Lautsprecher einen edlen Touch. Die Fase auf der Oberseite bietet einerseits Platz für den Seriennamen und nimmt dem Lautsprecher etwas seiner Strenge.

Fazit – Dali Opticon 8 Mk2

Dali agiert nicht nach der Formel „viel hilft viel“. Hier wurde kein extra Klangvolumen geschaffen, nur weil man es kann. Die Dali Opticon 8 Mk2 kann sich beweisen. Der Bass ist gewaltig, ja, aber kontrolliert. Im Riesen steckt ein Feingeist, der jedes Detail deiner Musik vor dir filigrane Formen annehmen lässt. So losgelöst und plastisch, dass du nach den Musikern greifen willst. Der Hybrid-Hochtöner aus Bändchen und Kalotte ist das Geheimrezept.

Einmal von dem Wunsch nach großen Räumen abgesehen, ist der Lautsprecher zudem mit einem Wirkungsgrad von 88,5 dB gut kontrollierbar und braucht keine allzu genaue Ausrichtung, um eine erstaunliche Bühne zu erzeugen. Wenn du also über genügend Platz verfügst, um die Dali Opticon 8 Mk2 tief Luft holen zu lassen, wird sie dein Wohnzimmer in einen Konzertsaal verwandeln.

Technische Daten
Wege 3,5
Treiber 5 ( 2 x Hochtöner, 1 x Mitteltöner, 2 x Tieftöner)
Anschlüsse Bi-Wiring
Frequenzbereich 38 Hz – 30 kHz (± 3 dB)
Wirkungsgrad 88,5
Abmessungen (BxHxT) 24,1 x 114,1 x 45 cm
Gewicht 34 kg pro Lautsprecher
Verfügbare Farben Esche Schwarz, Tabakeiche
Preis 2.998 Euro pro Paar

Wie findest du das klangliche Schwergewicht von Dali? Worauf kommt es dir bei gutem Sound an? Schreib es uns in die Kommentare!

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