Bowers & Wilkins 805 D5 im Test: Kleine Änderungen, große Wirkung?
- Treiber
- 2 (1x Hochtöner, 1x Tiefmitteltöner)
- Frequenzbereich
- 42 Hz – 28 kHz (± 3 dB)
- Abmessungen (BxHxT)
- 241 x 439 x 363 mm
- Verfügbare Farben
- Schwarz (Hochglanz), Weiß (matt), Walnuss (hell), Walnuss (dunkel)
- Paarpreis
- 12.000 Euro | 13.800 Euro mit Ständern
Die B&W 805 D5 spielen groß auf und verstecken nichts. Wenn dir diese ungebändigte Klarheit liegt, bekommst du mit der aktuellen Version noch mehr Luftigkeit und Räumlichkeit. Die Verarbeitung ist wieder über jeden Zweifel erhaben.
- Grandiose Auflösung und Feinzeichnung
- Schöne Bühnenabbildung
- Perfekte Verarbeitung und edles Finish
- Je nach Geschmack und Gehör etwas hell in den Höhen
Es gibt Lautsprecherserien, die über die Jahre so ausgiebig mit Entwicklungsgeschichte und Lorbeeren behängt wurden, dass sie kaum noch stehen können. Bowers & Wilkins’ 800er-Serie gehört hier definitiv dazu. In Worthing, England, aufwendigst gefertigt, schmücken die High-End-Lautsprecher nicht nur so manches Wohnzimmer, sondern auch viele renommierte Studios weltweit. Markenzeichen wie der Diamanthochtöner im entkoppelten Rohr, die silbrige Continuum-Membran und das tropfenförmige Gehäuse bleiben auch in der aktuellen D5-Serie erhalten. Aber wie klingen die Lautsprecher? Das finden wir für dich mit einem fabrikfrischen Pärchen Bowers & Wilkins 805 D5 heraus.
Hier findest du die Bowers & Wilkins 805 D5 in ihren vier Ausführungen:
Bowers & Wilkins 805 D5 im Detail
Wie bei den meisten Lautsprechern fokussiert sich auch die Entwicklung der 800er-Serie auf zwei Aspekte: Treiber, die Musik möglichst unverfälscht wiedergeben können – und ein Gehäuse, das ihnen dafür ideale Voraussetzungen gibt. Bowers & Wilkins hat bereits früh erkannt, dass es von Vorteil ist, jedem der verschiedenen Treiber ein eigenes, von den anderen möglichst unbeeinflusstes Gehäuse zu bieten. So können sich störende Resonanzen nicht auf die anderen Bereiche ausbreiten. Auf die Spitze treiben das die großen Standboxen, die für Tief-, Mittel- und Hochton jeweils ein eigenes, entkoppeltes Gehäuse besitzen. Wie das klingt, konnten uns bereits die Bowers & Wilkins 802 D4 und ihre „kleine“ Schwester 803 D4 im Test beweisen.

Die sich nach hinten tropfenartig verjüngende Gehäuseform sorgt dafür, dass von der Rückseite der Membran abgestrahlter Schall nicht zurückprallt, sondern sich im Gehäuse „verläuft“. Auch die Bowers & Wilkins 805 D5 trägt ihren Hochtöner in einem präzise gefrästen Alurohr auf dem Kopf.
Druck, Hitze und Zeit: Das Rezept für Diamanten – und Gehäuse
Das eigentliche Gehäuse besteht aus vielen Lagen Holz und Leim, die unter enormem Druck und starker Hitze in Form gepresst wurden. Für die neuen D5-Modelle wurden die internen Verstrebungen mit Metall verstärkt und auch der mit Leder bespannte Kragen wurde weiter versteift, um Resonanzen auch die letzte Chance zu nehmen.

Die Hochtonmembran besteht aus einem Metallträger, auf den in einem aufwendigen Verfahren eine feine Diamantschicht gedampft wird. Jeder einzelne Hochtöner wird im Werk von Hand zusammengesetzt und anschließend durchgemessen. Die Continuum-Membran wurde mehr oder minder von der Vorgängerserie übernommen, nur ihre Aufhängung wurde überarbeitet. Im Unterschied zu den größeren Modellen übernimmt sie auch den Tieftonbereich, wobei sie von dem großen Bassreflexrohr unterstützt wird. Dessen golfballähnliche Oberfläche erzeugt winzige Luftwirbel, was Bassportgeräusche minimieren soll.
So viel zum grundsätzlichen Aufbau. Jetzt wird es Zeit, die Regallautsprecher zu verkabeln.
So klingen die Bowers & Wilkins 805 D5
Vor dem eigentlichen Test haben wir die Bowers & Wilkins 805 D5 zuerst mehrere Tage einspielen lassen und sie dann mit verschiedenen HiFi-Verstärkern gepaart. Egal, ob wir sie an einem McIntosh MA9500, einem AVM Ovation AS XL oder unserer treuen Vor-Endstufen-Kombi von SPL bespielten: Der grundsätzliche Klangcharakter blieb unverändert:

Stimmen und Instrumente schweben in einer Hochtonwolke über dir. Lebendig, höchstaufgelöst und scheinbar unbeschwert von Altlasten, die andere Lautsprecher mit sich herumtragen. Brutal schnell rasen die feinen Percussions auf Seeeds Feel For You an uns vorbei. Spannend ist hier, dass der Song eigentlich primär durch seine starke Bassline auffällt.
Hier hingegen schmiegen sich die tiefen Trommeln und Basssaiten als höchstens ebenbürtiger Bestandteil an unser Ohr, während die zwirbelnden Höhen und Demba Nabés Stimme bis dicht an unsere Nasenspitzen heranpirschen. B&W bleibt sich auch bei den 805 D5 treu und hält nicht viel von einem bescheidenen Auftritt.

Als Nächstes darf uns Ben Caplan Down to the River vorsingen. Seine zwischen bärenstarken Ausbrüchen und guturalem Gesäusel wechselnde Stimme fangen die 805 D5 hervorragend ein und platzieren den bärtigen Kanadier in Lebensgröße in unserem Hörraum. Das Stück gehört nicht unbedingt zu den audiophilst aufgenommenen in unserer Playlist. Die Caplan begleitende Geige kratzt schon über gnädigeren Lautsprechern knapp an der Grenze zum Bratzeligen. Die B&W 805 D5 schubsen den Track endgültig über die Schwelle.
Ungeahnte Dynamikreserven
Die ungefähr gleichteuren Audio Physic Midex können vielleicht nicht ganz so gründlich in die letzten Hochtongefilde eintauchen, lassen der Geige dafür aber mehr Spiel- und Entfaltungsraum. Was die britische Regalbox jedoch nicht daran hindert, eine besonders große Schippe Dynamik in den Ring zu werfen. Die 805 sprechen ungeheuerlich schnell selbst auf kleinste Klanginformationen an. Da schnellt der Schlagzeugstick hörbar vom Trommelfell zurück, im nächsten Moment fliegt die Spucke des Sängers aufs Mikro.

Um zu testen, was die Regallautsprecher im Bassbereich leisten können, lassen wir Anna Lapwood am Pult der zweitgrößten Orgel Englands Platz nehmen. Wenn die offizielle Organistin der Royal Albert Hall proben möchte, geht das häufig nur nachts ungestört. So entstand das Album Midnight Sessions at the Royal Albert Hall, aus dem wir Test Drive starten. Der Track aus dem Film How to Train Your Dragon lässt regelmäßig unseren Hörraum beben, wenn Lapwoods linker Fuß weit nach links auf den Pedalen wandert.
Mehr Präzisionsmaschine statt Hubraumwunder
Auch die Bowers & Wilkins 805 D5 haben keine Probleme, große Orgelpfeifen wiederzugeben. Sie tun dies zwar mit den für ihr Gehäusevolumen verständlichen Einschränkungen, können sich aber dennoch deutlich besser durchsetzen als etwa die Focal Kanta N°1. Der Fokus ist auch hier nicht auf der schier bodenlosen Tiefe, sondern auf der Leichtigkeit und Verspieltheit, mit der die hohen Register durch den leeren Saal zwitschern. Die diversen Klangfarben der unterschiedlichen Pfeifenarten pinselten die 805 D5 klar und deutlich in unseren Hörraum.

Leider stand uns für unseren Test kein Pärchen der 805 D4 zur Verfügung. Bei unserem Werksbesuch in Worthing ergab sich aber die Gelegenheit, die alte gegen die neue Serie zu hören. Im werkseigenen, vom restlichen Gebäude entkoppelten Hörraum. Natürlich ist ein Vergleich unter solchen fremden Bedingungen nicht übertragbar. Dennoch schien es uns, im direkten A/B-Vergleich, dass die neue 805 die Musik noch ein Stück besser von den Lautsprechern trennen konnte. Alles erschien noch eine Spur luftiger und freier. Ein Eindruck, der zu unseren eigenen Notizen aus dem eigenen Testraum passt.
Neugierig geworden? Unsere Bestenliste verrät dir, wie die Bowers & Wilkins 805 D5 im Vergleich mit anderen Regallautsprechern abschneiden:
Akkribische Aufstellung belohnen die B&W 805 D5
Schon vor unserem Test wurde klar, dass Bowers & Wilkins auch bei der neuen Diamond-Serie weitergedacht hat, als bloß bis zum fertigen Produkt. Das siehst du, sobald du die beiden Kartons öffnest, in denen die Boxen geliefert werden. Die Verpackung ist stabil und logisch aufgebaut. Eine präzise Anleitung führt dich durch die einzelnen Schritte, damit weder Hochtöner noch Lack in Mitleidenschaft gezogen werden. Bevor du eine Panikattacke bekommst, hier eine Vorwarnung: Der Hochtöner wackelt. Ja, das soll so. Du hast nichts kaputt gemacht. Das Rohr ist locker aufgehängt, um möglichst gut vom restlichen Gehäuse entkoppelt zu sein.

Selbst die Unterseite ist mit einer Schaumstoffmatte geschützt, die mit vier Kunststoffschrauben in den Gewinden für die Ständer festgeschraubt ist. Für den Fall, dass du diese nicht gleich mitbestellt hast, liegen noch die typischen, selbstklebenden Gumminoppen bei. Wir müssen gestehen, dass wir uns bei einem Preis von 12.000 Euro etwas höherwertige Dämpfer gewünscht hätten. Auch, wenn die wenigsten eine Regalbox auf Spikes stellen werden, hätten wir wenigstens schraubbare Gummidämpfer erwartet, wie wir sie selbst von den Bowers & Wilkins 703 S3 kennen.
Hier findest du die passenden Ständer zur B&W 805 D5:
Nimm dir Zeit für die 805 D5
Nach dem Auspacken folgt das Aufstellen und hierfür solltest du dir definitiv Zeit nehmen. Denn auch, wenn die Bowers & Wilkins 805 D5 bereits gut klingen, wenn du sie nur halbwegs symmetrisch ausrichtest – ihr Klang rastet noch mal hörbar ein, wenn du sie präzise auf deinen Hörplatz ausrichtest. Hier bist du selbst gefragt, eine genaue Gradzahl für den Eindrehwinkel oder den Abstand von deiner Couch können wir dir nicht geben. Nur zu nahe an der Wand solltest du die Regallautsprecher, trotz ihres nach vorn gerichteten Bassports, nicht aufstellen. Ein Meter war bei uns das Minimum. Bei weniger Abstand verlor der Bass an Kontur.

Wie viele andere High-End-Lautsprecher hat auch die B&W 805 D5 ein Bi-Wiring-Anschlussfeld. Entfernst du die hochglanzpolierten Metallbrücken, kannst du also den Hoch- und Tiefmitteltöner separat ansteuern. Passende Anschlüsse an deinem Verstärker oder deinen Endstufen vorausgesetzt. Aber auch per Single-Amping haben die Lautsprecher überzeugen können. Sie freuen sich aber über ein paar zusätzliche Watt Leistungsreserven.
Design: Mehr als ein Hauch Luxus
Dass die Form der Bowers & Wilkins 805 D5 ein Produkt jahrelanger Entwicklung ist und dafür sorgen soll, dass das Gehäuse möglichst steif und resonanzarm ist, sind die trockenen Fakten. Diese rationale Ebene verlassen wir aber augenblicklich, als wir die Lautsprecher aus ihrer Verpackung schälen. Hochglanzschwarz ist nicht unbedingt unsere erste Wahl, wenn wir uns Testsamples bestellen. Jedes Staubkorn wächst auf den Fotos zum Kieselstein, jeder Fingerabdruck zum Tatort. Das stimmt auch bei unserem Testpaar der 805 D5. Dennoch können und wollen wir auch nicht anders, als hier unseren Hut zu ziehen. Denn selten ist uns ein so akribisch verarbeitetes Paar Regallautsprecher in die Hände gekommen.

Jeder Lautsprecher der 800er-Serie wird erst mehrschichtig lackiert, bevor die obersten Lackschichten wieder abgeschmirgelt werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die fertige Lackschicht makellos ist und nicht an die Oberfläche von Orangen erinnert. Die Hochtönermembranen werden vor Ort von Hand mit ihren Spulen und dem Gehäuse vermählt.
Selbst das schmucke Schutzgitter soll Auswirkungen auf den Klang haben, indem es den Schall freier streuen lässt. Reine Zier, so ehrlich war man in Worthing, sei hingegen die Platinbeschichtung der Diamantmembran.

Auch die restlichen optischen Veränderungen zur Vorserie halten sich stark in Grenzen. Hier ein schmalerer Metallkragen um die Chassis, dort eine rundere Sockelplatte (bei den größeren Modellen). Geblieben ist ein durchweg luxuriöser Regallautsprecher, der in jedem Wohnzimmer der Hingucker wird. Und ja, es liegen magnetische Abdeckungen für den Mitteltöner bei. Solltest du sie wirklich benutzen wollen, ohne als Ausrede kleine Kinder oder Haustiere angeben zu können, wirst du dir die eine oder andere ernste Frage von uns gefallen lassen müssen.
Unser Fazit zu den Bowers & Wilkins 805 D5
Bowers & Wilkins hat mit den 805 D5 ein Paar extrem guter Lautsprecher noch eine Spur besser gemacht. Ihr eher heller Klangcharakter bleibt gleich, das muss dir gefallen und zu deinen Hörgewohnheiten passen. Belohnt wirst du jedoch mit noch mehr Luft und Glanz in jedem Musikstück. Wenn du ganz tief in jedes Album hineinhören möchtest, gibt es wenige, die es in unseren Tests mit ihr aufnehmen konnten. Und noch weniger, die auch nur ansatzweise so durchdacht und makellos verarbeitet sind.
Hier kannst du die Bowers & Wilkins 805 D5 direkt bestellen:
| Technische Daten | |
| Wege | 2 |
| Treiber | 2 (1x Hochtöner, 1x Tiefmitteltöner) |
| Anschlüsse | Bi-Wiring |
| Frequenzbereich | 42 Hz – 28 kHz (± 3 dB) |
| Empfindlichkeit | 88 dB |
| Impedanz | 8 Ohm (4,6 Ohm Minimalimpedanz) |
| Abmessungen (BxHxT) | 241 x 439 x 363 mm |
| Gewicht | 16,4 kg |
| Verfügbare Farben | Schwarz (Hochglanz), Weiß (matt), Walnuss (hell), Walnuss (dunkel) |
| Paarpreis | 12.000 Euro | 13.800 Euro mit Ständern |
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