Betrug mit KI-Musik: Erstmals wandert ein Mann ins Gefängnis
Bild: Franck V. via UnsplashBei Musikstreaming-Diensten wie Spotify wird teilweise durch schwarze Schafe viel Schindluder getrieben. Schon vor der KI-Ära nutzten Betrüger Bot-Netzwerke, um künstliche Streams für ihre Musik zu erzeugen. Dadurch konnten sie ihre Musik in die Charts bugsieren und kräftig abkassieren, auch wenn nur wenige Menschen tatsächlich ihren Klängen lauschten. Ein Mann in den USA hat diese Taktik einen Schritt weitergetrieben und KI-Musik hochgeladen, die er dann über Bots in die Dauerschleife bugsierte. Was ihm zunächst Millionen US-Dollar einbrachte, bringt ihn nun ins Gefängnis.
Der Schuldige, Michael Smith, ist deswegen in den USA verurteilt worden. Zuvor prahlte er noch damit, mit seiner Kombination aus billig erstellter KI-Musik und Bot-Abrufen über zwölf Mio. US-Dollar verdient zu haben. Er ist jedoch jetzt in New York wegen Verschwörung zu Überweisungsbetrug zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Der Haftstrafe werden zwei Jahre Überwachung folgen. Zudem muss er 8,1 Mio. US-Dollar zurückzahlen.
Schon vor dem Aufkommen von KI-Musik versuchte sich der Hobbymusiker Smith offenbar an kriminellen Machenschaften. Bereits ab 2017 setzte er teilweise bis zu 10.000 Bots auf Servern außerhalb der USA ein, um seine Songs abzurufen und künstliche Streams zu generieren. Dafür spannte er nicht nur Spotify ein, sondern auch Amazon Music, Apple Music oder auch YouTube Music. In den vergangenen Jahren trieb er das Ganze dann durch das Hochladen von monatlich bis zu 10.000 KI-Songs auf die Spitze.
KI-Musik: Kreativität floss in Betrugsmasche statt in die Songs
Smith zeigte sich dabei zwar nicht musikalisch, aber betrügerisch kreativ. Er erfand etliche Künstlernamen und Profile und ließ deren KI-Musik über externe Dienstleister hochladen. Anschließend setzte er seine Bots auf den AI Slop an. Das nahm teilweise irre Größenordnungen an, wie ein Vergleich zeigt. Taylor Swift, eine der beliebtesten Künstlerinnen der Welt, erreichte bei YouTube Music im April 2023 rund 9,3 Mio. Abrufe aus Familienabos. Smith erreichte mit seinen künstlich generierten Songs und den Bot-Netzwerken im gleichen Zeitraum sage und schreibe 80,9 Mio. Abrufe (via Heise).
Hinter der ganzen Angelegenheit steckt aber eigentlich ein tieferes Problem. So könnten Musikstreaming-Anbieter wie Spotify viel schärfer gegen KI-Musik vorgehen. Statt entsprechende Inhalte nur zu kennzeichnen, könnte man sie entweder kategorisch aussperren oder zumindest keinerlei Gelder dafür ausschütten. Das scheint allerdings den geschäftlichen Interessen der Plattformen zu widersprechen.
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