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Dual: Plattenspieler seit 120 Jahren – und immer noch modern

Bei Dual drehen sich seit über 120 Jahren Schallplatten – und das sogar auf schrägen Tellern. Wir verraten, was hinter der deutschen Kultmarke steckt.
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Dual Feature Titelbild CS 529 Bild: Dual

Plattenspieler gibt es seit über hundert Jahren. Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass es auf diesem Gebiet keine großen Überraschungen oder Neuerungen geben kann. Erst recht nicht, von einer Firma, die von Anfang an ihre Entwicklung mitgestaltet hat. Doch Dual ruht sich auch nach knapp 120 Jahren Firmengeschichte nicht auf den eigenen Lorbeeren aus. Stattdessen besinnt man sich aktuell auf Errungenschaften aus den Anfangszeiten des HiFi zurück – und koppelt sie mit modernen Tech-Features, die den Staub von diesem gut gealterten Hobby blasen. Denn einen vollautomatischen Plattenspieler mit Bedienung per App und Bluetooth-Verbindung hatten wir nicht auf unserer HiFi-Bingokarte.

Dual: Von Sankt Georgen in die Welt

Aber der Reihe nach: Die Geschichte Duals beginnt 1907 als „Gebrüder Steidinger Fabrik für Feinmechanik“. Die namensgebenden Brüder Christian und Josef haben eigentlich das Uhrmacherhandwerk von ihrem Vater gelernt, fertigen aber von Anfang an auch Motoren für Grammophone. Es dauert nur ein Jahr, bis das erste eigene Laufwerk vorgestellt wird.

Anfangs zieht man Grammophone noch von Hand auf – ganz ähnlich wie eine mechanische Uhr. Doch nach und nach tauchen die ersten Steckdosen in den Häusern auf, sodass man 1927 den ersten Antrieb erfindet, der sowohl per Kurbel als auch per Strom betrieben werden kann. Du konntest deine Platten also zu Hause und unterwegs hören. Der erfolgreiche „Dual-Motor” wird schließlich Namenspatron der Marke.

Über die nächsten Jahrzehnte häufen sich die Innovationen. Der Plattenspieler festigt seinen Platz im Wohnzimmer, die Handkurbel verschwindet, aber der Komfort nimmt zu: 1963 kommt mit dem Dual 1009 der erste vollautomatische Plattenspieler für Vinyl auf den Markt, der den damals noch frischen HiFi-Standards entspricht. Als Plattenwechsler kann er sogar mehrere Platten nacheinander abspielen.

Innovationen “made in Germany”

Es folgen weitere wegweisende Features. So machten Plattenspieler wie der Dual 1219 kardanische Tonarmlager salonfähig und der Dual 701 holt den Direktantrieb nach Europa – und ist gleichzeitig der erste Plattenspieler überhaupt, der Vollautomation und Direktantrieb kombiniert. Dieser besondere Mix soll Dual viele Modelle bis in die 80er Jahre begleiten. Auf die Spitze treibt es der Dual 650-RC, den du sogar mit einer Fernbedienung vom Sofa steuern kannst.

Dual 650-RC Copyright: Alex Gretter
Der Vollautomat Dual 650 RC lässt sich sogar mit einer Fernbedienung steuern. | Bild: Alex Gretter

Aber natürlich spezialisiert man sich nicht nur auf aufwendige Direktantriebe. Das Reibrad, das noch den legendären 1009 antreibt, weicht nach und nach dem rumpelfreien Riemen. Dadurch konnten auch Menschen mit knapperem Budget in den Genuss sauberer Vinylabtastung kommen, während die Direktantriebe weiterhin Duals Oberklasse blieben. 1975 folgt hier der nächste Meilenstein. Beim 601 kannst du die Breite des Antriebspulleys stufenlos vergrößern, indem du einen Dorn hineinschraubst, der ihn aufdrückt. Dadurch vergrößert sich der Durchmesser – die Platte dreht sich schneller. „Vario Pulley“ nennt Dual diesen Trick für die Feinjustage.

Dual masselose Auflagekraft mit Feder
Die Feder aus temperiertem Stahl sorgt für eine gleichbleibende Auflagekraft, egal wie schräg der Plattenspieler steht. | Bild: Dual

Immer wieder mit dabei: die masselose Auflagekraft mittels Feder. Auch das Antiskating wird von diesem an die Anfangstage der Uhrmachergesellen erinnernden Bauteil übernommen. Die masselose Auflagekraft sorgt dafür, dass auch welligste Platten mit gleichbleibendem Druck abgetastet werden können. Das System funktioniert so gut, dass du auch mehrere Bücher unter die eine Seite eines Duals wie des CS 718 Q schieben kannst. Auch mit dieser Hanglage zieht die Nadel trotzdem komplett unbeeindruckt ihren Weg durch die Rille. Die kardanische Aufhängung in feinen Pivot-Kugellagern sorgt zusätzlich dafür, dass der Arm jeder Auslenkung so widerstandsarm wie möglich folgen kann.

Dual CS 529: Alleskönner auf hohem Niveau

Aktuelle Dual-Plattenspieler stehen also auf den Schultern von Riesen vergangener Generationen. Der Dual CS 529 verbindet einen flüsterleisen Riemenantrieb mit dem Komfort eines Vollautomaten. Und wie schon bei seinem Vorfahren, dem 650-RC, musst du nicht einmal mehr vom Sofa aufstehen, um die Musik zu starten. Die Fernbedienung wandert aber als App auf dein Smartphone. Per Bluetooth kannst du so dem Plattenspieler Befehle geben und deine Musik sogar kabellos an deine Kopfhörer oder Bluetooth-Boxen schicken. Das Headshell mit Bajonett-Fassung sorgt dafür, dass du deinen Tonabnehmer kinderleicht wechseln kannst, während das ab Werk passend montierte Ortofon 2M Red dafür sorgt, dass du das so schnell nicht nötig haben wirst.

Dual CS 529 schräg
Der Dual CS 529 katapultiert den klassischen Vollautomaten ins aktuelle Jahrhundert. | Bild: Dual

Allen HiFi-Fans, die bei der bloßen Erwähnung des Wortes „Bluetooth“ die Nase rümpfen, hält der Dual CS 529 seine präzisen Kardanlager, die gehärtete Stahlachse in ihrer Messingbuchse, die schwingungsgedämpfte Motoraufhängung und den schweren Alu-Druckgusssteller mit dicker Gummimatte entgegen. Auch die mit Gummielementen gedämpfte Subchassis-Konstruktion und das schicke Walnussfurnier sprechen ganz klar davon, dass es Dual hier ernst meint.

So schafft es Dual auch nach knapp 120 Jahren Firmengeschichte und mehreren Eigentümerwechseln, sich treu zu bleiben. Auch das in großen Teilen seit den 80er-Jahren treu gebliebene Kernteam zeugt von dieser Kontinuität. Die Schallplatte hat sich noch lange nicht ausgedreht. Wir sind gespannt, was Dual in den nächsten Jahrzehnten für HiFi-Fans bereithält.

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