Coturn CT-Two im Test: Der feinste Plattenspieler für unterwegs
- Antrieb
- Riemen
- Tonabnehmer ab Werk
- AT-3600L
- 33 ⅓ / 45 / 78 RPM
- Ja / Ja / – (elektronische Umschaltung)
- Bluetooth
- Ja (SBC, AAC, apX HD)
- Integrierter Phono-Vorverstärker
- Ja
- Preis
- 599 Euro | 628 Euro mit Etui
Der CT-Two von Coturn ist nicht einfach ein mobiles Vinylspielzeug. Vielmehr rechtfertigt er seinen gigantischen „Will-haben-Faktor“ mit hervorragendem Klang und einer Verarbeitung, die manchem klassischen Plattenspieler gut zu Gesicht stünde. So macht der Hybrid im Park genauso viel Spaß wie im Wohnzimmer.
- Erstaunlich erwachsener Klang für einen mobilen Player
- Hohe Laufruhe, keine Motorgeräusche
- Drei Signalwege: Bluetooth, Line-Out & Kopfhörerbuchse
- Extrem hochwertige und durchdachte Verarbeitung
- Klinkenbuchsen nicht beschriftet
- Bedienung erfordert Fingerspitzengefühl (kein Lift)
Mit dem CT-Two zielt der deutsche Hersteller Coturn auf eine exklusive Nische im HiFi-Markt – und vergrößert diese zugleich. Denn einerseits ist klar, dass nicht jede:r Plattensammler:in und jeder Fan analoger Musikwiedergabe unbedingt einen portablen Plattenspieler braucht. Andererseits jedoch muss man den Coturn CT-Two gar nicht brauchen, um ihn haben zu wollen.

Design und Umsetzung des portablen Spielers sind so elegant und hochwertig, der Niedlichkeitsfaktor so enorm, dass man nach der ersten Begegnung fieberhaft Szenarien entwirft, die den Kauf rechtfertigen. LPs hören, während du zur Arbeit radelst, gehört eher nicht dazu. Die Fläche, auf der der CT-Two steht und spielt, sollte sich schon einigermaßen in Ruhe befinden. Das ist aber auch die einzige Einschränkung, die uns in unserem Test aufgefallen ist.
„Coturn by Thorens“ – starker Partner für den mobilen Player
Der ursprüngliche CT-01 hat in der HiFi-Welt für Furore gesorgt. Hier standen wir nicht einfach vor einem Vinylspielzeug für Hipster, sondern vor einem durchdachten, edel verarbeiteten Werkzeug. Das muss sich auch Thorens-Chef Gunter Kürten gedacht haben, der Benjamin Großjohann kurzerhand eine Zusammenarbeit vorschlug. Für die Weiterentwicklung zum CT-Two stand dem Bonner Startup-Unternehmen jetzt die Expertise der Plattenspielerprofis zur Verfügung.

Der Coturn spielt dank Lithiumakku netzunabhängig, verbindet sich über Line Out, Kopfhörerausgang und Bluetooth mit deinem bevorzugten Wiedergabegerät. Dabei kann es sich um einen Aktiv-Speaker, eine beliebige Stereoanlage, das Soundsystem im Wohnmobil oder einen Kopfhörer handeln. Bei Nichtbenutzung verwandelt sich der CT-Two in einen glatten, kühlen Barren aus Aluminium und schlagfestem Glas, der im Rucksack, in der Handtasche oder im Koffer nicht mehr Platz benötigt als ein halbes MacBook.
Optional – zum Preis einer LP – gibt’s eine maßgeschneiderte Transporttasche für das edle Stück. Der einzige aktuell angebotene Mitbewerber stammt von Audio-Technica: Der „Sound Burger“ AT-SB727 ist zwar deutlich billiger, sein Gehäuse besteht aber aus Plastik, ist viel sperriger und lange nicht so elegant wie der Unibody des Coturn.
Coturn CT-Two im Hörtest: kleiner Player ganz groß
Der Klangcharakter des Coturn ist durch seinen Tonabnehmer geprägt. Das montierte AT-3600 verleiht dem Spieler eine warme Balance mit seidigen Höhen, fülligem Oberbass und dezenter Zurückhaltung im Präsenzbereich. Diesen angenehmen Grundcharakter teilt der Coturn mit dem Audio-Technica Sound Burger, der mit dem gleichen Abtaster ausgerüstet ist. Dennoch hören wir mit dem CT-Two einen erwachseneren, cleaneren und in den Höhen feiner aufgelösten Ton.

Klangfarben entfalten sich über den deutschen Minispieler authentischer, wirken gleichzeitig dezenter und klarer differenziert. In puncto Detailreichtum setzt die sphärische Diamantnadel beiden Spielern Grenzen, die aber nicht störend wirken. Schließlich ist die höchste Aufgabe eines Plattenspielers, Musik als glaubwürdiges Ganzes zu präsentieren. Erst wenn das erfüllt ist, bringt höhere Auflösung den erhofften Zugewinn an Natürlichkeit.
Genau das macht der Coturn dann auch. Etwa mit Who’s Your New Professor von Sam Prekop, das ähnlich wie die Platten von Prekops Band The Sea And Cake einen ganz eigenen Fusion-Sound aus lässigem Songwriting, jazzig schwebenden Harmonien und feingliedriger Latin-Rhythmik kredenzt. Da gibt es jede Menge Percussion-Details zu erforschen, melodische Basslinien zu verfolgen und geschmackvoll angezerrte Gitarrensounds zu würdigen, noch bevor der Sänger überhaupt seine Stimme erhebt.

Das macht mit dem Coturn schon richtig Spaß. Nicht, weil er uns die in den Chicagoer Soma-Studios präzise aufgezeichneten Details besonders plakativ um die Ohren haut. Sondern weil er sie zu einem angenehmen, spannend-musikalischen Flow verbindet.
Alle Ausgänge tun sehr gut, was sie sollen
Mit tiefbassfähigen Anlagen wie unserer Kombination aus Soulnote A-2 ver.2 und Klipsch RF-7 MkIII werden natürlich auch Grenzen hörbar. Gute Full-Size-Spieler für vergleichbares Geld geben dem Tiefton mehr Ausdehnung und Kontur. Dem Coturn geht Josh Abrams’ E-Bass in den mittleren Lagen etwas zu sehr in die Breite, auch die Drums können hier etwas qualliger wirken als etwa über einen Rega Planar 2. Dessen Seriensystem wie beim Coturn eine (jeweils entsprechend gebrandete) Variante des AT-3600 ist.

Was auf der großen Anlage aber auch auffällt, sind die verblüffende Geräuscharmut und die hohe Laufkultur des winzigen Laufwerks. Motorvibrationen oder Rumpeln können wir auch in der Leerrille bei weit aufgedrehter Lautstärke nicht finden. Auch der Gleichlauf ist mustergültig stabil – und das, obwohl der Spieler ohne einen großen Plattenteller auskommen muss.
Praxisnäher als die High-End-Kette dürfte aber der Hördurchgang an der klanglich exzellenten Streamingbox Audio Pro C20 W sein. Die steht nicht im Hörraum, sondern nebenan im Büro, und der Coturn funkt die Musik nun einfach per Bluetooth rüber. Obwohl wir wissen, dass dabei eine verlustbehaftete Datenreduktion ins Spiel kommt, gefällt uns der Coturn auf diesem Weg fast noch besser. Obenrum wirkt der Klang nun noch etwas feiner und offener – ein willkommener Zugewinn, der uns technisch zunächst paradox erscheint.

Aber die Leute von Audio Pro wissen nun mal tatsächlich sehr gut, wie man kompakten All-in-One-Boxen echten HiFi-Klang entlockt. Vor allem jedoch darf der Spieler einen Raum weiter in perfekter Stille arbeiten. Da die dortige Anlage aus ist, kann sie die praktisch frei in der Luft rotierende Platte auch nicht zum Mitschwingen anregen.
Neugierig geworden, wie der Coturn CT-Two im Vergleich mit anderen Plattenspielern mit Bluetooth-Sender abschneidet? Unsere Bestenliste kennt die Antwort:
Hochwertige Technik im Miniaturformat
„Frei in der Luft“ stimmt natürlich nicht ganz. Ähnlich wie der Audio-Technica-Kollege verfügt der Coturn über einen Plattenteller, der ungefähr den Durchmesser des LP Labels hat. Statt einer flächigen Matte hat Coturn-Entwickler Benjamin Großjohann dem präzise gefrästen Teller sechs winzige Gummipuffer eingepflanzt, die das Vinyl sicher und mit gutem Grip tragen.

Für den präzisen Gleichlauf und die bemerkenswerte Laufruhe zeichnet ein Riemenantrieb mit quarzgesteuertem DC-Servo-Motor verantwortlich, der guten stationären Verwandten in nichts nachsteht. Im Gegenteil: Da er beim Start nur das Eigengewicht der Platte beschleunigen muss, beschleunigt der Spieler so blitzartig, dass sogar mancher Direktantrieb neidisch werden könnte.
Bevor es losgeht, muss der CT-Two aber erstmal seinen Transformers-Trick vorführen. Aus der Tasche kommt er ja als flacher Barren ohne erkennbaren Tonarm. Ein kräftiger Fingerdruck an der richtigen Stelle – markiert durch eine dezente, eingefräste Mulde – lässt den Arm mit einem raffinierten, robusten Faltmechanismus aus seinem Versteck aufsteigen. Nun noch eine 90-Grad-Drehung aus der Transport- in die Parkposition, und der Weg ist frei, um die erste LP aufzulegen. Oder auch die erste Single – ein edler, gefräster Alupuck für große Mittellöcher liegt dem Spieler bei.

Die Handhabung des Arms erfolgt manuell, entweder mit dem ausklappbaren Fingerbügel oder mit dem Daumen am abgerundeten vorderen Ende des soliden Alu-Tragbalkens. Auf einen Lift musst – und kannst – du verzichten. Am sichersten funktioniert das Auflegen, wenn du die Nadel bei noch stehendem Teller in der Rille platzierst und dann mit einem Tipp auf die gewünschte Drehzahl den Motor startest.
Touch-Bedienung auf Gorillaglas
Warum die Oberseite des Coturn aus präzise eingefasstem, bruch- und kratzfestem Glas besteht, leuchtet buchstäblich ein, sobald sich der Arm aus seiner Versenkung erhebt. Dann erscheinen in der spiegelschwarzen Fläche nämlich sechs Touch-Bedienfelder: Lautstärke, Loudness, 33, 45 und natürlich das Bluetooth-Kopplungs-Schaltfeld. Je nach den Fähigkeiten des Empfängers funkt der CT-Two dabei mit Standard- oder klangoptimiertem aptX-HD-Bluetooth.

Alternativ steht das Signal klassisch analog an einem ungeregelten Line Out zur Verfügung, sowie an einem regelbaren Kopfhörerausgang. Die beiden Ausgänge sind unbeschriftet, aber durch ihre Lage selbsterklärend. An die Line-Buchse kommst du im Betrieb nämlich nicht ohne Weiteres. Strom bezieht der CT-Two aus zwei 18650er Lithiumakkus, die mit einer Ladung bis zu 20 Stunden Betrieb ermöglichen.
Aufgetankt werden die Akkus via USB‑C. Ein 1 m langes, hochwertiges Kabel liegt dem Spieler bei, entsprechende Netzteile hast du vermutlich eh in mehrfacher Ausführung rumliegen. Sollten die Markenakkus – im Testgerät stammen sie von LG – nach vielen hundert Ladezyklen irgendwann doch schwächeln, sind sie dank der servicefreundlichen Konstruktion des Spielers im Handumdrehen getauscht.

Überhaupt sind wir froh, auch mal einen Blick ins Innere des Players geworfen zu haben. Die Bodenwanne ist wie das restliche Gehäuse CNC-gefräst und hält mit vier kleinen Schräubchen. Dahinter finden wir unter anderem einen Antrieb, der selbst unsere optimistischen Erwartungen übertrifft. Der CT-Two mag klein sein. Aber Konstruktion und Umsetzung sind vom Feinsten.
Der leise, stabile Lauf ist kein Zufallsprodukt
Von außen sichtbar ist nur ein Teil des Plattentellers. Unter Deck trägt ein massives Alu-Schwungrad zusätzliches Trägheitsmoment bei. Ein Lochmuster am Rand des Schwungrads dient zusammen mit einer Lichtschranke als Drehzahlgeber für die quarzbasierte Motorsteuerung. Ein klassisches Tellerlager findet in dem flachen Spieler keinen Platz. Coturns Konstruktion besteht aus einer präzise gedrehten Achse und zwei sehr eng tolerierten Kugellagern, denen eine leicht vorgespannte Montage jegliches Spiel austreibt.

Der seidenweiche Lauf des CT-Two verrät uns, dass dieses Lager exzellent funktioniert. Keine Lösung von der Stange ist auch der Motor mit seiner dicken Alu-Befestigungsplatte, die ihrerseits auf drei Gummilagern schwimmend montiert ist. Diese Entkopplung tut genau, was sie soll, wie die Abwesenheit jeglicher Motorvibrationen im Ausgangssignal belegt.
Plastikteile finden sich praktisch überhaupt nicht im CT-Two – sieht man einmal von der Elektronikplatine und dem Akkuhalter ab. Das Oberdeck besteht aus kratz- und stoßfestem Gorillaglas, Gehäuse, Teller und Tonarm aus Aluminium. Besonders eindrucksvoll finden wir den Arm, dessen Faltmechanik aus wenigen, präzisen Frästeilen besteht. Im ausgeklappten Zustand bewegt sich der Arm darin mustergültig spielfrei und leichtgängig. Statt eines sperrigen Gegengewichts sorgt eine Feder für korrekte Balance und Auflagekraft.

Letztere liegt mit (nachgemessenen) 3,5 g sauber in dem Bereich, den Audio-Technica für das System empfiehlt. Auf ein Antiskating hat Coturn verzichtet. Aber der sphärisch geschliffene Diamant nimmt es damit eh nicht so genau. Und ohnehin will niemand unterwegs – auf der Plattenbörse oder der Yacht, im Ferienhaus oder Büro – akribische Justagesessions starten.
Unser Fazit zum Coturn CT-Two
Der „Compact Turntable“ hat’s in sich: Viel schöner und nachhaltiger kann man einen portablen Plattenspieler nicht bauen. Und viel günstiger kann einen so sauber verarbeiteten, nachhaltig in Deutschland gefertigten Spieler auch nicht anbieten. In jedem konstruktiven Detail spürt man, dass seine Schöpfer es nicht einfach nur irgendwie, sondern genau richtig machen wollen: langlebig, mechanisch präzise, elektronisch ausgefuchst und klanglich überzeugend.
| Technische Daten | |
| Antrieb | Riemen |
| Tonabnehmer ab Werk | AT-3600L |
| Motor | DC-Servo, quarzgeregelt |
| 33 ⅓ / 45 / 78 RPM | Ja / Ja / – (elektronische Umschaltung) |
| Antis-Skating einstellbar | – |
| Bluetooth | Ja (SBC, AAC, apX HD) |
| Integrierter Phono-Vorverstärker | Ja |
| Mitgeliefertes Zubehör | USB-C-Kabel, Single-Puck |
| Preis | 599 Euro | 628 Euro mit Etui |
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