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MQair: Bluetooth-Revolution von MQA?

MQA dürfte dir von Tidal ein Begriff sein. Die Firma, die auch schon das gleichnamige Audioformat entwickelt hat, hat jetzt einen eigenen Codec für Bluetooth und andere kabellose Übertragungen vorgestellt.
MQair Titelbild Bild: MQA

Das lässt aufhorchen: MQA Ltd, die Firma hinter dem MQA-Dateiformat, stellt einen eigenen namens MQair vor, der MQA- und PCM- Audiodateien kabellos mit einer Qualität von bis zu 384 kHz und 24 Bits übertragen soll. Ist das die audiophile Bluetooth-Revolution, auf die wir gewartet haben?

Bluetooth-Highres mit MQair?

Wenn wir es genau nehmen, heißt der Codec SCL6, wird aber als MQair vermarktet. Er stammt aus dem gleichen Haus wie das Dateiformat “Master Quality Authenticated” (MQA) und ist somit ebenfalls eine Erfindung von Meridian-Gründer Bob Stewart. Und schon bevor der neue Codec in echten Produkten zum Einsatz kommt, wurde er von offizieller Stelle zertifiziert: Die Japan Audio Society hat MQair mit ihrem Highres Audio Wireless Siegel ausgezeichnet,  mit dem sich z.B. auch der von Sony entwickelte Codec LDAC schmücken darf. Auch bei Streaming-Anbietern wie Qobuz ist Highres Audio längst ein Thema. Welche Streamingdienste welche Audioformate unterstützen, kannst du in unserer Bestenliste vergleichen:

MQair soll laut Entwicklern PCM- und MQA-Audiodateien mit bis zu 384 kHz/24 bit Auflösung über Bluetooth-, Ultra-Wideband- (UWB) und Wi-Fi-Streaming-Verbindungen übertragen können. Gleichzeitig soll der Codec dabei eine geringe Latenz aufweisen und energieeffizient sein, womit der Hersteller ähnliche Versprechen wie Bluetooth 5 und Bluetooth LE Audio macht.

Solch hohe Audio-Qualität über Bluetooth zu übertragen, war bisher nicht möglich. Selbst Sonys Codec LDAC schafft mit einer Übertragungs-Bandbreite von maximal 990 kbit/s höchstens eine Qualität von 96 kHz/24 bit. Und liest man die Pressemitteilung ganz genau, verspricht MQA auch gar nicht zwangsläufig eine höhere Bluetooth-Bandbreite.

MQair – Geniale Innovation oder doch nur Marketing?

Es ist zwar die Rede davon, dass MQair die Bitrate variabel zwischen 200 kbit/s enormen 20 Mbit/s skalieren können soll. Aber sind diese hohen Datenraten überhaupt möglich bei einer Bluetooth-Übertragung? Zum Vergleich: Auch aptX Lossless ist skalierbar, bewegt sich aber im Bereich von 140 kbit/s bis 1 Mbit/s.

Der Sprung auf bis zu 20 Mbit/s wäre also gewaltig. Aber MQA verspricht nirgendwo explizit, dass eine solche Bandbreite auch wirklich über Bluetooth erzielt wird. Denn schließlich ist MQair auch für Übertragungen per Ultra-Wideband und WiFi vorgesehen.

Wie gut wird MQair klingen?

Schaut man sich nur die Zahlen, sieht MQair erst mal besser aus. Aber ob es ausgerechnet MQA gelungen sein soll, die für Audio verfügbare Bluetooth-Bandbreite so enorm zu steigern, wäre noch zu klären. Und auch andere Codecs wie aptX Lossless oder LDAC arbeiten mit variablen Datenraten – mit dem Erfolg, dass man letztlich nie sicher sein kann, welche Qualität außerhalb von Labor-Bedingungen tatsächlich übertragen wird.

Und eine Gemeinsamkeit mit der Einführung von MQA vor einigen Jahren fällt auch auf: Davon, dass die Übertragung lossless, also verlustfrei erfolgt, ist mit keinem Wort die Rede. Man wird also abwarten müssen, wie gut eine Bluetooth-Übertragung mit MQair wirklich klingt.

MQair: Wo und wann wird der neue Codec zum Einsatz kommen?

Der Codec ist bereits zertifiziert und marktbereit, die Ankündigung kam quasi aus dem Nichts. Wie schnell und wie weit sich MQair jetzt verbreitet, bleibt vorerst abzuwarten. Die vergleichbaren Codecs aptX von Qualcomm und LDAC von Sony erfordern Lizenzen, die nicht alle Hersteller erhalten können oder wollen, und sind deshalb bei Weitem nicht auf allen Audiogeräten vertreten. Spannend wird auch, ob etwa die Tidal-App den neuen Codec einfach per Update unterstützen wird oder ob dazu neue Hardware in Smartphones und Kopfhörern nötig ist. Wir sind jedenfalls gespannt, wie es mit MQair weitergeht und halten dich auf dem Laufenden.

Bist du Tidal-Nutzer*in? Welche Chancen siehst du für den neuen Codec? Wird er sich im Sande verlaufen, oder zum neuen Standard werden? Sag’ uns deine Meinung in den Kommentaren!

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