Ortofon MC X20 im Test: Moving-Coil-Musterknabe zum moderaten Preis
- Funktionsprinzip
- MC
- Ausgangsspannung
- 0,4 mV
- empfohlener Widerstand
- 100 Ω
- empfohlene Auflagekraft
- 20 mN
- Gewicht
- 8,6 g
- Nadelschliff
- Elliptisch 8/18 µm, nackt
- Preis
- 499 Euro
Niederohmiges, mechanisch sehr schön aufgebautes Moving Coil. Wenn dein Tonarm steif und leichtgängig genug ist, sorgt das Ortofon für wunderbar reichen, fein aufgelösten Sound, der noch vor ein paar Jahren deutlich teurer gewesen wäre.
- Angenehm weicher, präzise aufgelöster Klang
- Exzellente Abtastfähigkeit
- Einfach zu montieren
- Nadelschutz könnte fester sitzen
Mit den MC-Tonabnehmern der X-Serie löst Ortofon die alte Quintet-Baureihe ab. Das Ortofon MC X20 in diesem Test ist das zweitgünstigste Moving-Coil-System der dänischen Marke. Unterboten wird es nur noch vom X10 – aber gleich um 200 Euro. Auf dem Papier gibt es für die Preisdifferenz nur eine nackt-elliptische statt einer bonded-elliptischen Nadel. Alle anderen Zutaten sind gleich, auch die technischen Daten unterscheiden sich nur geringfügig. Das gleiche Nadel-Upgrade, das hier 200 Euro kostet, gibt’s bei den MMs der 2M-Serie zudem für nur 100 Euro: Das 2M Red mit bonded elliptical kostet 100 Euro, das Blue mit nude elliptical 200 Euro. Woher kommt also der Aufpreis beim X20?
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Wir vermuten, dass das X20 nicht unnötig teuer gemacht wurde. Im Test stellt es ganz im Gegenteil ein überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis unter Beweis. Der größere Abstand zum X10 resultiert eher aus einer besonders preisaggressiven Kalkulation des Einstiegsmodells. Denn das X10 ist trotz feinerer Technik sogar günstiger als sein alter Vorgänger Quintet Red, der zuletzt mit 349 Euro in der Liste stand. Den Einstieg in die MC-Welt unter 300 Euro zu halten, dürfte für Ortofon einen strategischen Wert haben. Vor allem im Wettbewerb mit Audio-Technica, deren AT-OC9xEB ebenfalls unter der magischen Grenze bleibt. Aber natürlich hat AT auch für das X20 einen preislich passenden Rivalen. Der Hörtest verspricht also spannend zu werden.
Ortofon MC X20 im Hörtest: Clean, neutral und weich wie Quellwasser
Wir haben das Ortofon MC X20 in mehreren Plattenspielern ausprobiert. Sein praxisfreundliches Design und der attraktive Preis machen es im Testalltag zum beliebten Arbeitssystem. Aus unserem Technics SL-1210GR2 wollten wir das Ortofon zum Beispiel gar nicht mehr ausbauen. Da haben sich zwei Komponenten gefunden, die beide für sich genommen eher die vernünftige, pragmatische Seite der gehobenen High Fidelity verkörpern. Und die im Verbund eine audiophile Analogquelle von ungeahnter Eleganz und Genauigkeit ergeben. Ganz ohne negativen Beigeschmack: Das X20 verbindet hier klassische Analogtugenden mit einer Sauberkeit und tonalen Verlässlichkeit, die wir eher von guten Digitalstreamern kennen.

Im Hochton arbeitet das X20 fleißig und akkurat, nie jedoch hell und zimbelig. Elliptische Nadeln verleihen der Musik oft eine kleine Portion Extraglanz und -grip. Im Vergleich zu teuren Line-Contact-Nadeln (aber nur, wenn diese korrekt justiert sind) findet sich diese Charakteristik auch beim X20. Das ist auch okay so, weil es die Dynamik und Rhythmik der Musik unterstreicht – und eventuell auch Verluste kompensiert, die erschwingliche Arme in diesem Bereich oft aufweisen. Generell ist der Hochton bei MCs besser, bruchloser eingebunden als bei MMs. Wenn du also etwa von einem Ortofon 2M Blue zum X20 mit nominell dem gleichen Diamanten wechselst, klingt das MC meist weder heller noch dunkler, sondern einfach stimmiger und ganzheitlicher.
Erlesene Klangfarben
Auch im Vergleich zu anderen erschwinglichen MCs glänzt das X20 mit einer besonders reichen, fein schattierten Farbpalette. Es ist nicht das extrovertierteste, spektakulärste System seiner Klasse. Dieser Preis dürfte eher Audio-Technicas AT33xEN zustehen, das allerdings auch 100 Euro teurer ist. Aber je länger du hörst, desto richtiger wirkt die dezente, weiche Farbenpracht des Ortofon. Wie fast immer bei Ortofon ist die Abtastfähigkeit des X20 makellos: Knifflige Chorpassagen, kritische S-Laute, fiese Pianoanschläge – sowas steckt die Nadel ganz locker weg, ohne gleich in unfreundliches Knistern oder Zischen auszubrechen. Eine wichtige Rolle spielen hier allerdings auch der Tonarm und das Headshell: Beide sind mit dem MC stärker gefordert als mit einem typischen MM. Mangelt es da an Steifigkeit und Spielfreiheit, leidet die Sauberkeit im Hochton – da ist das System machtlos.

Bleibt die Frage zu klären, was das X20 besser kann als sein erstaunlich günstiger Bruder X10. Den agilen, melodischen, aber eher weichen Bass haben beide, und der passt auch wunderbar in die Gesamtabstimmung. Das X10 wirkt aber im Vergleich doch etwas rauer, die Klangfarben etwas schlichter. Auch die gerade gelobte, fabelhafte Abtastsicherheit des X20 findet sich im X10 nur gefühlt zu 70 bis 80 Prozent wieder. Die klangliche Verwandtschaft zwischen den beiden Systemen ist aber unüberhörbar.
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Nackte Nadeln leben länger
Ein Stück weit relativiert sich der Mehrpreis zum X20 auch über die laufenden Kosten. Unfälle mal ausgenommen, denn vor dem Staubwedel, der Katze und fliegendem Spielzeug sind alle Nadeln gleich. Überlebt die Nadel dagegen bis an ihre natürliche Verschleißgrenze, vergehen bis dahin bei einer nackt-elliptischen Nadel mehr Betriebsstunden als bei einem gefassten „bonded“-Diamanten. Das liegt unter anderem am höherwertigen Rohmaterial: Für die nackten Steine braucht man relativ große, ebenmäßige Diamantstäbchen, die dann direkt durch den Aluträger gepresst werden. Für bonded-Nadeln reichen vergleichsweise winzige Splitter, die auf Metallfassungen aufgesetzt und zusammen mit diesen geschliffen werden.

Ortofon ist nicht nur einer der größten und ältesten Tonabnehmerhersteller, sondern auch Spezialist für technische Polymere. Folglich müssen die Dänen auch ihre Dämpfer nicht irgendwo zukaufen, sondern arbeiten kontinuierlich an eigenen Gummirezepturen. Die winzigen elastischen Scheibchen zwischen dem Spulenkreuz und dem hinteren Magnetpol definieren zusammen mit einem dünnen Stahl-Spanndraht die dynamischen Eigenschaften der Nadelaufhängung, und sie beeinflussen die Geräuscharmut der Abtastung. Aber auch vor und hinter dem Dämpfer hat sich viel getan. Die MC-X-Serie verwendet erstmals einen einteiligen hinteren Magnetpol. Das Magnetfeld des zentralen Samarium-Kobalt-Magneten reist also ohne weitere Materialübergänge zum darunter befindlichen Luftspalt, was Verluste und Verzerrungen weiter reduziert.
Einsteiger-MCs mit Reinsilberspulen
Vor dem Dämpfer sitzt der Spulenträger: ein Kreuz aus Weicheisen mit nicht mal einem Millimeter Schenkellänge. Ortofon wickelt darauf klassische, niederohmige Spulen (DC-Widerstand: 6 Ohm) aus haarfeinem Reinsilberdraht. Das Edelmetall an sich spielt preislich keine große Rolle – es werden nur ein paar Milligramm benötigt. Der Silberdraht ist aber deutlich schwieriger zu verarbeiten als sein kupfernes Äquivalent. Dennoch verwendet Ortofon die Silberspulen unverändert für alle X-Modelle vom günstigen X10 bis zum 1000-Euro-MC X40. Auch beim mechanischen Rückgrat des Systems setzen die Dänen auf Skaleneffekte, also Preisvorteile durch große Stückzahlen: Der zentrale Träger, der von den Headshell-Gewinden bis zur Nadelaufhängung alle Komponenten des Systems zusammenhält, ist ein faszinierendes Werkstück, mit dem man in einem 499-Euro-System nicht rechnet.

Ortofon produziert den Träger aus Edelstahl im Metallpulverspritzguss-Verfahren, das hohe Genauigkeit und komplexe Formgebung erlaubt. Die auf der Oberseite des Systems sichtbare Bienenwabenstruktur setzt sich dabei durch das gesamte Bauteil fort und verbindet Gewichtsreduktion mit hoher Festigkeit. Im montierten Zustand ist davon nichts zu sehen: Eine hauchdünne Verkleidung aus Kunststoff schützt das Innenleben. Deren äußere Form erinnert mit ihren facettierten Flanken jetzt mehr an die 2M-Magnetsysteme als an die alten Quintet-MC-Quader. Auf die bislang übliche farbliche Differenzierung verzichtet Ortofon: Statt Red, Blue, Bronze und Black tragen die X-Systeme uniformes Schwarz und die Modellnummern 10, 20, 30 und 40.
Vorbildliche Praxiseigenschaften
Beim Einbau fällt die praxisfreundliche Konstruktion des X20 positiv auf: Das System passt dank kompakter Abmessungen auch in etwas engere Headshells. Auch das Eigengewicht liegt mit 8,6 g im grünen Bereich. Jedenfalls für grundsätzlich geeignete Arme. Wie fast alle MCs bevorzugt das X20 einen mittelschweren bis schweren, stabilen und sauber gelagerten Tonarm. Zur Befestigung trägt der Tonabnehmer M2,5-Gewinde direkt in seiner Edelstahl-Montageplatte. Die beiliegenden Schrauben haben – etwas ungewöhnlich – Torx-Köpfe, ein passender Schraubendreher ist aber ebenfalls dabei.

Als Auflagekraft verlangt das Ortofon 20 Millinewton (alias 2 Gramm). Mit seinen niederohmigen Signalspulen ist ihm jeder Abschlusswiderstand oberhalb von 50 Ohm recht. Explizit empfohlen werden 100 Ohm, was wenig überraschend und – bei nicht genau einstellbaren Phono-Vorverstärkern – meist auch der Standardwert ist. Höhere Widerstände lassen das Ortofon einen Hauch schlanker oder heller klingen, was manchmal ja durchaus erwünscht ist. Mit dem genormten Messsignal (1 kHz, 5 cm/s) beträgt die Ausgangsspannung unkomplizierte 0,4 Millivolt. Damit bekommst du auch an durchschnittlich rauscharmen MC-Preamps volle Dynamik ohne störendes Rauschen. Auch mit MC-Übertragern funktioniert das X20 hervorragend. Im Test zum Beispiel mit der MC Step Up Box S3 von Pro-Ject, gefolgt von einem ganz normalen MM-Eingang.
Unser Fazit zum Ortofon MC X20
In der Preisklasse um 500 Euro hat jeder größere Tonabnehmerhersteller attraktive MC-Systeme im Angebot. Keines davon ist jedoch so innovativ und aufwendig gefertigt wie das Ortofon X20. In Form von Verzerrungsarmut und Neutralität schlägt sich dieser Aufwand – und die damit erreichte mechanische Kontinuität – direkt in der klanglichen Performance nieder. Das X20 ist eine Idealbesetzung, wenn du ein abtastfreudiges MC mit effektfreiem, unaufdringlichem Klang suchst.
Hier findest du das Ortofon MC X20 im Angebot:
| Technische Daten | |
| Funktionsprinzip | MC |
| Ausgangsspannung | 0,4 mV |
| Anschluss als | MC |
| Spulenimpedanz | 6 Ω |
| empfohlene Kapazität | – |
| empfohlener Widerstand | 100 Ω |
| empfohlene Auflagekraft | 20 mN |
| Compliance | 15 µm/mN (dynamisch) |
| Gewicht | 8,6 g |
| optimaler Arm | mittelschwer-schwer |
| Material Nadelträger | Aluminium, hohl |
| Nadelschliff | Elliptisch 8/18 µm, nackt |
| Lieferumfang / Zubehör | 1 Paar Schrauben, Schraubendreher, Bürste |
| Besonderheiten | – |
| Preis | 499 Euro |
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