Startseite Lautsprecher Standlautsprecher B&W 702 S2 im Test – Kerniger Lautsprecher-Klassiker mit Druck

B&W 702 S2 im Test – Kerniger Lautsprecher-Klassiker mit Druck

Mit der 700er-Serie will Bowers & Wilkins das Design und Know-How der High-End-Serie 800 in jedes Wohnzimmer bringen. Wir haben mit der 702 S2 den größten Standlautsprecher der Reihe getestet.
B&W 702 S2 Titel
Treiber
5 (3 x Tieftöner, 1 x Mitteltöner, 1 x Hochtöner)
Frequenzbereich
46 Hz - 28 kHz (± 3 dB)
Maße mit Sockel
108,7 x 36,6 x 41,4 cm
Verfügbare Farben
Schwarz glänzend, Satinweiß, Nussbaum Rot
Preis
4.098 Euro (Paar)
In Kürze
Edle Verarbeitung trifft auf faszinierende Räumlichkeit und druckvollen Sound. Mit der B&W 702 S2 holst du dir das das Live-Konzert ins Wohnzimmer. Dabei setzt ihr Klang eher auf Charakter als auf Linearität, das muss man eben mögen.
Vorteile
  • Klingt sehr präzise und räumlich
  • Hoher Wirkungsgrad, spielt auch mit kleinen Verstärkern gut
Nachteile
  • Mittelton und Bassbereich könnten ausgewogener sein
  • Stolzer Preis

Was dem einen sein Porsche ist, das ist dem anderen sein Paar Bowers & Wilkins. Ein Statussymbol mit Wiedererkennungswert. Kaum eine HiFi-Marke, die seit so vielen Jahren konstant im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Dabei schafft B&W den Spagat zwischen High-End-Lautsprechern (mit Hochtönern aus Diamant) auf der einen Seite und schicken ANC-Kopfhörern wie dem B&W PX7 auf der anderen.

Die 700er-Serie soll dir HiFi-Klang und edles Design ins Wohnzimmer bringen. Dabei verspricht sie viele gute Eigenschaften von ihrer großen Schwester, der Referenzserie 800, übernommen zu haben. Ob sie ihrem guten Ruf gerecht wird? Wir haben uns mit der Bowers & Wilkins 702 S2 den größten Standlautsprecher der Serie zum Test ins Studio geholt.

B&W 702 S2 – Bluesiger Klang mit vielen Details

Nichts ist deinem Ohr so vertraut wie die menschliche Stimme. Wenn mit ihr etwas nicht stimmt, merkst du das sofort. Willst du also wissen, was deine Lautsprecher drauf haben, lass sie dir etwas „vorsingen“. In unserem Test der B&W 702 S2 übernahm diese Rolle Norah Jones mit ihrem Bluesstück Shoot The Moon. Schon dieses erste Stück offenbarte zwei grundsätzliche Eigenschaften: Die Lautsprecher haben ein Faible für Stimmen – besonders für „bluesige“ – und legen eine irre Präzision an den Tag. Jeder Tastenanschlag, jede Silbe kommt dir fast herausfordernd entgegen.

B&W 702 S2
Der Karbon-Hochtöner steckt in einem vom Gehäuse entkoppelten Alu-Konus.

Dadurch fällt es auch besonders leicht, die einzelnen Musiker zu orten. Im Blindtest steht jedes Instrument an seinem festen Punkt. Hier zeigt also der speziell für diese Serie entwickelte Karbon-Hochtöner, was in ihm steckt. Gleichzeitig scheint Norahs Stimme aber noch einen Hauch weicher gezeichnet zu werden, als sie es ohnehin schon ist. Das passt zwar gut zur generell „bluesigen“ Grundstimmung des Albums, aber wie schlagen sich die Mitteltöner bei anderen Songs?

Das Folk-Western-Stück Beat Hotel lebt von seinen knackigen, klaren Mitten: Allan Taylors tiefe, sonore Stimme soll sich, getragen von virtuos gezupften Stahlsaiten, vor dir aufbauen und dir die Geschichte dieses mystischen Hotels erzählen. Im Test mit der Bowers & Wilkins 702 S2 spielt Mr. Taylor zwar direkt vor dir, aber sein Stimme klingt, als würde er durch einen dünnen Vorhang mit dir sprechen. Die Klarheit seiner Stimme verschwindet teilweise hinter diesem weichen Grundcharakter der Mitteltöner, während die Hochtöner jedes Detail aus Westerngitarre und Perkussions locken. Fast scheint es so, als würde der Hochtöner versuchen, das was der Mitteltöner zu sanft ausdrückt, durch ein Mehr an Effekten auszugleichen.

B&W 702 S2 Tieftöner
Mit gleich drei Tieftönern sorgt die B&W 702 S2 für ordentlich Druck.

Doch zeichnet sich Beat Hotel nicht nur durch starke Stimmen aus. Auch der Bassist entlockt seinem Instrument tiefe Töne. Diese lassen sich im Hörtest bis ins Zwerchfell spüren. Tiefgang haben die drei Tieftöner der Bowers & Wilkins 702 S2 also schonmal. Das können sie auch bei Cripple and the Starfish der amerikanischen Band Antony and the Johnsons beweisen. Der Bass ist sofort da, könnte beim Abklingen aber mehr Kontrolle vertragen. So neigen die B&Ws etwas dazu, im Tiefton etwas zu dick aufzutragen, gerade bei ungünstiger Aufstellung zu nah an der Wand.

Stabiler Aufbau mit entkoppeltem Hochtöner

Unübersehbar ist das tropfenförmige Gehäuse des Hochtöners oben auf der 702 S2. Durch die Entkoppelung vom restlichen Lautsprecher will Bowers & Wilkins schädliche Vibrationen, die durch die anderen Treiber auf das Gehäuse abgegeben werden, vom empfindlichen Hochtonbereich fernhalten. Wunder dich also nicht, wenn du beim Auspacken bemerkst, dass die Hochtoneinheit leicht wackelt. Dafür verantwortlich ist die „schwimmende“ Aufhängung des Alu-Gehäuses. Dieses externe Hochtongehäuse ist seit vielen Jahren ein Markenzeichen von Bowers & Wilkins und findet sich bei den Lautsprechern der Serien 700 und 800.

Während er in der Referenz-Klasse mit einer Membran aus hauchdünnem, künstlichen Diamant versehen ist, verwendet Bowers & Wilkins bei der 700er-Serie 25 mm Karbon-Kalotten. Dem Grundstoff – Kohlenstoff – ist man also treu geblieben und vertraut weiterhin auf sein geringes Gewicht und seine besondere Steifheit. So sollen Klangverfärbungen eliminiert werden. Neben dem Hochtöner verfügt die als Drei-Wege-Konstruktion gebaute B&W 702 S2 über drei identische Basstreiber und einen Mitteltöner.

 

B&W 702 S2 Cover
Für jeden Boden der richtige Fuß: Hier mit Spikes für harte Böden. Willst du mehr Standsicherheit kannst du eine zusätzliche Bodenplatte unter die Box schrauben.

Für den Mittelton vertraut Bowers & Wilkins auf seine Continuum-Membran, die ebenfalls in der 800er-Serie zum Einsatz kommt. Die silbrige Gewebemembran mit einem Durchmesser von 150 mm wurde zudem intern aufwändig vom Gehäuse entkoppelt, um dem Gehäuse möglichst wenig Mitspracherecht beim Klang zu geben. Abschließend sollen die drei 165 mm „Aerofoil“-Bassmembranen für ordentlich Tiefgang sorgen. Unterstützung finden sie bei der rückwertigen Bassreflexöffnung. Besonders hierbei ist die Oberfläche des Bassreflexrohres, das von B&W auch „Flowport“ genannt wird. Viele kleine Vertiefungen erinnern an einen Golfball und sollen tatsächlich einen ganz ähnlichen aerodynamischen Effekt haben: Die aus der Öffnung strömende Luft hat weniger Widerstand, Strömungsgeräusche werden so verringert.

Deinen Verstärker kannst du an den silbrig glänzenden Klemmen entweder mit nur einem Kabel, oder per Bi-Wiring anschließen. Des weiteren liegen den Lautsprechern eine magnetische Stoffblende und ein breiter Holzsockel bei, der den Boxen zusätzliche Stabilität verleihen soll.

Bowers & Wilkins 702 S2 im Praxis-Test

Wenn du dir die Lautsprecher nach Hause liefern lässt, solltest du dir vorher eine gute Sackkarre zulegen. Bei 29,5 kg pro Lautsprecher ohne Verpackung, macht sie den Transport deutlich leichter. Hast du die beiden wuchtigen Kartons ins Wohnzimmer bugsiert, ist der Aufbau, Dank der Anleitung auf dem Karton, recht einfach. Ein zweites Paar Hände ist trotzdem sehr hilfreich: Zuerst müssen nämlich die Füße unter die Lautsprecher geschraubt werden, die erst danach umgedreht werden können.

B&W 702 S2 Terminal
Das massive Anschlussterminal kann auch für den Bi-Wiring-Betrieb umgerüstet werden.

Je nach Untergrund und Platz bieten sich dir hier direkt vier Varianten an. Möchtest du die mitgelieferte Holzplatte als Sockel benutzen, stehen die Lautsprecher auf einem Breiteren und damit stabileren Fundament. Du kannst aber auch auf die Platte verzichten und die Füße direkt in die Gewinde an der Unterseite der Lautsprecher drehen, solltest du zu wenig Platz im Wohnzimmer haben oder dir die Lautsprecher so einfach zu wuchtig erscheinen. Ob du Spikes oder eher lieber Dämpfer verwenden solltest, hängt zu einem großen Teil von deinem Boden ab. Mehr erfährst du in unserem Ratgeber.

Kein Freund von Wänden

Die Bowers & Wilkins 702 S2 ist wohl so ziemlich das Gegenteil eines „zierlichen Schallwandlers“. Nicht nur ihre Aufmachung mit den beiden externen Hochtönern, die dich wie ein Paar Augen anblicken, sorgt dafür. Auch ihre Ausmaße und der Tiefgang im Bass fordern bei der Aufstellung ihren Tribut. Plane also nach Möglichkeit etwas Platz rings um sie herum ein. Ganz nahe an der Wand oder in einer Ecke fühlt sie sich nicht wohl und lässt dich das auch durch tiefes Wummern spüren.

Sollte Dir der Bass trotzdem zu stark erscheinen, kannst du immer noch auf die im Lieferumfang enthaltenen Stopfen zurückgreifen. Mit diesen Schaumstoffzylindern lassen sich die Bassreflexöffnungen entweder ganz verschließen, oder – durch herauslösen des Mittelstücks – bloß verengen. In der Praxis zeigte das eine erstaunliche Wirkung. Der Bass wirkte viel handzahmer, selbst bei nicht idealer Aufstellung.

B&W 702 S2 Bassreflexrohr
Über das Bassreflexrohr kann der Bass verstärkt, bzw. mit Hilfe der beigelegten Stopfen reduziert werden.

Dafür ist es relativ einfach mit ihnen eine überzeugende Bühnenabbildung zu erreichen. Mit ihrem Hochtöner in exponierter Lage reicht es aus, sie ein wenig einzuwinkeln, um schon ein sehr breites Klangbild vor Dir erscheinen zu lassen. Probiere einfach ein bisschen herum, bis dir die Staffelung gefällt. Mit 90 dB haben die B&W einen sehr guten Wirkungsgrad. Natürlich klingt ein guter Lautsprecher an einem besonders kräftigen Verstärker noch besser, aber auch mit leistungsärmeren Verstärkern wirst du einiges aus deinem Lautsprecherpaar zaubern können.

Klassisches Design

Auf den ersten Blick werden dir bei der B&W 702 S2 zwei Dinge auffallen: Die glänzend schwarz lackierten Hochtöner und – in der nussbaumroten Variante – die gut sichtbare Maserung. Das sieht auf den ersten und auch den zweiten Blick wie Holz aus, ist aber lediglich eine aufgeklebte Folie. Bei der Wertigkeit der verbauten Teile und ihrer fast schon royalen Abstammung aus der 800er-Serie, scheint das nicht ganz angemessen. Andererseits sieht dieses Finish sehr überzeugend aus, ist tipp-topp verarbeitet, pflegeleicht und unempfindlich. Außerdem wäre der Preis mit echter Holzoberfläche sicher noch höher ausgefallen.

B&W 702 S2 Schriftzug Maserung
Verblüffend echt: Die Holzoptik versucht dem edlen Anspruch der Marke gerecht zu werden.

Die Verarbeitung des Lautsprechers lässt jedoch kaum Platz für Kritik. Der Hingucker im Wohnzimmer muss dir aber gefallen, denn trotz silberner Mitteltöner und externen Hochtönern, fällt der Lautsprecher mit seinem eckig-wuchtigen Aufbau und der gut sichtbaren „Holz“-Maserung ins traditionelle Lautsprecherdesign. Es kommt also ganz darauf an, wie du dein Wohnzimmer einrichten willst. Als Hingucker in einem modernen und offenem Raum können die Bowers & Wilkins sicher gut zur Geltung kommen.

Testfazit B&W 702 S2: Druck und Präzision

Mit toller Verarbeitung und druckvollem Sound machen die Bowers & Wilkins 702 S2 jede Menge Spaß. Aber auch in ruhigen Augenblicken können die größten Standlautsprechern der 700er-Serie überzeugen. Der Klang zeichnet sich durch große Präzision in den Höhen und enorme Kraft in den Bässen aus. Dem gegenüber stehen jedoch die etwas zurückhaltenden Mitten des Continuum-Treibers. Diesen Sound muss man mögen und damit leben, dass dadurch manche gewollte Ecke in der Musik etwas glattgebügelt wird. Davon abgesehen überzeugen die Lautsprecher durch eine hervorragende Bühne, die dich so manches wohlbekannte Album ganz neu erleben lässt.

Technische Daten
Wege 3
Treiber 5 (3 x Tieftöner, 1 x Mitteltöner, 1 x Hochtöner)
Anschlüsse Bi-Wiring mit Brücken
Frequenzbereich 46 Hz - 28 kHz (± 3 dB)
Maße mit Sockel 108,7 x 36,6 x 41,4 cm
Maße ohne Sockel 105 x 20 x 36,4 cm
Gewicht 29,5 kg pro Lautsprecher
Verfügbare Farben Schwarz glänzend, Satinweiß, Nussbaum Rot
Preis 4.098 Euro (Paar)

 

Was sagst du zur B&W 702 S2? Gefällt dir das eigenwillige Design? Mit welchem Song würdest du diese Box testen wollen? Schreibe es uns in die Kommentare!

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